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Buchbesprechung: Willkommen in Neuland von @dieserdad

Willkommen in Neuland Buchcover

Willkommen in Neuland! Ich traf @dieserdad im Januar in Berlin zum Vätersummit in Berlin, dem Netzwerktreffen für Väter im Beruf. Dort leitete er einen kleinen Workshop zum Thema Social Media, Smartphone, WhatsApp & Co. Ich kam mit ihm ins Gespräch und bewunderte sein väterliches Engagement. Er unterstütze seinen Sohn dabei, dessen Youtube-Kanal aufzubauen und sicher zu machen. Einige Videos machten sie zusammen und sammelten sehr viel Erfahrungen zu dem Thema. Er schenkte mir das Buch, damit ich es besprechen kann. Endlich komme ich dazu.

Mir gefällt, dass der Autor beide Seiten der Sozialen Medien „beleuchtet“. Kapitel 4 „Chancen, Nebenwirkungen und Kritik“ trägt den Untertitel: „Helle und dunkle Seiten einer vielfältigen Welt“. Wenn Eltern begreifen könnten, dass neben dem Suchtpotential und der Egozentrierung das Internet unfassbare viele Chancen – auch für die persönliche Entwicklung bedeutet – dann wäre schon sehr viel gewonnen. Das Buch könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Schrift greift den früh im Netz sichtbaren Grundkonflikt auf: nämlich den, zwischen Kreativität und Kommerz. Kreativität bringen viele Kids mit, sie inspirieren sich gegenseitig und entwickeln auch eine ganze andere, uns Erwachsenen fremde Kultur. Aber die Verdienstmöglichkeiten hier sind etwas komplexer und müssen erklärt werden. Das schafft das Buch zumindest so, dass Eltern eine Idee davon bekommen, was hier möglich ist. Die Umsetzung steht dann auf einem anderen Blatt.

Am Ende findet sich im Buch ein „Sprachführer“, ein Glossar der wichtigsten Begriffe aus der Welt der Nerds und des Internets, aus dem Neuland eben. Das finde ich gut und sehr sinnvoll. Was mir an dem Buch am besten gefällt, sind die vielen Interviews mit unterschiedlichen Akteuren aus den YouTube-Welten und dem Influencer-Marketing. Es kommen sehr unterschiedliche Figuren zu Wort, sogar ein Politiker. Diese Mischung ist toll und sehr bereichernd. Sie macht Lust, mehr zu erfahren, sich die Arbeit der Interviewten mal näher anzuschauen und überhaupt neugierig aus Neuland.

Ein Reiseführer durch die wichtigsten „Sozialen Medien“ für Eltern

@dieserdad ist der Vater von Oskar (@dieseroskar), einem der bekanntesten und erfolgreichsten YouTuber der jungen Generation. Als dessen Erziehungsberechtigter, Manager und zunehmend auch selbst Creator hat er „Neuland“ – so nennt er mit Bezug auf den berühmt gewordenen Ausspruch von Angela Merkel die Welt der Digital Natives auf YouTube, Instagram & Co. – intensiv bereist: Er hat sich ausführlich mit den einzelnen Social-Media-Angeboten beschäftigt und ist dort unter dem Pseudonym @dieserdad inzwischen ebenfalls sehr aktiv. Dabei wurde er als einer der wenigen Vertreter seiner Generation selbst zum Insider.

Seine Erfahrungen und Einblicke teilt er in „Willkommen in Neuland“. Es richtet sich besonders an Eltern, Lehrer und andere Digital Immigrants. Die Social-Media-Aktivitäten Jugendlicher werden von Angehörigen der Generation Ü35 oftmals mit Unkenntnis und Unbehagen betrachtet. Viele Digital Natives verbringen gefühlt den halben Tag am Smartphone mit YouTube, WhatsApp und Instagram. Aber was genau sie da tun und warum, bleibt für viele ältere Erwachsene ein großes Fragezeichen. Spätestens seit sich die junge Generation mit Artikel 13-Demonstrationen oder dem #niewiedercdu-Video von Rezo selbstbewusst Gehör verschafft hat, ist der Autor der Überzeugung, dass weder der erhobene Zeigefinger noch ein Achselzucken die richtige Reaktion ist. Es ist ein tiefergehendes Verständnis vonnöten. Sein persönlicher „Reisebericht“ aus Neuland soll hierfür einen Beitrag leisten.

@dieserdad beschreibt darin die gängigen Apps – neben Instagram und YouTube auch WhatsApp, Facebook, Twitter, Instagram, TikTok, Twitch und Snapchat – und erläutert ihre wirtschaftlichen und psychologischen Funktionsprinzipien. Ausführlich geht er auf die Chancen wie auch auf Risiken und Nebenwirkungen ein und legt dar, welche Bedürfnisse speziell der jungen Generation die verschiedenen Social-Media-Kanäle erfüllen. Den Verdienstmöglichkeiten von Affiliate-Link bis YouTube-Money widmet er ein eigenes Kapitel, setzt sich zugleich kritisch mit den Schattenseiten der Aufmerksamkeitskultur in Neuland auseinander, die er und sein Sohn selbst erlebt haben, und hinterfragt die gesellschaftlichen Auswirkungen.

Interviews mit bekannten YouTubern und Experten ergänzen die Erfahrungen des Autors um weitere Einblicke aus erster Hand: Charles Bahr, Oskar, LeooBalys, Christian Solmecke, Christian Behrens, Felix von der Laden (Dner), Tiemo Wölken und Axel Voss kommen darin zu Wort. Für einen Teil dieser Interviews ist zusätzlich eine erweiterte Version als Video verfügbar. Diese sind per QR-Codes direkt über das Buch erreichbar, das auch und nicht zuletzt durch Umfragen, Kommentare und den Austausch mit der Community von @dieserdad auf Twitter, Instagram und YouTube entstanden ist. Ein „Sprachführer“ mit Erläuterungen der wichtigsten Begriffe sowie „Reisetipps“ zu ausgewählten YouTube-Kanälen runden den Reiseführer durch Neuland ab.

@dieserdad ist der Vater des 17-jährigen Oskar (@dieseroskar), eines der bekanntesten und erfolg­reichsten YouTubers der jungen Generation, der seit seinem 12. Lebensjahr Videos auf YouTube veröffentlicht. Als dessen Erziehungsberechtigter, Manager und zuneh­mend auch selbst Creator hat @dieserdad „Neuland“ – so nennt er die Welt der Digital Natives auf YouTube, Instagram & Co. – intensiv bereist. Dies ermöglichte ihm, vor allem die dortige Jugendkultur aus nächster Nähe zu erkunden und dabei wie nur wenige andere Erwachsene selbst zum Insider zu werden.

Fazit
Das Buch ist selbst herausgebracht und fußt auf den Erfahrungen eines engagierten Vaters mit seinem erfolgreich youtubenden Sohn. Wertvolle Erfahrungen, von denen wir alle etwas lernen können, die jugendlichen Kids und wir manchmal überforderte Eltern. Es gibt tolle Interviews in dem Buch, die die Sache weiterhellen.

Was ich nicht so gut finde, ist die konsequente Anonymisierung. Das liegt an der Angst, vor Menschenaufläufen vor der Bude oder andere Belästigungen durch Leute, die nicht ansichhalten können. Ich verstehe, dass man sich und seine Familie schützen muss. Aber ein Name und nicht dieses scheußliche „@dieserdad“. Es ist mir auch etwas zu viel „selbst“, man ist schon sehr überzeugt von sich. Man sieht es schon an der Beschreibung des Buches, die dreimal so lang ist, wie gewöhnlich, wie die Profis das machen. Ist nicht so mein Stil, aber bitteschön. Auch das sehr schöne Schaubild das „Internet von 1991 bis heute“ auf Seite 9 des Buches hat einen Fehler. Es unterschlägt die Entstehung des mächtigsten Players im Netz, ohne den Geldverdienen im Netz fast unmöglich ist: Google 1997! Seis drum. Dennoch ist die Arbeit wertvoll und unbedingt jenen zu empfehlen, die besser verstehen wollen, was Ihre Kids da so treiben und das beste daraus machen wollen.

Das Buch zeichnet wunderbare Ideen nach und bietet in seinem kleinen Buch auf überschaubaren 128 Seiten sehr viele leicht verständliche Informationen zu den genannten Themen. Alle wichtigen „Sozialen Netzwerke“ werden erklärt, so dass niemand mehr blöd dastehen muss und auch versteht, warum seine Kinder hier treiben was treiben. Auch Tipps zum Geldverdienen sind erhalte, zur Monetarisierung. Hat ein Kind dann noch das Glück einen solchen Vater zu haben, der sich in die Materie reinsteigert, seinen Sohn nach Kräften unterstützt – und gleich schützt! – dann ist das etwas sehr Wertvolles und wir dürfen über „Willkommen in Neuland“ daran teilhaben. Toll.

Willkommen in Neuland: Ein Reiseführer durch YouTube, Instagram & Co. für Eltern und andere Digital Immigrants

Buch hier kaufen
von @dieserdad
128 Seiten, Kreutzfeldt digital (5. November 2019)
ISBN 3866236050
Kindle 8,99 €
Hörbuch 9,26 €
Taschenbuch 18,- €

Alles über Oskars Dad (Q and A) | dieserdad

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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