Ich glotze mit der Tochter „Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum“

#GNTM: Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum Shooting

Bei #GNTM wird gemodelt, was das Zeug hält. Junge Ladies wollen bei Heidi Klum Topmodel werden. Dafür walken sie, heulen, kreischen, streiten sich, stürzen, lachen, feiner und eiern vor die Kamera – und das seid Jahren. Vermutlich kommt kein weiblicher Teenager an Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum“ im ersten Halbjahr des Jahres Donnerstagabend herum. Alle glotzen es, alle Freundinnen. Wenn man Tochter (fast 14) bei mir (Trennungsvater) ist glotze ich manchmal mit. Zufällig heißt meine Tochter genau so wie Heidis.

Apropos Vater: Günther Klum hat ausgepackt!

Gerade sitze ich und schreibe darüber. Meine Tochter sitzt mit unserem Pflegehund Dotti auf der Couch, ist über WhatsApp mit ihren Freundinnen verbunden und glotzt #GNTM. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, weiß nicht, ob ich mich schämen, fremdschämen muss, diesen jungen Ladies bei ihrer Entblößung (im übertragenen Sinne) zuzusehen. Manchmal kommentiere ich was, manchmal kriege ich etwas erklärt.

Ich habe mich nach vielen Jahren beruhigt, was Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum angeht. Ich denke, diese Castingshow ist überbewertet und man kann sowie so nichts dagegen machen. Außer auszuschalten. Aber so bin ich nicht drauf, meiner Tochter diesen … Spaß zu nehmen. Es würde sie auch isolieren, weil ihre Freundinnen das Zeug eben auch glotzen.

Ich habe vor Jahren an dieser Stelle das Widerstandsprojekt Not Heidis Girl vorgestellt und damit unterstützt. Damals war es meinem Kind nicht nicht wichtig und nicht möglich, Germany’s Next Topmodel auf PRO7 allein zu glotzen.

Seit dem ist viel geschehen. Mittlerweile gibt es „Curvey Models“, also unförmige, latent übergewichtige Models, es gibt Queer- und Trans-Models und sogar 60+-Models. Weiß gar nicht, wie man die älteren Damen fachsprachlich nennen soll. Aber das ist eindeutig ein Fortschritt. Auch wenn es im Wesen, nämlich einen Menschen nach dem Äußeren zu beurteilen, obwohl immer wieder von „Persönlichkeit“ gefaselt wird.

#GNTM bedeutet: Heidi Klum liefert, was die Piepel wollen

Heidi Klum bedient Bedürfnisse und verdient vermutlich extrem gut daran. Ihre Show läuft weltweit, in jedem Fall auch im amerikanischen Fernsehen. Damit kann man reich werden – und sie ist es auch.

Wir haben auf der einen Seite den absurden Beruf des Models, auf der anderen junge Frauen, heranwachsende Mädchen, die glauben, diesen Beruf wäre ihr Traum. Dabei geht es ausschließlich um Äußerlichkeiten, Konkurrenz und Narzissmus. Das ist nicht nachahmenswert und eigentlich ziemlich traurig, dass es so etwas gibt. Aber es gibt nun mal die Modewelt und die Werbung, die diese Models braucht, um ihre Produkte zu verkaufen. Das funktioniert auch nur im Patriarchat und ist grundsätzlich eine destruktive Auswirkung des selben, das ist klar. Aber eine, von der sehr viele Menschen profitieren, leben und existieren.

Heidi Klum nimmt ihre Models bei einem der wichtigsten Shootings der Staffel genau unter die Lupe.
Heidi Klum trägt in der Sendung #GNTM am 23. März 2023 schreckliche Stiefel, einen scheußlichen Blazer und ein Lächeln zum Nach-Hause-schicken

Das Vater-Tochter-Model

Modeln kann viel Spaß machen. Vor allem, wenn man es spielt, wenn man Quatscht damit macht, es nicht zu ernst nimmt. Wenn man das Verkleiden, Umziehen, staksen, quietschen und das Getue mag. Nicht allein, sondern mit den Freundinnen. Ist doch toll.

Und so kann man sich auch diese Sendung schönreden. Wir nehmen Brause, Snacks und machen es uns richtig schön beim Glotzen von Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum. Es ist Abendunterhaltung, es ist leichte Unterhaltung, mit einem manchmal ernsten Hintergrund. Aber schnell wieder vergessen. Es ist nicht so harmlos wie DSDS, das ich auch mal angelehnt hatte und nun ebenfalls mit der Tochter zusammen im Fernsehen schaue. Hey, wir können etwas lernen, darüber reden und lachen.

Ich habe mich verändert, habe meine Haltung verändert. Meine Tochter ist älter geworden, sie ist ein Teenager. Mir ist wichtig, dass es ihr gut geht, dass sie ein Leben hat, wie andere auch, dass sie ein ganz normales Teenie ist und genau das macht, was Mädchen in diesem Alter eben so machen.

Sie könnte auch etwas anderes machen und wollen. Gibt es ja auch. Da würde ich genauso mitziehen. Ich glaube jetzt halt, dass man dieses Unterhaltungsfernsehen nicht überbewerten und auch leicht nehmen darf. Ich möchte nach wie vor nicht, dass meine Tochter in einer solchen Show auftritt – was sie sehr wahrscheinlich nie machen würde – aber wenn sie es unbedingt machen wollte, würde ich sie auch dabei unterstützen. Wer bin ich denn?

Ich kenne ihr Herz, ich kenne unsere Werte und ich kann mit ihr darüber reden. Auch wenn sie dazu gar nichts hören will. So ist es eben. Sie wird immer älter und will immer mehr Verantwortung für sich selber übernehmen, da haben eben die Eltern manchmal weniger zu melden, das Heidi Klum. Ist so.

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