Männerschmerz

Buchcover: Männerschmerz - was Männer verletzt

Dr. Richard Schneebauer nennt sich „Der Männerkenner“, auch seine Homepage heißt so. Er hat nun das Buch „Männerschmerz – was Männer verletzt“ geschrieben und ich habe es mir angeschaut.

Dr. Schneebauer betreibt Männerforschung. Sollte jeder Mann betreiben. Denn der Mann, der sich selber erforscht und gut kennt, kennt auch andere Männer gut und ist deshalb selbst ein Männerforscher. Das nur vorweg, ich möchte Augenhöhe herstellen, bevor wir näher einsteigen auf das Thema was Männer verletzt, auf Männerschmerz. Ein wichtiges Thema, wie ich meine, dass man gar nicht oft genug ansprechen und diskutieren kann. Dabei geht es nicht um physische, sondern um psychische Verletzungen, seelische Wunden.

Um es kurz deutlich zu machen: die Welt wird von verletzten Männern regiert, von Männerschmerz ins Unglück getrieben. So einfach könnte man es auf den Punkt bringt. Denken wir an Putin, an Trump, Erdogan oder ein paar Nummern kleiner, an Friedrich Merz, der damals von Merkel ausgebootet wurde. Nehmen wir die vielen Künstler in den Medien, die Schauspieler und Musiker, die Schlagzeilen schreiben, die sie als Schmerzensmänner kenntlich machen. Etwa Til Schweiger, der sich seiner Alkoholsucht stellt, Rammstein-Sänger Til Lindemann, Oliver Pocher, der offensichtlich stark unter der Trennung von seiner aktuellen Frau leider oder Boris Becker, der durch seine Karriere und die vielen Niederlage per se als verletzter Mann gelten darf und kaum noch in den Medien stattfinden.

Wenn wir suchen, finden wir noch mehr Männer, die auf irgendeine Art leiden oder gestört sind, aber große Politik oder Schlagzeilen machen, sichtbar werden und manchmal größeren Schaden anrichten, wenn sich mächtig sind global, wenn sie einfache Bürger sind, in ihrem Umfeld. Aber all diese Geschichten, all diese Männer zeigen, dass wir uns kümmern müssen um die Seelen und die verletzbare Seite von uns Männern. So schwer uns das auch fällt.

„Männerschmerz“ hat mehr Einfluss auf die Gesellschaft und das Geschäftsleben, als wir glauben wollen. Wir sind diese Toxizität nur so sehr gewohnt, dass sie uns kaum noch auffällt und wir verlernt haben zu fragen, woher sie eigentlich kommt. Verpönt gerade in der männlich dominierten Businesswelt – ob Filmbranche oder Marketing, ob Handwerk oder Sozialunternehmen – mit ihrem Bullshit und der rücksichtslosen Profitoptimierung: Viele, wenn nicht alle Formen dieser destruktiven Erscheinungen stammen von verletzten Männern

Worum es geht

Es geht um die Frage, woher der Männerschmerz herrührt. Der Verlag schreibt über „Männerschmerz“:

Männer sind Meister darin, Gefühle zu verbergen und sich hart zu geben. Dahinter stecken uralte Rollenmuster, Erziehung, Selbstzweifel und Ängste. Heute trauen sich immer mehr Männer aus der Deckung und geben zu, dass sie selbst darunter leiden. Ihre Strategien, Gefühlen aus dem Weg zu gehen, wie Flucht in die Arbeit, Verdrängen, Mauern oder Rationalisieren, sind für Männer selbst eine Last. Dieses Verhalten kann zu Depression, Aggression, Gewaltausbrüchen und bis zum Suizid führen. Männerexperte Richard Schneebauer zeigt, woher dieser tief sitzende Schmerz kommt, warum Männer verletzten und was sie verletzt. Sein Ziel: Männern zu innerer Freiheit und glücklichen Beziehungen verhelfen.

Dr. Richard Schneebauer (Der Männerkenner) ist Soziologe und seit über 20 Jahren in der Männerberatung des Landes Oberösterreich tätig. Er begleitet den Wunsch von Männern nach einem bewussten Umgang mit dem eigenen Leben und lebendigen Beziehungen. Als Trainer und Vortragender beschäftigt er sich mit den verschiedenen Rollen des Mannes, Beziehungsproblemen, Trennung, Scheidung, Sexualität, Aggression, Druck in der Arbeitswelt – mit allen Fragen, die Männer bewegen.

Als Dozent trägt er zu seinem Schwerpunktthema Männerforschung an Hochschuleinrichtungen vor und hält Vorträge im deutschsprachigen Raum. Er berät Unternehmen in Geschlechterfragen und unterstützt in seinen Seminaren, das Bewusstsein der Männer über sich selbst zu erhöhen. Auch in seinen Büchern will er einen Beitrag leisten zu einem klaren, starken Männerbild und der Frage, wie ein zufriedenes Leben und eine ausgeglichene Beziehung zwischen Mann und Frau gelingen kann.

Wie finden wir denn nun zu innerer Freiheit und in dessen Folge zu „glücklichen“ Verbindungen?

Das Buch ist AUCH eine Bestandsaufnahme. Schneebauer beschreibt kenntnisreich die verschiedenen Erscheinungsformen des Männerschmerzes. Es spannt dabei einen weiten Bogen, denn der männliche Hang zu Gewalt verdient es ausführlich betrachtet zu werden, um Wege aufzuspüren, diesen Hang abzuschwächen und zu verwandeln.

Tools gibt es genug, sie sind gerade in unseren Gesellschaften – der Autor ist Österreicher – überall zu finden. Kurse in Emotionsbeherrschung oder Gewaltfreier Kommunikation sind leicht zu finden und für jeden finanzierbar, Psychotherapien – hier finden sich mehr Frauen, als Männer (!) – werden in immer neuen Ansätzen angeboten, bis hin zu Selbsthilfe- und Männergruppen. Es gibt Organisationen und Verein, die sich hier engagieren, z. B. Männer gegen Männergewalt.

Es ist also nicht so, dass nichts getan wird oder es keine Hilfen gibt. Genau dies aber kommt viel zu kurz in dem Buch über den Männerschmerz. Denn es gilt ja nicht nur, ihn besser zu verstehen oder überhaupt an und in uns wahrzunehmen. Es geht auch darum, ihn zu heilen, uns selbst zu helfen, dass nicht Schmerz, sondern Friede und Freude uns leiten mit unsere Mitmenschen und der Welt umzugehen. Dr. Schneebauer schreibt ja auch: „Ich bin überzeugt, dass seelische Probleme, die ihren Ursprung in einem falsch abgestimmten, fehlenden oder grenzverletzenden Kontakt mit anderen Menschen haben, sich nicht ohne Kontakt zu anderen Menschen verändern lassen.

Wege zu innerer Freiheit, glücklichen Partnerschaften und einem gesundem Umgang mit Emotionen: Tipps vom Männer-Experten für ein authentisches Leben als Mann heute

aus dem Buchtitel vom Goldegg Verlag

Das Buch ist sehr lesenswert. Es ist bereichernd, durch den Männerschmerz seinen Blick auf sich selbst und die Männlichkeit weiten zu lassen. Ich bin zwar nicht überrascht, wie menschlich, allzu menschlich Männer sind. Sondern wie schwer und nachhaltig gestört und verletzt.

Ich gehe aber nicht mit dieser Haltung mit, wenn sie bedeutet, unpolitisch bleiben zu können: „Willst du die Welt verbessern, beginne bei dir selbst.“ Hier habe ich eine Schwachstelle ausgemacht, die auch durch die Männer-Communitys geistert, ein blinder Fleck sozusagen. Die Welt ist gar nicht zu verbessern, denn wir sind ja keine kosmischen Superwesen. Wir können nur uns selbst verbessern, unsere Integrität und Konfliktfähigkeit, unsere Fähigkeiten, Streitigkeiten, die es zweifellos immer geben wird, friedlich und kreativ beizulegen. Das ist aber keine Einbahnstraße, die an ein klar definiertes Ziel führt. Sondern es ist ein Prozess, der sehr dynamisch ist und große Freude machen kann, und der nie zu Ende ist, da es immer etwas zu lernen gibt.

Und deshalb dürfen wir, während wir uns in jenem wundervollen Entwicklungsprozess befinden, teilhaben an der Gesellschaft und sie mitgestalten. Männerarbeit ist politisch und das muss viel deutlicher auf die Agenda der verletzten Männer. Durch Gesetz werden wir unserem Männerschmerz nicht Herr werden. Aber wir können die Schäden, die unbewusst verletzte Männer in unseren Gesellschaften anrichten, weiter reduzieren, rückgängig machen und heilen.

Dr. Richard Schneebauer – “Der Männerkenner”: Der Soziologe begleitet Männer in ihrem Wunsch nach einem bewussten Umgang mit dem eigenen Leben und lebendigen Beziehungen. Er ist seit vielen Jahren in der Männerberatung tätig, Trainer, Dozent und Vortragender: www.dermaennerkenner.com

Leseprobe Männerschmerz

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