Das Drama sensibler Jugendlicher während der Coronakrise

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Führte der 2. Lockdown während der Coronakrise zu mehr Suiziden? Ich fürchte, ich sehe die Zusammenhänge etwas anders. Es geht viel eher um das grundsätzliche Zusammenleben, die grundsätzlichen Bedingungen in Schule, dem Arbeitsleben der Eltern, dem Erwachsenwerden in diesem Spätkapitalistischen Wahnsinn und dem Dauerkonflikt mit anderen.

Die jugendliche Tochter (17) einer Freundin von mir, hatte vor einigen Wochen einen Suizidversuch gemacht. Nicht erfolgreich, Gott sei Dank, aber mit wochenlangem Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das arme Mädchen war schon depressiv und ist eh magersüchtig – der Vater spielt hier eine unglückliche Rolle – so dass sie eine ganze Packung Citalopram schluckte. Ich denke nicht, dass die Coronakrise hier ursächlich war, da sie eh nicht zur Schule wollte, keine Freundinnen hat und auf Verweigerung gebürstet ist. Aber diese Krise hat die seelische Krise dieser Jugendlichen erst richtig deutlich werden lassen.

Der feine Sinn der Kids für den Wahnsinn der Welt

Heranwachsende haben eher ein feines Gespür für die Abgründe des Gegeneinanders, des Konkurrenz- und Anpassungsdrucks, für den wir Menschen nicht geschaffen sind. Erwachsene biegen sich später irgendwie hin oder entwickeln Süchte, Obsessionen, wunderschöne Krankheitsbilder oder giftgrünen Ehrgeiz. Das können die Kids noch nicht, sie haben weniger Möglichkeiten, den sie umgebenen Wahnsinn, die subtile, sehr feine, aber widerliche Gewalt, die Lieblosigkeiten überall, zu kompensieren. Es ist nicht Corona, sind nicht die Lockdowns, sondern die Viruskrise bringt ans Licht, an was wir Erwachsenen uns schön lange gewöhnt haben, was uns teuer zu stehen kommt. Die jungen Menschen können diese Zusammenhänge noch nicht sehen, nicht artikulieren. Ihre Sprache ist deshalb eine andere …

Schauen wir uns ein paar Beispiele aus diesem Beitrag an: „Jeder Suizid habe zwar eigene, vielfältige Ursachen – und welche Rolle die Pandemie und der Lockdown darin spielten, sei schwierig zu bemessen.“

Stichwort Dauerbestätigung als Kompensation (Instagram): „Insbesondere jugendliche Mädchen, die vor der Pandemie in der Schule und bei Hobbys viel Anerkennung gefunden hätten, die gute Noten gehabt hätten und vielseitig interessiert gewesen seien, seien im Zuge der teils monatelangen Schulschließungen oder nach wochenlanger Quarantäne »in ein tiefes Loch gefallen«. »Einige haben da noch nicht wieder herausgefunden, auch nicht, als der Unterricht wieder normal stattfand«, sagt die Psychologin.“

Der Beitrag und die Studie reichen nicht aus, um die wahren Zusammenhänge glasklar zu erkennen. Denn was wir als Normalität und Wirklichkeit bezeichnen, ist nicht etwas, das einfach da ist oder schon immer da war. Unsere Wirklichkeit ist GEMACHT, von Menschen gestaltet und offenbar gewollt. Das ist das, was feine „Seelen“ subtil wahrnehmen und an dem sie Durchdrehen. An dem Willen eine gewalttätige Welt zu schaffen und nicht sehen zu wollen, was jeder einzelne da für andere anrichtet. DAS ist meine Meinung.

Suizide und Suizidversuche während der Coronakrise

Grund für meinen Beitrag (aus dem auch die Zitate stammen) ist dieser Artikel auf SPON: „Zweiter Lockdown in Deutschland – Was hinter der Studie zu mehr Suizidversuchen bei Kindern und Jugendlichen steckt“

Dreimal mehr Kinder und Jugendliche sollen im zweiten Lockdown auf Intensivstationen gelandet sein, weil sie versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Die Studie der Uniklinik Essen hat Unschärfen – aber das Problem dahinter ist immens.

Hole Dir Hilfe, wenn du Depressionen oder suizidale Gedanken hast, wenn du glaubst, nicht mehr Leben zu wollen! Schnelle Hilfe und Kontakt gibt es zum Beispiel ganz unkompliziert bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 – oder bei anderen Beratungsstellen.

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