Vatertag! im Leseherbst: Ein Buch über Väter aber nicht nur für sie von Arne Ulbricht

Buchcover Vatertag! von Arne Ulbricht
Vatertag! von Arne Ulbricht

Der Alltag, so wird mir klar nach der Lektüre der 13 Erzählungen, der Alltag kann auch den stärksten Helden zermürben. Der Alltag als Vater. Sie wissen oft nicht, was sie falsch gemacht haben und auch nicht, was sie richtig machen können. In Vatertag! wird blank gezogen, da begegnen wir Männern aus dem richtigen Leben, mit richtigen Beziehungen zu echten Frauen. Das ist dann nicht mehr Hochglanz. Arne Ulbricht erzählt von Vätern, die sind wir du und ich. Das ist nicht immer erfreulich, aber es wird auch deutlich: Du bist nicht allein!

Vatertag! Die Väter, die durch diese Erzählungen geistern, sind alleinerziehend, gar nicht erziehend, verzweifelt, verstört, frustriert, fassungslos, überfordert, gefordert, genervt, alkoholisiert oder gar traumatisiert.
Schlimmstenfalls betrügen sie ihre Frau oder hauen einfach ab. Bestenfalls sind sie bereit, für die Tochter Wände hochzuklettern oder die Familie mit Faust und Fuß zu verteidigen und, wenn nötig, für sie zu sterben.
Ein Stoff aus dem prallen Leben: heiter, irrwitzig, komisch, spannend, traurig, tragisch und brutal. Für Väter und Mütter und alle, die es werden wollen, ein absolutes MUSS.

Vatertag sollte lieber Väterleben heißen

Der Autor, Arne Ulbricht, ist Lehrer. UNd zwar einer, der sich nicht verbeamten lassen wollte. Siehe den Beitrag auf SPON dazu Der Beamtenstatus ist ein Klotz am Bein. Vorbildlich, wie ich meine.

In seinem Buch geht es um das Leben als Vater, Partner, als Mann und Helden des Alltags. Und dieser Alltag wird zeichnet in diesen Erzählungen nicht gerade fröhlich gezeichnet. Manchen der Vätern in dem Buch möchte man direkt zurufen, dass er es sein lassen soll so zu denken oder so zu handeln. Und ich habe das Gefühle, den einen oder anderen Vater in der einen oder anderen Geschichte auch zu kennen. Ist nicht möglich, aber die Alltagsschilderungen sind so scharf gezeichnet, dass mich dabei immer wieder dieses eher zwiespältige Realitätsgefühl beschlich. Denn manche diese Väter will ich gar nicht kennen.

Es wird relativ viel getrunken in den Geschichten, aber so sind wohl viele Männer. Das tägliche Abendbier, das gern mehr wird und all die anderen kleineren Gelegenheiten, sich mit Alkohol zu umnebeln. Fällt vielleicht nur jemanden auf, der, wie ich, nie auch nur den kleinsten Tropfen Alkohol trinkt. Daber springt einem der Zusammenhang von Alltagsproblemen und der Griff zum Zellgift sofort ins Auge. Aber das ist wahrscheinlich nur meine Wahrnehmung.

Im Klappentext ist von Heiterkeit im Buch die Rede, die ich aber dort nicht vorgefunden habe. Vielleicht eher in der absurden Geschichte „LoL“, bei der es um einen „zockenden“ Sohn geht, ums Computerspielen. „Eine ganze Generation verwandelt sich nach und nach in Autisten“, ist zu lesen, und diese Befürchtung drängt sich förmlich auf, wenn man mal in die Verlegenheit kommt, ein paar Nerds zu beobachten, wenn sie ihre Gamewelt verlassen. Schlimm nur, wenn es der eigene Sohn ist. Gut, dass ich eine Tochter habe. Was wäre dann tun? Sich kümmern, etwas Kreatives mit ihm machen, den Sohn. Vielleicht so eine Geschichte schreiben, wie es Arne Ulbricht mit seinem Sohn Lasse getan hat.

Die Erzählungen sind voller Dialoge. Kleine Gespräche zwischen den Erwachsenen oder zwischen Eltern und Kindern aller Altersklassen. Dennoch bin ich kein Freund von Alltagsgeschichten. Ich mag die Metaebene lieber oder historische Stoffe. Insofern bin ich nicht ganz die Zielgruppe für die Erzählungen in Vatertag! Hier geht es nicht um Vatertage, sonder um das moderne und nicht selten misslingende Leben von Vätern. Es werden sich manche Väter darin wiedererkennen und es ist wichtig für uns, für uns „neue Väter“, zu wissen, dass wir nicht alleine sind, dass wir nicht perfekt sind, dass manches gar nicht so einfach ist und dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, über uns selber zu lachen und diesen verdammten Alltag kreativ zu verarbeiten. Und genau dafür ist dieses kleine Büchlein genau richtig!

Um sich ein Bild vom Autor zu machen, hier das Video der redcoon.de Leseküche: Arne Ulbricht im Interview

Vatertag!

von Arne Ulbricht www.arneulbricht.de
162 Seiten, KLAK Verlag (24. August 2018)
ISBN: 9783943767995
Gebundende Ausgabe EUR 16,90

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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