Buchempfehlung: Das Prinzip Selbstfürsorge – Wie wir Verantwortung für uns übernehmen und gelassen und frei leben

Das Prinzip Selbstfürsorge scheint selbstverständlich. Aber wenn sich aufmerksam auch im Freundeskreis umschaut, kann die vielen Defizite deutlich erkennen. Nicht nur an Männern, die oft genug nicht sehr sorgsam mit sich und ihrer Gesundheit umgehen, sondern auch an Frauen, die es irgendwie nicht gelernt haben, sich gesund abzugrenzen und sehr gut für sich selbst zu sorgen. Besonders die emotionale Sorge ist hier gemeint. Also der gute Umgang mit mir selbst, das Wohlwollen mir selber gegenüber, das Ernstnehmen meiner Gefühle, meiner Emotionen und Bedürfnisse. An dieser Stelle fängt oft die Verwirrung hat: Denn sich ernst nehmen bedeutet nicht, sofortige Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Sondern liebevolle Verantwortung mir selber gegenüber, was gleichzeitig bedeutet, den anderne nicht als Erfüllungsgehilfen meiner Bedürfnisse zu missbrauchen. Wir sind ja schon groß.

Das Buch ist toll. Besonders hervorheben möchte ich das Thema „Persönliche Bedürfnisse spüren“ (Seite 47). Denn ich glaube, dass viele hier ein Defizit haben, gerade Männer und … Väter. Der Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen, die Rolle von Gefühlen und der Weg zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse ist für viele von uns – ob Frauen oder Männer – immer noch eine Herausforderung. Offenbar haben viele im Elternhaus an dieser Stelle keinen guten Vorbilder gehabt.

Ich zitiere: „Jedes Gefühl weist auf ein Bedürfnis hin. Die Handlungsimpulse, die ein Gefühl in uns auslöst, dienen dazu das jeweilige Bedürfnis zu stillen. Fühlen Sie sich zum Beispiel müde und energielos, möchte das Bedürfnis nach Schlaf und Erfolung befriedigt werden. Fühlen Sie sich traurig und niedergerdrückt, möchte das Bedürfnis nach Zuwendung, Trost oder Lebenslust befriedigt werden.“

Und wir gehen wir damit um, das ist die Frage? Sie wir verantwortungsvoll in der Lage, uns um uns selbst zu kümmern, ohne unsere Lieben zu vernachlässigen? Verstehen wir überhaupt unsere Gefühle und unsere Impulse? Oder haben wir uns schon weit davon entfernt, weil wir es allen Recht machen wollen, durch Alkoholmissbrauch oder weil wir die Kontrolle nicht verlieren wollen?

Vermutlich braucht es ein Buch, wie dieses, um sich der eigenen Möglichkeiten wirklich bewusst zu werden.

Die Roadmap für den Alltag

Neben den konkreten Checklisten in dem Buch, um den Status Quo der Selbstfürsorge-Kompetenz zu ermitteln, finde ich diese „Roadmap für den Alltag“ sehr gut und sehr sinnvoll. Die Roadmap macht den zweiten Teil des Buches auf und legt einen Schwerpunkt auf „Selbstreflektion“. Das ist toll und muss ja auch, wenn das Buch etwas bewirken und man damit täglich arbeiten soll.

Diese „Roadmap für den Alltag“ hat 8 Punkte, die ausführlich erklärt werden und reflektiert werden sollen:

  1. Umgang mit Engergieräubern (Stressoren)
  2. Energie gewinnen durch das Aufstocken der Ressourcen
  3. Optimismus stärken
  4. Achtsamkeit leben
  5. Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung stärken
  6. Sich selber und anderen gegenüber Grenzen setzen
  7. Soziale Beziehungen und soziales Verhalten
  8. Loslassen von Dingen, Gefühlen und Menschen

Am Ende des Buchs gibt es sogar noch einen Anhang mit einem „Übungsverzeichnis“ von „einen Nachruf verfassen“ bis zu zu einem „Loslass-Ritual“. Toll. Wenn wir das alles gut hinkriegen und … umsetzen, kann eigentlich nicht mehr schiefgehen. Wir haben uns dann entschieden. Für uns selber.

Entscheidung für ein gutes Leben

Nur wer für sich selbst sorgt, kann den Anforderungen des Alltags standhalten, ohne gestresst und ferngesteuert vor sich hinzuleben. Und nur wer für sich selbst sorgt, kann auch für andere sorgen. Dr. med. Tatjana Reichhart weiß aus ihrer langjährigen Praxis, wie man herausfindet, was einem wirklich guttut und wie man sich Freiräume schafft, um das auch umzusetzen. Dazu schlägt sie eine Auswahl an effektiven Strategien vor, aus denen man sich diejenigen auswählen kann, die gut zu einem passen. So kann jeder auf seiner Roadmap den eigenen Weg zu einem selbstfürsorglichen und guten Leben finden.

Dr. med. Tatjana Reichhart ist approbierte Ärztin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Bis 2015 arbeitete sie am Klinikum rechts der Isar der TUM, zuletzt als Oberärztin, bevor sie sich 2015 voll und ganz auf die Prävention, also die Vorbeugung psychischer Erkrankungen und den Erhalt der psychischen Gesundheit in Unternehmen und für Privatpersonen konzentrierte. Bereits seit 2011 arbeitete sie als Trainerin in Unternehmen und Behörden zum Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“. Seit 2015 ist sie als Coach in dem von ihr co-gegründeten Coaching- und Seminarcafé Kitchen2Soul in München tätig.

Fazit
Es ist ein modernes Thema, aber bisher mit relativ belanglosen Worten aus der Psycho- und Eso-Szene belegt. Achtsamkeit und Meditation, Yoga und ich weiß nicht was, haben den Blick verstellt auf die gute alte Selbstfürsorge. Bodenständig, klar und hilfreich ist das vorliegende Buch angelegt und kann definitiv jeden bereichern, der glaubt an dieser Stelle noch etwas lernen oder nachjustieren zu müssen. Schade kann es jedenfalls nicht, sich mit den Inhalten gerade dieses Buchs auseinanderzusetzen. Es ist vermutlich – ich kenne ja nicht alle Ratgeber zu dem Thema – eines der besten Bücher, die uns konkrete dabei helfen können, mehr und besser Verantwortung für uns zu übernehmen und gelassen und frei leben zu können. Für meinen Geschmack – und das ist eigentlich meine einzige Kritik – fehlt es an Sport und die Erklärung dafür, wie wichtig ausreichend Bewegung und Sport für die (psychische) Gesundheit und also für die Selbstfürsorge ist. Dennoch: Kauft es!

Das Prinzip Selbstfürsorge: Wie wir Verantwortung für uns übernehmen und gelassen und frei leben. Roadmap für den Alltag

Buch hier kaufen
von Tatjana Reichhart
288 Seiten, Kösel-Verlag (25. März 2019)
ISBN 3466347297
Gebundenes Buch 20,- Euro

Leseprobe Das Prinzip Selbstfürsorge

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