Die Kinder der Welt – zerbombt, traumatisiert, geschlagen, vernachlässigt, missbraucht

Kinder sind die Leidtragenden
Kinder im Krieg - sie sind die Leidtragenden

In dieser Woche veröffentlichte UNICEF – das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UN) – einen Report zu weltweiter Gewalt gegen Kinder und eine Studie über Flüchtlingskinder in Deutschland. Beides erschütternd. Dazu – oder vielmehr: hier integriert – die aktuellen Kriege im Nahen Osten und der Ukraine, sowie der ungeheuren Bericht über den jahrzehntelangen Missbrauch von mehr als 1400 Kindern in der englischen Stadt Rotherham. So haben wir es noch einmal Schwarz auf Weiß: Kinder brauchen unseren Schutz, unsere Solidarität und Liebe, überall, immer, bindungslos und … dringend.

Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit heißt es. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, die gerade wir hier im sicheren und gemütlichen Mitteleuropa, leicht übersehen. Vor allem Kinder gehören zu den ersten Opfern des Krieges. Familien werden zerstört, getötet und verhaftet. Onkel, Brüder, Väter, Söhne und Opas erschossen, verstümmelt, gefoltert. Mütter, Tanten, Schwestern, Töchter und Omas zerfetzt, erschlagen vergewaltigt. Alle werden im Krieg durch die Erlebnisse, die Bomben und die Angst traumatisiert. Und alle können nicht dafür, dass sie in diese Dynamik, diese Todesmühlen hineingeboren wurden. Wir hatten sie auch bei uns, diese Todesmaschinen und haben ihnen Abermillionen Leben geopfert. Wir haben sie besiegt und führen ein gutes Leben – auch wenn das ihr ein paar Spinner bezweifeln und bejammern. Jetzt müssen wir helfen, vor allem den Kindern … aktuell in Gaza, Israel, Syrien, Irak und der Ukraine.

Und dann dieser Bericht, der UN-Report über die weltweite Gewalt gegen Kinder vollkommen unabhängig vom Krieg. Mich erschüttert das. Es sollte jeden erschüttern, der selber Kinder hat. Wie kann das nur sein?

Die weltweit verheimlichte Gewalt gegen die Schwächsten der Schwachen

Ich stelle mir diese Frage und komme immer wieder zu dem Schluss, dass es vor Zeiten bei uns auch nicht viel besser war. Bittere Kinderarmut, Gewalt, Hunger, Schwarze Pädagogik, Missbrauch und Erniedrigungen waren hier im ach so christlichen Abendland an der Tagesordnung. Bis wir anfingen, diese schrecklichen Dinge zu beseitigen. Wir haben diese Dinge noch nicht vollständig besiegt, sind aber auf einem guten Weg. Es fing mit Sigmund Freud an und reicht bis zu dem im Jahr 2000 eingeführten Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung bei uns. Es gibt viele Kinderhilforganisationen, die sich überall kümmern – und doch scheint es nicht genug.

Der UN-Bericht spricht davon, dass im Jahr 2012 „weltweit rund 95.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren ermordet“. Dass „gewalttätige Erziehungspraktiken“ in vielen Ländern auf der Welt vollzogen werden. „In Ägypten, Jemen und Tschad erfahren sogar 40% der Kinder schwere Prügelstrafen.“ Von der Gewalt untereinander, unter Kindern und Jugendlichen, von den sexuellen Übergriffen und der Entrechtung einmal ganz zu schweigen. Und auch dieser Satz muss uns verwirren. „Die Hälfte aller Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren (rund 126 Millionen) sind der Meinung, dass ein Ehemann oder Partner berechtigt ist, seine Frau gelegentlich zu schlagen“.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, ein Kind zu schlagen. Weder ich, noch meine Frau haben Prügel in der Kindheit erfahren. Ist das der Schlüssel? Die eigene Erfahrung von Gewalt und obendrauf Dummheit und Armut? Sieht so aus. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, weshalb man sich an einem Kind vergreift, weshalb man sich Wehrlose und Schwächere vergeht. Ist das nicht krank?

Die Situation der Flüchtlingskinder in Deutschland

Die Kriege sind meist weit weg und wir schauen über unsere Medien hilflos zu, wie man Menschen tötet und vernichtet. Aber selbst hier vor Ort, sind wir scheinbar nicht in der Lage, den Schwächsten der Schwachen wirksam zu helfen. Genau das sagt der UNICEF-Bericht IN ERSTER LINIE KINDER – Flüchtlingskinder in Deutschland: „Ein Drittel aller nach Deutschland einreisenden Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Nach Schätzungen leben mehr als 65.000 Flüchtlingskinder mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland. Diese Kinder werden von Politik, Verwaltung, Medien und weiten Teilen der Öffentlichkeit kaum beachtet. Trotz der besonderen Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen fehlen besondere staatliche Unterstützungsmaßnahmen für sie. Flüchtlingskinder werden in erster Linie als Anhang ihrer Eltern wahrgenommen und behandelt, nicht als eigenständige Persönlichkeiten und Träger eigener Rechte, mit ganz besonderen, kinderspezifischen Bedürfnissen.“

Und so kann man all die Schlaumeier aufrufen, die helfen wollen, aber nicht wissen wie, sich um die Anliegen der Flüchtlingskinder in Deutschland zu kümmern. Es gibt schon viele, die etwas tun. Aber noch zu wenige. Und bevor man sich über dies und jenes hier und da beschwert – marode Straßen, unterfinanzierte Unis nach Abschaffung der Studiengebühren – oder weiter ehrgeizige, arschteure Großprojekte vorantreibt, wie beispielsweise die Olympia-Bewerbung Hamburgs, sollte man mal einen Blick in diese Richtung riskieren. Ein Blick auf die Kinder, die mit ihren Familien hierhergekommen sind, um Krieg, Gewalt und Elend zu entkommen. Hier bei uns und in ihnen, können wir die Saat der Fürsorge, Liebe und des Mitgefühls säen.

Deshalb wiederhole ich hier noch mal das weltbeste Kindergedicht von Rudolf Otto Wiemer:
Ich will groß sein,
ich will mir ein Haus bauen aus Luft
und einen Garten machen aus Löwenzahn.
Lieder sollen darin wachsen, die ich jeden Tag esse,
und ich will reich sein wie ein Kuckuck, dem der ganze Wald gehört,
und ich will viele Kinder haben,
die schicke ich in die Schule, damit sie den Krieg verlernen
und wissen, wie man ein Gewehr aus Lachen macht
und eine Kugel aus Wind
und einen Vater, der nie fortgeht.

„Flüchtlingskinder haben das Recht, Beachtung und Unterstützung zu finden. Denn sie sind in erster Linie Kinder. Der Bericht soll zeigen, dass sie diese Beachtung und Unterstützung verstärkt benötigen und dass diese auch praktisch möglich sind.“

Nicht das ich mich vorbildlich engagierte. Aber dieser Text ist mir ein Anliegen. Ich tue, was mir möglich ist.

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