Kinder vor Lärm schützen und der Streit über ein Youtube-Video

Ohrstöpsel

Manchmal muss es eben sein, dass man sich dem alltäglichen Wahnsinn in den Weg stellt und eine eigene Meinung vertritt. Nicht nur das, sondern diese Meinung auch belegt, sie standfest vertritt und damit Konflikte riskiert. So geschehen kürzlich bei einem Indoor-Kinderfest zum Weltkindertag 2013. Es trasten eine Kinder-Samba-Trommelgruppe auf und eine Kinderrockband, die infernalischen Lärm erzeugten. Davon habe ich ein kleines Video gemacht und mit einem entsprechenden Kommentar auf Youtube veröffentlicht. Die Kommentare dazu waren voller Hass und Verachtung.

Eine „Miriam Sturm“ beleidigte mich in einer persönlichen Nachricht auf Youtube sogar als Mistkerl. Ich sehe halt nicht ein, warum ich schräge Töne und tierischen Lärm auf einem Kinderfest – in einer „Halle“ wohlgemerkt, nicht Outdoor – bei dem auch Kleinkinder anwesend sind, gutheißen und tolerieren soll. Ich nenne die Sache bei Namen und wehre mich gegen Lärm und mögliche Hörschäden bei den Kleinen.

Einmal abgesehen davon, dass das Lied im folgenden Video auch noch schlecht gesungen ist. Soll man wirklich auch das Schlechte loben? Soll man Kinder vor Kritik schützen? Wobei meine Kritik sich eher an die Verantwortlichen, an den Veranstalter – bei dem zuvor zum Lärm der Kinder-Trommelgruppe ein „negatives“ Feedback gab, aber nicht ohne das Kinderfest ingesamt zu loben – und den Band-Coach. So wie den Eltern. Erwähhnte ich, dass ich selber Rockmusiker bin? Aber hier erst einmal das Video:

Das Grauen: Kinderband beim ALTOBA Kinderfest in der Hamburger Fabrik

Schon jedes achte Kind im Alter von 8 bis 14 Jahren hört lärmbedingt nicht mehr perfekt. Vor allem bei mittleren und hohen Tönen liege eine Hörminderung vor, teilte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des internationalen Aktionstages gegen Lärm am 28. April 2012 mit. Quelle: Lärm schadet Kinderohren

Ich gehöre zu den lärmempfindlichen Personen, das gebe ich zu. Ich bin da empfindlich und werte das als Sensibilität. Vielleicht sogar Sensitivität, dass diese „Empfindlichkeit“ auch nach Innen richtet, auf die „innere Stimme“. Deshalb kann ich es nicht nachvollziehen, dass Lärm nicht als Lärm wahrgenommen wird, sondern im Gegenteil, er sogar erwünscht scheint. An den absoluten Zahl der Hörgeschädigten sieht man die Ergebnisse.

Aus Zeitgründen gehe ich den Weg zum Kindergarten mit meiner Tochter an einer vielbefahrenen Straße entlang. Manchmal, zu bestimmten Zeiten, kommt es aber vor, dass kaum Autos fahren. Dann ist es relativ still. Dies fällt meiner Tochter sofort auf und sie wundert sich, dass es auf einmal zu ruhig ist. Ich finde das toll, weil sie offenbar noch sensibel gegenüber dem Alltagslärm ist. Ganz im Gegenteil zu den allermeisten Erwachsenen, die weder die Lautstärke der Geräuschkulisse in einer Großstadt bemerken, noch das Fehlen einer solchen, wo es nicht erwartet wird, Traurig.

So bin ich stets darauf bedacht, meine Kleine nicht nur vor übermäßigem Lärm zu schützen, sondern auch insgesamt ihre Sensitivität zu fördern und zu erhalten. Für mich liegt es eindeutig auf der Hand, dass Lärm Sensibilität zerstört.

Aus diesem Grund mag ich keine Samba-Trommelgruppen, die mit infernalischem Lärm ihre Mitbürger malträtieren. Sie grooven nicht für 10 Cent und absolvieren in dem Paukenchor offenbar so etwas wie Therapie und Selbstverwirklichung. Schrecklich. Schreeeeeecklich.

Und ich sehe überhaupt nicht ein, weshalb Kinder nun auch zur Sambatrommel greifen und sich dieses Hölleninstrument von den Bauch schnallen. Erst recht kann ich nicht nachvollziehen, was 15 dieser Trommelfellvernichter auf einem Kinderfest in einem geschlossenen Raum zu suchen haben. Einen verteufelten Lärm hat es gegeben und ich braucht mich und meine Tochter vor diesem Irrsinn in Sicherheit. Hinter ging ich hinunter und sprach mit einem Vertreter des Veranstalters – unserem Vermieter, der ALTOBA, einer Baugenossenschaft – darüber, dass ich diesen Lärm bei einem Kinderfest als unangemessen und viel zu laut und damit zu gefährlich erlebe.

Unmittelbar danach trat diese Kinderrockband auf und der Lärm war von einem regulärem Hardrockonzert nicht zu unterscheiden. Und dann noch dieses schräge Gesinge. Muss das alles sein? Muss man das toll finden? Was ist in die Verantwortlichen gefahren? Es gibt noch sehr viele andere Möglichkeiten, bei einem Kinderfest eine Kinderband auftreten zu lassen. Man kann auch „leise“ Rockmusik spielen, unplugged nämlich. Und das zeigt ja auch mein Youtube-Kanal, dass ich viel Musik aufzeichne, viele Kinderfeste, die zeigen, was Kinder alles musikalisch auf die Beine stellen können. Und wenn schon Rockband, dann bitte Outdoor, bei einem Kinderfest im Park.

Wenn Heranwachsende unbedingt in einer Rockband spielen müssen, heißt das nicht, dass sie bei einem Kinderfest auftreten müssen. Sie können auch in einer Schulaula oder sonstwo auftreten, wo man darauf vorbereitet ist und schnell das Weite suchen kann oder kann nicht erst kommt mit seinen Kindern.

Und man kann Kinder auch Songs singen lassen, die sie singen können. Siehe Rolf Zuckowski. Man kann durchaus den lernenden Kinder sagen: Hört mal, dieser Song ist nicht der richtige für euch, er ist zu schwer zu singen, du kannst es in 2-3 Jahren noch mal versuchen, aber erstmal ist ein anderes Lied besser für dich geeignet.

Da das alles nicht stattfand, tat ich meine Meinung u.a. auf Youtube kund und bekamm die Verachtung der Kommentatoren zu dem Video zu spüren. Das ist eben Schwarmintelligent. Rücksichtslos, arm im Geist und voller Hass. Zu Kotzen. Ich habe die Kommentatoren alle blockiert und werde ihre Kommentare demnächst löschen.

So läuft es nämlich oft – die Sache wird verdreht. Die meisten haben Mitleid mit dem Mädchen, dass da derart schrägt singt. Kaum jemand hat Mitgefühl für meine Tochter und ihre Ohren. Ich sage meine Meinung und ich sage auch einem Kind, dass schlecht singt, das es schlecht singt, wenn es öffentlich auftritt. Hier haben alle das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und auf Respekt. Nur offenbar nicht im Internet. Ich bleibe jedoch bei meinen Aussagen und werde weiterhin gegen Lärmbelästigungen angehen.

Zum Schluss noch etwas Allgemeines zum Thema Kinder vor Lärm schützen:
Gibt man bei GOOGLE „Lärm Kinder“ ein, stellt man fest, dass Kinder Lärm machen und es einige gibt, die das stört, so dass sich Gerichte damit beschäftigen müssen. Vergebens sucht man auf der ersten Seiten einen Beitrag, der sich mit den Kinderohren und ihrer Gesundheit, die durch Lärm in Gefahr geraten kann, beschäftigt. Auf Seite 2 steht der erste Artikel, inmitten der Kinderlärm-stört-Storys und fragt:“Wie viel Lärm vertragen Kinder?“. Ändert man die Suche in „Lärm Kinderohren“ bekommt man endlich, was man sucht. Und irgendwann stößt man auf www.kindergesundheit-info.de! Hier findet sich das PDF „Zu viel für die Ohren. Lärmpegel und ihre Wirkung auf den Körper von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Download.

Wir sehen in der Tabelle, dass hauptsächlich kontinuierlicher Lärm dem Hörvermögen schadet. Das bedeutet, dass man kurfristig bestimmte hohe Lautstärken durchaus verkraften kann. Doch die Grenzen sind fließend bis eine Spitze erreicht ist, die eine „Schädigung des Innenohrs“ herbeiführen kann.

Als sicher gilt mir, dass viele Eltern von dem Tag gegen den Lärm noch nie etwas gehört haben und diesen schon gar nicht mit der Gesundheit ihres eigenen Kindes in Verbindung bringen.

Titelbild: trop fort von „Je ne suis pas ton père, enfin je crois…“ (FLICKR)

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