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Buchbesprechung: Hochsensible Männer – Mit Feingefühl zur eigenen Stärke

Cover-Ausschnitt: Hochsensible Männer - Mit Feingefühl zur eigenen Stärke

Hochsensible Männer – Mit Feingefühl zur eigenen Stärke ist ein erstaunliches Buch. Es ist überhaupt erstaunlich, dass es sehr sensitive Männer, die nicht Künstler oder Geschichte sind, überhaupt gibt. Mitten unter uns, mitten im richtigen Leben. War das doch nur Sonderfällen – Autisten? – Frauen und Genies vorbehalten. Oder psychisch Kranken oder Traumatisierten. Oder Männern, die es nicht geschafft haben, die zu empfindlich für das richtige Leben waren, die Obdachlos wurden, Alkoholiker oder die sich selber umbrachten. Das auch Männer sensibel sein, Feingefühl haben, Intuition, überhaupt Gefühle, und dass auch sie hochsensibel sein können – auf die Idee ist man lange nicht gekommen.

Überhaupt ist das Thema Hochsensibilität noch kaum bekannt unter den Menschen. Weder in der Medizin, noch in der Psychologie – die beide das Thema regelmäßig bagatellisieren und ihr ihre schon vorhanden Schubladen einordnen – weder in der Psychotherapie (hier aber schon eher), noch bei den Betroffenen selber. Da kommt also einiges an Unwissen, Missverständnissen und Spekulationen zusammen. Daher ist ein solches Buch über Hochsensible Männer notwendig, ja überfällig!

Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität ist eine angeborene erweiterte Reizfilter-Offenheit. Heißt: Man kriegt schneller mehr mit, als andere. Die Ausformungen dieser Fähigkeiten der feinen Wahrnehmung sind vielfältig: Sie reichen von Hellsichtigkeit (und Hellfühlen), bis zu großer Geräuchempfindlichkeit, erhöhter Lichtempfindlichkeit, tieferem Fühlen und überhaupt das unmittelbare, teils unbewusste Wahrnehmung andere Menschen und ihrer Stimmungen. Das kann alles sehr belastend sein – aber auch sehr bereichernd. Es ist ein komplexes Thema. Ein Problem dabei ist, dass diese Phänomene auch im Zuge von ernsthaften psychischen Erkrankungen auftreten (können) und dass es zu wenig Forschung dazu gibt. An der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität wird dazu geforscht.

Aber natürlich hat Hochsensibilität in den Menschen auch andere Auswirkungen oder zeigt bestimmte Merkmale. Hochsensible Menschen brauchen und wollen Tiefe. Sie wollen nicht nur alles, mit dem sie zu tun haben, in der tiefe Verstehen, sie suchen und brauchen auch tiefe Verbindungen, Beziehungen und Gespräche. Das lässt sie manchen etwas anstrengend erscheinen. Sie sind eben emotionalen Intensiv und damit nicht jedermanns/fraus Sache. Auch durch andere Aspekte ihrer Hochsensibilität und je nach Ausprägung wirken diese empfindsamen Menschen als würden sie sich ständig an irgendetwas abarbeiten. Dabei empfinden sie selber das als ganz anders – sie streben nach Klarheit, Verständnis und Substanz, und finden das ganz natürlich.

Selbstverständlich hat die Fähigkeit des ausgeprägten Feingefühls auch kritische Aspekte, nämlich beispielsweise einen Hang zur Überlastung durch Eindrucksüberflutung. Oder eine Übererregbarkeit, die sich als intensive Emotionalität zeigt – in Wut beispielsweise und krasser Unruhe. Es ist eine Lebensaufgabe für diese Leute, mit dieser Übererregbarkeit einen guten Umgang zu finden bzw. ihn zu lernen. Auch daran geht Tom Falkenstein in seinem Buch Hochsensible Männer ein. So heißt denn auch Kapitel 5: „Strategien im Umgang mit Übererregung und emotionaler Intensität: Was Emotionsregulation ist und warum sie für hochsensible Männer besonders wichtig ist.“ Da trifft es sich natürlich gut, dass der Autor Tom Falkenstein Psychotherapeut ist und damit weiß, wovon er schreibt.

Kapitel 6 lautet: „Strategien im Umgang mit Übererregung und emotionaler Intensität: Achtsamkeit und Akzeptanz“. Kapitel 7: „Strategien im Umgang mit Übererregung und emotionaler Intensität: Entspannung und Imanigation.“ Deutlich wird bei diesen Überschriften und den Inhalten, dass es insbesondere hochsensible Männer nicht leicht haben, ihren Weg zu finden und zu gehen. Sie haben einiges zu bewältigen und die Selbstregulation steht hier an erster Stelle. Ich selber weiß, wovon ich spreche. Ich bin übererregbar und Emotional, aber da das gesellschaftlich nicht akzeptiert ist und man nichts weiß von uns hochsensiblen Kerlen, wird man schnell gebrandmarkt. Genau das ist mit im Familiengericht bei meinen damaligen Umgangsstreitigkeiten geschehen. Ich konnte mich sehr schlecht selbst regulieren und wurde daher von einer böswilligen Rechtsanwältin als Kindeswohlgefährder aus dem Spiel genommen. Gäbe es ein Verständnis für Hochsensibilität und hätte ich mich besser unter Kontrolle gehabt – das hätte ich lange üben müssen – wäre mir manches erspart geblieben.

Warum die Welt feinfühlige Männer braucht

Die Forschung zum Thema Hochsensibilität wurde in den 1990er-Jahren von Elaine Aron eingeleitet. Dieses Phänomen geht mit tiefer Informationsverarbeitung, einer Tendenz zur Überstimulation, hoher Emotionalität und sensorischer Empfindlichkeit einher. Der hochsensible Mann ist zusätzlich noch mit dem gängigen Rollenklischee konfrontiert.

Immer wieder erleben Psychotherapeuten wie Tom Falkenstein, wie diese besonders tiefsinnigen Klienten unter ihrer angeborenen Temperamenteigenschaft leiden. Sie schämen sich für ihre Empfindsamkeit. In seinem Buch beleuchtet der Autor alle Aspekte der Hochsensibilität aus Sicht des Mannes: Merkmale, Angrenzung zu psychiatrischen Diagnosen – und vor allem: den selbstfürsorglichen Umgang mit der eigenen Sensibilität. Zahlreiche Übungen sowie Interviews mit hochsensiblen Männern, die gut mit ihrer Disposition leben, zeigen auf: Das Ziel ist nicht, weniger sensibel zu sein, sondern seine Stärken schätzen und einsetzen zu lernen.

Fazit
Ein wichtiges Buch, ein einzigartiges Buch, ein Buch vielleicht seiner Zeit voraus. Aber darüber müssen wir reden: Über sensible, hochsensible Männer – und Väter. Über unser Männerbild und darüber, dass auch ganze Kerle empfindsame, sensitive und sehr tiefsinnige Wesen sind. Nicht nur die Künstler oder die Sonderlinge, sondern Männer, wie du und dich. Dazu leistet dieses Buch einen unschätzbaren Beitrag. Hochsensible Männer: Mit Feingefühl zur eigenen Stärke kann ein Bewusstsein für die Problematik und für uns hochfeinfühligen Männer schaffen. Und uns damit die Chance geben, anders sein zu dürfen und unsere vielfältigen Talente frei und offen für eine besseres Leben einsetzen zu können.

Das Buch hat einen unmittelbaren und praxisnahen Bezug – es bietet Übungen zu den dringendsten Themen. Es gibt konkrete Übungen zur emotionalen Selbstregulation, aber auch zur Selbstwahrnehmung, zur Eigenliebe und insgesamt zu einem anderen, freundlicheren, verständnisvolleren Umgang der betroffenen Männer mit sich selbst. Von daher ist das Buch für Betroffene einfach ein Muss. Und für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen – also auch Töchter und Ehefrauen, Schwestern und Mütter. Absolut empfehlenswert.

Hochsensible Männer: Mit Feingefühl zur eigenen Stärke

Buch hier kaufen
von Tom Falkenstein
224 Seiten, Junfermann Verlag (7. September 2017)
ISBN 3955714934
Hard Cover 24,- Euro

Leseprobe „Hochsensible Männer“

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Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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