Vatermilch – Die nackte Wahrheit über das Vatersein

89 / 100

Ein Marketingstratege, vielleicht engagiert vom Verlag, muss sich diesen Begriff ausgedacht haben. Vielleicht bei einer Überdosis Koffein oder schlimmeren. Vatermilch. Großspürig tönt der Klappentext: „… was passiert, wenn Männer zu Vätern werden“? Was ist denn jetzt mit Männern gemeint? Wenn es hieße, „wenn überforderte junge Männer, die lieber Party machen, Väter werden.“ Da kann ich nicht mitreden. Aber wenn Männer zu Vätern werden passiert … gar nichts. Außer, dass sie bei sich ankommen und das erleben, was Männer erleben sollten: Kinder haben. Das Normalste im Leben.

Offenbar ist für die jungen, modernen Männer in diesen Zeiten ein Leben mit Kinder so eine Art Alienüberfall, der sie vom richtigen Leben abhält. Wie verquer kann es eigentlich sein?!

An wen richtet sich dieses Buch? Eindeutig an ziemlich junge Erstväter. Das bin ich nicht und daher hat mich dieses Buch auch tatsächlich nicht angesprochen. Fand ich das erste Buch von Max & Jakob Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen noch sehr originell, interessant, neu und erfrischend, trifft das auch Vatermilch leider nicht mehr zu. Vielleicht war es im Nackt-Buch der beiden auch so, aber in Vatermilch finde ich zu viel Stereotype und Klischees, einige Gedankenlosigkeiten und eine Lebensunklugheit, die wir doch gern den jungen Männern überlassen. Von wegen „die nackte Wahrheit“! Ich bestreite den Klappentext, auf dem es heißt „fernab von beschönigenden Klischees“ …

Eine Windel kommt selten allein – alles, was Väter wissen müssen!

Fernab von beschönigenden Klischees sprechen Max und Jakob, bekannt aus dem Erfolgspodcast »Beste Freundinnen«, über alles, was Väter und werdende Väter bewegt: Wie reagiert man, wenn die Freundin schwanger wird? Wie übersteht man die Geburt? Und wann muss man ein Baby eigentlich wickeln? Unterhaltsam, witzig und gespickt mit hilfreichen Tipps erzählen die beiden Väter, warum man seiner schwangeren Freundin besser nicht sagt, dass sie dick aussieht, was man(n) unbedingt im Kreißsaal dabei haben sollte und was es für ein Gefühl ist, das erste Mal seinen Nachwuchs in den Armen zu halten. Ein absolut ehrliches Must-have für alle Männer!

Ich bestreite, dass das Buch ehrlich und hilfreich ist. Ehrlich im Unvermögen und in der Unreife ihrer Überforderung als junger Vater. Vatersein ist aus meiner Sicht das Natürlichste der Welt und eigentlich nicht der Rede wert – wenn wir in unserer Zivilisation nicht so kaputt wären, hervorgegangen aus zwei großen Weltkriegen und der anschließenden „vaterlosen Gesellschaft“. Aber das reflektieren Max & Jakob nicht, opieren offenbar im luftleeren Raum.

Es kann natürlich gut sein, dass sich in diesem luft- und vaterlosen Raum sehr viele junge Väter wiederfinden. Dann man Vatermilch einen gewissen Sinn erfüllen. Mindestens, dass die jungen Daddys lernen, dass es nicht ohne Humor geht und dass sie nicht alleine sind, mit ihrer Überforderung, Bocklosigkeit und der Vermissung der kinderfreien Festivalsommers und des aus meiner Sicht nicht gerade erstrebenswerten Partygesaufes. Tut mir Leid, aber ich bin sauer auf dieses Buch.

Ich bin schon 12 Jahre Vater und kann mit diesem Buch nichts anfangen. Auch in der Rückschau nicht. Mag daran liegen, dass ich damals schon ein eher älterer Vater war, was heute nicht ungewöhnlich ist. Ich habe schon einen Teil meines Lebens gelebt, als ich mich um meine Tochter kümmern durfte. Aber der Konflikt zwischen das eigene Leben leben und Kindern habe ich noch nie wirklich verstanden. Für mich existierte und existiert dieser Konflikt nicht.

Kinder gehören verdammt noch mal zu Leben ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Auch und gerade zum Leben eines Mannes. Für Max & Jakob nicht. Sie müssen damit Geld verdienen, dass sie dem Titel Vatermilch, für mich nach wie vor ein beknackter Titel, IHR Leben einhauchen. Dann macht es Sinn.

Es kommt extrem selten vor, dass ich ein Buch verreiße und ich mache es sehr ungern. Aber hier sehe ich keine andere Möglichkeit. Ich lerne von diesem Buch, dass wir Menschen – Männer insbesondere – sehr weit vom Weg abgekommen sind. Und da stehen wir nun. Aus diesem Grund gibt es diesen meinen Vaterblog hier. Zu zeigen, dass Mann- und Vatersein etwas Tolles, Natürliches und Erstrebenswertes ist, dass dich von gar nichts abhält, von nichts, was das Leben lebenswert macht jedenfalls.

Vatermilch – Die nackte Wahrheit übers Vatersein

Buch hier kaufen
von Max & Jakob
257 Seiten, Penguin Verlag (8. Februar 2021)
ISBN 3328105689
Taschenbuch 10,- Euro

Leseprobe Vatermilch! 

leseprobe-vatermilch

Möchtest du Vatermilch lesen? Ich verschenke mein Taschenbuch an einen, der diesen Beitrag via Twitter oder Facebook teilt und mir das in einen Kommentar unter diesem Beitrag mitteilt. Vielen Dank und viel Glück!

(Visited 68 times, 1 visits today)

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.