Der Familienrat – Netzwerktreffen und Konferenz in Hamburg

Netzwerktreffen der Familienräte in der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg
Familienrat im Kinderschutz: 12. Netzwerktreffen in Hamburg

Eine sogenannter Familienrat, der durch Fachleute des Jugendamtes initiiert wird, setzt bei Herausforderungen eines Familiensystems oder Konflikten zwischen Eltern auf das „Netzwerk der Familie“. Die Einsatzmöglichkeiten der freiwilligen, moderierten und koordinierten Familienräte sind vielfältig. Etwa beim Täter-Opfer-Ausgleich (TOA), nach Haftentlassungen von Vätern, in Umgangsstreitigkeiten und Sorgerechtskonflikten, bei Rückführungen von Kindern in die Familien, bei Vernachlässigung von Kindern oder chronischem Schulschwänzen u.v.a.m. Eine tolle Einrichtung!

Der Familienrat als Angebot und „Wächter des Kindeswohls“

In anderen Regionen gibt es andere Bezeichnungen für den „Familienrat“ bzw. dieses Verfahren: Familiengruppenkonferenz, Sozial-Netzwerk-Konferenz, Gemeinschaftskonferenz, Wiedergutmachungskonferenz (im Bezug auf Täter-Opfer-Ausgleichs/Restorative Justice.)

Betroffene selbst oder Jugendamtmitarbeiter, Richter, Helfer und verantwortungsbewusste Bürger können sich bei einem familiären Konfliktfall, bei dem der Einsatz des Jugendamtes vorgesehen wäre oder ein Gerichtsverfahren droht oder schon anberaumt ist an ein Familienratsbüros wenden. Leider gibt es die nicht überall. In Hamburg haben fast alle Bezirke ein solches Büro. Das Ziel der Familienräte ist es, Lösungen gemeinsam mit allen Betroffenen zu erarbeiten. Diese Ergebnisse sind naturgemäß tragfähiger und nachhaltiger als Maßnahmen oder Zwangsmaßnahmen, die von Autoritäten, Behörden oder Gerichten den Betroffenen übergestülpt werden. Der Familienrat ist somit eine zutiefst demokratische und menschliche Institution und Idee. Intuitiv denke ich, sind Familienräte uralte Verfahren um Konflikte zu beherrschen und gemeinschaftliche Lösungen zu gewährleisten. Ich persönlich unterstützte jede Lösung, die von den Betroffenen selber kommt und bei denen Richter und vor allem Rechtsanwälte nicht ihre Finger im Spiel haben. Jedes Verfahren ohne Rechtsanwälte in einem Familienkonflikt ist ein gutes Verfahren – das ist meine Haltung. Unter Erwachsenen sollte das im Sinne der Verantwortung für ein Kind möglich sein, auch wenn es Unterstützung von wohlmeinenden Profis, vom Jugendamt und Mediatoren benötigt. Denn dazu ist das Jugendamt ja eigentlich da, auch wenn es sich noch nicht in allen Behörden und vor allem in der Bevölkerung rumgesprochen hat.

Ich empfinde den Familienrat jedenfalls als eine spannende und sehr sinnvolle Sache und werde mich für die Verbreitung der Idee und dieses Verfahrens einsetzen. Auch zum Beispiel in der Schule, im Kreis-Elternrat, wenn es irgendwie geht. Denn klar ist, dass immer noch nicht alle Behörden, alle Jugendämter (!), nicht alle Gerichte, Rechtsanwälte und schon gar nicht die Eltern von diesem niederschwelligen und wirksamen Hilfsangebot erfahren haben. Das muss ich dringend ändern und ich trage meinen Teil dazu bei. Gerade Eltern – und zukünftige Eltern – sollten davon wissen. Es ist ein gefährlicher Irrtum zu meinen, nur die Ungebildeten, das „Prekariat“ wäre angewiesen auf Betreuung durch ein Jugendamt. Das geht ganz schnell, das man sich bei einer Trennung in Teufels Küche wiederfindet und nicht mehr weiter weiß. Außerdem betrifft häusliche Gewalt, das nicht das einzige Thema dabei ist, alle gesellschaftlichen Schichten. Man erreicht Eltern über die Schulen und das möchte ich gerne versuchen.

Auf hamburg.de findet sich eine kleiner Text-Block, der deutlich macht, um was es beim Familienrat geht:

„Die Erfahrungen, die inzwischen in vielen Ländern der Welt und auch in Deutschland gemacht wurden, zeigen:

  • Jede Familie hat ein Netzwerk.
  • Die Menschen, die dieses Netzwerk bilden, sind bereit und in der Lage, einer belasteten Familie unterstützend zur Seite zu stehen.
  • Lösungen, die im Familienrat entwickelt wurden, sind tragfähiger als solche, die Experten vorschlagen.
  • Auch wenn professionelle Hilfe notwendig ist, kann diese wirksamer eingesetzt werden, wenn der Hilfebedarf vom Familienrat exakt beschrieben wurde.
  • Jugendamt und Familie begegnen sich auf Augenhöhe und arbeiten besser zusammen als ohne Familienrat.“
broschuere-familienrat-hamburg

 

Das Netzwerktreffen der Familienräte in der staatlichen Jugendmusikschule Hamburg

Am 20. und 21. September 2018 trafen sich in Hamburg „Familienratsbegeisterte und –überzeugte Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg mit langjähriger Erfahrung genauso wie Interessierte, die sich erst seit kurzem mit dem Thema (Familienrat) beschäftigen.“ Auch ich war, wie gesagt freunlicherweise als Blogger und Pressevertreter eingeladen und bedanke mich an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bei Jens Kurjeweit. Während dieser kleinen Konferenz fand „ein intensiver Erfahrungs- und Informationsaustausch statt, mit spannenden Vorträgen und Workshops, und am Donnerstagabend ein fröhliches Beisammensein“ mitten im Hamburger Hafen.

Schon in der sehr guten Einführung durch den Leiter des Amtes für Familie in Hamburg (BASFI), Herrn Stuhlmann, ging es klar und einfach zur Sache: „Dieses dient der Zeilsetzung von so viel Normalität, wie möglich. Nämlich normal ist, dass Menschen sich selber und gegenseitig helfen. Der Familienrat beschreibt ja nur das, was eigentlich Normalität im normalen Zusammenleben der Menschen ist. Der Familienrat belässt die Verantwortung dort, wo sie hingehört – bei der Familie und der Familiengruppe. Der Familienrat ist ein wesentlicher Beitrag zur Überwindung des Bedarfs an staatlicher Hilfe. Trotzdem gehen wir davon aus, dass der Staat dort unterstüzt, wo es notwendig wird.“

Fachvortrag „Stadtteil ohne Partnergewalt“

Den erste Fachvortrag hielt Frau Prof. Sabine Stövesand, HAW Hamburg. Unter dem Titel „StoP – Stadtteil ohne Partnergewalt: Aktivierung von Nachbarschaftsnetzwerken zur Verhinderung von häuslicher Gewalt“ stellt sie ihr eigenes Projekt vor, dass unter www.stop-partnergewalt.org mit einer schlechten Website und veraltetem Design aus dem Beginn des Internets zu erreichen ist. Das StoP-Projekt gegen häusliche Gewalt ist löblich, interessant und auch wichtig. Aber die Initiatorin Frau Stövesand geht gar nicht.

Auch sie scheint wie die Internetseite aus der Zeit gefallen, sehr abweisend und nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Fachlich ist Frau Professor Stövesand vermutlich einwandfrei und ihr Projekt gegen häusliche Gewalt durchaus unterstützenswert. Ich unterstütze es aber nur ungern, da die Professorin ganz offensichtlich eine sehr schwierige Person ist, mit der ich leider aneinander geraten bin. Und ich war nicht der einzige, der sich über sie beschwert hatte. Meine freundliche Anfrage, ein Versuch, ihr nach ihrem Vortrag Fragen zu stellen und Anmerkungen zu Ihrer grafisch scheußliche Präsentation (ich sage nur „Rot auf Blau“) wurde schroff und unfreundlich abgebügelt. Ein Dialog mit dieser Frau war nicht möglich. Und das unter der Überschrift Familienrat – muss man sich mal vorstellen. Da ich bei ihren Vortrag einen Audiomitschnitt gemacht hatte, bat ich sie hinterher um ihre Erlaubnis diesen ggf. an dieser Stelle hier, meinem Blog, veröffentlichen zu dürfen. Ich versuchte es mit Transparenz und verwies auf meinen Presseausweis. Ich hatte noch gar nicht richtig ausgesprochen, da drohte sie mit „Datenschutz“ und wurde kratzbürstig. Ein Dialog war nicht mehr möglich. Keine Ahnung, wovor diese Frau Angst hatte, ich empfand das aber als kleingeistig, intolerant, zickig und im höchsten Grade unfreundlich, wie ich es von einer solchen Fachkraft an diesem Ort absolut nicht erwartet hatte. Eine Schande solch ein Verhalten. Und wie gesagt, es gab ähnliche Rückmeldungen über den Kontakt mit Prof. Sabine Stövesand, deren Projekt ich mit meinen Blogs nicht unterstützen und sehr schnell vergessen werde. Selbst Tage später machte die Frau Druck, mich davon abzuhalten, ihren Fachvortrag zu veröffentlichen. Dabei hatte ich die Audioaufzeichnung gleich nach ihrem Nein gelöscht. Ist doch selbstverständlich. Ich unterstütze gerne Initiativen, um Schwächere Menschen zu schützen, aber wenn ich auf eine solch schwache Frau jenseits von Souveränität und Humor treffe, kann ich selbst die dollste Aktion nicht mehr unterstützen, weil „Freie Rede“ und Großzügigkeit für mich selbstverständlich Grundvoraussetzung dafür ist, Menschen zu unterstützten.

Fachforen und Open Space zum Thema Familienrat

Themen Wand bei der Familienrat-Konferenz in Hamburg im September 2018
Fachforen und Open Space: Themen und Fragestellungen

Soziologe Prof. Dr. Otmar Hagemann
Prof. Dr. Otmar Hagemann von der Fachhochschule Kiel
Es gab aber Entschädigung. Bei den „Fachforen und Open Space: Themen und Fragestellungen – Einteilung und Arbeit in Kleingruppen“ nach dem Mittagessen setzte ich mich in den Raum zu Prof. Dr. Otmar Hagemann. Dort wurden Fragen zu Mediation und den Familienräten im Strafrecht bzw. unter Zwang unter der Überschrift „Conferencing-Verfahren im Strafrechtskontext“ debattiert. Professor Hagemann, ein Soziologe, ist sehr erfahren bei dem Thema und hat die vielfältige Diskussion zwischen Fachleuten, einem Polizisten als Familienratskoordinator und Laien sehr gut geleitet und strukturiert. Viele Fragen wurde beantwortet, ich fand die Sache wirklich fantastisch. Die Arbeit des Professors Gemeinschaftskonferenzen (GMK) in Elmshorn kam ebenso zur Sprache, wie der Familienrat in der Jugendhilfe (in anderen Ländern gibt es andere Bezeichnungen als „Familienrat“), aber auch die Praxis in Neuseeland und Nordirland, die hier exemplarisch und vorbildlich wirken (auch im Straf- und Jugend-/Kindschaftsrecht), sowie der Täter-Opfer-Ausgleich (Ausgleich zwischen Geschädigtem und Beschuldigten, wie der Professor als besseres Wording anmerkte) im Zusammenhang sog. Restorative Justice (Konflikttransformation durch ein Wiedergutmachungsverfahren). Eine spannende Diskussion.

Dabei kam bei mir natürlich auch einiges hoch. Ich habe meine „große Schwester“ durch Mord verloren und bin „indirektes Opfer“ eines Tötungsdeliktes. Aber auch das Umgangsverfahren im Familiengericht Hamburg-Altona mit einem komplett versagenden Jugendamt-Vertreter, menschenverachtenden Gutachtern und geradezu bösartigen Rechtsanwälten hat mich … traumatisiert. Weshalb ich mich ja hier engagiere und gerade dieses Thema in Strafrechtsverfahren wichtig finde. Wobei es im Kern darum geht, wie man Eltern, ob sie nun Täter einer schweren Straftat geworden sind oder nicht, zu einer Meditation oder zu einem Familienrat, zur Kooperation verpflichten oder zwingen kann. Professor Hagemann merkte an dieser Stelle an, dass der Zwang zu Kooperation natürlich aus Sicht der Opfer von Gewalt- und Straftaten ganz anders aussieht. Manchen Opfern oder Geschädigten ist es sicher kaum möglich, sich mit dem Täter und oft Vater ihres Kindes, direkt auseinanderzusetzen und einen friedlichen Ausgleich oder eine friedliche Lösung zu finden. Auch wenn die Gespräche/Mediationen geschützt sind und moderiert werden. Dabei bestätigte Prof. Hagemann, dass ihm hier noch nie eine Gewalttat innerhalb einer solchen Mediation bzw. Familienkonferenz bekannt ist. Auch wenn es sehr selten zu Tötungsdelikten im Jugendamt oder im Zusammenhang mit Familiengerichten Gerichten kommt.

Insgesamt für mich ein sehr spannendes Meeting, so dass ich die anderen Panels und Gespräche nicht besuchen konnte und auch nicht wollte. Aber die waren sicher auch alle spannend und wirkten sicher als Fortbildung für die Fachkräfte in dieser wunderbaren kleinen Konferenz. Leider konnte ich am zweiten Tag, am Freitag nicht bei der Konferenz sein und verpasste den „Fachvortrag: Vom passiven Hilfeempfänger zum aktiven Bürger – Familienrat als praktisches Empowerment – auch im Kinderschutz“! Mit anschließender „Fishbowl-Diskussion“ (Stuhlkreis, Diskussionsform in großen Gruppen). Wenn jemand das hier liest und dabei war, freue ich mich über einen entsprechenden Kommentar unter dem Beitrag.

Hafenrundfahrt im Hamburger Hafen
Entspannen auf dem Schiff nach dem Netzwerktreffen der Familienräte in Hamburg

Mein Fazit als Laie zum Netzwerktreffen der Familienräte in Hamburg 2018

Ich habe mich sehr über die Einladung zu dieser Konferenz in meiner Heimatstadt gefreut. Dabei habe ich festgestellt, dass diese Sache – Familienstreit, Familienrecht, Kindeswohl, Familienrecht, Kinderschutz, Familienschutz – immer noch ein sehr wichtiges Thema für mich ist. Ich würde gern mehr dafür tun und sehr gerne das Verfahren des Familienrats weiter unterstützen und verbreiten helfen.

Ich habe bei diesem Netzwerktreffen sehr viel gelernt und wundervolle Menschen kennengelernt. Ich denke, das haben alle Teilnehmer gleichermaßen so erlebt. Ich habe kaum je so eine sinnvolle Konfernez miterlebt. Das Engagement und die Hilfsbereitschaft, weit über deinen schnöden Dienst nach Vorschrift hinaus, sind sehr beeindruckend. Leider sind die Jugendämter in Verruf geraten und man verbindet mit ihnen eher Angst und Repressionen anstatt, wie es sein soll, Hilfe, Wohlwollen und Motivation. Dasselbe gilt für die Familiengerichte, ein Kriegsschauplatz auf dem alle verlieren – nur meine „geliebten“ Rechtsanwälte nicht. Daher ist jedes Verfahren, mit dem man einen Familienkonflikte ohne Rechtsanwälte bearbeiten kann ein Sieg der Menschlichkeit und der Demokratie.

Bürgerliche Verantwortung innerhalb der Familie muss neu gelernt und gelebt werden. Genau hier setzt das Konzept der Familienräte und Gemeinschaftskonferenzen an. Wie Herr Stuhlmann vom Hamburger Amt für Familie es formulierte, ist jede Lösung, die nicht von oben herab den Betroffenen aufgebürdet wird und die sie selber mit Hilfe des Familienrates z. B. gemeinsam erarbeiten, eine gute Lösung. Nämlich die einzig nachhaltige und tragfähige im Sinne des Kindessschutzes – und des Grundgesetzes (Artikel 6 GG). Viele spannende und erhellende Gespräche wurden zum Thema Kinderschutz und Familienhilfe bei diesem Netzwerktreffen geführt. Diese Diskussion gehört nach meinem Dafürhalten in die Mitte der Gesellschaft und nicht an den Rand, wo sich Jugendamt und Sozialarbeiter darum kümmern müssen. Dazu gilt es die Idee des Familienrats möglichst allen Bürger bekannt zu machen, damit sie, sollten sie einmal in die Verlegenheit eines am Ende gerichtsrelevanten Konflikts geraten, wissen, wo sie wirksame Hilfe finden. Der Familienrat ist das mir am sinnvollsten erscheinende und einleuchtenste Verfahren, das ich zum Thema Umgangskonflikt und Sorgrerechtsstreit kenne.

Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und die (gesellschaftliche) Entwicklung an dieser Stelle.

Hafenrundfahrt am Container Terminal Burchardkai beim Netzwerktreffen der Familienräte in Hamburg

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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