Ein ernstes Wort zum Vatertag

Vaterlos am Vatertag 2015

Ich selber kenne meinen Vater nicht. Da war zwar ein Mann im Haus, von dem ich lange glaubte, er wäre mein Vater, aber der scherte sich einen Dreck um die Kinder. Vielleicht bin ich deshalb so und denke am Vatertag 2015 an die vielen Kinder, insbesondere Jungs, Söhne, die ohne Vater aufwachsen müssen. Das Jahre 2015 hat vielen Kindern ihren Vater genommen. Der furchtbare Massenmord in Paris Anfang des Jahres, die Kriege in der Ukraine, in Syrien, Irak, Libyen und zuletzt die feigen Morde an schwarzen Männern und Jugendlichen durch US-amerikanische Polizisten. Daran muss ich heute denken. Wenn der Vater fehlt, ein liebevoller Mann, der sich kümmert, zu dem man aufschauen kann, den man liebt, und Umstände wie Gewalt, Perspektivlosigkeit und Armut die Erfahrungen und die Umwelt heranwachsender Jungen und Männer bestimmen, wird es kaum einen Ausweg aus diesem Elend geben.

Angeregt zu diesen Gedanken – die natürlich nichts Neues sind – wurde ich von einem Artikel des Journalisten Andreas Ross, „Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington“. In einem Beitrag für den Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) am 3. Mai 2015 unter dem Titel „Gewalt gehört zu Amerika“, wies er auf diese Zusammenhänge hin: „Auf Amerikas Straßen und in Amerikas Wohnungen fehlen 1,5 Millionen schwarze Männer. Auf hundert schwarze Frauen zwischen 25 und 54 Jahren kommen nur 83 Männer gleichen Alters. Die meisten der anderen sind tot – ermordet, an Sucht- und anderen Krankheiten gestorben, verunglückt. Viele weitere, mehr als ein Drittel der „Verschwundenen“, sitzen im Gefängnis. Kinder wachsen ohne Väter und männliche Vorbilder auf. Feste Strukturen, Anerkennung und Beschäftigung finden Jungs oft nur in Banden. Respekt vor dem Wert jedes menschlichen Lebens lernen sie dort nicht.“

Gerade die Jungs. Gerade die Söhne brauchen starke Männer, Väter, die da sind und sich kümmern. Gerade sie, die manchmal einen wilden Antrieb in sich haben und raus müssen, kämpfen, toben, jagen, Fußball spielen. Die in vielen Schulen und Kindergärten zum Stillsitzen verdonnert sind und dabei oftmals in großer Gefahr schweben pathologisiert zu werden. Dann droht, anstatt Fürsorge und Verständnis, Ritalin. Und die verlorenen Söhne, die in den oben beschriebenen Umständen heranwachsen, die haben die Arschkarte.

Das denke ich am Vatertag. Geht nicht saufen mit den Kumpels und dem Bollerwagen. Sondern macht am Vatertag 2015 zur Abwechslung mal was Gutes, Herzliches, Männliches.

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von quinn.anya

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