Das beinahe beste Buch der Welt

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Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Charles Foster versucht in seinem wunderbar und brillant geschriebenen Buch, das Leben, Denken und Fühlen der „Steinzeitmenschen“ von vor 40.000 Jahre nachzuempfinden. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret, praktisch und experimentell. In Jagen, sammeln, sesshaft werden setzt sich der Autor der Natur aus, setzt sich selber den Bedingungen, die damals geherrscht haben müssen, so weit dies möglich ist, aus – und beschreibt das alles in diesem einmaligen Buch.

Charles Foster gilt als Exzentriker, eine durchaus typische, manchmal klischeehafte Eigenschaft der Briten. Ich denke schon, das da etwas dran ist. Aber wenn alle Exzentriker so unterhaltsam sind, so gut schreiben können, so tiefe, belesene, bereichernder Gedanken, Gefühle und Ideen haben – dann sollten wir alle viel exzentrischer werden.

Die Eindrücke, die Charles Foster in diesem Buch beschreibt, sind sehr fein, sehr tiefgründig und dennoch sehr unterhaltsam beschrieben. Weite Erzählbögen finden sich ihr Zielt und beleuchten die Freuden und Probleme der Jäger und Sammler der späten Menschheitsgeschichte. Der Mensch existiert schon mindestens 200.000 Jahre, die frühesten Hinweise auf den Homo Sapiens sind rund 300.000 Jahr alt. Da sind 40.000 noch relativ dicht dran an uns. Es geht darum, wie und weshalb die „kulturelle Revolution“ die damals die Menschen veranlasst hat, Höhlen zu bemalen, Skulpturen und weitere Hinweise auf eine geistige Revolution zu hinterlassen.

„Felskunst ist eine der ersten Indikatoren eines abstrakten Geistes – ein Anzeichen für das Entstehen des menschlichen Geistes, wie wir ihn kennen“, erklärt Thomas Sutikna von der University of Wollongong in Australien, wie auf scinexx.de erklärt wird.

Es muss etwas mit dem Menschen, mit unserem Gehirn geschehen sein – aber was? Nicht weniger, als diese komplexe Frage, die aus dem Dunkel einer weit entfernten Vorgeschichte herausleuchtet, versucht Charles Foster in seinem unfassbar spannenden Buch Jagen, sammeln, sesshaft werden zu beantworten. Gelingt es ihm? Lest es selber. Ihr werdet es ganz sicher nicht bereuen!

Das Buch ist irre und grandios, die Sprache wird mitnichten zerstört, sondern findet an ihren Grenzen schönste Ausformungen und schwingt sich poetisch auf. Sie ist bildreich und funkelt besonders dort, wo sie die Bereiche des Materialismus verlässt und die des Unerklärlichen und Unaussprechbaren beginnen.

Berliner Zeitung

Charles Foster, ausgebildeter Tierarzt und Anwalt, unterrichtet Ethik und Rechtsmedizin in Oxford. Er ist Fellow der Royal Geographical Society sowie der Linnean Society, ist auf Skiern zum Nordpol vorgestoßen und hat am Marathon des Sables teilgenommen. Charles Foster hat Bücher zu diversen Reise- und Wissenschaftsthemen publiziert. Auf Deutsch erschienen von ihm bereits „Der Geschmack von Laub und Erde“ („Being a Beast“), das von den Medien gefeiert wurde und mehrere Wochen auf der Bestsellerliste stand, sowie zuletzt „Jagen, sammeln, sesshaft werden“: „Das Buch ist irre und grandios“, von „höchst unterhaltsamer Exzentrik“ (Berliner Zeitung); „Very British und ziemlich lustig“ (Terra Mater). www.charlesfoster.co.uk

Meine Meinung

Mir hat das Buch eine solche große Freude gemacht, dass ich es jedem empfehlen kann, der Spaß an originellen Gedanken, brillantem Text und tiefschürfenden, manchmal aufwühlenden Erkenntnissen über uns Menschen, über sich selber, hat. Genau das und noch viel mehr finden wir in diesem tollen Buch.
Ich habe es in der Überschrift zwar „Das beinahe beste Buch der Welt“ genannt, aber nur, um nicht absolut zu erscheinen und mich für immer festzulegen. Denn beides kann es nicht geben. Das Leben funktioniert an. Und wie genau es WIRKLICH wirklich funktioniert, zeigt uns dieser einmalige Mann in diesem begeisternden Werk. Alle Achtung! Absoluter Lesetipp!

Jagen, sammeln, sesshaft werden – Meine Abenteuer in 40.000 Jahren Menschheitsgeschichte

von Charles Foster
Buch hier kaufen
416 Seiten, Malik Verlag (2022)
ISBN 3890295533
Gebundenes Buch 24,- Euro

Das ist alles einigermaßen verrückt, liest sich aber ganz vorzüglich, auch weil Foster mit feinem Humor schreibt und seinen Selbstversuch lebenspraktisch anlegt, fern der Verklärung, die in der teilnehmenden Naturbeobachtung oft vorherrscht.

Süddeutsche Zeitung

Leseprobe Jagen, sammeln, sesshaft werden

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