Männerbuch & Sommerlesen: Drei Buchtipps für den Mann!

Sommerlesen - denn Männer lesen auch im Sommer
Männerbucher & Sommerlesen: Drei Bücher für den Mann! Buchtipps

Zuerst etwas Lustiges, frei nach dem Motto „Lachen ist das beste Muskeltraining bei Bauchansatz.“ Ich habe zwar von dem „Satiriker, TV-Autor und Comedy-Coach“ Christian Eisert noch nie gehört, aber der Buchtitel ist schon mal super. Tja, und wenn der PLAYBOY meint, es wäre einr „Top-Lektüre gegen Altersneurosen“, dann blättern wir mal rein in den Schinken:

Sommerlesen 1: Anpfiff zur zweiten Halbzeit: Wenn aus Jungs MÄNNER werden

Christian Eisert ist nun gerade mal 42 und schon geht es um Bauchansatz und Altersneurosen? Das scheint mir etwas überzogen. Kommt aber auf den Lebensstil an. Und vielleicht auch auf den Markt, den Buchmarkt, auf dem man die 2. Halbzeit verkaufen möchte. Andererseits 40 + 40 = 80. Also mehr als die aktuelle Lebenserwartung für Männer und das bedeutet: Ja, es ist Halbzeit, die erste Hälfte ist definitiv mit 40 rum. Und das kann man nur mit Humor nehmen, Mann sollte sich aber umfassend informieren über das, was vor sich geht.

Worum gehts?

Irgendwann ist jeder Mann kein junger Mann mehr. Die Lebenszeit, die vergangen ist, scheint länger zu sein, als die, die noch kommt. Was also tun, wenn die erschütternden Kommentare aus dem unmittelbaren Umfeld auch das eigene Selbstbild, mit dem es sich seit fast vier Jahrzehnten komfortabel lebt, ins Wanken bringen? Was also tun, wenn aus „Ich bin schlank. Immer schon“ auf einmal „da vorn eine puddingweiche Wölbung“ wird?

Klaglos den Weg alles Irdischen zu gehen, ist schon mal keine Option, so viel ist klar. Doch welche Gegenmaßnahmen sind dem rapiden körperlichen Verfall angemessen? Die Auswahl ist groß, kostenintensiv und schmerzhaft und reicht von Eigenhaarverpflanzung und Haarwachstumspillen mit potenziell potenzschädigender Wirkung bis hin zu Proteindiäten, Wassergymnastik mit Schwimmnudel und peinlichen Crunches im Park.

Doch auch die innere Lebenseinstellung will neu gedacht werden, inspiriert vom schlagfertigen Verbalpingpong mit der besten Freundin und Eiserts Kumpels Olaf (entspannter Spätzünder), Mark (Romantiker, der Frauen immer noch glaubt, dass sie die Pille nehmen) und Dominik (Powersmoothie-Fan mit eigenem Fitnessraum): Was ist die richtige Taktik im Spiel des Lebens?

Wenn aus Jungs Männer werden! Wie finde ich das?

Vergeblich suchte ich das Inhaltsverzeichnisv vom Anpfiff zur zweiten Halbzeit:, um nach Fettabsaugung oder Halsstraffung zu suchen. Aber das sind vielleicht die Probleme für Kerle ab 50. Aus meiner Sicht erschwert das die doch auch leichte Lektüre. Aber nun, wir befinden uns um Urlaub und kann Mann die Schwarte auch mal am Stück durchlesen, wobei die Kapitel nach Mannesjahren, also nach dem Alter unterteilt sind. Von Eins bis Fünfundvierzig. Und dann wieder bei Null. Kapitel EINS beginnt aber nicht mit einem Talk über das Babysein eines Jungen, sondern mit dem Färben der Haare. Und führt uns Kenntnisreich in die Welt der Zoologie und Biopsychologie. Also auf erzählerische Art und Weise. Er adaptiert wissenschaftliche Erkenntnisse in den eigenen Blick in den Spiegel. Sehr interessant.

Der Autor nimmt auch die Longlife-, Fitness- und Anti-Aging-Industrie aufs Korn und trifft ins Schwarze. Wir können die Leiden und Gedanken nachvollziehen. Das Buch erscheint für alle geschrieben, die Schwierigkeiten dabei entwickeln, in Ruhe zu reifen und der Jugend Lebwohl zu sagen. Ist aber auch nicht so einfach in unserer Zivilisation. Dabei erweist sich Christian Eisert als sehr guter Begleiter, der sich mit dieser Sache sehr gut auskennt. Mit Medizin und die Fährnissen des reifenden Mannes. Das Buch hat also auch seine ernste und persönliche Seite. Er greift einige heftige Themen sehr intelligent auf, aber keine Sorge, er bleibt seinem unterhaltsamen Erzählstil treu, flicht schmissige Dialoge ein und klärt uns auf über Ernährung, Haarausfall, Gynäkomastie und … alles andere. Kann ich empfehlen.

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Buch kaufen bei AMAZON:
Anpfiff zur zweiten Halbzeit: Wenn aus Jungs MÄNNER werden

von Christian Eisert
288 Seiten, Goldmann Verlag, April 2018
ISBN: 3442314798
Broschiert 15,- EUR

Sommerlesen 2: Die Toleranzfalle – Was grenzenlose Liberalität uns und unseren Kindern antut

Dieses Buch ist nich weniger heikel, als das eben empfohlene, aber wesentlich ernster. Obwohl ich diese Thema – Erziehung, Grenzen, Moral unseren Kindern zeigen – ebenfalls sehr ernst nehme und schon einige Beiträge in meinem Vaterblog hier wiedergegeben habe, könnte man auch diese Sache leichter nehmen, als es der Autor dieses Sachbuchs nimmt. Wir sollten uns fragen, warum er dies tut. Aber das ist mir eben so eingefallen, da müssten wir spekulieren, wenn wir den Autor nicht fragen können.

Die Verrohung der Sitten und falsche Toleranz

Wie oft nehmen wir es hin, wenn Jugendliche außerhalb des Elternhauses über die Stränge schlagen und pöbeln, beschimpfen oder kriminelle Delikte begehen. Wenn kleine Tyrannen aus prekären wie auch gut situierten Verhältnissen in der Schule notorisch den Unterricht stören. Oder wenn die Söhne muslimischer Einwanderer mit liberalen Werten überfordert sind und dies durch ihr Verhalten zum Ausdruck bringen.

Der ehemalige Lehrer und Moderator für Gewaltprävention Axel Becker bedauert, dass aus einer Haltung der Toleranz oft Gleichgültigkeit entsteht, und Übertritte und Delinquenz, ob im Klassenzimmer oder auf der Straße, mit einem Laisser-faire beantwortet werden. Schnell entstehen daraus Angst und Verwahrlosung. Becker warnt vor dieser Abwärtsspirale und fordert ein engagiertes Eintreten für das Gemeinwohl und seine Regeln. Als Pädagoge weiß er, dass Kinder und Jugendliche ein Anrecht auf Widerständigkeit haben: Damit Jugendliche sich abgrenzen können, hilft es, wenn Erwachsene eine klare Position beziehen. Verlässliche Beziehungen, gesicherte Grundbedürfnisse, Regeln und Rituale sowie Konsequenzen sind hierfür unerlässlich.

Der Autor Axel Becker fuhr früher zur See, war im Polizeidienst und wurde dann Lehrer. Über 30 Jahre lang hat er in der Comenius Sonderschule in Berlin gearbeitet. Parallel dazu absolvierte er eine berufsbegleitende Weiterbildung in Sozialem Lernen und Ausbildung zum Mediator für Gewaltprävention. Seit 2012 gibt er Seminare und Workshops auf Honorarbasis, u.a. für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Axel Becker lebt in Berlin.

Sind wir (Väter) wirklich zu tolerant?

Eine interessante Frage. Die schwarze Pädagogik haben wir (hoffentlich alle) hinter uns gelassen. Das scheint die Sache aber nicht leicht gemacht zu haben. Denn nun müssen wir uns etwas einfallen lassen – jenseits von Strafe und Macht. Wir müssen Vorbild sein und Engagement zeigen, Fehler eingestehen – uns und den Heranwachsenden. Wir müssen lernen, gut und konstruktiv miteinander zu kommunizieren, uns klären und erklären, reflektieren und kreativ sein. Meiner Meinung nach. Aber sind wir das auch? Können wir das?

Da gab es die Szene, als wir auf dem Kutter bei Sylt waren und jugendliche Jungs zwischen 9 und 13 anfingen die lebenden Seesterne übereinander zu stapeln. Niemand sagt etwas. Außer mir. Ich sagte den Bengeln klipp und klar was Sache ist, dass sie das gefälligst sein lassen sollten, da es sich um Lebenwesen handeln würde. Aber ich frage mich, warum haben die anderen Erwachsenen nichts gesagt? Vielleicht passt das nicht wirklich zu dem Thema des Buches, aber ich finde es schon bezeichnend.

Es gibt sehr interessante Kommentare auf Amazon zu dem Buch Die Toleranzfalle. Eine Dikussion zu dem Thema, zu unseren Werten, zum Umgang mit anderen, mit unseren Kindern, Heranwachsenden und Fremden sehr, sehr wichtig. Das Buch leistet aus meiner Sicht einen sehr wichtigen Beitrag zu dieser Debatte.

Das Buch Die Toleranzfalle ist beinahe ein Fachbuch möchte ich sagen und als Urlaubslektüre sicher nicht für jeden geeignet. Man darf auch mal Abstand zu den Dingen gewinnen. Aber der Inhalt ist hochinteressant und beleuchtet die Komplexität des Themas umfassend. Ich empfehle dieses Buch jedem Vater und freue mich, dass ich eine Leseprobe hier anbieten kann. Diese hatte leider kein Inhaltsverzeichnis, aber als alter Webworker weiß ich natürlich, wie man eins hinzufügt. Das habe ich getan und kann nur sagen: Lest es!

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Buch kaufen bei AMAZON:
Die Toleranzfalle – Was grenzenlose Liberalität uns und unseren Kindern antut

von Axel Becker
280 Seiten, Beltz Verlag, September 2016
ISBN: 3407864116
Gebundene Ausgabe 19,95 EUR

Sommerlesen 3: Ich komme: Was Mann beim Sex fühlt – Eine Grenzüberschreitung

Ich komme ist eine Offenbarung, eine Enthüllung – noch nie hat ein Mann so frei von seiner Sexualität erzählt“, schreibt die Berliner Zeitung. Das weiß ich gar nicht, ist auch nicht so wichtig. Auf dieser Art hat jedenfalls noch kein Kerl über sein, ja, wie soll man sagen, Liebesleben? Geficke? Über seine Geilheit? Seinen Schwanz? Seine Gefühle und die attraktiven Frauen, mit denen er es trieb geschrieben?

In diesem Sinne ist dieses Buch eine echte Herausforderung. Für Frauen 100% geeignet. Denn es verschafft tatsächlich subtile Einblicke in das Innenleben eines Mannes … wenn es um Sex geht. Mein erster Eindruck war, dass diese Dinge sehr stark vom Alter des Mannes abhängen. Ein Jugendlicher, der erste Schritte ins Geschlechts(er)leben macht, hat sicher andere Gefühle, als einer gestandener Mann, der mit seiner langjährigen Lebenspartnerin die Dämmerung des Lebensabends erlebt. Christian Seidel steht voll im Saft, ist lebenserfahren, offensichtlich attraktiv und kann sich ausdrücken.

Was fühl ein Mann beim Sex?

Christian Seidel durchbricht das Schweigen, das dieses Thema umgibt, und schildert auf berührende Weise, was in ihm (und ganz ähnlich im Körper, der Seele und den Gedanken anderer Männer) beim Sex vorgeht: vom Erwachen erster sexueller Regungen als Junge bis zu den erotischen Erlebnissen des gereiften Liebenden – mit allen Hemmungen und Ängsten, Sehnsüchten und Glücksgefühlen, die mit unserer Sexualität einhergehen. So rückhaltlos und radikal er seine eigenen Empfindungen, Gefühle und Gedanken offenlegt, verletzt er doch nie die feine Grenze zwischen sensibler Innenschau und intimer Entblößung. Eine unerhörte Selbsterfahrung – und zugleich ein kritischer Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit Erotik und Sinnlichkeit in einer Welt, die mit unserem Verlangen Geschäfte macht. Ein aufrüttelndes Buch, das dazu anregt, uns über unser Verhältnis zu uns selbst, zu unserem Körper und zu denen, die wir lieben und begehren, klarzuwerden.

Dehnt sich Sex selbstständig aus?

Mit Die Frau in mir – Ein Mann wagt ein Experiment hat großes Aufsehen erregt. Das ist sein Thema: Mann und Frau und was zwischen ihnen geschieht.

Ich bin nicht sicher, ob ich allen Gedanken und Reinfektionen zu dem Gekomme des Autors folgen will oder mag. Vielleicht ist das ja eher interessant für Kerle, die häufig wechselnde Partnerschaften oder Sexpartner haben. Ich bin da natürlich etwas neidisch, als Single, mitten in den besten Jahren, aber älter als alle vorgestellten Autoren hier. Aber da das Buch hier schon mal liegt, bin ich natürlich sehr neugierig und schlage es auf. Was lese ich? „Die männliche Geschlechterrolle macht tiefn Sex kaputt“. Klingt wie Tantra oder ein Geschäftsmodell. Was ist denn „tiefer Sex“? Ist es nicht etwas, das nur mit großer – oder tiefer – Liebe einhergeht oder gehen muss? Aber ist Sex nicht etwas, das auch ohne diese große Liebe sehr gut funktioniert und nicht jederzeit „tief“ sein muss?

Der Autor reflektiert und legt seine Gedanken offen. Er lädt mit dieser sehr aufgeschlossenen Art ein, Fragen zu stellen, Standpunkt einzunehmen oder aufzugeben, zu experimentieren oder … weiterzulesen. Dabei bin ich mir nicht immer sicher, ob Seidel nicht zu sehr in den althergebrachten Klischees rumrührt, da gerade jüngere Männer gar nicht mehr so gefühlstaub sind, die ihre Väter es vielleicht sind oder waren. Es hat immer schon Männer gegeben, die sich „schwach“ zeigen konnten. Also hier schrammt der Autor an geläufigen Stereotypen entlang und manchmal möchte man sich gar nicht vorstellen, mit welchen Esoterikerinnen er es getrieben hat. Dieser Aspekt, der immer wieder durchscheint, ist vielleicht der Schwachpunkt des Buches. Das bleibt ja auch nicht aus bei diesem heiklen Thema, bei dem eigentlich jeder mitreden kann und über 300 Seiten gefüllt werden müssen.

Das Buch lohnt sich dennoch, es ist hochinteressant. Auch wenn es unser voyeuristischen Anteile anspricht, lädt es doch ein, sich selber als Mann, als sexuelles Wesen zu klären und weiterzuentwickeln. Und vielleicht sogar neue, bereichernde, tief befriedigende Erfahrungen zu machen. ich wünsche es uns allen.

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Buch kaufen bei AMAZON: Ich komme: Was Mann beim Sex fühlt – Eine Grenzüberschreitung

von Christian Seidel
320 Seiten, Heyne Verlag, Januar 2018
ISBN: 345360427X
Taschenbuch 12,99 EUR

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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