Sexismus-Debatte – der Mann auf dem absteigenden Ast

Sexismus-Debatte am Weltmännertag 2017
Sexismus-Debatte 2017 - The Hard War.

Zum Weltmännertag 2017 müssen wir eine Reihe von schweren Rückschlägen verzeichnen. Aus beinahe jeder Ecke kriecht ein schleimiges Monster, das uns zuruft: „Du bist ein Mann, du bist ein Sexist, du grapscht Frauen ans Knie.“ Oder an den Arsch. Dieses Monster hat eine derart säuselnde Stimme, dass alle Welt ihm zu glauben scheint und wir Kerle dastehen, wie die letzten Neandertaler. Das nennt sich dann Sexismus-Debatte. Das Bild des Neandertalers hat sich allerdings in den letzten Jahrzehnten verändert, er ist nicht der primitive Rüpel, für den er lange gehalten wurde. Bei uns Männern verlief das Bild, das man sich von uns macht, genau anderes herum. Vom alternden Chef, der Kognak schwenkend seiner Sekretärin wohlmeinend unters Kinn griff, während seine Frau zuhause die Buben bewachte, hin zum primitiven Rüpel, der, sobald sich eine Gelegenheit bietet, dem anderen Geschlecht an die Wäsche geht. Und wenn es nur mit Blicken ist. Empört euch, emport euch! Nur wir Männern glotzen ungläubig aus der schmutzigen Wäsche und wissen nun gar nicht mehr, wie wir uns verhalten sollen.

„Ja La“ stellt auf Twitter die entscheidene Frage, auf die es aktuell keine Antwort zu geben scheint: „Wann ist männlich eigentlich zu einer Art Beleidigung geworden mit der versucht wird missliebige Handlungen/Gruppen zu diskreditieren?“

Diese Sexismus-Debatte ist ein regelrechter Geschlechterkampf vom Zaun gebrochen. Ein Geschlechterkrampf. Und viele Männer lassen sich weiter tief verunsichern von diesen pauschalen Anschuldigungen, dass schon ein lüsterner Blick ein Übergriff sein soll. Leckt mich doch am Arsch! Wir Männer dürfen uns aber nicht verunsichern lassen, nur weil ein paar Hunde übers Ziel hinausgeschossen sind. Wir sind Partner, Ehemänner, Väter, Freunde und Vorbilder, hart arbeitende Bürger, engagierte Menschen mit Mitgefühl und Würde. Schwarze Schafe gibt es immer. Auch unter Frauen. Aber wir wollen nicht den Fehler machen und aufrechnen. Ich will mich am Weltmännertag nur wehren gegen ein Männerbild, dass du in der Pfeife rauchen kannst. Das bin ich meiner Tochter schuldig, die einen wundervollen Papa hat. Einen wundervollen Papa, der eben auch ein Mann ist, ein Mann mit Ecken und Kanten, Schwächen und Fehlern, mit Stolz und Würde, Anstand und Moral.

Ok. Nehmen wir also mal meinen Fall. Ich flirte gern, bin nicht auf den Mund gefallen, mache und habe gern Spaß, habe so ein Gen, dass mich gern etwas provozieren lässt. Da kann es schon mal vorkommen, dass meine Hand auf einem Popöchen landet. Auch klar, dass das nicht jeder mag und ebenso klar, dass das nur geschieht, bei Popos, die mich schon kennen, also ausschließlich bei Poschis von Freundinnen und Bekanntinnen. Und was ist das jetzt? Gehört das an den Pranger? Ist das schon Geringschätzung und Missbrauch? Nein, ist es nicht.

Oder wenn ich sage: „Bei Penny arbeiten die schärfsten Biester“, bin ich vermutlich schon unten durch. Aber es muss einen Unterschied geben, zwischen sexueller Nötigung und ein paar blöden Sprüchen. Erinnert ihr euch noch an die Aufschrei-Debatte, als ein alternder Politiker das Dekolletee einer Journalistin lobte? Das verunglücktes Kompliment eins alten Herrn wurde si zu einem Aufschrei des sexuellen Missbrauchs. Es war grenzdebil von den Aufschrei-Aktivistinnen.

Ich könnte es aber nie so brillant ausdrücken, wie Jochen-Martin Gutsch in seinem Beitrag im SPIEGEL letzter Woche: Warum der inflationäre Sexismus-Vorwurf nervt und Männern wie Frauen schadet: „Männer, sagt doch auch mal was! Mischt euch ein! Okay, womit soll ich anfangen? Vielleicht mit dem zarten Hinweis, dass die allermeisten Männer keine Sexisten und Frauenbelästiger sind. Das klingt banal, aber ich habe diesen Satz nirgendwo gelesen, er ist irgendwie durchgerutscht in der großen Sexismus-Aufregung.“ Männer sind nicht alles Schweine und genau das muss heute, in dieser Debatte und am Weltmännertag deutlich betont werden!

Die Hymne zum Weltmännertag 2017: Die Ärzte „Männer sind Schweine“

Sexismus-Debatte und die „toxische Männlichkeit“

Meine Tochter hat eine neue Angewohnheit. Ich nenne sie nur noch Nö-Mädchen, weil sie praktisch auf jede Frage mit „Nö!“ antwortet, vor allem wenn sie schlechte Laune hat. Wenn ich den Bullshit von der „toxischen Männlichkeit“ lese, bekomme auch ich schlechte Laune und finde: Nö, och, nö, so nicht.

  • Bullshit Wording kurz erklärt
  • Mansplaining: Kommunikative Machtausübung durch Abwertung einer unwissenden Weiblichkeit
  • Manspreading: Offensiv breitbeinig in der Gegend zumsitzen.
  • Manslamming: Frauen anprempeln.
  • Manderstanding:: Insider-Sprüche, die Frauen nicht verstehen

Schnell wird der Mist zum Trendbegriff, schon haben sich die TAZ und die BILD auf die „toxische Männlichkeit“ gestürzt. „Die negativen Auswirkungen starrer Männlichkeitsbilder und Verhaltensweisen“ stelle die BILD vor, während die linke Tageszeitung zurecht befindet: „Ob bei Protesten, Parties oder Fußballspielen: Gewalt geht überwiegend von Typen aus.“

Eine Debatte darüber, was Männlichkeit ist und was ein guter Mann ist, ist immer willkommen. Nur dürfen hier nicht Feministinnen das Wort führen und bestimmen, wann was zur Debatte steht. Sie aber bestimmen diese Sexismus-Debatte. Auch „toxische Männer“, also Kerle, die ihr Macht, ihre Stärke und Kraft gegenüber Schwächern einsetzen, um ihre Interessen zu bedienen oder ihr Lust zu befriedigen, dürfen nicht die Debatte bestimmen. Wir Männern müssen diese Debatte führen und an uns reißen. Wir nehmen die Impulse auf und beziehen selbstbewusst Stellung. Weil wir in Ordnung sind, weil die meisten Männer in Ordnung sind.

Und eine Nebenbemerkung darf erlaubt sein: Was ist mit weiblicher Toxizität, „toxischer Weiblichkeit“? Darüber muss auch mal geredet werden, verkauft sich nur nicht so schön, wie der Sex & Crime der schleimigen Alpharüden. Kommt nur mal ans Licht, wenn eine Mutter ihren Säugling ersäuft oder den Ex im Gericht falsch beschuldigt. Aber wie gesagt: Aufrechnen ist nicht.

Die Grenzen der Scham und die Angstmännchen

Sexuelle Übergriffe erzeugen Scham. Die Täter an den Pranger zu stellen, hat ein ähnlichen Effekt. Damit wird hier gearbeitet. Wir Männer nehmen aber diese Scham in dieser Form verdammt noch mal nicht an! Nur weil wir Männer sind und deshalb eine natürliche sexuelle Anziehung gegenüber (jungen erwachsenen) Frauen verspüren, brauchen wir uns nicht schämen. Aber auch dieses Begehren ist bei vielen Männern schambesetzt. Da mag es manch einem geboten Erscheinen, seine Verklemmtheit mit einem sexuellen Übergriff zu sprengen. Diese Unfähigkeit ist unannehmbar und wir müssen hinschauen, woher sie kommt.

Scham ist wichtig. Scham setzt Grenzen. Aber diese Grenzen müssen auch mal überwunden werden, sonst würde die Menschheit aussterben. Ist es nicht so? Gemeinhin wird dem Manne diese Rolle zugeschustert, er soll anpacken, die Initiative ergreifen, die Frau erobern und dies Grenze durch Bezirrzung oder was immer er zu bieten hat, aufweichen und durchlässig machen. Einige Kerle tun das mit Geld. Es gehören aber immer zwei dazu. Also was ist jetzt?

Der Machtmissbrauch der „Angstmännchen“, wie Eva Rossmann in den östereichischen Nachrichten ZIB II in 3sat die übergriffigen Männer nennt, ist widerwärtig. Selbstverständlich dürfen Frauen nicht angegangen werden. Aber es kommt immer wieder zu Grenzverletzungen, weil es keine klaren Grenzen geben kann. Wobei Machtmissbrauch gegenüber Frauen vollkommen inakzeptabel ist. Aber natürlich nicht nur gegenüber Frauen – das ist sexualisierte Gewalt! – sondern Machtmissbrauch ist gegenüber jeden Menschen unwürdig und verachtenswert.

Und wenn man an die Sexismus-Debatte um Harvey Weinstein oder Kevin Spacey denkt, dann gibt es zu diesen Arschgeigen, die durch Macht und Geld korrumpiert sind, auch eine andere Seite: Nämlich die Frauen, die sich das gefallen lassen. Sie schweigen, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Und haben sie sich entschieden, welche Verantwortung sie tragen wollen. Das finde ich genauso schwach und beschissen, diese Art von Prostitution, dieser Handel Schweigen gegen Vorteile an dieser Stelle. Auch dies geschieht tagtäglich in unseren Büros. Da geht es nicht immer um Sex, aber immer um Macht, die schwache Angstmännchen ausnutzen müssen. Und schwache Angstweibchen sich gefallen lassen, anstatt knallhart die Konsequenzen zu ziehen, auch wenn die unangenehm sind. Haben viele nicht gerlent, um ihre Würde zu kämpfen, sie haben sich vermutlich schon vor dem „Überfall“ selbst verraten, weil sie glaubten, nur so erfolgreich zu sein. Nein, zu dem Schuh, der dem Schurken passt, muss sich noch jemand anders den zweiten Schuh anziehen. Es ist wie mit Co-Abhängigkeit: Der Pilot braucht einen Co-Piloten, sonst kann er nicht fliegen. Diese einfachen Erkenntnisse gehören an dieser Stelle selbstverständlich in die Sexismus-Debatte.

Ein Beispiel dafür, wie man als Frau auf einen Machtmissbrauch durch den ekelhaften Weinstein reagiert, ist Ashley Judd. „Sie habe ihm schließlich gesagt, sie werde sich ihm fügen, wenn sie einen Oscar für eine Rolle in einem seiner Filme gewinne. Bei einer Nominierung, habe Weinstein entgegnet. Sie habe gesagt: ‚Nein, wenn ich den Oscar gewinne‘ und sei dann geflohen. Einerseits schäme sie sich dafür, andererseits sage sie sich ‚Es war absolut brillant‘, schließlich sei sie so der Situation entkommen. ‚Ich wusste, es ist widerlich'“. Sie hat ihre Würde geschickt und mutig verteidigt. Das beweist: Man kann sich wehren, kreativ und intuitiv gegen diese Übergriffe wehren. Dazu gehört etwas, man muss dafür sorgen, dass alle Individuen in diese Lage versetzt werden, bei uns Eltern fängt es an, unsere Kinder starkt zu machen.

#metoo #Aufschrei

In der FAZ schreibt die junge Helene Bubrowski: „In den sozialen Netzwerken schallt es: Me too! Sexuelle Übergriffe scheinen allgegenwärtig und Männer büßen nun auf hoher Ebene für ihre Taten.“

Freiheit, Liebe, Männer am Pranger
Sexismus-Debatte: Männer am Pranger
Sie wollen uns Männer beschämen und sich selber reinwaschen. Sie stellen uns alle an den öffentlichen Pranger, so dass selbst eine harmlose Grenzverletzung wie der Griff ans Frauenknie zu einer latenten kriminelle Tat, eine finstere Ursupation, eine Besetzung wird. Meine Fresse. Es gibt kein Halten mehr, aber ich wehre mich hier gegen diese Beschämung, diese Schamverletzung, die mir als Mann hier untergeschoben wird. Ich habe eine zauberhafte Tochter und die braucht einen stolzen Vater, der sich nicht schämt, nur weil er ein Mann ist.

Ist der Griff ans Knie schon eine Demütigung? Der Klaps auf den Popo? Das ist doch situativ und sehr individuell. Die Absicht aber – das Motiv – ist für eine Tat entscheidend. Vielleicht wollte der Griff, der Klaps, die Obszönität nicht demütigen, sondern … Aufmerksamkeit. Vielleicht war es ja nur ein Art missglückte Wertschätzung. Aus einer Laune heraus entstanden, da man der Worte, die eh zu viel oder zu wenig gewechselt wurden, nicht mächtig war. Wer will das alles wissen, was wirklich geschehen ist?

Sexuelle Übergriffe sind nicht allgegenwärtig. Hier müssen nur einige wenige Typen büßen, die vom Erfolg korrumpiert ihre Macht missbraucht haben. Das sind nicht „Männer“, das sind Ausnahmen. Herrgottszeiten. Ich habe langsam die Schnauze voll von diesem Trommelfeuer und rufe meine Geschlechtsgenossen auf: Wehrt euch! Haltet nicht eure Fressen und steht auf und zeigt euch! Wir sind gute Männer und in der Mehrzahl. Wir sind nicht schlechter als ihr Frauen. Wir fordern Tiefenschärfe und ein Ablassen von der groben Zielrichtung „Männer“!

Die Journalistin Bubrowski schreibt weiter in ihrem Beitrag zur aktuellen Sexismus-Debatte: „Als ein Politiker ihr beim Abendessen die Hand auf das Knie legte, schob sie seine Finger sanft beiseite und flüsterte dem Mann ins Ohr:’Wenn Sie das noch einmal machen, dann schlag ich Ihnen ins Gesicht.‘ Das hat gesessen, ganz ohne Solidaritäts- und Mitleidsbekundungen in sozialen Netzwerken. Die Ironie der Geschichte ist, dass die öffentliche Empörung nun 15 Jahre später nachgeholt wurde und der Mann, der später britischer Verteidigungsminister wurde, von seinem Amt zurückgetreten ist. Grenzen selbst festlegen! Wer sich von vornherein als Opfer fühlt, dem kommt so ein Satz nicht über die Lippen. Viele Frauen scheinen gar nicht zu sehen, dass sie selbst die Grenzen festlegen können. Dafür muss man sich Gedanken darüber machen, wo die eigenen Grenzen eigentlich liegen. Anders als die gemeinsame Empörung suggeriert, ist sie nicht bei allen Frauen gleich.

So ist es. Und bei Männern sind diese Grenzen eben auch nicht gleich. Nicht jeder Kerl ist überhaupt in der Lage einer Frau ans Knie zu fassen, die ihn nicht dazu eingeladen hat. Andere Gockel glauben, dass alle Hennen auf die stehen MÜSSEN. So sieht es aus. Die menschliche Sexualität ist offensichtlich durch die kulturelle Prägung anfällig für Verwirrung und Verunsicherung. Lasst und dem entgegentreten. Die Sache da in uns ist wild, ist lebendig, ist Jazz. Es ist nicht gleich, nicht pauschal und es sind nicht „Männer“. Und was ist mit den Männern „alter Schule“? Sind die besser? Von denen wurden keine Grabschanfälle bekannt. Dürfen diese denn eigentlich Nazis sein und trotzdem an dieser Stelle die politisch korrekten Lorbeeren ernten? Oder wie bigott ist diese Sache? Wenden wir uns lieber den konstruktiven Dingen zu: Der Initiative zur Männergesundheit Movember in Österreich etwa. Männer sind toll und machen diese blöde Scheiße nicht, die andere demütigt, entwürdigt und kränkt. Ok? Ok. Diese neue Sexismus-Debatte über ein sehr altes Thema, zeigt aber auch, dass es nicht nur Muslime oder Ausländer sind, die Frauen begrabschen, sondern strahlende Hollywoodstars. Das ist vielleicht das wirklich gut an dieser Sexismus-Debatte …

Ich rede mit Frauen anders, als mit Männern. Das ist nicht sexistisch im negativen, abwertenden Sinne, das liegt in der Natur der Sache, wenn es sich nicht gerade um knochentrockene Geschäftsinteressen handelt. Männer und Frauen sind nicht gleich, sie sind gleichwertig.

3 Kommentare zu Sexismus-Debatte – der Mann auf dem absteigenden Ast

  1. „Sexuelle Übergriffe sind nicht allgegenwärtig.“ Nein, aber nahezu jede Frau hat mehrfach solche erlebt. Wenn die nun ihre individuellen Erfahrungen posten (#Metoo #Aufschrei), dann ist damit NICHT gesagt, dass ALLE Männer auf der Anklagebank sitzen!

    „Sie schweigen, um ihre Karriere nicht zu gefährden.“ – damit hebst du dann zu einem längeren Rant auf Angstfrauen und Angstmänner an, die sich das gefallen lassen, „anstatt knallhart die Konsequenzen zu ziehen, auch wenn die unangenehm sind.“
    Ja, kann man fordern, hört sich immer gut an! Aber Fakt ist, dass die Mehrheit der Frauen UND der Männer zu den „Angsmenschen“ gehören, die lieber „mit sich machen lassen“ bzw. tun, was die jeweiligen Machthaber verlangen, als ihre Karriere, ihren Job oder den „Frieden“ in der Firme/im sozialen Umfeld zu riskieren.

    Ich habe eine kleine private Umfrage gemacht, was denn Männern im Vergleichsfall so alles „von oben“ abverlangt wird. Das geht von „du kriegst den Auftrag, baust aber auch (schwarz natürlich) mein Gartenhaus“ über das Zuweisen unschaffbarer Aufgaben, das Fordern extremer Mehrarbeit, Überlassung sämtlicher „Lorbeeren“ für gute Arbeit an den Vorgesetzten, bis hin zu ständigen Demütigungen und (wenn Chef schwul) sexuellen Übergriffen.

    Dem ist mit der wohlfeilen Aufforderung zum sozialen Heldentum nicht beizukommen! Genau wie die Aufforderung, mehr Zivilcourage zu zeigen, schon mal dazu führt, dass einer getötet wird, der genau DAS in genau der beschriebenen Situation dann auch umsetzt.

    Den Begriff „toxische Männlichkeit“ hab ich auch zuerst als reinen Kampfbegriff verstanden. Mittlerweile ist das für mich ein Rollenverhalten, dass dem Mann („als Mensch“) selber schadet – wie etwa manche Auswüchse der Wettbewerbs- und Konkurrenz-Orientierung kombiniert mit großer Risikobereitschaft, die zum männlichen Rollenbild gehört. „Toxische Weiblichkeit“ wären dem entsprechend nicht die von dir angesprochenen Straftaten, sondern etwa die „andere Kommunikation“ an der falschen Stelle: wenns nämlich darum geht, um Gehalt/Honorar zu verhandeln bzw. die eigenen Vorzüge ins rechte Licht zu setzen. Oder auch in der eher bei Frauen anzutreffenden Bereitschaft, vergleichsweise viel Lebenszeit ins eigene Styling zu stecken, sich gar „ungeschminkt nicht aus dem Haus zu trauen“, wie man immer wieder lesen kann.

    Dein Blog hab ich in meine Geschlechterblogs aufgenommen:
    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/geschlechter-blogs/

    hoffe, das ist ok.

    • Klar ist das Ok, ich freue mich! Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich will nicht auf jede Einzelheit eingehen, da mein Beitrag nicht für Frauen geschrieben ist und ich nicht zu jeder Ansicht Stellung beziehen will. Aber ich will etwas über „toxische Männlichkeit“ sagen und über „toxische Weiblichkeit“. „Toxisch“ meint hier, abgeleitet von „giftig“, dass jemanden zu Schaden kommt, dass jemanden geschadet wird. Wenn eine Angestellte ihren Chef verführt um mehr Gehalt zu bekommen, ist das ihre Sache. Sie schadet niemanden. Wer ohne Sünde ist, der nehme den ersten Stein. Oder das mit dem Balken im eigenen Auge, das finde ich in der Feminismus-Debatte auch ganz angebracht.

      Meine Großcousine würde von ihrem Mann ermordet. Sie war der liebste Mensch in meinem Leben. Das war schrecklich, ganz schrecklich damals. DAS ist toxische Männlichkeit, das und der Machtmissbrauch a la Weinstein und Spacey. Und bei allen anderen Äußerungen oder Übergriffen müssen wir über die Grenzen reden. Machst du aber leider auch nicht. Ich habe das erklärt in meinem Beitrag. Und nicht nur aus diesem Grund wehre ich mich stellvertretend für meinen schweigenden Geschlechtsgenossen dagegen, pauschal verdächtigt zu werden, nur weil ich ein Mann bin. Ein Mann ist mal rauher, ein Mann gibt an, haut auf den Putz, ein Mann wird mal unflätig oder aggressiv. Aber er weiß von die Grenze ist. Ein Mann belästigt keine Frau sexuell.

      Ich mache es nicht mit, die Verantwortung auf andere abzuschieben. Es muss zuerst bei einem selbst losgehen. Wenn du meinst, es sei „Heldenmut“ nötig, um seine Würde zu wahren, dann stimmt das eben nur für die Angsthasen. Dann lass uns darüber reden, über Ängstlichsein, Selbstvertrauen, Würde, Erziehung und Konfliktfähigkeit. Das scheinen dann eher die Themen – die ich hier in meinem Blog auch behandele – als das Fehlverhalten der anderen, wobei wir keine klare Grenze haben.

      • Es war nicht mein Anliegen, zu allem, was du im Artikel sagst, Stellung zu beziehen! Das wäre viel zu lang und wie du selber sagst, schreibst du ja eher für Männer.
        Ich würde mir wünschen, Männer würden zu deinen Sätzen über die „Angsthasen“ etwas sagen. Die Männer, die ich befragt habe, ob und wie sie von ihren Vorgesetzten machtmissbrauchend behandelt werden, sind keineswegs „Angsthasen“, sondern sie haben einfach viel zu verlieren. Umso mehr, wenn sie der wesentliche Verdiener in einer Familie sind, dann ist es recht viel verlangt, „für die Würde“ alles zu riskieren.

        Natürlich wäre das toll, wenn Männer wie Frauen gegen solche miesen Methoden aufstehen würden, sich nix gefallen lassen etc. Aber ich denke – und das ist auch ein Grund, warum ich ab und an auf Männerblogs schreibe – wenn so etwas wie Solidarität zwischen den Geschlechtern neu entstehen könnte.
        Das wird erschwert durch Klischees, mit denen auch du arbeitest:

        „Ein Mann ist mal rauher, ein Mann gibt an, haut auf den Putz, ein Mann wird mal unflätig oder aggressiv. Aber er weiß von die Grenze ist. Ein Mann belästigt keine Frau sexuell.“

        Es gibt jede Menge Männer, die gar nicht rauh sind, die nie auf den Putz hausen und nie im Leben unflätig werden. Genau wie es viele Männer gibt, die gelegentlich Frauen sexuell belästigen – ich denke, das lässt sich schlecht leugnen, oder? (Und ja, es gibt auch Frauen, die Männer sexuell belästigen, nur scheint das eine weniger verbreitete Problematik zu sein).

        Aber jetzt will ich dich nicht weiter nerven! 🙂

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