Kinder fotografieren mit oder ohne Erlaubnis der Eltern

Gerade neulich ist es mir wieder passiert. Auf dem STAMP-Festival der Straßenkünste in Hamburg. Saßen da drei Kinder in der Sonne und schleckten fröhlich ihr Eis. Da ich bei Veranstaltungen auch aus beruflichen Gründen, stets mit einer Kamera bewaffnet bin, bemerkte ich die fotogene Gelegenheit sofort. Da ich eine Mutter, die davor stand, kannte, drücke ich auf den Auslöser. Das geht sehr schnell, den ich möchte den Moment nicht verpassen.

Und prompt blaffte mich eine Mutter, die ich noch nie gesehen hatte, an und fragte provozierend, ob ich das denn dürfe, ob ich gefragt hätte, oder irgendetwas in der Art. Das tat sich nicht etwa freundlich fragend, sondern provozierend. Sie wollte ihre Brut beschützen und hatte Angst, dass Papa-Bär die fremden Sprösslinge fressen könnte. Oder?

Manchmal kann ich diese Situationen entschärfen, wie in dem genannten Fall. Nein, meinte ich, wenn ich das bin, brauche ich das nicht, und knipste die Mutter, eine Künstlerin, die ich aus der Nachbarschaft kenne, die mich freudig begrüßte. Außerdem versicherte ich der etwas biestigen Mama, dass ich gerade ihr Kind nicht fotografiert hätte und daran auch nicht interessiert sei. Doch ich war sauer. Ich mag diese Art nicht. Und ich kann mit diesen unbewussten, diffusen Ängsten nur schlecht umgehen.

Ähnliches in unserem Urlaub in Vancouver, Kanada. Hier kam mir sehr fotogen bei einem „Community Center“ am Harbour Green Park ein Trupp Kinder samt Betreuerinnen entgegen und ich drückte ab. Sofort signalisierten die Kindergärtnerinnen, dass dies nicht erlaubt sei. Ich verstand und löschte die Fotos umgehend. Das wurde anerkennend kopfbenickt und man erklärte mir, dass man nicht befugt wäre, die Kleinen zu fotografieren und in jedem Fall die Erlaubnis der Eltern einzuholen hätte.

In Nordamerika hatte ich damit auch gerechnet. Political Correctness und die berechtigte Angst bei einem Fehler auf Unsummen verklagt zu werden, zwingen hier quasi zu einer engeren Stirn.

Baby Leni fotografieren und veröffentlichenAber wissen die Eltern denn, warum sie nicht wollen, dass ihre Kinder fotografiert werden? Wovor haben sie Angst? Vor was wollen sie ihre Kinder schützen? Was sollte passieren? Was wäre Schlimmes zu erwarten, so man ihre kleinen ablichtet und ein paar Bilder davon im Internet veröffentlicht?

Es ist in der Regel weder der Name des Kindes oder der Eltern bekannt und kann deshalb auch keinem Foto zugeordnet werden. Auch Adresse, Alter oder sonst welche intimen oder sensiblen Daten wurden oder werden erfasst. In spätesten einem Jahr hat sich das Kind auf dem Bild so sehr verändert, dass es ein Erkennen über das Bild nur noch schwer, fast unmöglich ist. Es wird weder eine kommerzielle Werbekampagne mit dem Bild gestartet – lächerlich – noch wird es zu welchen Zwecken auch immer weiterverkauft.

Welche Fantasien treiben hier die Eltern um? Welche Ängste? Und wissen die das?

Es geht selbstverständlich nicht darum, den Willen der Eltern nicht zu respektieren oder zu untergraben. Es geht, wie eigentlich immer, um Verstehen und Bewusstheit. Was ist hier los?

21 Kommentare zu Kinder fotografieren mit oder ohne Erlaubnis der Eltern

  1. Wie in so vielen Dingen im Leben, geht es einfach darum das alleinige Recht zu haben … Ich habe das Recht nur auf der Mittelspur der Autobahn zu fahren, ich habe das Recht Kniestrümpfe mit Slipper auf kurze Hosen zu tragen etc. 😉

    Ich denke viele Menschen sagen eben lieber zuerst mal NEIN als JA – sicherheitshalber …

    Grüße nach Hamburg (wo ich vor 5 Monaten noch gelebt habe)
    Mario

  2. Klar, Eltern beschützen ihre Kinder – die können das noch nicht selbst. Dass ein paar dabei etwas weit gehen, da können die vermutlich nichtmal unbedingt etwas dafür… Alles Hormone, Instinkte und Genetik 😉

  3. Sehe ich nicht so. Die Sorge ist zugegeben etwas diffus, aber verständlich. Es gibt zu viele Verrückte. Am oberen Ende der Ängste-Skala Kindesentführer und im harmlosesten Fall will jemand einfach nur nicht am nächsten Tag in der Lokalzeitung stehen. Privacy eben. Bei Straßenfesten ist die Situation sicherlich etwas anderes, als im Sandkasten im Hof.

    Den Gedanken an eine kommerzielle Verwendung und Weitergabe würde ich auch nicht so ganz abtun. Ein Bildjournalist bekäme das Foto bei Veröffentlichung ja vergütet und tausende Bilder von Hobbyfotografen landen auch ohne Model Release täglich in den Datenbanken von Stock Foto Agenturen.

  4. Ja, nee, Chris, das ist es ja, was ich hauptsächlich absurd finde. Gerade die Lokalpresse wird den Teufel tun, weil das nämlich verboten ist. Es könnte empfindliche Straßen geben. „Was macht denn dein Kind in der Zeitung“?

    Dasselbe gilt auch andere „kommerzielle Verwendung“. Du brauchst, um ein solches Foto veröffentlichen zu können, das nicht bei öffentlichen Veranstaltungen aufgekommen wurde (mit mehreren andere Personen im Bild), eine schriftliche Erlaubnis.

    Profis wissen das.

    • Man muss tatsächlich zwei Bereiche klar voneinander trennen:
      1. Niemand könnte mehr ein Erinnerungsfoto einer Reise schießen, wenn jeder zufällig Vorbeilaufende gefragt werden müsste, ob das so in Ordnung ist. Stoppen werden die Leute nicht wollen. Also das Fotografieren in der Öffentlichkeit ist deshalb nicht verboten (vielleicht in Diktaturen), auch wenn Menschen auf dem Foto zu sehen sind.
      2. Die Veröffentlichung bzw. gewerbliche Nutzung unterliegt bestimmten Regeln. Hier muss zum Beispiel bei der Berichterstattung bei Fotos bis zu 5 erkennbaren Personen, die nicht „schmückendes Beiwerk sind“, die Erlaubnis eingeholt werden. Die Gerichte in Deutschland haben festgestellt, dass es bei mehr als 5 Personen in der Regel nicht durchführbar ist, jeden zu fragen.
      Wer freiwillig vor der „Linse posiert“ hat „konkludent“ durch sein Verhalten die Erlaubnis erteilt.
      Eltern entschieden für ihre Kinder.

  5. Ja, so sollte es sein – aber das wissen die Eltern eben nicht 😉

    Auf jeden Fall eine interessante Diskussion, die es so ähnlich ja auch in der Streetfotografie und der Reaktion von Erwachsenen gibt. Wenn man immer erst vorher fragen würde, wäre es kein Schnappschuss mehr. Und solche Situationen wie von Dir beschrieben habe ich selbst als Hobbyfotograf ja auch schon erlebt.

    Wie unterschiedlich die Einstellung zum Fotografieren und Veröffentlichen von Kinderfotos sein kann, sieht man ja auch auf Facebook und wie bereitwillig Eltern Babyfotos bei allen möglichen Wettbewerben hochladen. Ich finde, das muss nicht sein – viele haben damit kein Problem.

  6. Jeder hat das Recht am eigenen Bild. Dies ist ein Persönlichkeitsrecht. Die Eltern vertreten die Rechte ihrer Kinder. So einfach ist dies! Wenn die betreffenden Personen bzw. Erziehungsberechtigten dies nicht möchten, so ist es einfach ihr Recht und sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen. Du musst es einfach akzeptieren, weil es eben nicht dein Recht ist. Ich finde es auch unfair, dass du den Eltern merkwürdige Motive unterstellst wenn sie sich verweigern, obgleich du gar kein Recht dazu hast.

    Die Frage ist halt, warum du unbedingt Fotos von Personen machen möchtest (auch wenn du sie für schön hälts) ohne die Einwilligung der Personen oder Erziehungsberechtigten zu haben. Eine Veröffentlichung ohne Einwilligung verbietet sich eh von selbst.

    Warum fotografierst du nicht einfach andere Motive, statt die Kinder anderer Leute.

    • Also, „boomer“, diese Frage geht dich erst einmal gar nichts an. Ich beschrieb, dass. wenn man viel fotografiert und sich auf öffentlichen Festen befindet, es meist nicht ausbleibt, Kinder aufzunehmen. Oft versehentlich, manchmal absichtlich.

      Persönlichkeitsrecht, ja. Es ist ein schweres Geschütz, dass man hier bei einer solchen Lapalie heranzieht. Welche werden denn hier verletzt?

      Ich stelle mich jedenfalls nicht so an, wenn irgendwer von mir ein Foto machen möchte. Wir sind im Internet- und Digital-Kamera-Zeitalter, da geschieht das schon mal. Die Gesetzeslage scheint hier nicht angepasst, verharrt auf einem Paparazzi-Status aus der prä-digitalen Ära.

      Ein solcher Kommentar macht mir jedenfalls ein wenig Angst. Weil genau solche Typen wie du – oder bist du eine Frau? Du zeigst dich ja nicht – Gerichte bemühen und ständig nach dem großen Bruder schreien.

  7. Also wenn ich das hier lese, raufen sich meine Haare nach oben. Herr Hobbyfotograf, Fotos von Kindern oder anderen Personen zu machen ohne diese zu fragen ist und bleibt eine Persönlichkeitsverletzung. Erstens ist es unklar, was Du damit anstellst. Zweitens ist es jedem Menschen sein eigener Wille bildlich festgehalten zu werden und dabei ist es egal, ob als Zeichnung oder Foto und so sollte es auch bleiben. Und Drittens ist es demjenigen vielleicht auch gerade eine ungenehme Situation oder sonstiges, das weisst Du doch nicht.
    Mach einfach Schnappschüsse von Deinen eigenen Kindern oder von denen, die Du kennst. Es ist und bleibt jedem Menschen selbst überlassen, ob er in irgendeiner Situation dauerhaft so angesehen werden möchte. Bei Kindern machen es halt die Eltern und das zu Recht bei so vielen kranken Menschen, die frei rumlaufen. Denk einfach mal einbißchen weiter! Hast bestimmt keine eigenen Kinder, dann würdest Du solche Reaktionen auch verstehen können.
    Gruß Tina

    • Forderst Du mich zum „Weiterdenken“ auf? Warum sollte ich einen Vaterblog führen, wenn ich Kinder hätte.
      Du bist genau das Klientel gegen das sich mein Beitrag richtet. Meine Tochter kann bei öffentlichen Veranstaltungen fotografieren wer will. Da kräht kein Hahn nach. Nicht ein einziger. Ich versuche mich nicht so wichtig zu nehmen, die das Eltern gemeinhin tun. Du bist ein klassisches Beispiel. Ich bin also in der richtigen Richtung unterwegs. Weitermachen.

  8. Das sind mir ja die liebsten Hobbyfotografen.
    Es ist mir völlig egal, wer sich selbst und seine Kinder von jedem dahergelaufenen Knipser ablichten lässt.
    Wenn wir als Eltern das nicht möchten, dann gibt es darüber nichts zu diskutieren.

    Thea, die auch als Hobbyfotografin die Rechte anderer im Auge behält und heute jemanden zwang, ein Foto zu löschen.

    • Sorry, ich habe diese Spießigkeit überhaupt nicht. Respektieren ja. Aber jemand muss mir mal erklären, was er denn befürchte, wenn sein Kind auf einem Bild erscheint? Magische Tricks? Vermutlich.

  9. Situation:500 km von zu Hause entfernt. Tolle alte Stadt,sehr kinderfreundlich.27 Grad, ein riesiges Klettergerüst, ein 100-Jahre alter Brunnen mit im Wasser spielenden Kindern. Moment festhalten. Gehe weiter und gucke bei einem Restaurant auf die Karte. Eine Frau steht aufgebracht hinter mir, ob ich die Kinder fotografiert habe… Eigentlich eher den Moment mit dem Brunnen und den Kindern,meine Antwort. Lösche das Foto. Kenne die Rechte. Frage mich nun was auf den nächsten Kindergeburtstagen passiert. Müssen die Eltern erst die Einverständniserklärung ausfüllen? Was passiert,wenn ich mein Kind beim Spielen am Strand fotografiere und der neue Spielgefährte nur mit Oma und Opa in Urlaub ist? Wo soll das alles noch einführen

  10. Folgende Situation: Ich sitze mit Mann udn sechsjähriger Tochter auf einem Markt. Meine Tochter ist wegen irgendetwas beleidigt, gräbt die Hände in das Gesicht und heult. Irgendeine wildfremde Frau gegenüber hält amüsiert die Kamera drauf und findet es saulustig. Ich frage meine Tochter, ob sie darauf Lust hat. Die Frau meckert sofort, was das soll, vonwegen Bidlrechten oder was. Ich sage ihr, dass es mir nicht um Bidrechte geht, sindern, dass es schön geesen wäre, wenn sie gefragt hätte. Sie wird noch einen Ticken frecher und sagt, dass habe sie nur gemacht, um zu sehen, was ds wieder für ein Gelaber gäbe und das sei ja typisch. Ich gehe jetzt, weil ich sonst frech werden wwürde. Aber viellicht zeigt das Beispiel, um was es hier auch gehen kann. Ich würde ungern heulend von fremden und dazu noch unmöglichen Leuten abgelichtete werden. Bei Kindern ist das scheinbar für einige Leute selbstverständlich. Ein bisschen mehr Sensibilität wäre an dieser Stelle toll!

  11. Hallo, ich finde es schlicht und einfach eine Frechheit, wie sich wildfremde Personen einfach das recht herausnehmen, Menschen (AUCH UND VOR ALLEM KINDER) zu fotografieren wo und wann sie wollen.
    Ich persönlich habe von meinen Kindern nicht ein Bild im Internet, das können sie gerne selbst machen, wenn sie volljährig sind, bis dahin habe ich sie zu schützen vor solchem Mist!
    Auch ich möchte nicht von Leuten fotografiert werden, die ich nciht mal kenne! Was weiß ich denn, was die mit diesen Bildern machen? Nein, ich will mir das gar nicht vorstellen.

    Und dich finde ich besonders unverschämt, was du hier den Eltern unterstellst, die nur ihre Rechte oder die der Kinder vertreten!

  12. Hallo.

    ich selber fotografiere auch sehr gerne, auch gerade Menschen. Mittlerweile habe ich immer ein paar ‚Visitenkarten‘ bei mir, die ich den Leuten gebe, sollte ich sie fotografiert habe und gebe sie an diese Leute. Sie können mich dann anschreiben, ihre Bilder sehen und dann entscheiden, ob ich sie hochladen darf oder nicht.

    Aber ich selber bin auch Mutter einer kleinen Tochter und ich habe ehrlich gesagt etwas dagegen, wenn meine Tochter im Netz auftaucht. Aus diesem Grunde achte ich sehr darauf, dass sie nicht fotografiert wird, bzw. möchte einfach gefragt werden, bevor die Bilder hochgeladen werden. Selbst meine Kindheitsbilder möchte ich nicht im Netz sehen.
    Oft werde ich deswegen angemault und die Leute reagieren mit purem Unverständnis, doch meine Gründe dahinter sind sehr einfach:

    So lange mein Kind nicht selber entscheiden kann, möchte ich einfach nicht, dass die Bilder im WWW auftauchen.

    Ich denke, es hat nichts mit Spießigkeit oder Hysterie zu tun, wenn man die Identität seines Kindes einfach bewahren möchte, oder? Und dem Wesen einfach eine gewisse Anonymität geben möchte?
    Sicherlich, niemand kennt den Namen dazu, aber es gibt mittlerweile genug Suchmaschinen, die sich auch auf die Bildersuche spezialiesiert haben.

    Und leider, wirklich leider, werden die Bilder heute nicht mehr nur zum mal angucken genutzt. Die Rechte am Bild werden heute nicht mehr beachtet. Gerade von der jüngeren Generation nicht.
    Wenn ich sehe, was da schon alles passiert, gerade in diesem Bereich des Forenrollenspiels… Da werden einfach irgendwelche Bilder hergenommen und gut.
    Ich finds heftig. Teilweise.

    Und gerade wir als Eltern müssen doch auf das Wohl des Kindes achten.
    Wenn ein Fotograf mir jetzt seine Visitenkarte gibt, mir die Bilder dann zeigt und mich dann fragt, ob er sie verwenden darf, mir sagt wofür er sie haben will. Da bin ich auch garantiert nicht so streng.
    Aber meist kommt die Strenge daher, weil heutzutage einfach fotografiert ist und keiner mehr sich die Mühe macht zu fragen… Und ich glaube, auch wegen dieser fehlenden ‚Aufklärung‘ werden die Eltern immer biestiger und hysterischer.

    Liebe Grüße

    CoPie

  13. Hallo,

    Ich fotografiere selbst leidenschaftlich gerne, doch vermeide ich Fotos von fremden Kindern. Klar, das sind die besten Motive. ABER, will das Kind fotografiert werden?
    Erwachsene können Bedenken äußern, aber die kleinen Menschen leider nicht.

    Ich betreibe selbst einen Vater Blog und habe mich diesem Thema gewidmet. Inspiriert durch diesen herrlichen Beitrag. Ich schätze Papalapapi als sehr guten Schreiber. Aber hier sind wir doch etwas unterschiedlicher Meinung.

    Aber danke für diesen Artikel. Er bringt di Leute dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und die Argumente muss jeder für sich abwägen.

    Will keine Werbung machen, aber wer meinen Artikel lesen möchte findet ihn hier:
    http://www.apfelblick.de/kinder-fotografieren/

    Liebe Grüße
    Roland

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