Buchbesprechung: Lasst Väter Vater sein!

Lasst Väter Vater sein

Um nicht lange um den heißen Brei herum zu reden: Lasst Väter Vater sein: Eine Streitschrift ist aktuell das beste Buch zum Thema Vaterschaft, das ich bisher gelesen habe und passt außerdem zu meinen aktuellen Auseinandersetzungen wie die Faust aufs Auge. Freundlicherweise hat der Verlag mir diese Streitschrift für eine Besprechung zugeschickt. Passt gerade sehr gut. Das Buch aber – und das scheint die große Überraschung – ist von einer Frau, einer „Feministin“ geschrieben. Ich habe es nicht so mit Schubladen, aber in diesem Zusammenhang scheint die geistige Herkunft der Autorin relevant. Vielleicht kann so etwas nur von einer Frau kommen, weil viele Ohren verschlossen scheinen. Man misstraut den Männern, die, wenn sie was zu sagen haben, der Erfolgskarriere verdächtigt ist und die „Erziehung“ der Kinder hauptsächlich ihren Frauen überlassen. Wie auch immer: Das Buch ist absolut lesenswert, eine Bereicherung in der Väter-Debatte und, für meinen Geschmack, äußerst gehaltvoll. Absoluter Lesetipp!

Barbara Streidl geht es in diesem Buch nicht darum, neue Gräben zu graben oder gerade verheilte Wunden wieder aufzureißen. Im Gegenteil: Es ist tatsächlich ein „flammender Appell zum Wohl aller – Kinder, Väter und Mütter. In den modernen Gegenden der Metropolen und ihrer Speckgürtel könnte man am Wochenende zu dem Fehlschluss kommen, dass es eines solchen Appells gar nicht mehr braucht. Überall neue Väter mit Kindern, auf Spazierwegen, Spielplätzen, Ponyhöfen, beim Einkaufen und im SUV auf der Autobahn. Diese willkommenen Szenerien täuschen aber darüber hinweg, dass es im Berufsleben, in der Wirtschaft, aber – wie in meinem Fall – bei Trennungen und vor Gericht, noch die alten Geister aus der Mitte des letzten Jahrhunderts durch die Köpfe allzu vieler Menschen – und Entscheider – wabern.

Ein paar Beispiele aus dem Buch von Barbara Streidl:

„Väter sind unverzichtbar, weil Eltern sein zu zweit nicht nur leichter ist, sondern auch besser. Für alle Beteiligten! Mama ist nicht genug, das sagen mir nicht nur meine eigenen Erfahrungen als Mutter und als Partnerin eines Vaters, sondern das bestätigen inzwischen auch Erkenntnisse quer durch die Wissenschaften und viele Studien …

Lasst Väter Vater seinLeider ist das unserer Gesellschaft eher egal als bewusst. Ja, es ist einfacher, den Vater als Zusatz-Kraft zur Mutter zu sehen oder schlimmer noch pauschal zum Samenspender, Wochenendbespaßer oder Unterhaltszahler zu degradieren, als an den gültigen Strukturen zu rütteln. Die ja historisch gewachsen sind und somit auch irgendwie von uns allen mitgetragen – wenn nicht sogar gewünscht. Dennoch ist dieses Kleinmachen, dieses Reduzieren extrem falsch – und muss sich ändern. Weil es einfach unfair ist – und weil es DEN VATER als Mamas Handlanger gar nicht gibt! Es existieren heute ebenso viele Auslegungen von Vaterschaft, wie es Väter gibt. Von denen auch Mütter profitieren, die ja beileibe auch nicht alle aus demselben Holz geschnitzt sind.“

„Wir brauchen dringend eine Veränderung im gesellschaftlichen Bewusstsein.“

„Wir brauchen dringend eine neue Vision für eine Familie, in der Mutter und Vater gleichberechtigt für Kind und Kinder sorgen. So eine Familie wünschen sich immer noch sehr viele, heute und hier. Doch ohne ein neues Vaterbild wird dieser Wunsch nicht zu erfüllen sein.“

„Was ist los mit dem deutschen Vater? Warum tritt er nicht aus dem Schatten der deutschen Mutter hervor? Meine Antworten lauten: Den deutschen Vater gibt es nicht. Doch es gibt viele Männer, die in Deutschland leben und ihre Vaterchance bereits ergriffen haben oder sie noch ergreifen werden und das auch möchten. Männer, die Väter sein wollen. Das ist gut – aber es müssen noch mehr werden.

„Braucht es Papa zum Kindeswohl? Selbstverständlich.“

Mein Thema dabei ist natürlich auch das gesellschaftliche Bewusstsein von Vaterschaft. Aber nicht so sehr die Schwierigkeiten in Beruf und Karriere, die eventuell mit einer gelebten Vaterschaft einhergehen. Sondern meine Themen angesichts der extrem bitteren Erfahrungen in unserem Trennungsdrama die gesetzliche Normen, die Empfehlungen der Jugendämter, der allgemeine Umgang mit der Vaterschaft in einer Trennung. Es ist ganz offenbar immer noch Usus, den Vater als 14-tägigen Wochenendbespaßer von Rechtswegen einzustellen, der heilfroh sein kann, wenn seine Kinder ihn noch einen schlappen Nachmittag in der Woche sehen dürfen. Väter müssen mit solchen erzwungenen Umgangsregelungen leben und noch froh darüber sein. Residenzmodell nennt sich das und der Vater hat meistens keine andere Chance, als diese mickrige Rolle anzunehmen und zu schweigen.

Leider ist es in meinem Fall nicht so, weil in Lasst Väter Vater sein auf Seite 105 im Kapitel „Trennungsväter sind auch Väter“ beschrieben: „Wir brauchen mehr Empathie, mehr Verständnis für Väter, die ebenso schwer unter ‚Kindesentzug‘ leiden können wie Mütter – egal, ob sie dem nun zugestimmt haben oder nicht. Denn sonst strafen wir einmal mehr alle Gleichberechtigkeits-Bestrebungen Lügen: Von einer Mutter würde nicht mal im Traum jemand verlangen, sie solle ihr Kind ohne Widerstand an sein anderes Elternteil übergeben. Von einem Vater wird das aber regelmäßig erwartet.“

Nein, diese Buch ist offenbar notwendig und überfällig. Und es musste von einer Frau geschrieben werden, was vermutlich garantiert, das alle Entscheider in der Gesellschaft – PolitikerInnen, RichterInnen, Pädagogen – diese Stimme hören. Es ist noch ein sehr, sehr weiter Weg, den wir Väter aus dem Überschatten des gängigen Mutterbildes gehen müssen. Und gehen wollen. Jedenfalls ich. Ich werde den Weg einer engagierten, liebevollen und aufrechten Vaterschaft gehen, auch im Sinne der Kinder meiner Tochter. Aus meiner Sicht ist die Bedeutung des Vaters immer noch unterschätzt und wird an vielen Stellen unseres Lebens nicht gewürdigt und in der Rechtsprechung auch nicht berücksichtigt. In der Tat nimmt dieses Thema neben anderen im Buch einen angemessenen Platz ein. Vaterschaft will gelebt werden und wir Väter müssen uns endlich das Recht nehmen, das wir moralisch, pädagogisch, menschlich und vor allem aus der Sicht unserer Kinder längst besitzen!

Ich kann diese wunderbare Streitschrift Lasst Väter Vater sein von Barbara Streidl nur allen Eltern wärmstens ans Herz legen. Es liest sich gut und hat viele tiefe, wichtige und bemerkenswerte Gedanken zum Thema Vatersein und Gesellschaft zu bieten. Bitte schön.

Lasst Väter Vater sein: Eine Streitschrift von Barbara Streidl
1. Auflage 2015
168 Seiten

Weitere Besprechungen des Buchs Lasst Väter Vater sein – Eine Streitschrift:

Bestes Zitat zur Vater-Debatte:
„Bereits vor einem knappen Jahrzehnt hat sich der Entwicklungspsychologe Wassilios E. Fthenakis in einer Studie den Facetten der Vaterschaft gewidmet und referierte über die Wandlungen der Vaterrolle in den vergangenen Jahrhunderten. Da muss es verwundern, dass die heutige Debatte um die neuen Väter noch immer im Gewand der 70er Jahre daher kommt.“

Und: „Nicht alles, was wir Mütter uns in den vergangenen Jahrzehnten angeeignet haben, muss auf Dauer gut sein für unsere Kinder und für ihr späteres Fortkommen.“ Marie Amrhein auf CICERO.DE

Autor: Papalapapi

Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

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