Wenn Männer über alles reden – nur nicht über ihre Blase

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Blase gut - alles gut

Es gibt Themen, über die Männer erstaunlich offen sprechen können. Über Rückenschmerzen. Über Cholesterin. Über den alten Kreuzbandriss aus der Bezirksliga-Saison 1998. Selbst über Darmspiegelungen wird inzwischen beinahe sportlich diskutiert.

Aber die Blase?

Da wird es plötzlich still.

Wer nachts zweimal aufsteht, erzählt das nicht beim Grillabend. Wer vor dem Konzert erst einmal die Toilettenlage checkt, behält das für sich. Und wer am Urinal steht und einfach nicht kann, obwohl die Blase drückt wie ein randvoller Wassereimer, entwickelt erstaunliche Fähigkeiten im Vermeiden öffentlicher Toiletten.

Genau deshalb ist Blase gut – alles gut ein bemerkenswertes Buch. Es holt ein Thema aus der medizinischen Abstellkammer zurück ins normale Leben.

Ist die Blase ein Tabu-Thema?

Ja. Ganz eindeutig. Vielleicht sogar eines der letzten echten Männer-Tabus.

Über Sexualität wird gesprochen. Über Testosteron sowieso. Über Fitness, Ernährung und Muskelaufbau erst recht. Aber über Harndrang, Prostata oder nächtliche Toilettengänge spricht kaum jemand freiwillig.

Dabei betrifft es Millionen Männer.

Die Blase gehört zu diesen Organen, die erst dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie Probleme machen. Solange sie funktioniert, existiert sie praktisch nicht. Und genau deshalb werden Veränderungen häufig lange ignoriert.

Bin ich alt, wenn ich nachts zur Toilette muss?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Ein nächtlicher Toilettengang kann völlig normal sein. Auch zwei müssen noch nicht automatisch krankhaft sein.

Alter spielt zwar eine Rolle, insbesondere durch Veränderungen der Prostata und der nächtlichen Hormonregulation, aber die Gleichung

„nachts Wasserlassen = alt“

ist ungefähr so präzise wie

„Rückenweh = Rollator“.

Die Ursachen sind vielfältig:

  • Trinkgewohnheiten
  • Alkohol am Abend
  • Kaffee
  • Stress
  • Schlafqualität
  • Medikamente
  • Schlafapnoe
  • Veränderungen der Prostata
  • eine überaktive Blase

Entscheidend ist deshalb nicht die Zahl allein, sondern die Veränderung gegenüber dem eigenen Normalzustand.

Warum kann ich am Urinal nicht pinkeln, wenn jemand neben mir steht?

Willkommen in einem Club, der deutlich größer ist, als die meisten vermuten. Der Fachbegriff lautet Paruresis oder umgangssprachlich „schüchterne Blase“. Das hat nichts mit Schwäche, Männlichkeit oder mangelndem Selbstbewusstsein zu tun. Wasserlassen ist biologisch betrachtet ein Moment der Verletzlichkeit. Unser Nervensystem kennt dafür seit Jahrtausenden einen einfachen Mechanismus:

Gefahr bedeutet nicht urinieren. Der Körper schaltet in Alarmbereitschaft auf Sympathikus-Betrieb um und der Schließmuskel macht genau das, wofür er gebaut wurde: geschlossen bleiben.

Je mehr Druck entsteht, desto schwieriger wird es häufig. Der Satz „Jetzt musst du aber langsam mal“ gehört deshalb zu den effektivsten Methoden, den Toilettengang zuverlässig zu verhindern.

Viele Männer erleben das völlig situativ:

  • am Flughafen
  • im Stadion
  • im Büro
  • in der Kneipe
  • beim Arzt für die Urinprobe

Zu Hause funktioniert plötzlich alles wieder problemlos.

Die eigentliche Stärke des Buches

Das Buch behandelt die Blase nicht als peinliches Ersatzteillager des Körpers, sondern als das, was sie ist: Ein hochkomplexes Organ, das eng mit Gehirn, Nervensystem, Schlaf, Stress und Alterungsprozessen verbunden ist.

Und vielleicht liegt genau darin seine größte Qualität. Es normalisiert ein Thema, das viele Männer beschäftigt und über das kaum jemand spricht.

Denn die Wahrheit ist vermutlich:

Die meisten Männer kennen den Blick auf die Uhr um 3:17 Uhr nachts.

Die meisten Männer kennen den inneren Monolog am Urinal.

Und die meisten Männer haben sich irgendwann schon gefragt, ob das jetzt einfach zum Älterwerden dazugehört.

Die Antwort lautet meistens: Nicht unbedingt. Und genau deshalb lohnt es sich, über die Blase zu reden. Vielleicht nicht beim ersten Bier des Abends. Aber irgendwann danach durchaus.

Für wen lohnt sich das Buch „Blase gut – alles gut“?

Für Männer ab vierzig sowieso. Für Männer über fünfzig erst recht. Und für alle jüngeren Männer, die glauben, dass Blasengesundheit etwas ist, mit dem man sich erst kurz vor der ersten Rentenzahlung beschäftigt. Der Körper hält sich selten an solche Altersgrenzen. Die Blase schon gar nicht.

Buchempfehlung für Männer

Blase gut – alles gut
Ihr Navigator für das Herz im Unterleib – bei Entzündungen, Inkontinenz, Harndrang & Co.

Autor: Prof. Dr. Stephan Roth
Verlag: Knaur MensSana
Erscheinungsjahr: 2022
Umfang: 320 Seiten
ISBN: 978-3426658987
Format: Hardcover

Ein überraschend verständlicher und angenehm unpeinlicher Ratgeber über eines der letzten großen Männer-Tabus. Das Buch erklärt Blasenprobleme, Harndrang, Inkontinenz, Prostata-Themen und die berühmte „schüchterne Blase“ fundiert, alltagstauglich und ohne erhobenen Zeigefinger.

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Papalapapi

Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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