Männer lügen am Telefon – Das schwache Bild unpolitischer Männergruppen

Männergruppen sind in der Regel unpolitisch

Es gibt, sehr grob gesagt, nur drei Möglichkeiten, wann ein Mann ein Mann ist: 1. Wenn er die Geschlechtereife erreicht, weil er Testikel hat. 2. Wenn er sich dazu selber entschlossen hat 3. Wenn die Gesellschaft/seine Kultur ihn dazu ernennt.

Leider kriegen das viele Leute nicht auseinandergedröselt. Ist ja auch nicht einfach, zwischen den biologischen, kulturellen und psychologischen Bedingungen oder Ursachen für so etwas Komplexes wie „Mannsein“ zu unterscheiden. Haben wir nicht gelernt. Beschäftigen sich Wissenschaftler mit. Geht aber auch über den „gesunden Menschenverstand“, der aber auch seine Limitierungen hat.

Männergruppen als Hort für Frauenentwertung?

Ich bekomme meine Erkenntnisse dazu aus zwei Quellen: Bücher (Veröffentlichungen also, dazu gehören auch Zeitungs- oder Online-Artikel oder Dokumentationen und Interviews) und Männergruppen (dazu zählen WhatsApp-Gruppen, Männertreffen, wie Stammtisch und Konferenzen). Daraus ergibt sich für mich ein eher trauriges Bild, dass Männlichkeit weitere verdunkelt.

Ich mag gar nicht aufzählen, was hier alles schiefläuft. Aber das Bild wird immer deutlicher: die deutsche Männerbewegung ist schwach, unpolitisch, teilweise frauenverachtend, geschichtlich, kulturell, biologisch nicht sehr gebildet und vor allem selbstgerecht.

Wann ist ein Mann ein Mann?
Die Ergebnisse stammen aus der Ipsos Global Advisor-Studie »International Women’s Day 2024. Global attitudes towards women’s leadership«. Bei der Online-Umfrage wurden zwischen dem 22. Dezember 2023 und dem 05. Januar 2024 insgesamt 24.269 Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren aus 31
Ländern über das Ipsos Online Panel-System interviewt.
Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Marktes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den neuesten Volkszählungsdaten am besten widerspiegelt.
In Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Spanien und den USA umfasste die Stichprobe etwa 1.000 Personen.
In Argentinien, Belgien, Chile, Indonesien, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, den Niederlanden, Peru, Polen, Schweden, Singapur, Südafrika, Südkorea, Thailand, der Türkei und Ungarn wurden jeweils etwa 500 Personen befragt. Die Stichprobe in Indien besteht aus etwa 2.200 Personen, von denen etwa 1.800
persönlich und 400 online befragt wurden.
(RBB – Rundfunk Berlin-Brandenburg, Öffentlich-Rechtlich

Zeitverwendungsstatistik & Gender Pay Gap

Kurz vor dem internationalen Frauentag wurde die sogenannte Zeitverwendungsstatistik 2022 des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht. Dabei kam heraus, dass Frauen immer noch mehr Arbeit im Haushalt und Care-Arbeit zusätzlich zu ihrer Einkommenstätigkeit verrichten. So weit, so glasklar. In einer Männergruppe in WhatsApp (am Telefon) wurde diese Statistik in Zweifel gezogen und relativiert. Die Frauen wollten es ja so und der Mann verdiene nun mal mehr, da würden ja beide von profitieren. Wir kennen die Argumentation.

Dann wurde der Gender Pay Gap von einigen Männern der Gruppe ebenfalls für ungültig erklärt und relativiert. Alles nicht wahr, alles ganz anders, es läge jedenfalls nicht an Ungleichbehandlung und Behandlung. Keine Ahnung, wie man das in WhatsApp oder überhaupt diskutieren soll und ich machte den Fehler, mich darüber zu echauffieren und dagegenzuhalten. Ob sie Wissenschaftler wären oder Statistiker oder was sie dazu befähigen würden, diese Tatsachen zu bezweifeln. Eine meiner Schwächen, die ignoriere solche Irrtümer nicht, sondern fange eine unfruchtbare Debatte an. War auch in Corona so und ich bin nicht schlauer geworden.

Weise wäre es gewesen, sich und seine wertvolle Zeit zu schonen und sich nicht in einen sinnlosen Streit über bewiesene Statistiken und wissenschaftliche Tatsachen auf Laienebene zu streiten. Dass Frauen in unserer Gesellschaft benachteiligt sind, finanziell und in Fragen der Verantwortung für Familie und Sorgearbeit, steht außer Frage. Es mag in anderen Ländern schlimmer aussehen, aber bei uns ist in jedem Fall noch sehr viel Luft nach oben.

Es sieht aber in vielen Ländern was Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter betrifft, viel besser aus als in Deutschland. In Skandinavien zu Beispiel; Spanien hat die fortschrittlichsten Gleichstellungsgesetzgebung und in Frankreich wurde nun das Recht auf Abtreibung in die Verfassung geschrieben.

Während anderswo die Rechte der Frauen – von Männern und von vom Patriarchat vergifteten, meist religiösen, verblendeten Frauen – beschnitten und zurückgeschnitten werden. Etwa in den USA oder in Polen. Zumindest wird der Versuch unternommen.

Jedenfalls möchte ich über die Tatsachen nicht nur mit Männern und ohne Frauen diskutieren. Ich möchte stattdessen fragen, was wir tun können, um zu helfen, die Ungerechtigkeiten beseitigen zu helfen und unserer Verantwortung gerecht zu werden.

Wann ein Mann ein Mann ist

In diesen Männergruppen werden von – nicht selten selbsternannten – Coaches Stereotype befeuert und offenbar ein ideologisches Bild von „Männlichkeit“ präsentiert. In der Regel unwidersprochen. Dort zeigt man zwar seine Schwächen und seinen Männerschmerz und das ist gut so. Aber es wird auch mancher Bullshit von sonst wem ungefragt übernommen, wenn es „männliche Energie“ gefeiert wird, Anziehung durch Betonung der Polarität von Mann und Frau, wobei der Mann die Beziehung „führt“, ja, Führung ist ein starkes Thema in dieser Männergruppen, wo sich mancher Führer zwar menschlich zeigt, aber eben auch als großer Motz, überlegen in Erfahrung und Erkenntnis, was Männlichkeit denn sein soll.

An dieser Stelle zitiere ich gern den großartigen Comedian Maxi Gstettenbauer: „Meine Theorie ist: Jeder Mann auf der Welt scheitert auf seine eigene Weise, männlich zu sein.“

Es ist viel Verwirrung in den Männergruppen. Es gibt keine politische Ausrichtung von Männergruppen, wie etwa beim Feminismus, was ich persönlich für einen großen Fehler halte. Obwohl es hier natürlich auch warme und weiche Männer gibt, Kerle mit politischem Verständnis und andere, die sich nicht so leicht von Schlagworten und Klischees einfangen lassen. Ich komme auf diese Sache der „männlichen Energie“, der Geilheit auf „Führung“ bei bestimmten Männern und die Geschäftstüchtigkeit mancher Coaches, die Eisbaden für besonders männliche halten oder – habe ich bei der MANNSEIN 2023 selber erlebt – die Welt mit neuer, positiver Männlichkeit „penetrieren“ wollen. Ich fühle ich mich nicht zu Hause.

Ich sehe es überall bei meinen Freundinnen, in der Familie, bei Bekannten und in der Gesellschaft: Den Mental Load der Frauen, der nicht mal denn, wenn eine Bundesstatistik eine für Frauen nachteiligen Zeitverwendung belegt. Es scheint immer noch um Macht zu gehen, Augenhöhebeziehungen erscheinen unmännlich und die Vielfalt männlicher Ausdrucksformen jenseits von Kultur, Soziologie und stereotyper Männerbilder werden nicht zur Kenntnis genommen.

Ich bin Vater einer Tochter und Sohn einer Mutter. Meine Tochter hat eine Mutter und Mutterschaft ist etwas das sehr weit in die Vergangenheit reicht. Auch was Vaterschaft und Mannsein anbelangt. Unsere Aufgabe als Männer ist nicht nur, unsere eigenen Probleme und Verwundungen zu verarbeiten und zu lösen, wir müssen die Schwachen unterstützten, Frauen beistehen und alles dafür tun, dass Gleichwertig und -Würdigkeit (Jesper Juul) keine Lippenbekenntnisse bleiben, sondern alltäglich verwirklicht wird.

Männer kaufen Frauen
Männer stehen ständig unter Strom
Männer baggern wie blöde
Männer lügen am Telefon
Oh, Männer sind allzeit bereit
Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit

Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht
Außen hart und innen ganz weich
Werd’n als Kind schon auf Mann geeicht
Wann ist ein Mann ein Mann?
Wann ist ein Mann ein Mann?
Wann ist ein Mann ein Mann?

Männer haben Muskeln
Männer sind furchtbar stark
Männer können alles
Männer kriegen ’nen Herzinfarkt
Oh, Männer sind einsame Streiter
Müssen durch jede Wand, müssen immer weiter

Text: Herbert Grönemeyer

Mansplaining

Ebenfalls kurz vom dem internationalen Frauentag am 8. März kam diese Szene ans Licht der Öffentlichkeit. Eine junge professionelle Golferin wird von der Seite von einem Mann belehrt, männliche Energie möchte der Sportlerin ungefragt raten und helfen, und merkt nicht, wie diese Lady nicht ernstgenommen und erniedrigt wird. Dieses Mansplaining ist inakzeptabel und peinlich für alle Männer, die Glauben, Frauen würden nicht alles auch so gut können wie Männer.

Rollenmuster Definition

Die Rollenmuster von Frauen und Männern sind ziemlich hartnäckig. In vielen Kulturen gibt es traditionelle Vorstellungen davon, wie Männer und Frauen sich verhalten sollten, basierend auf … Geschlechterstereotypen (Rollenmuster Definition). Diese Rollenmuster prägen oft unsere Erwartungen an das Verhalten und die Rollen, die Männer und Frauen in der Gesellschaft einnehmen sollten.

Traditionell wurden Männer oft mit Eigenschaften wie Stärke, Unabhängigkeit und Durchsetzungsvermögen assoziiert. Sie wurden ermutigt, berufliche Erfolge anzustreben, die Familie zu versorgen und emotionale Zurückhaltung zu zeigen. Frauen hingegen wurden mit Eigenschaften wie Fürsorglichkeit, Emotionalität und Geduld verbunden. Sie wurden oft als diejenigen angesehen, die sich um das Zuhause und die Familie kümmern sollten, während Männer die Hauptverdiener waren. Die Konsequenzen sind bekannt, etwa Altersarmut bei Frauen, früher Tod bei Männern.

Diese Rollenmuster können sehr einschränkend wirken und dazu führen, dass Menschen sich in bestimmte gesellschaftliche Normen pressen müssen, die möglicherweise nicht ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Klar. Glücklicherweise hat sich in vielen Gesellschaften ein Wandel vollzogen, und es gibt eine zunehmende Anerkennung der Vielfalt von Geschlechteridentitäten und -ausdrücken. Nur bestimmte Männer scheinen sich damit noch sehr, sehr schwer zu tun.

Dennoch: Heute sehen wir eine Bewegung hin zu einer größeren Geschlechtergleichstellung und einer Aufweichung traditioneller Rollenmuster. Männer und Frauen werden ermutigt, ihre Interessen und Fähigkeiten frei zu entfalten, unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen basierend auf ihrem Geschlecht. Diese Veränderungen bringen mehr Chancengleichheit und ermöglichen es Menschen, authentisch zu sein und ihr volles Potenzial auszuschöpfen, unabhängig davon, ob sie sich mit den traditionellen Rollenmustern identifizieren oder nicht.

Buchtipp zum Thema: Der gekränkte Mann

Buchcover: Der gekränkte Mann
Der gekränkte Mann

„Freches, faires, aufrichtiges Buch: Tobias Haberl kämpft sich durch das Dickicht der Geschlechterdebatten – zwischen den dauergekränkten alten und den enthaarten, veganen neuen Männern. Das geht alle an, Frauen wie Männer.“ Eva Menasse

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