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Männer und Beziehungsarbeit

Beziehungsarbeit: Ein Paar verzweifelt
Können Männer Beziehungsarbeit

Mir geht es gerade ziemlich schlecht. Ich wurde überraschend verlassen und ein klärendes sowie aufrichtiges Gespräch, das wohlwollend und angstfrei sollte sei, fand nicht statt. Leider ist sie bisher nicht bereit und offen für Beziehungsarbeit. Ich habe das in meinem letzten Beitrag Wieder gescheitert: Die Liebe ist tot – lang lebe die Liebe relativ ausführlich beschrieben. Da ich nun auch noch hochsensibel bin – ich komme in zukünftigen Beiträgen noch darauf zurück – scheine ich anders zu sein als andere (Männer). Nicht nur, dass ich versuche, wirklich alles, was mich betrifft und was in meiner Umgebung geschieht, oder was zwischen mir und meinen Freunden, Partnerinnen und meinem Kind passiert, bis ins letzte zu verstehen – ich engagiere mich auch intensiv für dieses Verständnis. Offensichtlich überfordere ich damit einige und stoße nicht selten auf Unverständnis. So sind Männer in der Regel nicht. Oder?

Ich gehe gestern durch meine Hood, meinen Stadtteil und treffe auf die wundervolle Lisbeth. Wir kennen uns vom Sehen schon viele Jahre und reden immer mal kurz, wenn wir uns sehen. Sie ist etwas Besonderes, hat das gewisse Etwas, ist anders, als andere Frauen und war mal eine echte Schönheit, ein Model. Sie ist liebenswert, originell und offenherzig. Nun reden wir über Corona und die Menschen, und kommen doch auf die Themen, die uns eigentlich bewegen: Beziehungen und Liebe. Sie lebt gerade in Trennung, obwohl das alles ziemlich durcheinander zu sein scheint – die Trennung läuft seit einem Jahr – und ich wurde frisch verlassen. Meine Wunde ist frisch und tut höllisch weh, ihre ist zwar älter, aber wund und heilt nicht zu. Ich erzähle ihr von meinen Gedanken und davon, was das Problem ist: Kommunikation. Sie stimmt dem zu, das ist das Zentrum – eine gute Kommunikation. Und wenn die scheitert, dann beginnt das Leiden.

Nun erkläre ich ihr, wie ich das sehe mit der Beziehungsfähigkeit und – festhalten! – der Beziehungsarbeit. Und dass die Frau, die mich gerade verlassen hat, keine Beziehungsarbeit leisten will und wollte. Vermutlich wegen sehr starker Ängste. Da sagt Lisbeth: „Du redest wie eine Frau! Und deine Liebe ist wie ein Mann!“

Sie meint damit, dass normalerweise Frauen immer reden und Beziehungsarbeit leisten wollen und Männer sich verdünnisieren, fliehen, dicht machen und keine Worte für ihren Schmerz, ihre Wünsche und für das, was schief läuft, finden.

Ich antworte ihr:” Hey, das kann doch wohl nicht angehen. Ich bin ein Mensch und habe ein Interesse daran, eine gute und liebevolle Beziehung zu führen. Und dafür muss ich etwas tun, dafür muss ich die Verantwortung übernehmen. Anstatt zu fliehen, muss ich reden. Und ich will das auch! Weil es meine tiefste Einsicht ist, dass Beziehungsarbeit der einzige Weg zu einer guten Beziehung ist: Schau, das ist meins, das ist meine Geschichte, meine Schmerzen, meine Gefühle, damit hast du nichts zu tun, du bist nicht schuld; und das sind deine; lass uns gemeinsam schauen, was hier geschieht und wie wir unser Beisammensein so gestalten können, dass uns die alten Sachen das Schöne nicht kaputt machen können. Das ist ganz natürlich, das ist Beziehungsarbeit und das sollte jeder erwachsene, verantwortungsbewusste Mensch hinbekommen, der in Liebe leben will. Nicht Mann oder Frau!”

Manche sind vielleicht sogar so drauf, dass sie denken, eine aussereheliche Affäre oder die Bestätigung von Anderen könne die eigene Beziehung retten. Sie meinen, dass es am eingeschlafenen Sexleben liegt und investieren in Dildos und neue Erfahrungen.

Es geht auch nicht darum, etwas kaputt zu reden oder diese Sache zu übertreiben. Im Zentrum muss immer noch die Zuneigung stehen und es müssen schöne Erlebnisse miteinander sein, Nähe, Intimität, Kuscheln und Sex. Jeder muss sein Leben haben und pflegen. Das ist klar. Aber seine Vergangenheiten, seine Trigger aufzuarbeiten, sich zu klären, jeder für sich und am Ende auch gemeinsam und unterstützend, das ist notwendig in Liebesbeziehungen und Partnerschaften. Natürlich gibt es Leute, die nicht so verletzt sind aus der Kindheit, die es leichter haben. Das kann ich nicht beurteilen, ich weiß nur, dass Beziehungsarbeit sehr sinnvoll ist und manche es nicht schaffen, zu viel Angst haben, verkantet sind, glauben, die Schwierigkeiten liegen stets nur am Anderen.

Wie seht ihr das?

Kennt ihr Männer, die Beziehungsarbeit wollen, die Beziehungsarbeit leisten, die an ihrer Beziehungsfähigkeit arbeiten (wollen)?
Ich kenne welche. Sehr wenige zwar, aber vielleicht habt ihr noch andere oder ergänzende Erfahrungen, dann schreibt das gern in die Kommentare.

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

5 Kommentare zu Männer und Beziehungsarbeit

    • Hey, Danke. Natürlich kann man Dinge zerreden, ist mir klar. Man muss immer auch sehen, dass man gemeinsam etwas Schönes erlebt, kuschelt, Nähe sucht – und manchmal auch Abstand. Aber im Zentrum ist das Reden, die Kommunikation. Die können viele nicht gut, Männer oft nicht, aber leider Frauen auch oft nicht. Ich denke, dass sich das ändern sollte und wir mehr Beziehungsarbeit leisten sollten. Denn wir versuchen, unsere Beziehungen in Ordnung zu bringen – oder zu halten – dann wirkst sich das auch auf die Welt, auf die Gesellschaft aus. Wir müssen aufhören mit dem Zerstören. Darum geht es mir eigentlich.

  1. In meiner wilden Jugendzeit in den 70gern und 80gern war „Beziehungsarbeit“ schwer angesagt, Man ging auch gerne in Gruppentherapie, Selbsterfahrungsworkshops.. und auch viele Männer teilten diesen Anspruch.

    Also analysierten wir munter daher… und machten im Fall aktueller Konflikte alles nur noch schlimmer.

    Ich war es auch selbst, die meinte, durch gemeinsames offenes „drüber reden“, zuhören, Vorgeschichten erzählen etc. ließe sich am besten wieder „zusammen kommen“.

    Das war allerdings ein Irrtum, wir kamen erst recht auseinander.

    Was du „Kommunikation“ nennst, ist nur ein Teil davon. Was du meinst, ist „analysieren“, rationalisieren, Ursachen und Wirkungen auseinander klamüsern usw. usf.

    Das kann man machen, wenn gerade keine aktuelle Belastung in der Luft liegt, beide die nötige Distanz und Gelassenheit aufbringen – aber gerade das funktioniert nicht. wenn im Gefühl etwas im Argen liegt.

    Was, wenn alles erklärt/aufgeklärt ist – aber der Dissenz / das miuese Gefühl ist immer noch da? Die Diskussion läuft doch in der Regel so ab, dass jede und jeder das eigene SoSein rechtfertigt – und das ist nicht weit vom Streit, wer nun recht hat. Auf jeden Fall endlos.

    Bessere Stimmung kommt so meist nicht auf.

    Finde aber gut, dass du in deiner jetzigen Situation dran bleibst! Irgendwann wird sie zum Reden bereit sein! Es ist schließlich kein gutes Lebensgefühl, wenn es da jemanden gibt, dem man nicht „einfach so“ auf der Straße begegnen kann – ohne Ängste, Zorn, Verhaltensunsicherheiten, unausgesprochenen Widerreden…

  2. Hallo Mark,
    ich wünsche Dir einfach ganz viel Kraft!
    Das ist eben alles nicht so einfach mit den Beziehungen und der Beziehungsarbeit…
    Auch ich wünschte mir sehr vieles kommunikativer und selbstverständlicher…

    GlG Stella

    • 1000 Dank, liebe Stella. Ja, es ist nicht einfach, Beziehungen sind schwer. Aber warum? Weil man mit sich selber konfrontiert wird, mit seinen Schwächen, Unzulänglichkeiten und Irrtümern. Und das mal zwei, weil es ja noch den Partner gibt. Also bleibt nichts anderes, wenn man WAHRE Liebe möchte und eine ECHTE Beziehung, als „Beziehungsarbeit“ zu leisten. Beziehungsarbeit, die zur Basis hat, dass es schön miteinander ist, dann man immer wieder wunderschöne Erfahrungen miteinander teilt. Und dann, das glaube ich wirklich, ist der Lohn dieser „Arbeit“, das, was man sich immer gewünscht hat und vielleicht so etwas wie ein kleines … Wunder.

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