Buchbesprechung: Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke

Resilienz der Pflanzen: Mauerblumen

Resilienz ist wenn man trotzdem lacht. Das Buch Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke: Widerstandskraft entwickeln und authentisch leben. Mit 12-Punkte-Selbsttest von Dr. med. Mirriam Prieß beantwortet auf knapp 200 Seiten die Frage: Was haben starke Menschen, was andere nicht haben?

Früher war mehr Lametta. Das Buch der Hamburger Ärztin Dr. Mirriam Prieß liegt schon eine ganze Weile hier. Ich finde jetzt erst die Zeit, es an dieser Stelle zu würdigen. Vor knapp zwei Jahren ist es veröffentlicht worden und es ist natürlich immer noch absolut aktuell. Fast die ganze Zeit über war ich einer Situation ausgesetzt, die meine ganze Resilienz forderte oder vielmehr, meine „innere Stärke“ extrem auf die Probe stellte. So musste ich dieses Buch immer wieder beiseite legen, um mich um mich zu kümmern und meine innere Stabilität herzustellen, dem Stress etwas entgegensetzen, dem Wahnsinn standzuhalten. Es ist mir nicht immer gut gelungen, aber unter dem Strich finde ich, ist meine Resilienz durchaus akzeptabel, da kenne ich ganz andere Leute. Vielleicht ist das genetisch, denn unsere Familie waren Bauern im kalten Ostpreußen. Aber das ist nicht so wichtig, ich will ja das Buch besprechen.

Sammeln wir zunächst ein paar Zitate und Aussagen zur Resilienz, um zu verstehen, was das überhaupt ist.

„Die größte Überraschung an der Resilienz ist das Gewöhnliche. Die Fähigkeit zu denken, zu lachen, zu hoffen, zu handeln, um Hilfe zu bitten, sie anzunehmen und dem Leben einen Sinn zu geben. Nur leider ist das Gewöhnliche eben oft nicht einfach.“ Prof. Dr. Ann Masten

„Die Psychologie nennt die Fähigkeit, widrigen Bedingungen zu trotzen, Resilienz. Resiliente Menschen verfügen über psychische und mentale Widerstandskraft. Sie bleiben auch in schwierigen Situationen handlungsfähig, weil sie sich auf das konzentrieren, was sie beeinflussen können.“ Martin Luitjens Mit Resilienz den Belastungen des Alltags trotzen

„1. Manche Menschen reagieren empfindlich auf Stress. Andere sind deutlich robuster – sie, haben eine höhere Resilienz. 2 Individuelle Unterschiede in der Resilienz könnten epigenetisch bedingt sein. Hierbei sind nicht die Gene selbst verändert, sondern ihre Aktivität. Stress kann wiederum epigenetische Veränderungen auslösen.“ Spektrum Kompakt: Epigenetik – Wie die Umwelt unser Erbgut beeinflusst

Resilienz: Die Fähigkeit, Scheitern in Produktivität zu verwandeln

„Der Schlüssel liegt in uns selbst!“, erklärt die renommierte Management-Beraterin und Ärztin Dr. Mirriam Prieß. Jeder kann resilient, also psychisch stark und widerstandsfähig werden, wenn er einige wenige Grundsätze befolgt. Ohne es zu wissen, begehen die meisten von uns zwei entscheidende Fehler in ihrem Alltag: Wir kämpfen gegen das an, was wir nicht wollen, und wir meinen, uns durch Härte schützen zu können. Dadurch aber verlieren wir unbemerkt und sukzessive an Kraft. Anstatt stark zu bleiben und zu wachsen – werden wir immer schwächer und stressanfälliger. Psychische Stärke entsteht nicht durch Widerstand und Abwehr, sondern durch die Fähigkeit zur Begegnung. Wenn man dem Leben in seinen Höhen und Tiefen auf Augenhöhe begegnet, Dinge annimmt, wieder abgibt und loslässt. Nur so kann man im Fluss des Lebens bleiben und das Leben erfolgreich leben.

Dr. med. Mirriam Prieß (geb. 1972) hat an der Universität Hamburg Medizin mit anschließender Promotion im Fachbereich Psychosomatik studiert. Sie war als Ärztin acht Jahre in einer psychosomatischen Fachklinik tätig und u.a. für die Behandlungsschwerpunkte Ängste, Depressionen und Burnout verantwortlich. Seit 2005 beratende Tätigkeit in der Wirtschaft (eon, Porsche, Ernst & Young) mit Einzelcoaching von Führungskräften im Bereich Konflikt und Stressmanagement. Ihre Bücher Burnout kommt nicht nur von Stress und Finde zu dir selbst zurück! sind auf große Resonanz gestoßen.

„Eine richtige Haltung für Resilienz ist die Grundhaltung des Dialogs.“

 
Das könnte man als die Essenz des Buchs von Dr. med. Mirriam Prieß bezeichnen: Dialog, Kommunikation, Beziehung ist die Basis der inneren Stärke. Oder anders herum: Dort, wo Dialog fehlt, wird es schwierig, geht unsere Kraft dahin. Dabei meint sie sowohl den inneren Dialog, wie den äußeren. Was einleuchtet: Wenn ich den Kontakt zu mir selbst verloren habe, kann ich auch keinen zu einem anderen Menschen herstellen. Und damit kann ich auch nicht stark sein. Denn innere Stärke – Resilienz – ergibt sich nur in Beziehung. Beziehung zu sich selbst, zu anderen, zur Arbeit, dem Partner, zum Leben, zur Gesundheit und so weiter. Resilienz stärkt und erwirbt man auch auf diese Art – durch Dialog. Natürlich sind auch genetische und kulturelle Dispositionen für die Qualität unserer Resilienz verantwortlich. Aber das ist nicht der Schwerpunkt des Buches. Das Zentrum ist der Dialog. Denn „Beziehungsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für Resilienz“.

„Ohne Dialog kein Leben“, schreibt Prieß. Im ersten Teil ihres Buches widmet sie sich ausführlich dem Dialogmodell – Körperebene, gedankliche Ebene, emotionale Ebene und die Ebene des Verhaltens – und beschreibt ausführlich den inneren und den äußeren Dialog. Selbstreflektion ist Thema, Empathie, Verstehen, Respekt, Wertschätzung, Gefühle. Das ist alles sehr gut aufgearbeitet und leicht verständlich. Es führt gleich zu Anfang des Buches zum Wesentlichen. Und ich bin ganz sicher, dass es vielen, die sich mehr innere Stärke wünschen, wie Schuppen von den Augen fallen wird: Dialog, sprechen, Gespräche, Kommunikation, Klärung!

Später im Buch arbeitet sie einen weiteren wichtigen Punkt in Sachen Stärke heraus: Die „Ehrlichkeit sich selbst gegenüber“. Das ist manchmal das Schwierigste. Sich einzugestehen, dass man den „falschen“ Beruf – „falsch“ ist ist mein Wort, es steht nicht im Buch – die falschen Freunde, den falschen Partner hat, den Kontakt zu sich und all diesen wichtigen Lebensaspekten und Menschen verloren hat. Es scheint flach, da diese Erkenntnisse unmittelbar einleuchten. Aber Frau Dr. Prieß erklärt die Zusammenhänge ausführlich und nachvollziehbar.

Mit anderen Aussagen bin ich dagegen nicht einverstanden, sie wirken zuweilen recht theoretisch: „Resiliente Menschen kämpfen nicht – Sie nehmen an, was ist und finden zu einem entsprechenden Umgang“. Das ist leicht gesagt, solange es nicht ans Eingemachte geht. Aber wehe, man nimmt dir dein Kind weg und einen Angehörigen. Natürlich gibt es innere und äußere Kämpfe und man kann nicht immer top resilient sein. Aber hier schieße ich vielleicht über das Ziel hinaus.

Das Buch liest sich leicht und ist systematisch und gut aufgebaut. Aber man liest es nicht in einem durch. Denn die Erkenntnisse, Anregungen und Erklärungen wollen verdaut und integriert werden. Aber so ein Buch wird ja nicht schlecht. Man kann es immer wieder aufnehmen und mit seiner Hilfe an seiner Widerstandskraft arbeiten und immer besser „authentisch“ leben.

Der 12-Punkte-Selbsttest ist gut und richtig, aber meine Sache nicht. Deshalb möchte ich diesen Aspekt dieses hilfreichen Buches überspringen. Der Test ist sicher für viele sinnvoll und sicher gut zu gebrauchen. Doch ob mit oder ohne Selbsttest – man kommt eh an den Aufgaben und der inneren Arbeit, die das Buch nachzeichnet, nicht vorbei.

Ich kann das Buch Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke: Widerstandskraft entwickeln und authentisch leben wärmstens empfehlen, auch wenn es ich hier und dort etwas langatmig finde. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich es einigermaßen gewohnt bin zu reflektieren, ans Eingemachte zu gehen und schwierige Dinge mit Freunden oder Fachkräften zu besprechen. Also: Wer Einsteiger und/oder Therapie-Anfänger ist das Buch hervorragend geeignet. Andere finden ganz sicher auch genügend Anregungen darin, die sie unterstützten werden, mit Schwierigkeiten angemessen umzugehen und diese nachhaltig zu bewältigen.

Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke: Widerstandskraft entwickeln und authentisch leben. Mit 12-Punkte-Selbsttest

192 Seiten, Südwest Verlag, Oktober 2015
Gebundende Ausgabe 19,99
Kindle Edition 15,99

Resilienz Buchcover
Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke: Widerstandskraft entwickeln und authentisch leben. Mit 12-Punkte-Selbsttest

Aus dem Inhalt

1. Kapitel: Der Dialog

Beziehung als Grundlage des Lebens
Dialog als Grundlage für Beziehung
Was geschieht, wenn der Dialog verloren geht?
Das Dialogmodell
Der äußere Dialog
Anwendungsbereiche des Dialogmodells
Der innere Dialog

2. Kapitel: Das Elternhaus

Die Atmosphäre im Elternhaus
Die seelische Geburt als Aufbruch in ein resilientes Leben
„So, wie du bist, bist du gut“
„So, wie man in den Walt hineinruft, so schallt es heraus“
Beziehung und Resilienz beginnen vor der Geburt

3. Kapitel: Was hindert uns daran, resilient zu werden?

Resilient zu werden heißt, Schwäche zu lösen und
Stärke zu entwickeln
Wiedergutmachung
Innere Realitäten
Ängste
Über den Umgang mit Gefühlen
Täter und Opfer
Narzissmus oder „Ich bin nichts und muss im Außen alles sein“

4. Kapitel: Wege in die Resilienz

Authentizität, das Geheimnis innerer Stärke
Wie meistere ich Krisen? Das 10-Stufen-Programm zur Krisenbewältigung
18 Wahrheiten über Resilienz
12-Punkte-Selbsttest: Wie resilient bin ich?

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