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Beziehungen & Männlichkeit: Dürfen Männer bedürftig sein?

Dürfen Männer bedürftig sein? Drei Turnschuhe von zwei Frauen sind zu sehen
Beziehungen & Männlichkeit: Dürfen Männer bedürftig sein?

Dürfen Männer bedürftig sein? Was ist deine erste, spontane Antwort, wenn du diese Frage liest? Kennst du Männer, die ihr Bedürfnis nach Liebe äußern? Und wenn du eine Frau bist, wie findest du es, wenn dein Mann sein Liebesbedürfnis an dich heran trägt?

Gestern flirtete ich mit einer sehr engagierten Polit-Aktivistin, die besten Jahre hinter sich, Erziehungswissenschaftlerin, 2 Kinder, unterkuschelt, Raucherin, angeschickert, nicht unattraktiv und noch so einiges mehr.

Hat wirklich Spaß gemacht, auch, weil ihre Freundin, die ich seit gut 10 Jahren immer wieder im Viertel bei beinahe jedem spannenden Event treffe, sehr aufgeweckt, witzig und klug ist. Habe mich charmant aus dem Fenster gelehnt, mit ihr gespielt und sehr viel gelacht.

Ich ging sehr offensiv damit um, dass ich eine neue Freundin suche, ich absolut unterkuschelt und chronisch untervögelt wäre. Madam gab zu, dass auch für Sie die Unterkuschelung ein Thema sei und sie vor hatte die sexuelle Abstinenz demnächst aufzugeben. Also redeten wir über Liebe und Beziehungen und wie wir uns das zukünftig vorstellen würden. Theoretisch.

Irgendwann war aber die Luft raus, der Tag im Frühlingslicht anstrengend und ein, zwei Bier zu viel geleert. Irgendwann ging es nämlich auch um politisch Links und den Kapitalismus. Wir können uns denken, wo ich mich und sie sich positionierte.

Ihre Freundin entschied sich im Laufe des Nachmittags, mir zu helfen und mich in ihrem Freundeskreis zu verkuppeln. Vorbildlich. Die beiden Damen diskutierten dann darüber, wie sich mich fänden. Die Meinungen gingen weit auseinander. „Bedürftig“ fand mich die Beflirtete, während die Kupperlin mich sehr süß fand.

Nun denke ich darüber nach: Dürfen Männer bedürftig sein?

Ich werde oft unterschätzt. Nicht nur von Frauen. Unterschätzt in eigentlich allem. Und was bestimmte Frauen als „bedürftig“ wahrnehmen, ist aus meiner Sicht eine große, herzliche Offenheit, ein unverstellter Umgang mit Wünschen und … ja, dem Bedürfnis nach Liebe und Berührung. Offenbar sind nicht wenige Frauen solche Männer nicht gewohnt. Sie kennen nur Kerle, die ihre Gefühle und Bedürfnisse maskieren mit einseitiger Fokussierung auf Sex, Coolsein/Erfolg und der Überbetonung männlicher Stärke. Oder liege ich falsch?

Was wäre denn so schlimm daran, bedürftig zu sein, liebebedürftig? Das Wort „bedürftig“ oder „Bedürftigkeit“ hat einen negativen Beigeschmack. Man denkt an Harz IV, Sozialstaat und gescheiterte Existenzen. Aber nicht an einen attraktiven, gesunden Mann, der mitten im Leben steht und ein Liebesbedürfnis hat und es an die Frau heran trägt.

Ist es vielleicht, dass die eigene Mutter damals fürchtete, die Bedürftigkeit ihres Kindes wäre immerwährend und unstillbar, und nun projeziert man diese Ängst auf jemanden, der diese alten Gefühle antriggert? Ist es nicht schön und richtig, voller Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit zu sein? Das heißt doch nicht, dass man das immer und jederzeit und ohne Unterlass ist oder etwas möchte, was kein normaler Mensch geben könnte. Es ist natürlich. Oder stört das den normalen Verlauf der Selbstausbeutung, der Suche nach Erfolg und des städtischen Gestresstseins? Oder ist man der Meinung, das Bedürfnis nach Nähe, Intimität und Berührung würde zum Selbstverrat führen, zu Instabilität?

Auf den Kanaren erklärte mir eine wundervolle Frau, sie finde, dass mein „inneres Kind“ sehr groß wäre. Ich fragte sie, ob das gut oder schlecht sei. Gut, meinte sie. Und das ist vermutlich die Erklärung für diese ganzen Missverständnisse und meine „Fehlwirkungen“ auf der andere Geschlecht. Es wird „Bedürftigkeit“ angenommen, die man von einem Kind aber nicht von einem Mann kennt. Es wird nicht genau hingeschaut, hinterfragt, reflektiert, wirklich wahrgenommen, gefragt, erfahren, „gesehen“. Ich glaube, die meisten Menschen wollen oder können ihre Mitmenschen nicht „sehen“. Das ist mein Leiden, fürchte ich. Wobei ja nicht alle blind oder taub oder verhärtet sind, wie ich ja auch erfahren darf.

Im Film AVATAR ist die Art, wie Wertschätzung, Zuneigung und Liebe bekundet wird, der Satz: „Ich sehe dich.“ Und dabei wird der andere berührt. „Ich sehe dich!“ Das ist es. Nur, wenn man betrunken ist, nicht mehr Herr oder Frau seiner Sinne und seines Geistes ist, kann man nicht verstehen, dass es allein darum geht: Um sehen und gesehen werden. Das allein ist schon Balsam auf die Seelen und die Herzen unserer Mitmenschen.

Dürfen Männer bedürftig sein?
Ja! Weil sie Menschen sind, weil sie großartig sind, weil sie Lebewesen sind.

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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