Weltkindertag 2023 – ein paar Gedanken

!KINDER! Warnschild. Thema: Weltkindertag 2023

Der 20. September ist Welttag der Kinder in Deutschland. In wenigen Bundesländern auch ein Feiertag, ich kann mir nur nicht vorstellen, dass der wegen der Kinder eingerichtet wurde. Deutschland empfinde ich nicht, als kinderfreundliches Land. Kann man das ändern? Was gibt es zu sagen am Weltkindertag 2023?

Es wird ja immer wieder mal aufgezeigt und diskutiert, die Kinderunfreundlichkeit in Deutschland. Diese sieht man nicht unbedingt auf den ersten Blick. Sie ist in unserer Kultur tief verankert, so scheint es. Nicht, dass es in allen anderen Ländern besser wäre oder es keine anderen relativ kinderunfreundlichen Länder gibt. Man müsste sich mal anschauen, wie man das definiert.

Meine Definition ist, dass Kinder, alle Kinder, ganz natürlich im Leben, zum Alltag, zu gesellschaftlichen Ereignissen dazugehören. Tun sie aber nicht. Nicht in Deutschland. Kinder haben immer noch so eine seltsame Art Sonderstatus und sind der Besitz der Eltern. Oder des Staates, darüber gibt es manchmal Streit.

Aber sie sind nicht selbstverständlich Teil des Ganzen, wie andere auch. Sie sind Sondervermögen und haben ihre eigenen Gärten, Plätze, Häuser und Feiern. Manchmal haben sie sogar Kindertische. Am Weltkindertag 2023 klingt das für unsere Augen vermutlich „normal“, aber was ist jetzt normal. Für mich klingt das befremdlich. Kinder gehören einfach dazu. Sie sind Teil des Lebens, der Welt, der Wirklichkeit und der Gesellschaft. Von mir aus können sie überall – na ja, fast ganz überall – dabei sein, mittenmang, dazugehören, da sein.

Wie hältst du es mit deinen Kindern? Ich habe meine Tochter überall hin mitgenommen. Wo ich war, konnte auch sie sein. Natürlich gibt es Ausnahmen und sie hat sich auch oft genug gelangweilt. Das kam aber auch daher, dass sie sehr oft als einziges Kind dabei war. Aber was soll ein Trennungsvater machen? Alles immer nur kindgerecht?

Ich glaube nicht daran, dass man alles kindergerecht gestalten muss. Denn wenn Kinder ganz natürlich zum Leben dazu gehören – wie in Spanien und Italien beispielsweise – dann gibt es an allen Orten irgendwas zum Spielen, Entdecken oder Erleben für die Kinder. Ist das vielleicht mal ein Thema zum Weltkindertag in Deutschland?

Offizielles zum Weltkindertag 2023

Das Motto in diesem Jahr lautet: Jedes Kind braucht eine Zukunft! Vergessen wir dabei nicht die Kinder in der Ukraine. Sie sind weiterhin dem russischen Terror ausgeliefert, werden getötet, verletzt, entführt oder verlieren ihre Brüder, Väter, Onkel und Verwandten. Sie werden durch den russischen Faschismus traumatisiert und brauchen unsere Solidarität.

Aber natürlich gehen die Aktionen und Ansprüche über das schreckliche Leid der Kinder in der Ukraine weit hinaus. Ist ja auch gut so.

„Kinder und Jugendliche können sich rund um den Weltkindertag an kreativen Mitmach-Aktionen von UNICEF Deutschland beteiligen. Kinder und Jugendliche sind dazu eingeladen ihren Teil zu einem Kinderrechte-Puzzle beizutragen oder erneut mit bunten Kreidebildern auf Straßen, auf Bürgersteigen und in Garageneinfahrten ihre Anliegen, aber auch ihre Wünsche, Ideen und Vorstellungen für eine bessere Zukunft für Kinder zum Ausdruck zu bringen.

Um den Forderungen der jungen Generation mehr Nachdruck zu verleihen, können Eltern, Nachbar*innen und Passant*innen die Bilder der Kinder fotografieren und unter dem Aktions-Hashtag #wiestarkwäredasdenn in den sozialen Medien posten.“

Ich glaube aber tatsächlich, dass die sozialen Medien, denen dieser Hashtag gilt, in Bezug auf Kinder sehr kritisch betrachtet werden müssen. Wir kommen ohne sie nicht mehr aus, aber viele Kinder, gerade die älteren, sind handysüchtig und abhängig von TikTop und Snapchat. Es ist also ein zweischneidiges Schwert mit dem Posten in die Netzwerke. Aber es ist gut, diese für die gute Sache zu verwenden. Dann können wir die destruktiven Monopole der Tech-Konzerne, den unmäßigen Energieverbrauch und den giganten Mist von Social Networks einen Augenblick ausblenden.

Im übrigen schließe ich mich dieser Forderung 100% an:

Weltkindertag 2023: „Wir brauchen ein Familienwahlrecht“

Gleichzeitig erkläre ich, dass ich kein Freund des Wahlrechts ab 16 Jahren bin. Aber ein Familienwahlrecht wäre eine wichtige Alternative.

„Kinderrechte sind der Schlüssel zu einer Gesellschaft, die anerkennt, dass die Zukunft nur gut wird, wenn es auch den Kindern gut geht“, sagt die Autorin Nathalie Klüver in ihrem neuen Buch Deutschland, ein kinderfeindliches Land? Worunter Familien leiden und was sich ändern muss, in dem sie sich unter anderem für eine schnelle Verankerung der Kinderrechte in der Verfassung ausspricht.

Die Diskussion um die Kindergrundsicherung in diesen Tagen hat auch die Kinderrechte in den Fokus gerückt, aber auch 24 Jahre, nachdem Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben hat, sind die Kinderrechte in Deutschland immer noch nicht im Grundgesetz verankert. Nathalie Klüver: „Wenn die Kinderrechte mit dem Zusatz vorrangig im Grundgesetz verankert werden, muss das Kindeswohl in jede politische Entscheidung mit einbezogen werden. So können die Interessen der Kinder nicht mehr einfach übergangen werden und dann ergibt sich hieraus der zweite notwendige Schritt: eine Herabsetzung des Wahlalters, damit sich die Altersverteilung der Wählenden endlich mehr zugunsten der Kinder und Jugendlichen verschiebt. Optimal und gerecht wäre ein Familienwahlrecht, bei dem jedem Menschen eine Stimme zugesprochen wird. Dieser Schritt würde Politikerinnen und Politiker zwingen, langfristiger zu entscheiden und zu planen.“

Nathalie Klüver ist selbst Mutter von drei Kindern und kennt die kleinen und großen Hindernisse, denen Familien jeden Tag begegnen. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie unter anderem für Eltern, Spiegel Online, Für Sie und das Redaktionsnetzwerk Deutschland über Vereinbarkeit und Familie. Auf ihrem Blog www.ganznormalemama.com und in den dazugehörigen Social Media-Kanälen bloggt sie zu Familienpolitik, Mental Load, Burnout-Prävention bei Müttern und zu allem, was Familien zu einem entspannten Alltag hilft. Ihren Kanälen folgen mehr als 70.000 Leser*innen. Sie ist außerdem Autorin mehrerer erfolgreicher Bücher über moderne Elternschaft.

Nathalie Klüver zeigt, was andere Länder, allen voran die skandinavischen, uns voraushaben und in welchen Bereichen Deutschland dringend Nachholbedarf hat. Eine kinderfreundlichere Gesellschaft wäre nicht nur offener und besser für Vereinbarkeit und Gleichberechtigung, sondern letztlich auch für mehr Chancengleichheit, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Wie das zusammenhängt, was sich ändern muss und was jeder Einzelne tun kann, zeigt Nathalie Klüver in diesem Buch.
Deutschland, ein kinderfeindliches Land? Worunter Familien leiden und was sich ändern muss
Kösel-Verlag, 18,00 € (D), 18,50 € (A), CHF 24,90* Paperback, Klappenbrosch.

Was ist der Weltkindertag

Der Weltkindertag, auch als Internationaler Tag des Kindes bezeichnet, ist ein internationaler Gedenktag, der jährlich am 20. November gefeiert wird. Dieser Tag soll auf die Rechte und Bedürfnisse von Kindern aufmerksam machen und das Wohlergehen, die Bildung und die Entwicklung von Kindern weltweit fördern.

Der Weltkindertag wurde erstmals 1954 von der Vereinten Nationen empfohlen und später von vielen Ländern aufgegriffen. Das Datum, der 20. November, wurde gewählt, um an die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 1989 zu erinnern. Diese Konvention ist ein internationaler Vertrag, der die grundlegenden Rechte von Kindern schützt und festlegt. Sie umfasst das Recht auf Leben, Gesundheit, Bildung, Schutz vor Diskriminierung und Ausbeutung sowie das Recht auf Beteiligung und Meinungsäußerung.

Am Weltkindertag finden in vielen Ländern verschiedene Veranstaltungen, Aktivitäten und Aktionen statt, die darauf abzielen, die Rechte und das Wohlergehen von Kindern zu fördern und Kindern eine Stimme zu geben. Dies kann von Bildungsveranstaltungen über Spendenaktionen bis hin zu kulturellen Veranstaltungen reichen.

Allerdings gibt es auch Länder, die den Weltkindertag an anderen Tagen im Jahr feiern. Zum Beispiel wird der Weltkindertag in Deutschland am 20. September begangen, um die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention zu würdigen. In anderen Ländern kann der Weltkindertag zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr gefeiert werden, je nach den nationalen Traditionen und Prioritäten. Daher kann das Datum des Weltkindertags je nach Land variieren, aber der 20. November ist das internationale Bezugspunkt-Datum für diesen wichtigen Gedenktag.

In einigen Ländern wird der Weltkindertag auch zu einem Feiertag erklärt, an dem Schulen und viele Arbeitsplätze geschlossen sind, um Zeit mit den Kindern zu verbringen und die Bedeutung ihrer Rechte und ihres Wohlergehens zu betonen.

Die Rechte der Kinder

Die Rechte der Kinder, die Kinderrechte kann man nicht oft genug wiederholen und klarmachen:

kinderrechte
Die Rechte der Kinder! Quelle: PHOENIX auf Facebook

Ein PDF für Kinder vom Familienministerium: Eure Kinderrechte

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