Muttertag: Der beste Tag des Jahres oder eine künstliche Erfindung?

Die Tochter überrascht am Muttertag ihre Mutter mit einem Blumenstrauß

Der deutsche Muttertag ist kein einfaches Datum – zumindest nicht für mich. Persönlich habe ich keine durchweg positiven Erfahrungen mit Müttern gemacht, insbesondere mit meiner eigenen. Deshalb fällt es mir schwer nachzuvollziehen, warum es einen Feiertag speziell für Mütter gibt.

Man könnte auch behaupten, dass der Vatertag ebenso ein seltsamer Feiertag ist, obwohl er auf Christi Himmelfahrt fällt – ein ebenfalls merkwürdiger Feiertag. Doch weil dieser religiös begründet ist, scheint fast alles legitim. Warum also nicht einen einzigen Elterntag einführen? An diesem Tag könnten wir alle Eltern, Mütter und Väter, Großeltern und uns selbst als Eltern feiern. Ich finde, das wäre eine ideologiefreie und verträgliche Lösung. Was meint ihr dazu?

Happy Muttertag?

Der Muttertag weckt in uns allen unterschiedliche Emotionen: von Freude und Dankbarkeit bis hin zu schwierigen Gefühlen wie Ablehnung, Wut und Unbehagen. Für einige ist der Muttertag der beste Tag des Jahres, an dem sie ihre Mütter feiern und ihnen danken können. Andere sehen ihn jedoch nur als künstliche Erfindung der Blumenindustrie. Mütter tragen oft eine unsichtbare Last, bekannt als Mental Load.

Statt ihnen nur einen Blumenstrauß zu schenken, sollten wir anerkennen, wie viel Arbeit und Verantwortung sie im Familienleben tragen, und überlegen, wie wir sie besser unterstützen – und schützen – können. Dabei sollten Mütter selbstbewusst Unterstützung und Teilhabe einfordern, besonders von uns Männern, und sich nicht alles gefallen lassen. Mutterschaft ist etwas sehr Natürliches und sollte nicht auf einen Sockel gehoben werden.

Ich hatte zwei Mütter in meinem Leben, über die ich später mehr erzählen werde. Natürlich hatte ich nur eine biologische Mutter, aber ich hatte auch eine soziale Mutter, meine „wahre“ Mutter. Und, wenn ich es ganz genau nehme, sogar noch eine dritte: Meine große Schwester, die gar nicht meine große Schwester war. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Meine Tochter hat auch eine Mutter (die eine Mutter hat)

So schwierig ist für manche Menschen ist, mit der eigene Mutter einen guten Umgang zu finden oder sich mit einem erdrückenden und stereotypen Mutterbild auseinanderzusetzen – es gibt auch gute Erfahrungen. Meine Tochter hat eine gute Mutter, denke ich. Welche Rolle sie wirklich spielt, wird sich vielleicht erst im Erwachsenenleben meines Kindes herausstellen. Aber bis jetzt scheint es eine gesunde und gute Beziehung.

Meine Tochter hat denn auch 2 Großmütter, die ja die Mütter ihrer Eltern sind. Und Enkel haben naturgemäß eine andere, meist bessere Beziehung zu ihren Omas, als deren Kinder zu ihren Müttern. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ich unterstütze selbstverständlich die Beziehungen meiner Tochter zu ihren Omas. Und auch zu ihrer Mama. ist doch klar. Mein Wertesystem ist sehr klar. Ich bin nicht hier, um anderen Schwierigkeiten zu bereiten, sondern möchte Teil der Lösung sein.

Insofern muss auch selber auch abrücken von meinem eher kritischen Mutterbild, das sehr stark durch ein Bindungstrauma geprägt ist. Für meine Tochter stellt sich alles ganz anders und neu dar und dem möchte ich gerecht werden. Da geht es eben nicht um mich und mein mögliches Muttertrauma. Sondern um ihre eigene Mutter- und Großmutter-Erfahrung. Und das ist gut so.

Alle werden am Muttertag ihre Mütter besuchen, alles sind gleichberechtigt, alle werden gleichwertiggewürdigt.

Mama Mia - eine allgütige Mutter
Mama Mia

Von herzlich bis kompliziert: Muttertagsgeschenke für jede Beziehung

Muttertag – ein Tag der Dankbarkeit und Liebe, doch nicht jede Mutter-Kind-Beziehung gleicht einem Idyll. Wie also den Muttertag gestalten, wenn die Beziehung spannungsgeladen oder distanziert ist? Hier sind einige Ideen, die von Anerkennung bis hin zur vorsichtigen Annäherung reichen.

Persönliche Geschichten als Geschenke

Auch wenn die Beziehung kompliziert ist, gibt es meist Momente oder Eigenschaften, die positiv herausstechen. Ein personalisiertes Buch, das diese seltenen, guten Zeiten dokumentiert oder eine Playlist mit Liedern, die aus besseren Tagen stammen, können ein Zeichen des Friedens und der Wertschätzung sein. Diese Geschenke sagen: „Ich erinnere mich und bin dankbar für die guten Momente.“

Praktische Geschenke als Zeichen der Achtung

Wenn emotionale Geschenke unpassend erscheinen, können praktische Geschenke eine gute Alternative bieten. Eine hochwertige Kaffeemaschine für die Kaffeeliebhaberin oder ein Abo für das Lieblingsmagazin sind nützlich und durchdacht, ohne zu persönlich zu sein.

Unterstützende Erlebnisse

Ein Gutschein für eine professionelle Massage oder ein entspannendes Spa-Erlebnis ermöglicht Entspannung und Wohlbefinden, was gerade in angespannten Beziehungen ein wertvolles Geschenk sein kann. Es zeigt Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Mutter, ohne zu viel Nähe zu erzwingen.

Raum für neue Anfänge

Manchmal ist der beste Weg, schwierige Beziehungen zu ehren, der, Raum für neue Anfänge zu schaffen. Ein offener Brief, in dem man die Hoffnung auf Besserung ausdrückt oder ein neutraler Ort für ein gemeinsames Mittagessen kann Türen öffnen. Solche Gesten signalisieren die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, ohne alte Wunden unbedacht aufzureißen.

Symbolische Geschenke

Eine Pflanze als Geschenk kann symbolisch für Wachstum und neue Anfänge stehen. Sie erfordert Pflege und Aufmerksamkeit, kann aber auch ein Metapher für die Beziehung selbst sein – etwas, das gepflegt werden muss, um zu gedeihen.

Mit diesen Ideen kann der Muttertag zu einem Anlass werden, der sowohl die schönen als auch die herausfordernden Aspekte der Beziehung zu einer Mutter ehrt. Es geht darum, Respekt und Achtung zu zeigen, unabhängig von der Vergangenheit oder der Komplexität der gegenwärtigen Beziehung.


Eine andere Mutterrolle: Wie in einigen Ländern Afrikas mehrere Mütter die Erziehung übernehmen

In vielen afrikanischen Ländern, wie Ghana, Nigeria oder Tansania, ist die Rolle der Mutter von großer sozialer Bedeutung. Hier ist es üblich, dass Kinder nicht nur eine biologische Mutter haben, sondern auch andere Frauen, wie Tanten, Cousinen oder ältere Schwestern, mütterliche Rollen übernehmen. Dieses Konzept der „erweiterten Familie“ hat eine lange Tradition in Afrika und kann eine unterstützende Funktion haben, wenn es darum geht, die Kinder zu erziehen und aufzuziehen. Angesichts vieler Herausforderungen in Afrika, wie Armut und Krankheit, kann diese Form der erweiterten Familie sehr hilfreich sein.

Kritiker dieses Konzepts argumentieren jedoch, dass es zu einer Verwässerung der Rolle der biologischen Mutter führen und das Ziehen klarer Grenzen erschweren kann. Trotzdem spielt dieses Konzept der erweiterten Familie in vielen afrikanischen Gesellschaften eine wichtige Rolle und wird oft als ein Zeichen der Solidarität und Unterstützung gesehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rolle der Mutter in Afrika oft mehr als nur eine biologische Funktion umfasst. Es geht auch darum, die Verantwortung für die Kinder auf eine erweiterte Familie zu verteilen, um so eine stärkere soziale Bindung zu schaffen. Obwohl es auch kritische Stimmen gibt, zeigt dieses Konzept, wie wichtig Gemeinschaft und Zusammenhalt in vielen afrikanischen Gesellschaften sind.

Diese ältere Frau ist vermutlich die Mutter des jungen Mannes hinter ihr. Ein Bild aus vom Ende des 19. Jahrhunderts
Mutter als Macht

Vom Nazi-Feiertag zum kitschigen Marketing-Event: Eine kurze Geschichte vom Muttertag

Wusstet ihr, dass der Muttertag in der NS-Zeit instrumentalisiert wurde, um Frauen in eine vorgegebene Rolle zu drängen? Erfahrt hier mehr über die Geschichte des Muttertags und wie er zu einem kitschigen Marketing-Event wurde.

Im nationalsozialistischen Deutschland wurde die Rolle der Mutter stark ideologisiert und instrumentalisiert. Das Konzept der „arischen Mutter“ war Teil des größeren Plans zur Schaffung einer „reinen“ arischen Rasse. Frauen wurden ermutigt, möglichst früh zu heiraten und viele Kinder zu gebären, um das Idealbild der arischen Familie zu fördern. Diese Vorstellung von Mutter- und Familienrolle war stark eingeschränkt und frauenfeindlich. Frauen hatten eine ausschließlich passive Rolle zu spielen, während Männer als „Schöpfer“ und „Führer“ der Familie und des Staates gesehen wurden.

Das Mutterbild des Nationalsozialismus hatte auch schwere Konsequenzen für diejenigen, die nicht in das Idealbild passten, insbesondere für jüdische Frauen und Frauen mit Behinderungen. Sie wurden diskriminiert und verfolgt und vielen wurde das Recht, Kinder zu bekommen, genommen.

Obwohl der Nationalsozialismus längst vorbei ist, hat die Idealisierung der Mutter bis heute Nachwirkungen. In Deutschland und vielen anderen Ländern wird der Muttertag gefeiert, um Mütter zu ehren und ihnen Anerkennung zu geben. Allerdings kann diese Feierlichkeit auch dazu führen, dass bestimmte Erwartungen an Mütter gestellt werden, die unrealistisch oder sogar schädlich sein können. Viele Mütter fühlen sich unter Druck gesetzt, eine perfekte Balance zwischen Arbeit und Familie zu finden und werden oft dafür kritisiert, wenn sie dieser Erwartung nicht entsprechen.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Würdigung und Anerkennung von Müttern ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist. Allerdings sollten wir auch anerkennen, dass die Rolle der Mutter sehr vielfältig ist und dass es keine „perfekte“ Art und Weise gibt, sie auszuüben.

Es ist wichtig, sich mit der Geschichte und Bedeutung des Muttertags auseinanderzusetzen und kritisch zu hinterfragen, welche Stereotypen und Rollen damit verbunden sind. Wir sollten uns auch bewusst werden, wie Mental Load das Leben von Müttern beeinträchtigt und wie der Muttertag im Kontext des Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde. Es gibt viele alternative Ansätze, um Mütter zu ehren und zu feiern, und es liegt an uns, sie zu erkunden. Und vergesst nicht, eure Mütter – nicht nur den biologischen, darauf bestehe ich, auch an anderen Tagen im Jahr zu wertschätzen. Wie jeden anderen Menschen auch.

Lesetipp: Die heillose Überfrachung der Mutterrolle auf WELT.DE

Buchtipp: Neues Buch über Jungsmütter. Ich selber habe eine Nachbarin, die zwei Jungs als Alleinerziehende auf die Reihe kriegt. Es gibt auch Mütter, die haben drei. Und was das bedeutet, liest man in dem Buch Mami ist die Beste! Meistens – Über das wilde und wunderbare Leben mit Jungs

Eine reifere Frau trägt blaue Haushaltshandschue und putzt mit einem gelben Tuch ein Fenster
Mental Load – Mütter übernehmen gern zu viel des Guten
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