Elterngeld und die Phantomschmerzen einen anspruchsvollen oberen Mittelschicht

Eine Schwangere und der Vater ihres Kindes warten wohlbetucht auf das Elterngeld

Die Sache ist klar, wie Kloßbrühe. Ab 2024 gibt es neue Einkommensgrenzen beim Elterngeld:  Paare und auch Alleinerziehende haben bis zu einem zu Jahreseinkommen von max. 150.000 Euro einen Anspruch auf das Elterngeld. So weit, so gut. Die Ampel-Regierung hat in der letzten Woche vor den Sommerferien die Einkommensgrenze herabgesetzt, zuvor war die Grenze 300.000 Euro und 250.000 Euro bei Alleinerziehenden.

Kurz darauf fand sich in meinem WhatsApp-Status der Aufruf, eine Petition zu unterzeichnen, die sich gegen das Herabsetzen der Einkommensgrenze wendet. Geteilt wurde es von einer Ärztin, einer Lungenfachärztin, die natürlich ein sehr, sehr gutes Jahreseinkommen hat.

Wenn es um die Karriere von Vätern geht, haben wir andere, als finanzielle Probleme. Hier geht es ans Eingemachte von jedem einzelnen Mann und an die kulturelle Matrix des konservativen Rollenmodells. Und das gehört nicht in diese Debatte.

Woher das Geld kommt

Das Elterngeld der Bundesrepublik Deutschland ist sehr großzügig, vielleicht fortschrittlich und im internationalen Vergleich purer Luxus. Damit machten sich FamilienpolitikerInnen beliebt und wählbar. Warum ist führt eigentlich stets eine Frau das Familienministerium, weshalb nicht mal ein Mann? Aber das ist eine andere Frage.

Das Geld, das hier großzügig an junge Eltern verteilt wird, stammt aus den Steuerkassen, die Jahr für Jahr immer voller werden. Ok. Das steigende Bruttosozialprodukt oder das Wirtschaftswachstum, dass die Voraussetzung für den Luxus des Elterngeldes ist allerdings teuer erkauft. Wir alle wissen es. Unser Wohlstand entstand und entsteht durch den Verbrauch von endlichen Ressourcen, auf Kosten der Klimastabilität und vieler Arten. „In Deutschland ist der Ressourcenverbrauch laut UNICEF zu hoch: Für die dortige Lebensweise würden im Weltmaßstab 2,9 Erden benötigt.“

So weit alle noch im Boot? Gut. Bedeutet das denn nicht, dass wir das auf Kosten unserer Kinder tun, die zwar den Luxus genießen dürfen, in frühen Kindheit sehr viel Zeit mit den Eltern zu verbringen. Aber später diese schöne heile Welt den Bach runtergeht, was niemand wahrhaben will.

Da wir schon dabei sind: aktuell kippt das Klima, wir und vor allem unsere Kinder, steuern auf eine ernsthafte Klimakatastrophe zu. Dennoch will hier jeder sein Eigenheim, seine Urlaube, seine Skiferien und die Autos behalten. So kann es aber nicht funktionieren. Wenn wir nicht alle reduzieren – und vor allem die Bessergestellten – dann aber gute Nacht. Haben nur noch nicht alle begriffen.

Die besserverdienenden Bessereltern

Und jetzt kommen die Besserverdienenden, die glauben, gar keine zu sein, und jammern. Sie haben Angst vor ihren Pfründe, ihre Privilegien, ihren Luxus. Und setzen eine Petition auf, die ich jetzt natürlich nicht verlinke.

Ich persönlich kenne einen Fall, in dem ein Lehrerpaar mit Elterngeld 4 Monate auf einer Insel im indischen Ozean verbrachten.

Wenn ich als Paar 150.000,- Euro im Jahr verdiene stehe ich sehr, sehr, sehr gut da. Ich kann mir eine große Wohnung in den Szeneviertel leisten, ein Haus vielleicht, zwei Autos, Sommer- und Winterurlaub. Na ja, und eben Elternzeit vom Elterngeld. Gar nicht so wenig. Nun könnte man natürlich denken, dass die 14 Monate in den Gehaltsklassen auch ohne staatliche Stütze für ausgiebige Kuschelzeit freigehalten werden könnten. Aber nein. Diese angebliche Mittelschicht will auf nichts, aber wirklich gar nichts verzichten.

Sie brauchen die individual Reisen ins Tiefland des Ngorongoro, das Rafting in Südfrankreich und Whalewatching bei Island. Sie brauchen die nochmoderne Niedrigenergie-Bude und die klimatisierte Tiefgarage. Auch das 5000-Euro-Lastenrad will bezahlt werden. Allein die Klamotten, den Grill und die Nachbarschaft, die man ständig einladen muss. Das Kosten. Da man Kinder für die Gesellschaft herstellt, ist es nur billig und gerecht, nicht nur Kindergeld, sondern auch Elterngeld zu beziehen.

Ich könnte kotzen! Dieses Luxusdenken ist mir völlig fremd und ich denke an die vielen, vielen Familien und Alleinerziehenden, die gar nix aber, oder ständig am Rande der Pleite operieren müssen, die viel zu wenig Unterstützung erhalten. Dass man sich Anwälte nicht leisten kann, um sein Interessen durchzusetzen. Vom Abenteuerurlaub ganz zu schweigen. Unsere Gesellschaft ist schief, sie ist ungerecht und aus dem Bauch heraus unsolidarisch. Nur einige Gesetze, der Sozialstaat verhindert die gröbsten Katastrophen. Und dann kommen die Bessereltern, die Besserverdieneltern und kriegen den Hals nicht voll. Ich will jedenfalls nicht dafür arbeiten, dass diese Leute vom Staat etwas bekommen, was sie wirklich nicht brauchen.

Unser Gesellschaft hat jedenfalls andere Probleme, als 150.000-Euro-Eltern zu pampern!

Teresa Bücker schreibt in ihrem SZ-Artikel unter der Überschrift „Ist es radikal, das Elterngeld für Reiche zu streichen?“:

Das Elterngeld wird von Feminist*innen schon lange dafür kritisiert, dass es vor allem von der Mittelschicht in Anspruch genommen wird, diese finanziell stärkt und für sie gleichberechtigte Elternschaft erleichtert, während in der Summe viel weniger Elterngeld in den unteren Einkommensgruppen ankommt. Das Erziehungsgeld, das dem hauptsächlich betreuenden Elternteil bis 2006 gezahlt wurde, betrug für alle Beziehenden über einen Zeitraum von zwei Jahren 300 Euro pro Monat und wurde – anders als das Elterngeld seit 2010 – nicht auf die Sozialhilfe angerechnet.

Die Publizistin Antje Schrupp kritisierte damals, das neue Elterngeld habe »unterm Strich dazu beigetragen, die soziale Schere in Deutschland, den Abstand von Reich und Arm zu vergrößern«. Um das Elterngeld gerecht zu reformieren sowie Equal Care ab Geburt zu fördern, müsste die Unterstützung von Familien in den ersten Jahren mit Kind komplett neu gedacht werden.

Hier mehr Artikel zum Weiterlesen:

Elterngeld für REiche

Was ist das Elterngeld und wie viel gibt es?

Elterngeld ist eine finanzielle Unterstützung, die in Deutschland Eltern gewährt wird, um sie bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Es soll Eltern die Möglichkeit geben, nach der Geburt eines Kindes eine Auszeit vom Beruf zu nehmen und sich intensiv um die Betreuung des Kindes zu kümmern.

Das Elterngeld wird in der Regel für einen Zeitraum von bis zu 14 Monaten gezahlt und kann von beiden Elternteilen beantragt werden. Dabei können sie sich die Bezugszeit untereinander aufteilen. Wenn beide Elternteile das Elterngeld in Anspruch nehmen, beträgt die maximale Bezugszeit 28 Monate. Das Elterngeld soll sicherstellen, dass Eltern während dieser Zeit ein Einkommen erhalten, das einen Teil ihres vorherigen Nettoeinkommens abdeckt.

Die genaue Höhe des Elterngeldes hängt vom bisherigen Einkommen der Eltern ab. Es beträgt in der Regel 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Geburt des Kindes, jedoch mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat. Für Eltern, die vor der Geburt des Kindes kein oder ein geringes Einkommen hatten, gibt es einen Mindestbetrag von 300 Euro.

Das Elterngeld kann flexibel gestaltet werden. Es besteht die Möglichkeit, das Elterngeld in Teilzeit zu beziehen und parallel wieder in Teilzeit zu arbeiten. Dadurch können Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen.

Es gibt auch weitere Varianten des Elterngeldes, wie beispielsweise das sogenannte „ElterngeldPlus„. Hierbei wird das Elterngeld auf einen längeren Zeitraum gestreckt, um eine teilweise Teilzeitbeschäftigung der Eltern zu ermöglichen. Das ElterngeldPlus kann insgesamt bis zu 28 Monate bezogen werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Elterngeld in Deutschland eine staatliche Leistung ist und bestimmten Voraussetzungen unterliegt. Dazu gehören beispielsweise die deutsche Staatsbürgerschaft oder ein Wohnsitz in Deutschland. Zudem muss das Kind im selben Haushalt leben.

Das Elterngeld wird vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) verwaltet. Dort können Eltern weitere Informationen erhalten und den Antrag auf Elterngeld stellen.

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2 Kommentare

  1. Und noch was: Der Staat sollte nicht das Kindergeld erhöhen – sondern endlich allen Kindern (egal ob reich) kostenlose Bildung in der Schule (kostenlose Bücher) inkl. Gesundem Frühstück und Mittagessen zur Verfügung stellen. Um das zu finanzieren, sollte sogar das Kindergeld reduziert werden. Das wäre etwas was den Kindern (insbesondere aus armen Familien) zu gute käme

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