Das Ende der Ehe

Cover: Das Ende der Ehe

Warum willst du heiraten? Weshalb eine Ehe führen? Wegen der Kinder? Weil man es so macht? Um die Liebe auszudrücken und zu festigen? Denkt man wirklich wirklich darüber nach, was Ehe bedeutet, wozu sie gut sein soll und was damit in Wahrheit alles zusammenhängt? Zeit, das mal genauer, aus feministischer Sicht zu betrachten. Genau das hat auf wundervolle Weise Emilia Roig in ihrem internationalen Bestseller „Das Ende der Ehe“ getan. Es ist – auch – eine Abrechnung mit dem Patriarchat. Und zwar zu Recht. Dennoch – der Untertitel dieses ungewöhnlichen und sehr erfolgreichen Buchs lautet:

Für eine Revolution der Liebe

Wer hätte das gedacht?! Wer hätte gedacht, dass eine feministische Sicht auf die Institution der Ehe – eine durchweg konservative, religiöse und herrschaftliche, Herrschaft festigende Institution – die Liebe nicht über Bord wirft, sondern im Gegenteil. Es geht nicht um die Auflösung der Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau, es geht um deren Quintessenz. Das Ende der Ehe bedeutet nicht das Ende der Liebe zwischen Mann und Frau. Ganz im Gegenteil!

Ich habe es nie verstanden, weshalb queere Menschen unbedingt heiraten mussten und in Ehe leben wollten. Warum gerade sie? Weil das ein Baustein in der Normalität ist? Was ist Normalität? Weil Spießigkeit bedeutet, dazuzugehören? Ja, sie haben sich das Recht zu heiraten vor dem Gesetz erstritten. Ist ja auch gut so. Aber weshalb?

Genauso wenig konnte ich verstehen, dass man heiratet, weil man ein Kind bekommt. War doch früher mal ein Faktor, als der Begriff „wilde Ehe“ erfunden wurde und Unverheiratet sein mit Lotterleben gleichbedeutend war, Alleinerziehende sich auf dem sozialen Abstellgleis wiederfanden und im Ausgrenzung verbunden war. Aber diese Zeiten sind – zumindest bei uns – vorbei und das ist gut so.

Der Klassiker ist, dass der Mann vor seiner „Angebeteten“ kniet und um ihre Hand anhält. Seine Unterwürfigkeit soll der Garant für den Bund des Lebens sein. Finde den Fehler. Dieses Ritual ist ein zutiefst Patriarchales. Es geht nicht um Augenhöhe und Gleichwertigkeit.

Wir sind es derart gewohnt, so miteinander umzugehen, dass uns die Absurdität – und Destruktivität – dieses Rituals vollkommen abgeht. Ritterlichkeit bedeutet nur, dass die Frau es nicht packt, für sich selber einzustehen, ihr eigenes Leben zu gestalten und der Hilfe bedarf. Was für ein Unsinn. Merkt ihr das, Männer? Die Statistik der Scheidungen, der Femizide und der Altersarmut der Frauen spricht Bände.

Ehe ist ein Rechtsstatus und hat nicht zwangsläufig etwas mit Liebe zu tun, obwohl uns Grimms Märchen etwas anderes suggerieren. Ja, viele heiraten aus romantischer Schwärmerei, ich kenne da so einen Fall, mein bester Freund ist von diesem Virus befallen (gewesen). Romantisch heiraten und nach ein paar Jahren die ganze Kiste in die Grütze fahren – so ist für rund die Hälfte aller verheirateten Paare in Deutschland. Das Ende der Ehe wäre auch das Ende der Illusionen und der Beginn von etwas ganz neuem, ehrlicheren, besseren.

Wenn man also etwas anderes will, anders leben und lieben will, braucht es eine Revolution, eine Revolution der Liebe. Emilie Roig erklärt diese Idee ausführlich in ihrem tollen Buch über die Abschaffung der Ehe, über das Ende der Ehe. Sie holt aber weiter aus und stellt die Verbindung her zu den Destruktiven Erscheinungen dieser alten, patriarchalen Institution.

Meine Freundschaften sind große Liebesgeschichten für mich.

Emilia Roig

Befreiung von einem patriarchalen Konstrukt

Die Ehe normiert Beziehungen und Familie, kontrolliert Sexualität, den Besitz und die Arbeitskraft. Sie ist eine wichtige Stütze des Kapitalismus und lässt uns in binären Geschlechterrollen verharren. In ihrem mutigen und provokanten Buch „Das Ende der Ehe“ ruft Emilia Roig daher das Ende einer patriarchalischen Institution aus. Sie hinterfragt die Übermacht der Paare und untersucht, ob man Männer lieben und zugleich das Patriarchat stürzen kann. Männer und Frauen sind in unserer Gesellschaft immer noch nicht gleichgestellt.

Um das Ende des Patriarchats einzuleiten, muss die Ehe abgeschafft und das Diktat heterosexueller Paarbeziehungen beendet werden. Letztlich wäre eine Abschaffung der Ehe nicht nur für Frauen befreiend, sondern für alle. Denn nur dann können wir Liebe in Freiheit und auf Augenhöhe miteinander neu denken und leben.

Das Buch ist eine Tour de Force. Analytisch und einfühlsam legt Emilia Roig die fatalen Wirkungsweisen von Rollenmustern und Familienbildern bloß. Das Großartigste an diesem Buch ist nicht nur die radikale Kritik an der Institution der Ehe, sondern auch die nicht minder radikale Hoffnung auf andere Formen der Beziehungen und der Fürsorge. Das Ende der Ehe, wie wir sie bisher kannten.

Caroline Emcke

Leseprobe Das Ende der Ehe

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Emilia Zenzile Roig ist promovierte Politikwissenschaftlerin, Gründerin des Center for Intersectional Justice (CIJ) und Autorin des vielbesprochenen Buches Why We Matter, das 2021 erschien. Sie lehrt regelmäßig in Deutschland, Frankreich und den USA Intersektionalität, Critical Race Theory, Gender Studies und Postkoloniale Studien sowie Völkerrecht und Europarecht. Sie hält europaweit Keynotes und Vorträge zu den Themen Feminismus, Rassismus, Diskriminierung, Vielfalt und Inklusion und ist Autorin zahlreicher Publikationen auf Deutsch, Englisch und Französisch, und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Das Ende der Ehe ist zu einem viel beachteter Bestseller geworden.

Emilia Roig hat eine Präzision und Pointiertheit wie kaum eine andere Intellektuelle Deutschlands.

Malcolm Ohanwe
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