Die eklige weiße Mehrheitsgesellschaft der Sarah-Lee Heinrich

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Sarah-Lee Heinrich lehnte sich sehr weit aus dem Fenster, in dem sie ihren passive Aggression gegen die eklige weiße Mehrheitsgesellschaft in Videos und auf Twitter in allen möglichen und unmöglichen Arten formulierte. Als sie nun zur Sprecherin der „Grünen Jugend“ gewählt wurde, kam dieser Dreck ans Tageslicht und sich entschuldigte sich für ihre jugendlichen Tweets und ersetzte das „eklige“ aus der weißen Mehrheitsgesellschaft mit „ungerecht“. Zu spät. Ein Shitstorm brach über sie herein.

Dann kam Elke Heidenreich und empörte sich über Sarah-Lee Heinrich („Meine Freunde in der Schule nannten mich Moralapostel“), diese hätte „überhaupt keine Sprache. Sie kann gar nicht sprechen. Das sind wieder Kinder, die nicht lesen, das ist diese Generation, von der ich immer wieder merke, wie sprachlos sie ist, wie unfähig mit Worten umzugehen.“ Diese Aussage, einer klugen alten weißen Frau, kann ich als noch nicht ganz sooo alter weißer Mann nachvollziehen.

Dann gab es den nächsten Shitstorm, diesmal gegen Heidenreich. Denn die sagte noch: „Ich habe das Gefühl, dass das ein Mädchen ist, das nicht genug nachdenkt. Sie kann ja gar nicht sprechen, sie muss ja erst mal lernen, richtig zu formulieren. Dass man sagt, Hauptsache divers, Hauptsache Migrationshintergrund, Hauptsache Quote – das ist eben der falsche Weg.“

Und so ist es. Dass diese Sarah-Lee jetzt diese ganze Aufmerksamkeit bekommt, das geht mir gegen den Zeiger. Vielleicht wollte die das: „Kuck her, Papa, ich bin hier und ich bin toll.“ Als Teil einer ungerechten weißen Mehrheitsgesellschaft verspürte ich aber das Bedürfnis, zu dieser Sache noch etwas sagen zu wollen. Und ich stimme Elke Heidenreich absolut zu. Es kann ja nicht angehen, dass dich deine Hauptfarbe zu einem besseren Menschen macht oder dich in eine bestimmte Position hebt. Das ist doch alles Scheiße, genau wie das Gendern.

Hauptsache divers, Hauptsache Migrationshintergrund, Hauptsache Quote – das ist nicht das, was Ungerechtigkeit vermindert oder Wertschätzung erzeugt. Ganz im Gegenteil. Diese Spaltung, die in letzter Zeit massiv von jungen Piepel of Color – und von Fridays for Future-Aktivisten und Co – ausgeht, muss mal aufhören. Entweder wir arbeiten zusammen und gehen die wahren Ungerechtigkeiten in diesem Land an oder wir verachten uns gegenseitig und machen alles schlimmer. Was Sarah-Lee Heinrich damals und heute zeigt ist die typische Unreife einer Jugend im Scheinwerferlicht.

Unser gute alte weiße Mehrheitsgesellschaft

Was meint das eigentlich genau? Und warum muss man das so herauskehren? Ich sehe latent aggressive junge Männer aus dem arabischen Raum und der Türkei, die gegen Israel aufstehen. Ich sehe wütende Hip-Hopper, die gutes Geld mit ihrer migrantischen Gangster-Attitüde verdienen. Ich sehe junge Frauen of Color, die ihre Verachtung, ihren Hass auf uns alte weiße Männer projizieren und mit allem, was sie haben … spalten. Und ich sehe noch mehr.

Die Verachtung, die Klischees, der tiefsitzende Hass, die Spaltung und die Arroganz mancher Piepel of Color sehen wir in diesem Video. Hier spricht Sarah-Lee Heinrich, was sie tatsächlich denkt, auch wenn sie das auf Twitter relativiert, in dem sie schreibt: „Ich wollte klarmachen , dass ich es nicht gut finde, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der (obwohl wir viele Fortschritte gemacht haben) Zugehörigkeit in Teilen immer noch über „weiß-sein“ und „Herkunft“ bestimmt wird. (6/16) Deswegen sprach ich von einer „eklig weißen-Mehrheitsgesellschaft“ Und auch wenn das Wort „eklig“ fehlplatziert war (dafür entschuldige ich mich, ungerecht hätts auch getan) stehe ich zu meiner zu meiner inhaltlichen Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse. (7/16)

Wie wir hier sehen und eindeutig erkennen können, sind ist es gerade Sarah-Lee Heinrich, die genau das tut, was sie anprangert, nämlich dass sie „Zugehörigkeit“ über „Herkunft“ bestimmt. Diese jungen Menschen fühlen sich überlegen (über uns weiße Mehrheitsgesellschaftsträger) und als etwas Besonderes, weil sie zu einer offenbar als heilig und gerecht empfundenen Gemeinschaft gehören, die sich als „People of Color“ bezeichnet.

Ich glaube, hier muss mal ein Psychologe ran. Klar, ich bin keiner und ich möchte auch nicht mit Küchenpsychologie hinter meinem weißen Herd hervorkommen. Aber für mich sieht es so aus, als würden die wunden der eigenen Kindheit, die viel weniger mit Rassismus als mit Vaterentbehrung und Armut (weiße, alleinerziehende Mutter) zu tun hat, als es diesen jungen unbewussten Menschen zur Zeit bewusst ist. Die daraus resultierende Abwehr, die sich in Abwertung und Überheblichkeit äußert trage ich als alter weißer Mann nicht mit. Ich habe sie nicht zu verantworten.

Denn am Ende glaube ich, dass die ungerechten gesellschaftlichen Verhältnisse nicht auf Rassismus beruhen. Die Angst vor dem Fremden oder Überfremdung ist vermutlich ein evolutionärer Reflex, der nur durch Bewusstheit und wertschätzender, wohlwollender Kommunikation überwunden werden kann. Doch die Ungerechtigkeiten sind im System der Konkurrenz, des Gegeneinanders, des „jeder ist seines Glückes Schmied“ angelegt und nicht in der Hautfarbe.

Ich kann nichts dafür, dass ich in einer Welt sozialisiert worden bin, in der alle „weiß“ waren. Das hat uns nicht interessiert. Dann kamen irgendwann die ersten Türken. Dann kriegen wir aufs Maul von jungen Männern, die auf dicke Hose machten und die nicht „weiß“ waren. Nein, macht euch selber ein Bild und schaut euch dieses Video an. Ich ertrage diesen Talk nicht. Sarah-Lee Heinrich ist darin zu vernehmen mit:

WeissSein ist kein Verbrechen! Und sich gegen die Aussagen dieser jungen Leute und insbesondere gegen Sarah-Lee zu stellen ist nicht Rechts. Ich bin kein Rechter, kein Nationalist und kein Idiot.

Fridays for Future: zu weiß? KARAKAYA TALK
Foto: Sarah-Lee Heinrich, Bundessprecherin der Grünen Jugend. © Elias Keilhauer
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