Zum Schenken: 3 Bücher übers Frausein empfohlen von einem Männerblog

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Natürlich schreibe ich als Mann und Vater mehr über Männer- und Väterthemen, als über alles andere. Frauen, so denke ich, müssen das auf ihren eigenen Blogs und Websites aushandeln und besprechen. Da ich aber Vater einer Tochter bin, liegt mir die Sache der Frauen – nenne es Gleichberechtigung, Feminusmus oder Frauenpower – sehr am Herzen. Ich kann nichts über das Frausein schreiben, aber darüber, wie Frauen von Männern beschämt, erniedrigt, entwürdigt, misshandelt, verachtet und unterdrückt werden oder aber harmloser: übergangen, übersehen, unterschätzt werden. Ich erinnere noch einmal daran, dass meine „große Schwester“ von ihrem Mann vor 11 Jahren ermordet wurde und ich sehr wohl verstehe, was hier Phase ist.

Daher empfehle ich heute drei tolle Bücher über das Frausein, um gesellschaftliche Bedingungen und Errungenschaften von Frauen, und über Geschlechtergerechtigkeit (die natürlich nicht automatisch etwas mit Gendern zu schaffen hat).

3 tolle Bücher übers Frausein zum Verschenken

Das erste Buch ist aus meiner Sicht das wichtigste und beste. Aber auch das dickste. Es ist voller Wissen und Geschichten, voller kluger Reflektionen, Erkenntnisse und Entwicklungen. Es handelt von nichts weniger als von der „Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern“.

Es ist brillant geschrieben und das bedeutet, sehr gut zu lesen, spannend und unterhaltsam. Es holt weit aus und findet die nötige Tiefe zu diesem komplexen Thema. Wie ist es denn überhaupt dazu gekommen, dass Frauen so benachteiligt sind in praktisch allen Kulturen. Bisher ist darauf noch keine befriedende Antwort gefunden, wie schon Harari in Eine kurze Geschichte der Menschheit nachwies, auf den sich die Eva-Autoren auch beziehen. Aber nichts weniger versuchen Carel van Schaik und Kai Michel in ihrem Buch. Eine wichtige und vermutlich auch wegweisende Aufgabe.

Ich habe das Buch wegen seines Umfangs noch nicht ganz durchgelesen, aber ich tue es weiter mit großer Neugier und großem Vergnügen. Wissenschaft und Erkenntnis kann sehr großen Spaß machen, wenn sie so gut geschrieben und aufbereitet ist. Ein großes Buch!

Das „Wissensbuch des Jahres“ 2020/21

Wer hat Angst vor der „Evalution“? So klug und engagiert heute über Diskriminierung debattiert wird, fällt auf, dass eine der wichtigsten Fragen ausgeklammert wird: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Frauen um Gleichberechtigung kämpfen müssen? Zweitausend Jahre lang lieferte die Bibel die Antwort: Weil Eva eher der Schlange als Gott vertraute, müssen all ihre Nachfahrinnen den Männern untertan sein. Auch die Biologie schob lange den Frauen die Schuld zu: Sie seien nun mal das schwache Geschlecht.

Kein Wunder, dass sich ein Eva-Tabu etablierte und seither die Evolution gemieden wird. Es könnte ja sein, dass etwas an der herrschenden Ungerechtigkeit «natürlich» wäre. Von wegen! Die Wahrheit über Eva, über die biblische wie die biologische, zeigt: Ohne die Frauen ist der Erfolg unserer Spezies nicht zu verstehen. Und ihre Unterdrückung war alles andere als Normalität. Die solidarische, wenn auch immer delikate Beziehung der Geschlechter ist unser evolutionäres Erfolgsgeheimnis.

Carel van Schaik und Kai Michel nehmen in ihrem neuen Buch zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte in den Blick. Sie zeigen, wie sich die Beziehung von Frauen und Männern entwickelte und was sie massiv ins Ungleichgewicht brachte. Neue Einsichten aus Evolutionsbiologie und Genetik, Archäologie, Ethnologie und Religionswissenschaft erhellen den komplexen Prozess, der die Frauen ins Leid stürzte, aber auch den Männern alles andere als gut tat.

Die Erfolgsautoren studieren das Verhalten unserer Primaten-Verwandtschaft, inspizieren phantastische Steinzeitheiligtümer und durchforsten die Bibel. Sie zeigen, warum Treue eine männliche Erfindung ist und wieso Sexualität verteufelt wurde. Sie enthüllen, was bis heute Ehe, Familie und die Sphären der Macht kontaminiert. Die Wahrheit über Eva kann helfen, die Misere der Geschlechter endlich zu beenden.

Ein unglaublich aktuelles Buch, das tiefe Einblicke in die Rolle bietet, welche die Religion bei der Aufrechterhaltung traditioneller Geschlechterrollen und Machtstrukturen spielt.

Sarah Blaffer Hrdy, Anthropologin und Autorin von «Mutter Natur: Die weibliche Seite der Evolution»

Die Wahrheit über Eva – Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern

von Carel van Schaik und Kai Michel
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704 Seiten, Rowohlt Buchverlag (17. November 2020)
ISBN 3498001124
Gebundene Ausgabe 26,- Euro

Leseprobe Die Wahrheit über Eva


Cover: Schweigen war gestern: Maria 2.0 – Der Aufstand der Frauen in der katholischen Kirche

Ein Buch für Christen und katholische Frauen

Ich bin kein Christ, obwohl ich evangelisch getauft und konfirmiert bin. Ich habe meine Zivildienst in einer kirchlichen Diakonie-Station absolviert und später als Krankenpflege bei der Kirche gearbeitet. Aber irgendwas wurde es mir zu bunt und ich trat aus. Ich engagiere mich lieber für Aufklärung und gesellschaftliche Entwicklung, lese über Evolution und Psychologie, über Geschichte und Anthropologie.

Aber seit dem Ableben von Pabst Johannes Paul II. sympathisiere ich mich der katholischen Kirche und ihrem Glauben. Da wir als Familie ein Haus auf den Kanaren habe, kenne ich auch den kanarischen Katholismus ein Kleinwenig und beneide die Menschen um ihren Glauben an Gott, Jesus und die Mutter Gottes Maria. Daher möchte ich helfen, die Frauen in dieser Kirche zu unterstützen.

Ein kraftvolles Buch von Lisa Kötter, einer der Gründerinnen der Reformbewegung Maria 2.0, die für den Aufstand der Frauen in der katholischen Kirche steht. Für alle, die sich nach neuen Formen des Glaubens sehnen. Mit einem Vorwort von Carolin Kebekus.

»Ich bin Christin. Am Tag meiner Geburt getauft von einem Priester der römisch-katholischen Kirche. Seit 60 Jahren lebe ich in ihrem Schoß. Es wird eng. Unerträglich eng. Der Druck steigt. Und ich begreife: Wir müssen jetzt handeln!« Lisa Kötter, Maria 2.0

Die Autorin dieses Buches, Lisa Kötter, ist eine der Vordenkerinnen der Bewegung Maria 2.0. Aus Protest gegen die verkrusteten, männerdominierten Strukturen und die Missbrauchsskandale bleiben die katholischen Frauen von Maria 2.0 vor den Türen der Kirchen und feiern dort draußen, jenseits der klerikalen Vorgaben, miteinander ihren Glauben. Lisa Kötter spricht Klartext, lässt sich von Kirchenoberen nicht einschüchtern. Und sie entwickelt ein faszinierendes Bild, wie Kirche so umgestaltet werden kann, dass eine neue Lebendigkeit entsteht. Eine Lebendigkeit, die die Bedürfnisse der Menschen des 21. Jahrhunderts sieht. Dabei geht es nicht nur darum, ob auch Frauen Priesterin werden und Gemeinden leiten können. Das ist für Lisa Kötter eigentlich selbstverständlich. Sie stellt viel grundsätzlichere Fragen, zum Beispiel, ob es überhaupt Priesterinnen und Priester braucht, den Zölibat und traditionelle Machtstrukturen.

»Auf einmal war plötzlich ganz klar, dass wir uns nicht mehr einrichten können in einer Kirche, die Menschen nicht schützt und achtet, sondern immer nur sich selbst. Im Haus voll Glorie stapeln sich die Leichenberge im Keller. Wir können nicht darüber hinwegsehen, dass so vieles zum Himmel stinkt. Wir haben eine Verantwortung. Es wird Zeit, die Glorie sein zu lassen und bei den Menschen anzukommen. Ihr Leid ernst zu nehmen und ihre Freuden. Ihre Trauer zu verstehen und ihre Lust zu achten. Bedürfnisse zu respektieren und die Freiheit hochzuhalten. Argumentiert wurde genug – seit Jahrzehnten. Es ist an der Zeit, weiterzugehen.

Für uns Frauen in der katholischen Kirche ist ein stillschweigender Austritt keine Option. Wir wollen für uns und für unsere heranwachsenden Kinder und Enkelkinder kämpfen. Für einen Weg, der es uns und auch den nachfolgenden Generationen nicht nur erträglich macht, sondern sogar Freude, in dieser Kirche zu bleiben! Weil es wieder um die Botschaft Jesu geht. Und wir darum wieder Heimat finden können in unserer Kirche.«

Elisabeth (Lisa) Kötter kam als viertes von fünf Kindern 1960 in Münster zur Welt. Zwischen katholischer Enge und unbeaufsichtigter Kinderfreiheit wuchs sie mit vier Brüdern auf. Kunststudium und Ausbildung in Freiburg, Kassel und Göttingen. Lisa Kötter hat vier erwachsene Kinder und drei Enkeltöchter. Sie lebt als freischaffende Künstlerin mit ihrem Ehemann heute wieder in Münster. Im Jahr 2019 hat sie die Bewegung Maria 2.0 mitinitiiert und engagiert sich seitdem bei vielen Aktionen.

Schweigen war gestern: Maria 2.0 – Der Aufstand der Frauen in der katholischen Kirche

von Lisa Kötter
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160 Seiten, bene! (1. März 2021)
ISBN 3963401869
Gebundenes Buch 14,- Euro


leseprobe-es-geht-nur-gemeinsam

Frausein am Ende der Geduld!

Jutta Allmendinger ist mit ihrer Geduld am Ende. Seit über drei Jahrzehnten untersucht sie, wie Gleichberechtigung
zwischen Frauen und Männern erreicht werden kann, und ihr ernüchterndes Fazit lautet: Wir bewegen uns
rückwärts in die Zukunft. Corona hat die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse wie unter einem Brennglas hervortreten lassen: Männer arbeiten, Frauen arbeiten auch – und versorgen die Kinder. Männer verdienen, Frauen verdienen auch – aber bloß etwas dazu. Teilzeit und Elternzeit sind fast immer noch Frauensache, Führungspositionen und hohe Gehälter Männersache.

In dieser Streitschrift zeigt Jutta Allmendinger fundiert und faktenbasiert, was sich endlich ändern muss, damit wir echte Gleichberechtigung herstellen. Ihr Buch ist ein Fahrplan in die Zukunft, in der Geschlechtergerechtigkeit keine
Forderung mehr ist, sondern ein Fakt.

Es gehört zu den Stärken des Buches, dass die Autorin nicht nur die gesellschaftliche Wirklichkeit beschreibt, sondern auch Perspektiven aufzeigt, wie es gerechter zugehen könnte. Die Politik ist gefragt, aber auch jede Frau und jeder Mann. Denn, es geht eben nur gemeinsam, wie Jutta Allmendinger überzeugend darlegt. Ihr kurzweilig geschriebenes Buch ist eine motivierende Lektüre für Frauen und Männer.

Monika Dittrich im Deutschlandfunk

Sind wir gesellschaftlich auf einem guten Weg hin zur Geschlechtergerechtigkeit?

In dieser Streitschrift zeigt Jutta Allmendinger, was sich endlich ändern muss, damit wir echte Gleichberechtigung herstellen. Ihr Buch ist ein Fahrplan in die Zukunft, in der Geschlechtergerechtigkeit keine Forderung mehr ist, sondern ein Fakt.

Die Soziologin Jutta Allmendinger ist mit ihrer Geduld am Ende. Seit über drei Jahrzehnten untersucht sie, wie Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern erreicht werden kann, und ihr ernüchterndes Fazit lautet: Wir bewegen uns rückwärts in die Zukunft. Corona hat die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse wie unter einem Brennglas hervortreten lassen: Männer arbeiten, Frauen arbeiten auch – und versorgen die Kinder. Männer verdienen, Frauen verdienen auch – aber bloß etwas dazu. Teilzeit und Elternzeit sind fast immer noch Frauensache, Führungspositionen und hohe Gehälter Männersache.

Jutta Allmendinger, geboren 1956, ist eine der führenden deutschen Soziologinnen. Allmendinger studierte an der Universität Mannheim und an der University of Wisconsin, sie wurde an der Harvard University promoviert. Von 1999 bis 2002 war Jutta Allmendinger als erste Frau Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Seit 2007 ist sie Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Für ihre Arbeiten wurde Jutta Allmendinger mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 2018 war sie eine der ersten Fellows im Thomas Mann House in Los Angeles. Seit 2017 ist sie Mitglied im Herausgeberrat der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen

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Gebundenes Buch 12,- Euro

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