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Buchbesprechung: Geschwister als Team – Ideen für eine starke Familie

Geschwister als Team
Geschwister als Team - Ideen für eine starke Familie

Ja, Geschwister funktionieren zunächst als Konkurrent um die familiären Ressourcen Aufmerksamkeit, Liebe und Anerkennung. Sie konkurrieren, wie es auf dem Klappentext von Geschwister als Team – Ideen für eine starke Familie heißt, um Nahrung und Sicherheit, die scheint ihr evolutionäres Erbe. Im Tierreich wird das deutlicher, etwa wer wann säugen darf und was mit dem Nachwuchs geschieht, der ins Hintertreffen gerät und sich gegen seine Geschwister nicht durchsetzen kann. Aber wir sind Menschen, da läuft das etwas anders, auch wenn wir dieses Erbe mit uns herumtragen.

Ich glaube, dass die Konkurrenz zweier Brüder (oder zweier Schwestern) stärker ist, als unter gegengeschlechtlichen Geschwistern. Auch der Altersunterschied spielt hier eine Rolle, wie wild die Streitigkeiten am Ende werden. Natürlich gibt es dann individuelle Abstufungen, je nach Charakter, Veranlagung und Ehrgeiz der Kinder. Sicher kann man die Zwistigkeiten als Eltern befördern, dämpfen oder bekämpfen – je nach Geschmack und Energielevel. Die Ausformungen der geschwisterlichen Konkurrenz sind vielfältig.

Mein Bruder etwa wirft mir bei Gelegenheit heute noch vor, dass ich ihn unterdrückt und bekämpft hätte. Ich erinnere das nicht, aber als Erstgeborener, stärkerer und ehrgeiziger Junge, hatte er sicher keinen Stich gegen mich gesehen. Ja, wir waren Konkurrenten, aber das war ganz klar unbewusst und sehr subtil. Von unseren Eltern kam da keine Hilfe, die erweiterte Familie versucht auszugleichen, war ja aber nicht im Alltag beteiligt.

In der Schule und bei den Freundinnen meiner Tochter, die ja nun (leider) Einzelkind ist, sieht man schnell, wer von den anderen Mädchen Geschwister hat. Je nach dem, ob es ein älterer Bruder oder eine jüngere Schwester ist, ist die Durchsetzungsfähigkeit und der Entwicklungsstand – je nach individuellem Charakter – anders, als bei den Einzelkindern. Während ich damals innerhalb der Familie mit meinem Bruder konkurrierte, war ich außerhalb in der Schule lange Zeit sehr schüchtern und zurückhaltend, obwohl ich ja einen jüngeren Bruder hatte. Ganz wie meine Tochter, die auch ein eher ruhiges, sehr unkompliziertes Kind ist.

Ich sehe daran, dass das Thema Geschwister als Team jenseits von Konkurrenz und Nachäffung tatsächlich von Bedeutung ist.

Endlich Frieden in der Familie

Mit jedem Geschwisterchen steigt der Trubelfaktor in einer Familie exponentiell. Warum? Aus Sicht der Evolution sind Geschwister Rivalen, die um Nahrung und Sicherheit konkurrieren. „Ich will zuerst Apfelsaft! Nein, das ist mein Platz! Ich will vorne sitzen!“

Wenn Eltern dieses Buch gelesen haben, wissen sie, worum die Kinder wirklich streiten. Und auch, wie sie am besten reagieren, um sie beim Zusammenwachsen zu unterstützen. Nicola Schmidt zeigt genial einfache Wege, schlimmste Rivalen zu starken Teams werden zu lassen. So wird es leicht, konstruktiv zu reagieren, wenn alle Kinder gleichzeitig „Ich zuerst!“ schreien.

  • Für die Zeit ab Geburt des ersten Geschwisterchens bis ins höhere Schulalter
  • Mit zahlreichen Tipps für alle Familienformen, auch alleinerziehende Eltern und Patchworkfamilien

Nicola Schmidt, zweifache Mutter, ist Gründerin des artgerecht-Projekts, Wissenschaftsjournalistin und Autorin erfolgreicher Familienratgeber. Sie bietet Aus- und Fortbildungen für Fachleute und Wildnis-Camps für Familien an.

Fazit

Das vorliegende Buch geht die Sache konkret und strukturiert an. Nicola Schmidt scheut sich nicht, konkrete Tipps zu geben, wie man Streihähne beruhigt und konstruktiv an die Sache herangeht. Etwa mit ihren „Zehn Tipps bei Streit um Gegenstände oder Plätze“. Diese Tipps sind klar und einfach, nachvollziehbar und für jeden auch umsetzbar. Dieser großartige Ratgeben ist jedoch voll mit diesen Hinweisen und Anregungen. Auch die „paradoxe Intervention“ ist der Autorin nicht fremd, etwa wenn sie „Neue Regeln für ständigen Geschwisterstreit – eine Anleitung für einen möglichst stressigen Alltag“ aufstellt und die Eltern sehr deutlich, auf ihr nicht gerade förderliches Verhalten hinweist. Eine Seite weiter jedoch werden konkrete „Spiele als Konfliktlösung“ angeboten und dargestellt.

Gerade im ersten Drittel des Buches wird auf die Wissenschaft und Studien zum Thema Geschwister, Vererbung und Sozialogie ausführlich eingegangen. Erkenntnisse werden vorgestellt und erklärt, manchmal verworfen oder ergänzt. Thesen und harte Fakten runden das Bild ab, so dass man am Ende als Elternteil langsam wieder handlungsfähig wird oder werden kann, wenn man es mit wilden Problemen zwischen den Kinderchen zu tun hat.

Wie ich oben schon erwähnte, ist auch der Altersunterschied ein Faktor, den das Buch selbstverständlich erklärt. Das finde ich toll. Es wird auch dargestellt „woran wir ein glückliches Geschwisterkind erkennen“. Lassen wir das für alle Eltern mit mehreren Kindern sehr empfehlenswerte Buch für sich sprechen und zitieren diesen kleinen Abschnitt: „Es gibt Familien, die das friedliche Zusammenleben aller wie von allein prima hinkriegen. Da halten die Kinder von klein auf wie Pech und Schwefel zusammen, gründen später gemeinsam Firmen, beschützen die Kleinen, bewundern die Großen, lernen voneinander und helfen zu Hause, wenn es ans Aufräumen geht. Ich habe mich jahrelang gefragt: Wer sind diese Familien? Was ist ihr Geheimnis? Was machen sie anders? Nun, es sind ganz normale Familien, und ihr »Geheimnis« ist die Art, wie sie mit ihren Kindern sprechen, wie sie Konflikte lösen, Aufgaben aufteilen und ihre Kinder als Team unterstützen – und im richtigen Moment auch mal in Ruhe lassen. Die gute Nachricht ist: Wir können das alle. Es ist kein Hexenwerk.“

Das Buch ist zum Thema absolut empfehlenswert!

Geschwister als Team: Ideen für eine starke Familie. Ein artgerecht-Buch

Buch hier kaufen
von Nicola Schmidt
240 Seiten, Kösel-Verlag (29. Oktober 2018)
ISBN 3466311047
Gebundenes Buch 18,00 Euro

Leseprobe

 
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Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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