Psychische Auffälligkeit im Lockdown: Nehmen unsere Kinder Schaden?

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Schulkinder gehören in die Schule. Gemeinsames Lernen, „Präsenzunterricht“ und die Unterrichtspausen mit den Freunden sind wichtig und wertvoll für unser Kids. Aber führen Schulschließungen im Lockdown automatisch dazu, dass Kinder und Jugendliche psychische Auffälligkeit zeigen? Ich bestreite das bzw. will das genauer wissen.

Ein Studie. Die Ergebnisse dieser einen Studie worden aber nicht genau erklärt in den Medien, die darüber berichten. Denn wenn sie es täten, wäre die alarmierende Meldung die Meldung vielleicht gar nicht wert.

Und was meint eigentlich „psychische Auffälligkeit“? War das irgendwo erklärt? Natürlich nicht. Im Übrigen finde ich viele Erwachsene viel auffälliger.

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Eine Befragung der Uniklinik Hamburg-Eppendorf zeigt: Die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen machen Kindern und Jugendlichen schwer zu schaffen. Ihre Sorgen und Ängste nahmen im Dezember weiter zu.

Gepostet von ZDF heute am Mittwoch, 10. Februar 2021

Was ist mit „pschische Auffälligkeit“ denn meint?

Ich bin natürlich kein Wissenschaftler. Aber ich suche nach mehr Informationen dazu und die findet man auf der Website des UKE unter dem Titel COPSY-Studie. Unter ist ein wissenschaftlicher Kurzbeitrag verlinkt der unter dem Schlusspunkt Diskussion Folgendes besagt:

„Die COPSY-Studie zeigt, dass die Herausforderungen der Pandemie Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen verringern sowie das Risiko für psychische Auffälligkeiten erhöhen. Die Befunde ähneln Studien aus China (2), Indien, Italien, den USA und Deutschland (5), die während der Pandemie auch mehr depressive, Angst- und Stressreaktionen fanden, wobei die Datenlage unzureichend ist. Zudem ist zu beachten, dass selbstberichtete Symptome noch keine Erkrankung darstellen, sondern als positives Screening mit weiterem Abklärungsbedarf zu verstehen sind. Betroffen scheinen vor allem sozial benachteiligte Kinder zu sein. Zum Schutz und Erhalt der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während Krisensituationen werden zielgruppenspezifische und niedrigschwellige Angebote der Prävention und Gesund­heits­förder­ung benötigt.“

Wundert das denn? Braucht es eine Studie, um das zu erkennen? Geht das nicht mit dem gesunden Menschenverstand? Offenbar in unseren Gesellschaften nicht mehr.

Keine Frage, dass Kids, dass Kinder und Jugendliche am meisten unter dem Lockdown und den Corona-Eindämmungsmaßen leiden. Homeschooling auf Dauer kann nicht gut sein. Kinder brauchen Kinder und gerade Jugendliche sind auf ihre Peer-Group angewiesen. Aber dass die meisten Kids die Pandemie als „äußerst belastend“ wahrnehmen wäre schon erstaunlich. „Äußerst belastend“ – starker Tobak ist das, der nicht gerade fein eingestellt ist. Und das meinst das überhaupt.

In Facebook stritt ich mich mit einer Frau, die einen Kinderarzt kennen würde, der davon berichtet, dass er nur noch psychisch belastete Kinder sehen würde, viel mehr als sonst, und dass die Kids durch den Lockdown und die Schulschließung allesamt traumatisiert wären. Sie sprach von einer ganzen Generation, die „schwer traumatisiert“ werde.

Ich bitte euch, lasst doch mal die Kirche im Dorf.

Gibt es auch gute Seiten der Schulschließungen?

Es geht nicht darum, dass die Schulschließungen keine Belastungen darstellen. Und auch nicht, dass insbesondere benachteiligte Kinder oder Kids aus schwierigen Elternhäusern besonders leiden müssten und natürlich auch in der Coronakrise psychische Auffälligkeit aufweisen. Wir können uns ausrechen, dass da, wo Gewalt war nun noch mehr Gewalt ist und dass im Lockdown zuhause mehr Kinder missbraucht werden. Diese armen Menschen brauchen unsere Hilfe und Solidarität. Lasst uns darüber reden, wie wir das hinkriegen können. Aber hört auf, den Teufel an die Wand zu malen und die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen.

Hat das Homeschooling nicht auch gute Seiten? Rücken die Familien nicht auch emotional näher zusammen? Ist die Zeit, die man plötzlich miteinander zur Verfügung und und miteinander verbringt, nicht auch wertvoll? Sind nicht auch Schutz, Zuneigung, Mitgefühl in dieser Zeit des Zuhausebleibens gewachsen? Ist nicht auch Kreativität und Gemeinsamkeit entstanden, in dem man sich zusammen etwas Schönes ausdenkt, Kuchen backt, Spiele spielt oder auch auch nur gemeinsam einen Film glotzt? Wird das Lesen nicht neu entdeckt?

Oder ist es nicht auch so, dass die Nebeneffekte der Schulschließung auch darin liegen, dass die Kids die Geräte besser bedienen können, hervorragend digital kommunizieren können und so ganz neue Arten des Kontaktes und des Kreativseins entdecken? Kann das nicht ein Vorteile für ihre Zukunft und die der Gesellschaft sein?

Seit mehreren Monaten leben wir in Krisenzeiten. Corona hat viele Leben komplett verändert und dadurch auch viele Ängste hervorgerufen. Was das alles mit unseren Kindern macht und wie wir sie gerade jetzt stärken können, erfährst du in dem zweiten Interview mit Dr. Gerald Hüther.

Stärken wir die Resilienz in der Krise

Lenken wir den Fokus nicht dauernd auf das Auswüchsige und Krankhafte. Auf psychische Auffälligkeit. Wir sind keine Ärzte und wollen es auch nicht sein. Wir brauchen auch keine Studien, umunsere Kinder zu verstehen. Schauen wir lieber, wie wir helfen können. Auch Eltern sind belastet, Alleinerziehende oder Eltern, die selber sehr viel arbeiten müssen. Menschen, deren wirtschaftliche und berufliche Existenz bedroht ist, leiden sehr, können depressiv werden und in psychische Krise geraten. Das wirkt sich naturgemäß auf ihre Kinder aus. Dabei gibt es ja Hilfe.

Wie geht die Medizin damit um? Sieht sie den ganzen Menschen, bezieht sie das Umfeld der Erschütterten mit ein? Ich denke, kaum. Ist es nicht deshalb auch eine Chance, diese Dinge zu überdenken. Nicht jetzt, aber später. Brauchen wir nicht viel mehr Prävention, Ausbildung und Bestärkung um gegen psychische Auffälligkeit, gegen Krisen und Schwierigkeiten im Leben besser gewappnet zu sein? Natürlich. Wo findet man also Hilfe?

Sich Hilfe holen mittels Notrufnummern

Hilfe gibt es im Internet, bei den Nachbarn, in der eigenen Familie, beim Hausarzt oder beim Nottelefon:

  • Nottelefon Sucht: 0180 365 24 07
  • Telefonseelsorge: 0800 / 11 10 111 oder 0800 / 11 10 222
  • Telefonseelsorge Kids: 0800 / 11 10 333
  • www.nummergegenkummer.de
  • Nummer gegen Kummer für Erwachsene, die sich um Kinder sorgen: 0800 111 0 550
  • Nummer gegen Kummer für Kids & Jugendliche: 116 111
  • www.krisenchat.de für Kinder und Jugendliche

Weitere Hilfen:

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