Unser Kind hat Neurodermitis

Jetzt ist es amtlich: Die kleine hat Neurodermitis. Sie ist jetzt fast genau 1,5 Jahre alt und hat überall am Körper, außer am Rücken und an den Füßen, Ekzeme. Während einer Bronchitis und nach der letzten Impfung, entwickelte die kleine Maus die typischen Symptome dieser Hautkrankheit. An Handgelenken, Ellenbeugen und in den Kniekehlen hat sie sich wund gekratzt, so dass es so den scheußlichen Stellen kam, die Eltern so viel Sorgen machen.

Bis vor wenigen Tage war es einigermaßen unklar, ob es Neurodermitis ist oder einfache Ekzeme,“ nicht-infektiösen Entzündungsreaktionen der Haut“. Das unter „Neurodermitis“ zusammengefasste Krankheitsbild ist sehr komplex und nicht immer eindeutig. Bei jedem verläuft es etwas anders und auch die Ursachen der stark belastenden Hauterkrankung sind ebenso komplex und inidividuell.

Gestern noch sprachen wir darüber, die Sache mal „besprechen“ zu lassen, so wie Warzen „besprochen“ werden und daraufhin verschwinden. Meist sind es Frauen vom Dorf, die mit dieser „Gabe“ gesegnet sind. Ich habe das mal bei meiner Oma erlebt, die hässliche rote Hautflecken im Gesicht hat und am Urlaubsort ihrer Schwester an der Ostsee zu einer „Besprechung“ bei der Dorfweisen ging. Es hat eindeutig funktioniert, ihre Haut wurde zusehens besser. Später kamen die Symptome zurück, aber viel schwächer.

Da meine Frau in einer Provinzstadt in Schleswig-Holstein arbeitet, schlug ich ihr vor, ihre Arbeitskolleginnen, die teils von den umliegenden Dörfern stammen, nach einer solchen Frau zu fragen. Und tatsächlich, man kannte eine. Die Kollegin, die eine solche „Heilerin“ kannte, war nun aber auf dem völlig falschen Dampfer.

Sie erzählte meiner Frau, dass Hauterkrankungen oft „psychosomatische“ Ursachen hätten. Vielleicht hat das Kind Stress, vielleicht gibt es unbewusste Konflikte in der Familie, irgendeine seelische oder familien-systemische Störung wären verantwortlich für die Symptome, Stress für das Kind. Populäres Halbwissen. Man bastelt es sich in seinem Kopf zurecht, wie man es gerne hätte. Hat hier und dort was aufgeschnappt, einschlägige Literatur aus der Esoterik- und alternativ-medizinischen Ecke liefern den Unterbau auf dem man sein wackliges Gebilde stützt.

Unserer Tochter geht es gut, sie hat keinen Stress, ihr mangelt es an nichts, es gibt keinerlei Belastungen, die solche schwere Hauterkrankungen rechtfertigen würden. Die Ursachen für Neurodermitis sind eindeutig eine individuelle Mischung aus „genetischen Faktoren, immunologischen Veränderungen und Umwelteinflüssen“.

Viele wollen das nicht wahrhaben, vor allem, wenn es sich um hartnäckige oder auch schwerwiegende Erkrankungen handelt.

Unser neuer Kinderarzt aber ist mit Gelassenheit gesegnet und vor allem mit medizinischer Kompetenz und gesundem Menschenverstand. Seine Empfehlungen haben schon Besserung bewirkt. Wir benutzen zwei unterschiedliche Cremes, eine gegen die trockene Haut und eine gegen die Entzündung. Er empfahl uns außerdem Seidewolle-Unterwäsche. Demnächst werden wir auf Allergie testen. Wir waren froh und glücklich, dass wir nun wissen, worum es geht und was zu tun.

Unsere Tochter hat außerdem noch eine Bronchitis, die nun mit speziellen Tropfen behandelt werden muss. Mucosolvan für Kinder, so sagt der Arzt, brächte überhaupt nichts. Damit und mit ähnlichen frei verkäuflichen Medikamenten werde viel Geld verdient, da die Eltern etwas tun wollen, das ihren kranken Kindern helfen könnte.

Nur ohne Rücksprache mit einem erfahrenen Arzt, ist das alles nichts. und so riet er uns auch davon ab, ein Bad mit Chlor-Bleiche (Bleichmitteln) dem Kind zuzumuten. Chlor hilft bei Neurodermitis, wie Studien zeigte. Aber wenn so etwas nicht nötig ist, sollte man das nicht machen. Denn Chlor sei immerhin ein … Gift.

Foto: MEDICATradeFair

Über Papalapapi
Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

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