Kinderzimmer-Neid

Bei uns herrscht Chaos. Vielleicht gar nicht mal von außen betrachtet, aber ich empfinde es so. Vielleicht kennt das jemand. Wir wohnen eigentlich ganz schon, aber haben zu wenig Platz. Und das bedeutet, dass alle Zimmer einer Multi-Nutzung zugeführt wurden. Das Bad ist gleichzeitig Rumpelkammer, die Küche trennt ein Tresen vom Rest des Hauptraumes, Wohnzimmer ist Esszimmer und umgekehrt, der Flur ist eine prähistorische Höhle und das Kinderzimmer auch Arbeitszimmer. Da werde ich neidisch, wenn ich das bei anderen sehe.

Da werde ich neidisch, wenn ich das woanders sehe. Da ist in den Kinderzimmern alles platzsparend und sinnvoll verbaut. Nichts liegt herum oder quillt irgendwo raus. Alles ist aufgeräumt und passt in die Möbel und die Möbel passen zur Wand. Na, und alles zusammen schmiegt sich harmonisch ineinander. Kein Wunder also, das sich meine Gesichtsfarbe zuweilen mit einer grünen Patina aus lauter Neid überzieht.

Gesellschaftliche Verpflichtungen haben wir nicht, vielleicht legen wir deswegen relativ wenig wert auf geleckte Schrankwände. Ich lese dann in den Augen meiner Tochter und suche dort nach einer Aussage, die in etwa lautet: „Boah, das ist alles so unordentlich und durcheinander. So kann ich nicht erwachsenen werden. Ihr verkorkst meine Kindheit, weil meine Sache nicht schön ordentlich in saubere Schränkchen passen! So ein Krampf und das nur, weil ihr so wenig arbeitet.“

Man kann sich Improvisation auch schönreden. Das erlebt man jeden Tag und überall. Man baut und bastelt alles selber, zeigt sich damit sehr kreativ und bereitet den Ausstieg aus der kapitalistischen Tretmühle vor. Vielleicht sollte ich das bei der nächsten Elternberatung mal thematisieren. Was ist gut fürs Kind. Was gut für die Eltern ist, kann ja eigentlich nicht schlecht fürs Kind sein. Aber wieviel Sachen braucht man denn? Und braucht man für alles einen Schrank? Ist weniger mehr? Aber weniger Wohnfläche ist doch nicht mehr, als weniger Quadratmeter. Sollen wir deshalb mehr arbeiten? Dann haben wir wieder weniger Zeit fürs Kind. Ist das die Entscheidung: Zeit oder Ordnung?

Foto: „Spielzeug / Toys“ (CC BY-SA 2.0) von Christian Heindel

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2 Comments

  1. Julia 13. Februar 2014 at 14:40

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

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    1. Papalapapi 14. Februar 2014 at 14:11

      Danke. Es ist zwar ein SPAM-Kommentar, aber ohne Link nehme ich ihn gerne auf. Tut mir ja gut.

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