Lesetipp: Text von Jesper Juul zum Thema Wut

Jesper JuulIn dem Beitrag „Wut ist gut!“, der am 12.05.2013 in der Welt am Sonntag (Wams) erschien, bringt der wunderbare Familientherapeut Jesper Juul die Sache mit der Wut und den Umgang mit Aggression in der Familie – und der modernen „Pädagogik“ auf den Punkt. Es ist ein Auszug aus seinem Buch Aggression: Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist und ist sehr erhellend. Hier meine Lieblingsstelle aus dem Text, der die aktuelle Situation in meiner zerstörten Familie exakt wiederspiegelt: Ein fataler, angstbesetzer, ignoranter und unädaquater Umgang mit „heftigen“ Emotion. Sie werden tabuisiert und die Unfähigkeit vieler Menschen, damit umzugehen, ist aus meiner Sicht ein Anzeicher seelischer Verarmung.

„In letzter Zeit wird nicht nur die Aggressivität einiger Kinder und Jugendlicher als »problematisch« gebrandmarkt. Vielmehr existiert die Tendenz, jede bedeutsame Emotion in unseren Familienhäusern und Tagesstätten unwillkommen zu heißen, ausgenommen das »Glücklichsein«. Der gleiche Gedanke, der dieser Tendenz zugrunde liegt, bewirkt zudem, dass Eltern sich von ihrem menschlichen Kern abkehren und zu Schauspielern werden.

Dieser Gedanke verdankt sich keiner Weisheit aus der Gegenwart oder Vergangenheit, auch nicht irgendeiner brandaktuellen Erkenntnis über das, was menschlichen Wesen guttut. Trotzdem formt er unser Bild von dem, was eine »gute« und »erfolgreiche« Person sein sollte. Ich habe beschlossen, dieses Phänomen das »Botox-Syndrom der Seele« zu nennen, und hoffe, dass sich mir viele anschließen, um uns Menschen in Zukunft etwas Besseres zu bescheren.

Konstruktive Aggression ist wie Sexualität und Liebe: Alle drei machen Leben möglich, bereichern unsere Beziehungen, führen zu tieferen Einblicken und einer besseren Lebensqualität. Umarme in deinem Inneren diese drei Lebensaspekte, und du wirst in der Lage sein, jenen Kindern und jungen Menschen Raum zu gewähren, die auf deine empathische Führung hoffen und setzen.“

Auszug aus: Wut tut gut!

Autor: Papalapapi

Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

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