Doku BOYS – Eine Bestandsaufnahme der neuen Männlichkeit

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Spannend: Für die Doku-Serie BOYS führten zwei junge Frauen und 30 Männer -darunter auch zwei Prominente mit dem Politiker Kevin Kühnert und dem Rapper Kelvyn Colt – im Dialog mit der Kamera. Was bedeutet es im Jahr 2021, ein Mann zu sein? Es entstand so eine äußerst sehenswerte Bestandsaufnahme der neuen Männlichkeit … im Schatten der Fußball-Europameisterschaft.

Ja, es ist nicht meine Generation, die meisten Männer dieser Doku könnten theoretisch auch meine Söhne sein. Aber sie sind Männer und sie leben in dieser Gesellschaft, in dieser Zeit unter diesen Bedingungen. Wie ist das heute mit der neuen Männlichkeit? Was bedeutet es heute ein Mann zu sein? Wie ist das mit dem Feminismus, mit Fußball, mit dem Körper, mit Liebe und Sex, mit Vaterschaft und mit … Männlichkeit?

Absolut sehenswert, toll gemacht, sehr lehrreich, spannend und unterhaltsam. Ein, wie ich meine, kleiner, aber wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einem neuen Verständnis vom Mannsein und unserer Männerwürde. Es ist noch ein langer Weg, aber gerade diese unscheinbare Serie, die im ZDF im Spätprogramm fast heimlich lief, macht Hoffnung auf ein Ende der männlichen Zerstörungskraft in dieser Welt.

Inhalt der Serie und Zitate der Männer

  • „Männlichkeit – der Begriff, stößt mich eigentlich total ab.“
    „BOYS“, Folge 1 zum Thema Männlichkeit.
  • „Männer in Pornos stöhnen einfach deutlich weniger als die Frauen …“
    „BOYS“, Folge 2 zum Thema Sex.
  • „Ich weiß nicht, wer er ist. Ich komme nicht an ihn ran.“
    „BOYS“, Folge 3 zum Thema Väter.
  • „Warum soll ich eigentlich nur Frauen daten?“
    „BOYS“, Folge 4 zum Thema Liebe.
  • „Ich guck‘ schon auch manchmal abwertend auf Feminismus…“
    „BOYS“, Folge 5 zum Thema Feminismus.
  • „Auf einmal hab‘ ich die Hände in meinem Schritt, und die wollen alles fühlen…“
    „BOYS“, Folge 6 zum Thema Körper.
  • „Also speziell in unserem Fanclub gibt es nur Männer … links und rechts, und Ablenkung braucht man nicht.“
    „BOYS“, Folge 7 zum Thema Fußball.

Zwei Frauen (ZDF-Redaktuerinnen) führten die Interviews mit den BOYS

Die Diskussion um alte und neue Geschlechterrollen treibt die Gesellschaft um. Frauen – aber auch zahlreiche Männer – kämpfen um gleichberechtigten Umgang miteinander. Vielen geht der strukturelle Wandel dabei nicht schnell genug. Die öffentliche Debatte wird oft hitzig, die Spannungen zwischen den Generationen wachsen, persönliche Verunsicherungen nehmen zu. Wenn aber alte Gewissheiten bröckeln, ohne dass schon neue parat sind, braucht es für die Veränderung von Haltungen und Meinungen Mut und gemeinsamen Austausch. Wir finden: Dann braucht es „BOYS“.

In dieser Doku-Serie erzählen 30 junge Männer ehrlich und ungeschminkt über ihr Rollenverständnis im Jahr 2021. Sie beziehen sich dabei auf ihre Väter, ihren Körper und ihre Sexualität und erzählen, was sie eigentlich von Feminismus halten.

Ein kurzes Innehalten und Zuhören inmitten einer lauten, fluiden und dabei so notwendigen Debatte.

Selten liegt so viel Testosteron in der Luft, selten gibt es so einen starken Resonanzboden für eine Serie wie „BOYS“. Mögen die Gespräche beginnen!
Siehe ZDF-Mediathek: www.zdf.de/dokumentation/boys/boys-104.html

Bei BOYS dabei: Rapper Kelvyn Colt. Hier mit „Bury Me Alive“

Gibt es eine „neue Männlichkeit“?

Und wenn ja, wie sieht diese aus? Wie fühlt sie sich an? Wie denken Männer darüber? In sieben rund 15-minütigen Folgen treten die beiden Regisseurinnen Felicitas Sonvilla und Nina Wesemann in Dialog mit 30 unterschiedlichen Männern, um ihnen diese und andere Fragen zu stellen. Mit Rapper Kelvyn Colt und Politiker Kevin Kühnert stehen auch zwei prominente Männer Rede und Antwort. Sie alle geben ehrliche und teils überraschende Antworten zu den Themen Männlichkeit, Sex, Väter, Liebe, Feminismus, Körper und Fußball.

Wenige andere Themen sind so dermaßen aufgeladen, wie das gesellschaftliche Verhältnis der Geschlechter zueinander. Die meisten jungen Männer und auch Frauen dieser Generation lösen sich gerade von alten Rollen, ohne sich schon auf gültige Neudefinitionen geeinigt zu haben. Sie stecken inmitten eines anstrengenden Prozesses, in dem ein altes Bild anfängt sich aufzulösen, um in einem neuen Geschlechterverhältnis aufzugehen. Während die weibliche Suchbewegung mittlerweile häufiger mediale Repräsentanz erfährt, bleibt die der jungen Männer oft noch unterbelichtet. Die Dokumentarfilmserie „BOYS“ will hier aufholen und den aktuellen Diskurs, die Unsicherheiten, Ablöseprozesse und Findungsansätze der Männer von heute ausleuchten.

Stark formatiert und seriell gebaut ist ein Format entstanden, das große Fragen der gesellschaftlichen Geschlechterrealität niedrigschwellig und durch die einzelnen Protagonisten persönlich erfahrbar macht. Abwechslung bringen die Nachfragen der Filmemacherinnen und formale Spielarten, wie die Aufforderung, sich zu bestimmten Themen im Raum zu bewegen. Die Serie wurde aus dem Quantum-Formatlabor des Kleinen Fernsehspiels heraus entwickelt.

Boys - Politiker Kevin Kühnert (c) by ZDF und Laura Ettel, Nina Wesemann.
Boys – Politiker Kevin Kühnert (c) by ZDF und Laura Ettel, Nina Wesemann.
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