Putinversteher und der Offene Brief gegen „schwere Waffen“

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Ich beschäftige mich intensiv mit diesem schlimmen Vernichtungskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt. Ich bin natürlich kein Putinversteher. Ich lese, sehr und höre täglich, was es Neues gibt, was Experten sagen, welche Erkenntnisse gewonnen wurden und wie man diesen Wahnsinn verarbeiten kann. Man Schwerpunkt dabei ist das Thema Propaganda oder wie man es heute nennt Desinformation.

Desinformation, die seit Jahrzehnten mit viel Mühe und Geld aus dem Kreml kommt. Aber nicht nur in Richtung eigene Bevölkerung, die sich, ähnlich wie in China, in einer eigenes für sie und für den Machterhalt der Kleptokratie erdachten Wirklichkeit wiederfinden.

Die Distopien der Sience-Fiction-Romane des letzten Jahrhunderts sind in Russland und China Realität geworden. Und hier bei uns, in den freien Ländern dieser Welt und insbesondere bei uns in Deutschland, finden sich zu viele Menschen, die dieser erfundenen Wirklich, der Desinformation freiwillig beigetreten sind und – wie es die kluge Russland-Korrespondentin Golineh Atai bei MARKUS LANZ erklärte – die russische Sichtweise übernommen haben und bestimmte Aspekte durch „die russische Brille“ sehen. Das sind für mich jene „Putinversteher“, die den ersten „Offenen Brief“ an Kanzler Olaf Scholz … verzapft haben und darin indirekt die Ukraine zur Kapitulation auffordern, weil sie das Leid in diesem bösartigen Gemetzel, angerichtet durch die barbarische russische Armee, nicht mehr ertragen können.

Schwere Waffeln

Wir alle kennen Putin-Versteher, auch wenn sie in der Öffentlichkeit gerade keine so große Rolle spielen. Manche die das tun, wie zuletzt die Prominenten die den Ukraine-Vernichtungsbrief unterschrieben haben, wissen gar nicht, dass sie Putin verstehen. Sie singen mit ihrer Angst vor einem Atomschlag Putins Lied.

Weiterhin schwurbeln Linkaußen und Rechtsinnen etwas von NATO-Osterweiterung, die angeblich mit dafür verantwortlich ist, dass Putin nun unschuldige Ukrainer abschlachten muss. Zuletzt hat Pabst Franziskus diese russische Sichtweise in den Blätterwald gepupst. Prompt sind eben jene Putin-Versteher darauf angesprungen – Oskar Lafontaine beispielsweise – und verbreiten in ihrer Blase die Mär von der Schuld der USA und der NATO an Putins Vernichtungskrieg mit unfassbarem Hass an ihre Mitläufer und Bewunderer.

Diese verachtenswerten Mitbürger WOLLEN nicht verstehen, dass die NATO niemanden bedroht und allein garantiert von Russland nicht angegriffen zu werden. Gäbe es die USA und die NATO nicht hätten die russischen Mörderbanden in der armen Ukraine längst Massenvernichtungswaffen eingesetzt, davon können wir sicher ausgehen.

Der Faschist im Kreml selber hat ja ganz andere Gründe für den barbarischen Einfall ins Nachbarland genannt. Und gefordert, die NATO müsse die Gebiete des ehemaligen Warschauer Pakts verlassen. Also, was denn jetzt?

Wir alle verstehen, dass Russland nicht bedroht war. Das Gegenteil war und ist der Fall. Ein autoritärer, faschistioder, imperialer, großmannsüchtiger, verbrecherischer, menschenverachtender Staat will, dass alles nach seiner Pfeife tanzt und sieht die USA als den großen Feind, mit dem er bis in alle Ewigkeit zu ringen gedenkt.

Das kann jeder sehen, lesen und verstehen. Nur eben die #Putinversteher nicht. Sie wollen weiterhin durch die putinsche Brille auf die Welt blicken und nicht kapieren, dass sie selber dadurch ihre freie Meinungsäußerung aushebeln, den Rechtsstaat, die Demokratie, die Pressefreiheit und überhaupt ihr normales Leben.

Putin ist ein Terrorist, ein Schwerverbrecher, da gibt es nichts zu verstehen. Und die NATO schützt vor Tod und Krieg. Das ist glasklar. Ein Atomkrieg ist nicht ganz auszuschließen, weil diese Waffen nun einmal existieren. Aber Russland ist militärisch nicht in seiner Existenz bedroht. Also, warum stößt man ins Horn des Terroristen? Weshalb reiht man sich nicht ein und ruft: Stopp! Nur, weil er Atomwaffen hat? Also lässt man sich erpressen? Aha. Es gibt aber Menschen, die lassen sich von Verbrechern nicht erpressen, sondern die stellen sich ihm entgegen. Diejenigen sollten wir unterstützen und niemanden sonst.

Offensichtlich wollen sie autokratisch leben und akzeptieren das Recht des Stärkeren. Warum sie das tun, bleib im Dunkel ihrer eigenen Kindheit verborgen. Sie sind nicht nur selber von der russischen Desinformationen seit 70 Jahren vergiftet, ihre Denken ist verseucht von Hass, Gewalt und Lüge. Ihre Arbeit zersetzt den Widerstand gegen das Verbrecher, gegen das Morden, gegen den russischen Faschismus und deshalb muss man sich diesen Leuten hier bei uns immer wieder in den Weg stellen: So nicht, nicht mit uns, ihr lügt!

Wobei man sich bewusst machen darf, wer unsere eigentlichen Feinde sind. Es sind die machgierigen, kriminellen, toxischen, dominanten Männchen. Sie richten das Unheil an, sie töten eigentlich, sie verursachen am Ende immer einen gigantischen Schaden, wenn sie ungehemmt an der Macht agieren können.

Russische Propaganda
Russische Propaganda = Desinformation

Beihilfe zur Wiederrichtung des russischen Imperiums durch deutsche Putinversteher

Putin und seine russischen Nationalisten haben schon längst erklärt, was sie erreichen wollen: Sie wollen das russische Imperium zur Zeit des Zarenreichs wiederherrichten und Europa, die Welt in Einflussphären teilen. Das bedeutet unter anderem, dass das Sowjetimperium genauso wieder auferstehen soll. Nicht mit Kommunismus und Politbüro, sondern mit den Nationen oder der russischen Fuchtel. Es geht um die nationalistische Dominanz der Russen, des Volkes der Rus. Dieser Nationalsolz soll gefüttert werden mit der Unterdrückung von Selbstbestimmung und Demokratie der vor allem angrenzenden Staaten und Völker.

Wir erinnern uns an den Aufstand der Tschetschenen, die die Gunst der Stunde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nutzen und die Unabhängigkeit erreichen wollten. Russland aber sieht die Region als Russland an. Der Westen hat diese Sicht übernommen und den fruchtbaren Tschetschenienkrieg, mit geschätzt mindestens 200.000 Toten, als innere Angelegenheit Russlands angesehen. War es aber nicht. Diese Geschichte setzt sich fort mit dem Angriff auf Georgien, der Besetzung Transnistriens in Moldawien und vor allem der Landnahme im ukrainischen Donbass, sowie die Annexion der Krim.

All das sollte Alice Schwarzer eigentlich wissen. Sie sollte auch wissen, dass wir in den freien Nationen und in der NATO genau diesen Typus Mann durch Institutionen, Gesetze und Regeln, Legislaturperioden, freie Parlamente, durch die freie Presse, Ethik und moralische Standards ganz gut in den Griff gekriegt haben. Und wo es all das nicht gibt – Belarus, Nordkorea, China, Russland usw. – herrscht die Menschenverachtung, das Recht des Stärkeren und die Gewalt. Daher sollten Alice Schwarzer und ihre Scherzbolde wie Dieter Nuhr und andere Schwurbler nicht nur unsere Sache wirklich wertschätzen, sondern vor allem einen Brief an Putin, Lukaschenko und Xi Jinping schreiben.

Kommentar zum 1. Offenen Brief der Besserdeutschen

Eine völlig Verdrehung, nein, ich nenne es Verschwurbelung der verzweifelten, brutalen Lage in der Ukraine. Diese Leute sitzen da und schwingen sich auf, diesem armen Land und allen, die helfen, ins Gesicht zu spucken. So nehme ich diese aus maximaler Verwirrung entstandene Anmaßung wahr. Sie machen die Lage gefährlicher und spielen den Faschisten im Kreml in die Hand.“

Zu den 28 Erstunterzeichnern gehören der Autor Alexander Kluge, der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel, der Sänger Reinhard Mey, die Kabarettisten Gerhard Polt und Dieter Nuhr, die Schauspieler Lars Eidinger und Edgar Selge, Harald Welzer und die Schriftstellerin Juli Zeh.

„Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk (@MelnykAndrij), schreibt zur EMMA-Initiative von Alice Schwarzer auf TWITTER:
„Diese Prominenten, die der Ukraine schwere Waffen verwehren wollen und damit dem Mörder Putin nur in die Hand spielen, damit er ukrainische Frauen und Kinder zerbomben kann, haben das Prinzip “Nie wieder“ mit Füßen getreten. Nichts aus der Geschichte gelernt. Traurig.

„Unsere Prominenten, die uns zu weiterer Schande verhelfen, erklären:
„Wir warnen vor einem zweifachen Irrtum: Zum einen, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern. Und zum andern, dass die Entscheidung über die moralische Verantwortbarkeit der weiteren ‚Kosten‘ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung falle. Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.“

Ich schäme mich dafür. Alle versuchen eine Eskalation in Sachen Atomkrieg zu verhindern, gleichzeitig Menschenleben in der Ukraine zu retten und einem fruchtbaren Aggressor, der alle moralisch verbindlichen Normen, alle Werte, die Menschenrechte und die UN missachtet, missbraucht und am Ende uns alle bedroht, etwas entgegenzusetzen. Aber nein, das ist falsch, heißt dieses Geschwurbel auf Deutsch. Diese Erstunterzeichner, die unseren Widerstand zersetzen wollen, die der von Russland geschürten Angst nachgeben, sollen einfach bei ihren Leisten bleiben, ihren Job machen, und mal kleinere Brötchen backen.

28. Prominente: Die Namen der Erstunterzeichner des Offenen Briefs an Olaf Scholz:

Andreas Dresen, Filmemacher
Lars Eidinger, Schauspieler
Dr. Svenja Flaßpöhler, Philosophin
Prof. Dr. Elisa Hoven, Strafrechtlerin
Alexander Kluge, Intellektueller
Heinz Mack, Bildhauer
Gisela Marx, Filmproduzentin
Prof. Dr. Reinhard Merkel, Strafrechtler und Rechtsphilosoph
Prof. Dr. Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler
Reinhard Mey, Musiker
Dieter Nuhr, Kabarettist
Gerhard Polt, Kabarettist
Helke Sander, Filmemacherin
HA Schult, Künstler
Alice Schwarzer, Journalistin
Robert Seethaler, Schriftsteller
Edgar Selge, Schauspieler
Antje Vollmer, Theologin und grüne Politikerin
Franziska Walser, Schauspielerin
Martin Walser, Schriftsteller
Prof. Dr. Peter Weibel, Kunst- und Medientheoretiker
Christoph, Karl und Michael Well, Musiker
Prof. Dr. Harald Welzer, Sozialpsychologe
Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist
Juli Zeh, Schriftstellerin
Prof. Dr. Siegfried Zielinski, Medientheoretiker

2. Offener Brief als Gegenentwurf

Nicht nur wegen dieser Argumentation, sind die die Unterzeichner um Alice Schwarzer, Reinhard Merkel, Ranga Yogeshwar, Juli Zeh (!) und Dieter Nuhr suspekt – sie sind mir auch aus ganz anderen Gründen allesamt unsympathisch und wirklich nicht „meine Leute“. Ich habe bisher noch nichts wirklich Gutes, Ergreifendes, Richtiges und Begeisterndes vernommen, sondern sehr oft waren ihre Meinungen schräg, verwunden, verkopft, verschwurbelt, ich weiß nicht was, aber nicht wirklich fundiert … klug.

Viele von diesen proministen Briefschreibern sind älter, sind im „Kalten Krieg“ groß geworden, in den 60er und 70er Jahre, waren Teil der Friedensbewegung und seit dem Krieg in Vietnam gegen die USA.

Statt dass sie nun Putin anschreiben, Demonstrationen gegen Russland organisieren, arbeiten sie an der Zersetzung des Widerstands westlich der Ukraine. Die Unterzeichner würden eher gegen die USA und NATO auf die Straße gehen, als gegen Russland und gegen den Schwerverbrecher und Massenmörder Putin. Dessen bin ich sicher. Ist aber spekulativ, wie ihre Argumentation eben auch. Es kann nicht sein, das Sie die Bösartigkeit, die seit Jahrzehnten aus Moskau kommt, nicht wahrnehmen und sich eben nicht dagegenstellen. Sie stellen sich gegen die eigene Regierung, gegen den Westen, gegen die NATO, gegen all das, was uns alle stützt.

Deshalb hier der Link zum 2. Offenen Brief, der nicht nur brillant und auf den Punkt formuliert ist, sondern all das hat, was man vom Prominenten Brief pro Untergang der Ukraine vermisst!

Es ist gut und richtig, dass Deutschland viele Pazifisten hat, nach der Schuld am Völkermord am jüdischen Volk und den letzten beiden Weltkriegen. Dass sich die deutschen schwer tun mit Waffen und Krieg und Militär, das ist gut so. Und es ist gut, dass diese Thematik intensiv diskutiert wird hier. Dadurch entsteht etwas, mehr Verständnis, tiefere Erkenntnis und … Entwicklung.

Ich bin mir aber ganz sicher und wünsche mir, dass wir alle die Zeichen der Zeit erkennen und entschlossen unsere Freiheit und Selbstbestimmung, unseren Rechtsstaat und unsere Freunde entschlossen verteidigen – geistig, emotional und militärisch. Die Haltung muss sein, sich den Gewalttätern, Kriegsverbrechern und Schwerkriminellen hart und aufrecht in den Weg zu stellen.

Unterzeichner des 2. offenen Briefs unter anderem:

Stephan Anpalagan
Gerhart Baum
Marieluise Beck
Maxim Biller
Marianne Birthler
Wigald Boning
Prof. Tanja Börzel
Hans Christoph Buch
Mathias Döpfner
Prof. Sabine Döring
Thomas Enders
Fritz Felgentreu
Michel Friedman
Ralf Fücks
Marjana Gaponenko
Eren Güvercin
Rebecca Harms
Wolfgang Ischinger
Olga Kaminer
Wladimir Kaminer
Dmitrij Kapitelman
Daniel Kehlmann
Thomas Kleine-Brockhoff
Gerald Knaus
Gerd Koenen
Ilko-Sascha Kowalczuk
Remko Leemhuis
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
Igor Levit
Sascha Lobo
Wolf Lotter
Ahmad Mansour
Marko Martin
Jagoda Marinić
Prof. Carlo Masala
Markus Meckel
Eva Menasse
Herta Müller
Prof. Armin Nassehi
Ronya Othmann
Ruprecht Polenz
Gerd Poppe
Antje Rávik Strubel
Prof. Hedwig Richter
Prof. Thomas Risse
Prof. Gwendolyn Sasse
Prof. Karl Schlögel
Peter Schneider
Linn Selle
Constanze Stelzenmüller
Funda Tekin
Sebastian Turner
Helene von Bismarck
Marie von den Benken
Marina Weisband
Deniz Yücel
Prof. Michael Zürn

Lesetipps

Auf ÜBERMEDIEN: Offener Brief an den offenen Brief von Samira El Ouassil
FAZ.NET: Wladimir Klitschko zum Brief der 28: Wir werden nicht kapitulieren

Titelbild: Put1 Putin Legacy by FolsomNatural – CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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