Zahlreiche Schüler organisieren bundesweit Schulstreiks gegen Wehrpflicht und die geplante Wehrdienstreform. Die Reform sieht eine verpflichtende Musterung junger Menschen ab 2027 vor und könnte bei fehlenden Freiwilligen zur gesetzlichen Wehrpflicht führen.
Wozu hat ein Staat eine Armee oder wer ist dort „beschäftigt“? Es sieht zuweilen so aus, als hätten manche Bürger den Bezug zur Realität verloren. Schätzen sie denn freie Meinungsäußerungen nicht? Die Demokratie und den Rechtsstaat? Die Freiheit? Ist das alles nicht verteidigungswürdig? Ist nicht klar geworden, dass ein faschistoides Russland uns alle konkret bedroht und dominieren will?
Niemand will Krieg. Niemand. Die Frage ist, wie man diese Katastrophe verhindern und Leben schützt? Es ist ganz klar: durch Abschreckung. Die muss glaubhaft sein und die müssen junge Menschen gefährleisten.
Ich selber war damals Kriegsdienstverweigerer und musste mein Grundrecht in drei Verfahren durchkämpfen. Heute denke ich anders. Ich verstehe, dass, wie ich, nicht jeder geeignet ist, die Strukturen und Gepflogenheiten beim Militär zu ertragen. Aber grundsätzlich gegen Verteidigungsfähigkeit zu sein – und genau das bedeuten die Schulstreiks gegen Wehrpflicht – kann nicht gesund sein. Es mangelt hier an Wertschätzung, Mut und Klarheit für unsere Werte, unsere Freizügigkeit und unser Gemeinwesen. Das erscheint nicht akzeptabel.
Junge Menschen haben das Recht, sich zu irren. Sie haben das Recht zu demonstrieren – auch wenn sie hier die Schulpflicht brechen, was nicht angemessen erscheint. Offenbar will man die Fridays For Future Energie bemühen. Wir haben uns damals geirrt, waren auf der Straße gegen den sog. „Nato-Doppelbeschluss“, gegen Kernkraft, manch sogar gegen die Wiedervereinigung. Es gab manche Demos, die sich im Nachhinein als „falsch“ herausstellen. Man war unterinformiert, ideologisch verblendet, trotzig und eingefahren. Jedenfalls keinen rationalen Argumenten zugänglich und war Vertrauen war etwas für alte Menschen. So ist es wahrscheinlich auch bei den Schulstreiks gegen Wehrpflicht.
Motivation der Schüler
Die Motivation der Schüler bei den Schulstreiks gegen Wehrpflicht beruht auf der Ablehnung einer zur Debatte stehenden Pflicht zum Militärdienst. Sie weigern sich, als „Kanonenfutter“ betrachtet zu werden und lehnen es ab, ein halbes Jahr ihres Lebens im Militär zu verbringen, wo sie Drill und Gehorsam lernen und möglicherweise in den Krieg geschickt werden könnten. Die Jugendlichen empfinden die gesetzlichen Hintertüren und die Option auf eine spätere Zwangseinführung der Wehrpflicht als bedrohlich. Sie kritisieren zudem, dass junge Menschen bei politischen Entscheidungen kaum mitgestalten können, und wollen deshalb auf diese Weise öffentlich ihren Protest ausdrücken.
Veranstalter und Unterstützer der Schulstreiks gegen Wehrpflicht
Die Bewegung wird vom Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ organisiert. Unterstützt wird die Initiative von mehreren Jugendorganisationen sowie von Gewerkschaften wie dem DGB, Verdi und der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft). In einigen Städten agieren Schüler wie Leo Reinemann als Versammlungsleiter und Organisatoren der lokalen Aktionen.
Pro und Contra aus Schülersicht
Pro Wehrpflicht:
- Sicherheitspolitische Befürworter argumentieren, dass eine starke Bundeswehr notwendig sei, um Friedenssicherung und Verteidigung zu gewährleisten, insbesondere angesichts aktueller Bedrohungslagen
- Sie sehen den Militärdienst als gesellschaftlichen Beitrag und betonen, dass freiwillige Maßnahmen zu wenig Personal generieren würden
Contra Wehrpflicht:
- Die Wehrpflicht wird als massiver Eingriff in die Lebensplanung und Selbstbestimmung junger Menschen abgelehnt
- Schüler befürchten, in Kriegssituationen eingesetzt zu werden, und sehen die Ausbildung an Waffen als ethisch problematisch
- Sie kritisieren, dass die Wehrpflicht langfristig die eigene Zukunft sowie berufliche und bildungsbezogene Chancen beeinträchtigen kann
- Viele bezweifeln die gesellschaftliche Effektivität einer „Pflichtarmee“, wenn junge Menschen gezwungen werden, statt freiwillig zu dienen
Diese Argumente zeigen die tiefe gesellschaftliche und ethische Spaltung, die durch die Wehrpflichtdebatte und die Schulstreiks gegen Wehrpflicht sichtbar wird. Wichtig ist eine offene und wohlwollende Debatte!
Originell fand ich einen Schüler, der in den Nachrichten sinngemäß sagte, er wäre nicht bereit, ein Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert mit Schulgebäuden, die jederzeit über den Schülern zusammenbrechen könnten, mit der Waffe zu verteidigen. Das fand ich witzig und originell, und kann ich sehr gut verstehen. Das Schulsystem ist in der Tat nicht verteidigungswürdig. Das Beamtentum der LehrerInnen ist es nicht, die frühe Selektion und die uralten Schulabschlüsse, die nichts aussagen über die wahren Fähigkeiten, Interessen und Talente unsere Kinder aussagt. Aber die Menschen und ihre Freiheit, das sagen zu dürfen, ist auf jeden Fall verteidigungsfähig.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): „Dieser Staat schützt sich nicht von allein“ (05.12.2025)



