Familylab – Elternbrief von Jesper Juul

Vor einigen Wochen war ich beim Elterncoaching von Jesper Juul. Es fand im ausverkauften Thalia-Theater in Hamburg statt. Ich war sehr beeindruckt von seiner Persönlichkeit und von dem was er auf der Bühne sagte. Es waren mehr Frauen – Mütter – als Männer – Väter – im Saal, wofür ich langsam einen Blick habe. Es sind immer noch viel zu wenig Männer, viel zu wenige Väter, die sich kritisch mit ihrem Familienleben und mit Erziehung auseinander setzen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass nicht nur ein Großteil der Männer „beratungsresistent“ sind, sondern dass sich auch viele Frauen nicht trauen, um Hilfe zu bitten, sich nicht eingestehen können, wann sie mal nicht mehr weiter wissen (was natürlich ganz normal ist).

Jesper Juul ist ein Original und er hat einiges zu sagen. Vo solchen Menschen gibt es leider viel zu wenige. Jesper Juul ist kein Pädagoge, wie er selbst sagt. Es ist Elterncoach. Sein Schwerpunkt ist die Arbeit mit der Beziehung. Beziehung zwischen den Erwachsenen – dem Paar – und die zu den Kindern – die Elternschaft. Und das ist auch gut so. Warum das gut ist, erklärt er selbst. Er ist sehr erfahren und besitzt eine wunderbare Intuition. Es macht viel Freude und verschafft einen manch wertvolle Einsichten, ihm zuzuhören. Oder sein Bücher zu lesen.

Er ist Mitbegründer des Familylab, der „Familienwerkstatt. Familylab kümmert sich um die Aus- und Weiterbildung von Pädagogen, Coaches und Therapeuten, steht aber auch in konkreten Einzelfällen Rat und Tat zur Seite. Auf der Website gibt es beispielsweise die Rubrik Elternbriefe von Jesper Juul „an und für Eltern zum Herunterladen und gerne zum Weitergeben!“ (Startseite rechte Seitenleiste unten). Dort habe ich einen schönen Text gefunden, den man sich immer mal wieder durchlesen kann. Der aber auch in akuten Situationen, wenn ein Kind einem viele Sorgen macht und die Familie unter Stress steht. Ich erlaube mir, diesen Elternbrief hier abzudrucken und freue mich Kommentare.

Wenn Du Probleme hast mit Deinem Kind

  1. Die meisten Konflikte zwischen Eltern und Kindern entstehen auf Grund der Qualität des Zusammenspiels, das zwischen ihnen besteht. Es ist die Verantwortung der Eltern, dieses Zusammenspiel zu verbessern, wenn Probleme oder Disharmonie auftreten.
  2. Es ist niemals klug, auf das Problem zu fokussieren. Untersucht stattdessen euer (all)tägliches Zusammenspiel und überlegt folgende Punkte:
    • Nimmst du (dir) genug Zeit (mindestens ½ Stunde), mit deinem Kind nach dessen eigenen Bedürfnissen zusammen zu sein?
    • Bekommt das Kind klare, persönliche Aussagen von dir?
    • Wie oft wertschätzt du die Freuden, Erlebnisse und Qualitäten, die dein Kind in dein Leben bringt?
    • Wie oft denkst du an das Kind als eine „Aufgabe“, eine „Belastung“ oder einen Irritationsmoment im Alltag?
  3. Hör dir selber zu, wenn du mit deinem Kind sprichst und denk darüber nach, wie es dir erginge, wenn eine geliebte Autorität so mit dir sprechen würde. Das Kind kann sehr wohl deine Frustration, Zorn oder Trauer erleben, aber es darf nicht die Verantwortung oder Schuld für deine Gefühle zu tragen bekommen.
  4. Denk darüber nach, wie es dir zur Zeit selber geht und wie es den Erwachsenen miteinander geht. Stress und Disharmonie zwischen den Erwachsenen schaffen Unruhe, Unsicherheit und Konflikt in der ganzen Familie.
  5. Prüfe, wie es dem Kind zur Zeit in der Institution (Kindergarten, Schule) geht.
  6. Wenn das Problem gelöst ist, ist es eine gute Idee, dies zu feiern (gemütliches Zusammensitzen). Erzähl deinem Kind, was du aus der Sache gelernt hast und danke dem Kind für dessen Einsatz.

In jeder gesunden Familie gibt es Konflikte. Die Konflikte, die nicht ordentlich gelöst werden, entwickeln sich zu Problemen, d.h. dass sie in immer kürzeren Abständenwiederkehren und dass die Stimmung negativ wird. Keine Familie kann Problemen entgehen.

Eltern machen grundsätzlich das Beste, was sie können, aber die allermeisten Eltern erleben zwischendurch, dass das Beste, was sie können, nicht gut genug ist. Es gibt keinen Grund, sich deswegen schuldig zu fühlen. Dies sollte nur der Hinweis sein, die
Verantwortung zu übernehmen und den eigenen Einsatz zu ändern. Das Zusammenleben mit Kindern ist ein gegenseitiger Lernprozess mit den Erwachsenen am Fahrersitz. Auf diese Weise wächst du als Mensch und dein Kind bekommt ein gutes Rollenmodell und lernt, verantwortungsvoll im Verhältnis zu anderen Menschen aufzutreten.

Wenn du längere Zeit obige Gedanken anwendest und die Probleme nicht verschwinden, ist es klug, Hilfe und Inspiration von außen in Anspruch zu nehmen.

©Jesper Juul, www.familylab.de

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Über Papalapapi
Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

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