Gesehen bei unserem Kinderarzt: Bewertung alternativer Heilverfahren

Beim Kinderarzt

„Der Placebo-Effekt jedweder Medizin“, ist in dem Zettel, der auf dem Tresen der Anmeldung bei unserem Kinderarzt ausliegt, zu lesen, „beträgt 30%“. Ein klare Aussage. Der „Schulmedizin“ ist das klar. Den anderen, den Naturheilkundlern, Homöopathen, Heilsbringern und Heilsversprechern eher nicht. Um zur Aufklärung beizutragen, hat die Stiftung Warentest eine Broschüre mit dem Titel „Die Andere Medizin. „Alternative“ Heilmethoden für Sie bewertet“ herausgebracht.

Ich finde unseren Kinderarzt klasse. Er ist um die 60 und praktiziert entsprechend lang. Er ist fußläufig in 10 Minuten zu erreichen und was er macht hat Hand und Fuß. Will man spontan kommen, weil das Kind krank ist oder Symptome hat, meldet man sich telefonisch an und wird zurückgerufen, wenn der Kinderarzt Zeit hat und man vorbei kommen kann. Auch bei einem kleinen Rezept oder anderen Zettelkram, den der Doktor unterschreiben soll, macht er keine Ausnahme – er will das Kind erst sehen. Das passt einigen Eltern/Müttern nicht, die ihn deshalb kritisieren. Ich finde das aber nachvollziehbar und konsequent. Es spricht für seine Ernsthaftigkeit und sein Verantwortungsgefühl. Und genau darum geht es uns ja.

Oft schon, wenn wir zur Selbstmedikation griffen, etwa beim Kinderhusten zum Schleimlösen, erklärte er uns, dass das hauptsächlich dem Pharmaunternehmen hilft und nicht dem Kind. Oder er fragt provokant, wen das Symptom denn mehr stört: Kind oder nur die Eltern. Nein, mit „alternativer Heilmethode“ hat er nichts zu schaffen und auch nichts mit dem wilden Einsatz von Medikamenten. Er wägt immer ab, ist ruhig, gewissenhaft und vernünftig, erklärt alles und verschreib nur das, was tatsächlich auch wirklich hilft.

Dieser Zettel lag nun in den letzten Wochen auf dem Tresen seiner Kinderarztpraxis:

Bewertung alternativer Heilmethoden

Unterschreibe ich sofort. Ich weiß, dass viele Mütter die Sache anders sehen, Homöopathie einsetzen, freiverkäufliche, naturheilkundliche Säftchen und Tröpfchen und vieles anderes. Und es hilft sogar. Dass es den Kindern auch besseren gehen würden, wenn an ihnen keine „alternativer Heilverfahren“ angewandt würden, können die Eltern nicht wissen, ist aber sehr wahrscheinlich. Es geht eher um ein – manchmal höchst zweifelhaftes – „Gefühl/Gewissen“ der Eltern, als um das Beste für das Kind. Deshalb der Zettel und dieser Beitrag. Es ist immer noch Aufklärung zu leisten und das Misstrauen gegenüber der modernen Medizin muss man ernst nehmen. Aber der Kampf gegen die Seuchen und die Kinderkrankheiten wurde nicht von den Naturheilkundlern gewonnen, sondern von der klassischen Medizin.

Mehr zu Heft von Stiftung Warentest: www.test.de/shop/

Foto: © (CC BY-ND 2.0) Bestimmte Rechte vorbehalten von myfuture.com (FLICKR)

Über Papalapapi
Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

3 Kommentare zu Gesehen bei unserem Kinderarzt: Bewertung alternativer Heilverfahren

  1. Glaube gern, dass das oft nur Kopfsache ist. Wenn sich früher ein Kind gestoßen hat wurde gepustet, heute gibt es ein Kügelchen oder direkt Arnika-Salbe. Wir sind beim Pusten geblieben und siehe da, es hilft. Und da kann ich wenigstens nichts zu Hause liegen lassen. Aber dennoch, wenn die Schulmedizin nicht weiter weiß, hilft vielleicht wenigstens der Glaube an eine alternative Methode und es kommt ja aufs Ergebnis an. lg Lulu

    • Hallo Lullu,
      ich stimme dir zu und du hast es sehr schön ausgedrückt. Es spricht nichts dagegen, vor allem nicht, auf alte Hausmittel zurückzugreifen. So lange man die Kirche im Dorf lässt.
      Man kann darüber streiten.

  2. Ich bin solchen alternativen Heilmethoden gegenüber auch sehr skeptisch, oftmals steckt ja doch nur Geldmacherei dahinter. Gerade bei Homöopathie und Bachblüten bezweifle ich die Wirksamkeit stark. Ein Allgemeinmediziner erklärte mir einmal, dass die Mittelchen so stark verdünnt seien, dass die Wirkung einem Wassertropfen im Meer gleich käme. Vielleicht bin ich aber auch einfach ein zu starker Realist, ich will hier niemanden auf die Füße treten.
    Der Placebo-Effekt ist mit Sicherheit sehr positiv zu betrachten. Oftmals führt rein der Gedanke, dass etwas getan wird und es somit zur Heilung kommen wird, zur Besserung der Beschwerden. Auf jeden Fall eine sehr interessante Aufstellung, die werde ich mir auf jeden Fall abspeichern! Danke für den interessanten Post!

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