Über etwas, das es nicht gibt: Den Mutterinstinkt

Buchcover: Mythos Mutterinstinkt

Das, was mit ein wenig Nachdenken und dem einigermaßen gesunden Menschenverstand eingesehen werden kann, wird nun nach und nach rausgeforscht. Dieses Mal der Mutterinstinkt, den es so gar nicht gibt.

Für uns Männer, vor allem uns Väter ist das eine gute Nachricht. Entscheiden doch viele Familiengerichte, psychologische/psychiatrische GuterachterInnen und konservative Rechtsanwältinnen und ihr Klientel noch immer nach diesem verqueren Mythos, der am Ende eine Nazi-Ideologie entspring. Der Mutterinstinkt ist einfach zu schön, zu einfach, um wahr zu sein. Es hebt die Mutter auf einen goldenen Sockel und beherrscht so die gesamte Frauenwelt, in dem es sie in einen goldenen Käfig sperrt. Wie destruktiv das nicht nur für Frauen – für Mütter – ist, sondern auch für die Kinder und für uns Männer, darüber erzählt dieses überfällige Buch. Im Übrigen eine Arbeit, die nur Frauen und Mütter machen können – und eben nicht wir Männer.

Homophob, frauenfeindlich, gewaltbereit – die Umfrage „Spannungsfeld Männlichkeit“ macht bundesweit Schlagzeilen. Auch wenn mittlerweile Zweifel wachsen an der Belastbarkeit der Daten – die Studie hat aufgerüttelt. Laut der Erhebung der Organisation Plan International Deutschland sind In Deutschland traditionelle Rollenbilder bei jungen Männern akzeptiert. 33 Prozent der befragten Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren gaben demnach an, es „akzeptabel“ oder „eher aktzeptabel“ zu finden, wenn ihnen im Streit mit der Partnerin gelegentlich „die Hand ausrutscht“. 

Das Buch hat es in sich. Vielleicht, weil es JUNGE Frauen geschrieben haben. Sie beschreiben beispielsweise die Muttertät oder Matreszenz, wovon ich und viele andere sicher noch nie gehört haben. Die Begriffe beschreiben den Übergang von Frau- und Muttersein. Grob gesagt. Das Buch stellt es feiner ein.

„Die Basis von toxischen Geschlechterrollenbildern ist die Erziehung“

Über die Hälfte der befragten Männer haben noch immer das Bild der traditionellen Hausfrau in ihren Köpfen und erwarten dies in ihrem Alltag. Die aufopferungsvolle Frau und Mutter, die sich um alles fürsorglich kümmert. Und das natürlich gratis. Weil sie qua Geschlecht dazu geboren wurde. Wir müssen unsere Kinder und vor allem unsere Söhne lehren, dass diese Rollenbilder konstruiert sind und dass Männer so viel mehr sein dürfen als starke, dominante und dauerabwesende Familienernährer.

Annika Rösler

Das Buch „Mythos Mutterinstinkt“ erzählt von bahnbrechenden Forschungsergebnissen, die Elternschaft in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen. Dabei räumt es mit einem historischen Mythos auf: Es zeigt, wie es zur Erfindung des Mutterinstinkts kam und welche Freiheit wir gewinnen, wenn wir uns endlich von ihm verabschieden

Wenn das Bild der Frau als Kümmerin als soziales Konstrukt anerkannt und dann demontiert wird, ist es möglich eine freiere und offenere Welt zu schaffen. In „Mythos Mutterinstinkt“ zeigen wir auf, wie eng der Glaube an den Mutterinstinkt mit der patriarchal geprägten Welt verstrickt ist und wie wichtig es – geschichtlich betrachtet – war, daran festzuhalten. Mit dem Wissen von heute müssen wir da ansetzen und aufklären, wo das Bild der devoten, aufopferungsvollen Frau und Mutter noch unumstößliche und gelebte Wirklichkeit ist.

Evelyn Höllrigl Tschaikner

Wann immer es um Aufklärung und gegen die patriachalen Strukturen, die so viel Schmerz und Zerstörung verursachen geht, bin ich mit im Boot. Daher empfehle ich diese Buch, das endlich aufräumt mit der Mär vom Mutterinstinkt und den Bogen sehr weit spannt um zu verstehen, warum was gewesen ist, was wir daraus lernen können und was jetzt zu tun ist.

Mythos Mutterinstinkt – Wie moderne Hirnforschung uns von alten Rollenbildern befreit und Elternschaft neu denken lässt

von Annika Rösler und Evelyn Höllrigl Tschaikner
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240 Seiten, Kösel Verlag (Mai 2023)
ISBN 3466312027
Paperback 18,- Euro

Entlastend, erhellend und ermutigend!

Der Mutterinstinkt klingt wahnsinnig plausibel, nach einem Bild inniger Liebe gepaart mit irrer Kompetenz.

Der einzige Haken: Es gibt ihn nicht.

Und das ist eigentlich ein Grund zum Jubeln! Denn die Erzählung vom Instinkt produziert unglaublich hohe Ansprüche an Mütter – und spart all jene aus, die Sorge für ein Kind tragen, ohne es geboren zu haben.

Dieses Buch erzählt von bahnbrechenden Forschungsergebnissen, die Elternschaft in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen. Dabei räumt es mit einem historischen Mythos auf: Es zeigt, wie es zur Erfindung des Mutterinstinkts kam.

Leseprobe Mythos Mutterinstinkt

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