Ohne chemische Keule: So schützt du deine Kinder natürlich vor Insektenstichen

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Auch wenn schwarze Schwärme aus flirrenden Insekten in Deutschland eher nicht vorkommen – mit Sommer, Sonne und steigenden Temperaturen erhöht sich auch die Anzahl der lästigen Quälgeister: Mücken, Schnaken, Wespen und andere fiese Flugobjekte können besonders Kinder arg plagen. Die Insektenstiche jucken, schmerzen und im schlimmsten Fall übertragen die unfreundlichen Biester auch noch ernsthafte Krankheiten. Für den menschlichen Körper sind chemische Keulen gegen Moskitos aller Art nur dann relativ ungefährlich, wenn sie nicht mit Schleimhäuten oder Atemwegen in Kontakt kommen.

Bei Kindern ist das Risiko daher sehr hoch, weil Finger oder gleich die ganze Hand schon mal im Gesicht herumwischen. Aber es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Kinder ganz natürlich vor Insektenstichen zu schützen. In diesem Beitrag liest du, wie du deinen Nachwuchs am besten vor den unangenehmen Fieslingen bewahrst.

Fliegengitter: Sperr die lästigen Quälgeister einfach aus

Die effektivste und zugleich völlig unbedenkliche Methode, Kinder und vor allem Babys vor Mücken und anderen Plagegeistern zu schützen, besteht darin, die fiesen Tierchen erst gar nicht in die Wohnung oder ins Haus zu lassen. Insektenschutzgitter leisten dabei hervorragende Dienste. Grundsätzlich kann zwischen flexiblen und konstanten Systemen unterschieden werden. Für Schlafzimmerfenster beispielsweise, die nur zum Lüften geöffnet werden, bieten sich fest verbaute Fliegengitter mit Rahmen an, die an ihrem Platz verbleiben.

Eine Alternative sind leicht zu montierende Bausätze mit Insektenschutzrollos, die zusätzlich als Sonnenschutz genutzt werden können. Für Balkon- oder Terrassentüren hält der Markt vielfältige Schiebe- oder Drehtüren vor, die individuell angepasst werden können und sich teilweise sogar ohne zusätzliche Bohrungen anbringen lassen. Es empfiehlt sich, dabei vor allem auf gute Schließmechanismen zu achten – damit Insekten nicht durch eventuell verbliebene Ritzen gelangen können.

Moskitonetze: Unbeschwerte Zeiten unter dem Baldachin

Eine weitere Möglichkeit, Kinder natürlich vor Insektenstichen zu schützen, sind Moskitonetze. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen, als Universalnetze oder als Spezialanfertigungen für Kinderbetten, Reisebettchen oder Kinderwagen. Eines der wichtigsten Kaufkriterien ist die Maschengröße – für einen wirksamen Schutz sollte das Netz möglichst engmaschig sein. Die Maßeinheit für diese Größe ist Mesh. Der Mesh-Wert gibt an, wie viele Maschen auf einem Quadratzoll (6,45 Quadratzentimetern) vorhanden sind. Für Mittel- und Südeuropa sollten es mindestens 230 Mesh sein, um auch die kleineren Mücken fernzuhalten. Für Reisen in die skandinavischen Länder oder nach Kanada rät die WHO zu Moskitonetzen mit mindestens 1.000 Mesh. Sie schützen auch vor Sandfliegen und Gnitzen.

Apropos Reisen: Achte beim Kauf eines Moskitonetzes auch auf die mitgelieferten Befestigungsmaterialien. Grundsätzlich empfiehlt es, das Moskitonetz in den eigenen vier Wänden mit Dübeln und Schraubhaken fest an der Decke zu montieren. Für den temporären Einsatz können Klebepads benutzt werden, die sich rückstandslos wieder entfernen lassen.

Noch ein Urlaubstipp: Stell im Hotelzimmer die Klimaanlage relativ kalt ein. Für Mücken sind niedrige Raumtemperaturen ungemütlich – und sie bleiben draußen. Ein Ventilator verwirbelt die Luft, so dass keine Mücke mehr erkennen kann, von wo das ausgeatmete Kohlendioxid kommt, das die Quälgeister für die Lokalisation ihrer Opfer nutzen.

Helle, luftige Kleidung: Eine Imprägnierung ist Einstellungssache

Auch luftige und helle Kleidung, die am besten über Arme und Beine reicht, ist bestens geeignet, Kinder natürlich vor Insektenstichen zu schützen. Stark gemusterte und grelle T-Shirts, Kleidchen und Hosen wirken auf viele Insekten dagegen wie ein Lockruf. Oversize-Schnitte mit betont lockerem Sitz verhindern, dass sich die Körperwärme an sehr heißen Tagen unter der Kleidung staut. Als geeignete Gewebe bieten sich Baumwoll- und Leinenstoffe an.

Allerdings müssen Textilien aus sehr dicht gewebten Materialien bestehen, um tatsächlich Insektenrüsseln und spitzen Stacheln Paroli bieten zu können. Das ist durchaus möglich – allerdings werden diese Stoffe im Sommer dann als entsprechend warm wahrgenommen. Eine Alternative, die nicht mehr zu einhundert Prozent als „natürlich“ durchgeht, aber als vertretbar eingestuft werden darf, ist die Imprägnierung von Kleidung mit Permethrin. Permethrin ist kein chemischer Giftstoff, sondern die künstliche Nachbildung des natürlich vorkommenden Pyrethrums. Dieses wird von den Blüten verschiedener Wucherblumen gebildet und wirkt auf Insekten neurotoxisch.

Das auf dem Markt angebotene Imprägnierspray mit Permethrin ist nach dem Trocknen geruchlos und kann für alle Baumwollgewebe, für Nylon und Polyester, für Moskitonetze, Bettlaken und Vorhänge verwendet werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schließt gesundheitliche Beeinträchtigungen durch mit Permethrin behandelte Textilien aus. Lediglich schwangere Frauen sollten das einmalige Versprühen des Wirkstoffs jemand anderem überlassen.

Insektenmythen und Hausmittel gegen Insektenstiche: Was stimmt wirklich?

Über Mücken und Co. halten sich einige hartnäckige Irrtümer, die keinen wissenschaftlichen Faktencheck bestehen. Gleiches gilt für einige Hausmittel, die vermeintlich schützen sollen. Ein kleiner Überblick:

  1. Mücken werden von Licht angezogen.

Falsch. Stechmücken sind sogenannte „Nasentiere“, sie reagieren also auf den Körpergeruch des Menschen, besonders auf Schweiß, und auf das ausgeatmete Kohlendioxid. Nur weil sie vorrangig in der Dämmerung aktiv sind, spielt das ein- oder ausgeschaltete Licht trotzdem keine Rolle.

2. Mücken hassen Ultraschall.

Falsch. Er ist ihnen völlig gleichgültig.

3. Ätherische Öle vertreiben Mücken.

Jein. Mücken mögen den Geruch von ätherischen Ölen aus Eukalyptus, Minze, Zimt oder Nelken nicht. Aber deren Insektenschutz-Wirkung ist nach kurzer Zeit verfolgen, die möglichen Reizwirkungen auf die Atemwege von Kindern bleiben hingegen. Gleiches gilt für Räuchermethoden mit Salbei oder ähnlichem.

4. Mit bestimmten Pflanzen kann man Mücken fernhalten.

Stimmt. Gewürzpflanzen wie Thymian und Basilikum, Rosmarin oder Lavendel, die am besten auf dem Fensterbrett stehen sollten, wirken mit ihrem intensiven Geruch auf Mücken abschreckend. Gleiches gilt für Tomatenpflanzen.

5. Mücken lieben Wasser.

Stimmt. Denn darin legen sie Ihre Eier ab. Regentonnen und Vogelbäder im Garten daher regelmäßig entleeren und säubern (Mückeneier können eine ganze Weile im Trockenen überleben). Mückenlarven aus dem heimischen Teich abschöpfen – oder besser noch Frösche als natürliche Fressfeinde ansiedeln. Gießkannen grundsätzlich komplett entleeren.

Und wenn es doch einmal schiefgegangen ist?

Regel Nummer eins nach einem Insektenstich: Schnell kühlen. Falls keine Kühlkompresse zur Hand ist, lass dein Kind auf den Stich spucken (ersatzweise machst du selbst): Die in Spucke enthaltenen Enzyme desinfizieren hervorragend. Anschließend wahlweise mit einer halben Zwiebel oder eine Scheibe Zitrone nachbehandeln, dann sollten Insektenstiche keine Probleme machen.

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