Männer sollten mehr Zeit mit Männern verbringen

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Ich hoffe nicht, dass mein Diskussionsvorschlag, das Thema nämlich, dass Männer mehr Zeit mit Männern verbringen sollten, zu schlechtem Atem bei einigen Mitbürgerinnen führt. Mir geht es nicht um alte Männerbünde, die die Kainsmal des Patriarchats im Wappen tragen. Mir geht es nicht um esoterische Zirkel. Mit geht es um die aktuelle Situation von uns Männern und was die mit uns macht.

Dabei ist mir völlig bewusst, dass es die „alten“ Männerbünde immer noch gibt: Die Skatrunden, der Fußballverein, Chöre, Burschenschaften, bestimme Berufsgruppen, Freundeskreise und Fußballfans. Nicht, dass es in diesen Vereinen und Bünden keine Frauen gäbe oder geben sollte. Dennoch gibt es die Zusammenschlüssen, die nur Männern vorbehalten sind. Um die geht es mir aber nicht.

Mir geht es um die Beobachtung bei mir und in meinem Umfeld, dass wir Kerle mehr Zeit mit Frauen verbringen, als untereinander. Und dass ich glaube, dass uns Männern das ganz guttun würde, mit Zeit miteinander, mehr Zeit mit Männern zu verbringen. Ohne Frauen.

Warum ist es gut, mehr Zeit mit Männern zu verbringen?

Kleine Gruppe von Himba-Männern, die traditionelle Kleidung tragen und in einer Wüste stehen.
Traditionelle Gemeinschaften bieten Männern mehr Möglichkeiten unter sich zu sein

Ich hatte kürzlich einen Streit oder Konflikt, oder sagen wir, ein Missverständnis mit einer Freundin (die u.a. als Paarberaterin arbeitet). Ich erzählte ihr, dass ich am Freitag zu meiner Männergruppe wolle. Darauf hin musste sie lachen und machte – aus meiner Sicht – Männergruppen runter, sie wertete unser Männertreffen ab. Das fand ich krass.

Ihre Begründung war nicht nachvollziehbar. Männer und Frauen hätte sowieso dieselben Probleme und es gäbe sehr liebevoller Männer und so weiter blabla. Da wusste ich, dass ich mit der Männergruppe genau richtig lag.

Ein anderer Fall betraf einen „Freund“. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen. Depressiv/Burnout, Trennung von einer Freundin, weil man zu schnell zusammenzog und auf engem Raum zu nah war. Jetzt wirken endlich die Anti-Depressive – und die Flirtbörse. Da das Alter um die 40 es ermöglicht sehr schnell einen neuen Partner (Online) zu finden, war das klar, dass das schnell funktioniert. Aber was geschieht: Hat keine Zeit mehr und streift nun mit der Lady herum, anstatt mit seinem Kumpel. Wobei es ja vollkommen in Ordnung ist, mit einer Frau auszugehen und schöne Abende zu verbringen.

Aber mit viel nun auf, dass auch in unserer Männergruppe sehr viel über das Zusammensein mit Frauen geredet wurde und unter dem Strich ein Übergewicht deutlich wurde: Wir Kerle verbringen häufig mehr Zeit mit Ladies, als mit Männern. Warum ist das so und ist das gut?

Ich glaube, dass wenn wir zu wenig Zeit untereinander verbringen, wir eine wichtige Perspektive für unser Leben verlieren. Und wir verlieren Teile unserer selbst.

Liebevolle Umgang unter Männern?

Ich selber erklärte bisher immer gern, dass ich mehr Freundinnen als Freunde habe, weil ich mit Frauen besser reden kann, sie sind aufgeschlossener was Unternehmungen angeht, tanzen, gehen aus, zu Vernissage, ins Theater, Spazieren, an die See und in den Park.

Viele Männer haben ganz andere „Sorgen“. Kriegen den Mund nicht auf, wenn sie nicht auf dicke Hose machen können, hauen sich Alkohol rein, interessieren sich weder für Kultur, noch für Tanzen, noch für persönliche Entwicklung. Und manche von ihnen hängen trotzdem, wenn sie nicht alleine sind, relativ viel mit Frauen ab.

Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es für unsere Beziehungsfähigkeit, für unser Selbstverständnis als Mann und Vater, als Partner und Bürger, besser wäre mit Zeit mit Geschlechtsgenossen zu verbringen. Aber das geht kaum noch. Die Klubs und Vereine, die Clubs und Kneipen, in denen Männer einfach mal unbefangen unter sich sein können, gibt es kaum noch.

Klar, es gibt verschiedene Sportveranstaltungen, bei denen das gelingt. Angeln, Klettern, Segeln, Golf, Motorradfahren – aber sehr oft spielt auch der Ehrgeiz, die Leistung, das Extreme, irgendeine verdammte Herausforderung eine Rolle. Und wenns ganz übel läuft, auch noch der Alkohol.

Wie ist es mit feinsinnigen, engagierten, liebevollen, aufmerksamen, fürsorglichen, starken Männern, die Gefühle können und sich für sich und die Welt interessieren. In Gesprächen, in Kultur, in Aktionen? Die gibt es zu selten, zu wenig. Dafür wären dann Männergruppen gut.

Aber ich glaube, es ist für Männer eine größere Herausforderungen, einen stabilen und liebevollen Umgang mit anderen Männern – so sie gepflegt und gesellschaftsfähig sind – zu pflegen, zu entwickeln, in ihrem Alltag zu integrieren. Es ist leicht, als dass mit Frauen zu haben.

Und ich glaube, dass Männern dabei etwas entgeht. Sie verlieren sich, sie verstehen irgendwann nicht mehr, dass sie bestimmte Dinge anders sehen und dass das gut so ist. Dass sie ihr Dingen machen müssen und Frauen ihr Ding. Und dass nur so eine echte Begegnung möglich ist.

Das Traurige dabei ist, dass ich mich dabei oft alleine fühle und fürchte, dass nur ich so denke, dass nur ich diese Sehnsucht, diese Ideen habe, dass mit der Kontakt zu Männern fehlt – beruflich und privat. Aber ich glaube, dass das nicht so ist. Dass es mehr Männer gibt, die mehr Zeit mit Männern verbringen würden, wenn sie wüssten, wie sie das anstellen.

Was meint ihr?

Heterogene Männergruppe
Mehr Zeit mit Männern für Männer
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