Kinderyoga – sinnvoll oder Esotrend, Spinnkram oder hilfreich?

Kinderyoga am Springseil
Esotrend Kinderyoga

Ich sage es gleich vorweg: Bevor ich meine Tochter zum Kinderyoga schicke, muss mir ein Esoteriker erst das Gehirn aussaugen. Ich dachte nämlich immer, Kinder müssen hopsen, rumschreien, rennen oder basteln. Und wieso ist aus dem guten, alten Bodenturnen nun Yoga geworden? Aus fernöstlicher Gymnastik erwächst eine Erleuchtungsmuss, dass man auch den Kindern angedeihen lassen will? Wenn man sich schon ins Nirvana renkt, dann sollen die eigenen Kinder folgen. Oder was ist das los?

Fragen wir so: Wer macht Yoga und warum? Es sind überwiegend Frauen. Es sind Westler, also Menschen, die von Stress in den Industriestaaten zermalmt werden, die sich verloren haben, und solche, die Yoga als alte Tradition haben (wie in Indien). Es sind Leute die verspannt sind, die oft ein Leben führen müssen, das gegen ihr Innerstes, gegen ihre Bedürfnisse und gegen ihren Körper gerichtet ist (daher ja der Stress). Oder es sind Leute auf der Flucht vor sich selbst, die „Erleuchtung“ suchen, die ausbrechen wollen aus den Strukturen ihrer seltsamen Elternhäuser, die sich als etwas Besonders wahrnehmen, vielleicht etwas Besseres, Leute, die nicht selten zu viel Geld haben und denen Yoga einen exotischen Touch Exklusivität samt heiterer Erkenntnis über ihre Götter und plattitüde Weisheit schenkt.

Aber was ist mit den Kindern? Wenn es gesunde, normale Kinder sind, sind sie weder gestresst, noch brauchen sie Exotik; sie sind weder verspannt, noch auf der verblödenden Suche nach „Erleuchtung“, die es eh nicht gibt. Sie kennen weder Meditation, noch ist es gut für sie, wenn sie unter 10 sind. Yoga ist nicht für Kinder erschaffen wurden, die ganz natürlich dehnbar, flexibel und in Bewegung sind. Die ganze natürliche Ruhephasen haben und die nicht zu sich kommen müssen, weil sie nie anderswo waren.

Atemregulation und Meditation spielten erst für Kinder ab zehn Jahren eine Rolle, so Wissenschaftler Stück: „Vorher ist das Gehirn nicht ausreichend entwickelt, die Kinder können überhaupt nicht meditieren.“

Von mir aus ist meditatives Streching – also Yoga – auch segensreich und zauberhaft. Aber nicht für Kinder. Bewegung und Körperarbeit, Meditation und bewusste Auszeit ist etwas Feines und Richtiges. Aber doch nicht für Kinder. Wir Menschen haben von Anbeginn der Zeiten gesungen, getanzt und musiziert. Das alles ist gut für Körper, Geist und Seele und auch in jeder Kultur zu finden. Ganz besonders Kindern macht Musik in allen Formen große Freude. Ob sie sie nun hören, selber singen oder ein Instrument spielen, ob sie tanzen oder einfach nur zuhören.

Mir ist spontan kein Kind bekannt, dem ich Yoga anempfehlen würde. Schon gar keinem Jungen. Gerade Jungs brauchen Bewegung, wollen sich beweisen, müssen ihre Energien erproben und in einem Wettstreit kanalisieren. Sie durch Yoga oder gar den Zirkus der Meditation runterdimmen, kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Jungs und junge Männer haben in dieser Gesellschaft ein gigantisches Problem, da sie sehr oft nicht wissen, was sie mit ihrer angeborenen überbordenden Energie anfangen sollen. Es gibt keine Initiationsriten mehr, keine Jagd, kein Abenteuer, keine körperlichen und sehr oft auch keine geistigen Herausforderungen, keine Struktur für diese wilden Kräfte des Kriegers. Und da soll Kinderyoga helfen? Nie im Leben. Aber vor allem: Wozu?

Wieso weshalb warum Kinderyoga?

Es fällt auf, dass der Implus zum Kinderyoga meisten von Müttern ausgeht, die sich eigentlich schon selbst gefunden haben (sollten) und die auch in den enstprechenden Gegenden mit dem nötigen Kleingeld leben. Auch das gehört zu diesem Spiel dazu. Ich kann wirklich nicht sehen, was es welchen Kindern bringen soll und warum es nicht Turnen, Gymnastik,Reiten oder Hörbuchhören sein darf. Oder Pilates, Stretching, Tai Chi, Capoeira oder Judo.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Wenn erwachsene Bürger davon überzeugt sind, Yoga tue ihnen gut und würden wirklich helfen, sollen sie doch machen, was sie wollen; dann freue ich mich für sie, dass sie etwas gefunden haben, mit dem sie arbeiten mögen, das ihnen Kraft und Zuversicht gibt. Ich selber kann mit aller Fernöstlichkeit überhaupt nichts anfangen und mit Yoga am Wenigsten, dazu habe ich zu viel Rock´n Roll im Blut. Aber ich habe nichts gegen Yoga. Nur etwas gegen den Trend, der von geschickten Marketing-Strategen und Image-Spezialisten erzeugt und ausgebaut wird. Ich habe etwas gegen das Getue von Erleuchtung und stumpfsinniger, esoterischer „Philosophie“, die man sich gerade so hinbaut, wie man es gerade braucht. Ich habe etwas gegen das Erleuchtungsgefasel und die Aufwertung des eigenen, vollkommen belanglosen Selbst mit exotischen Verrenkungsübungen, die einen aus der dumpfen Masse herausheben sollen. Ich habe etwas dagegen, wenn man seine eigenen Wurzeln vergisst – oder gar nicht kennt. Diese sind diesseits von Yoga und Kinderyoga mit Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Kuscheln und Kindseindürfen.

Hier geht es nur um Kinderyoga. Meine Sicht auf Yoga an sich ist sehr eingeschränkt, da ich es nicht gut kenne. Das gebe ich zu. Ich kenne jedoch Leute, meistens Frauen, die Yoga machen. Und einige von denen sind … haben … jedenfalls ist deren Denken … ach, lassen wir das.

Was ich weiß ist, dass DIESES Yoga im Westen entwickelt wurde. Und ich hasse diese ganzen Hypes und Trends und da ist Yoga, zusammen mit Hochsensibilität, Selbstoptimierung, Selbstliebe (eine Sache von extrem großer Verwirrung), Veganismus, ADHS, Hirnforschung und dem Coachingwahn ein wesentlicher Teil. Ich stelle mich hin und versuche das zu hinterfragen. Aber wenn es um Kinder geht, stelle ich mich hin, um sie vor diesem Scheiß, dem Wahn der Mütter zu beschützen. Darum geht es mir.

Erwachsene können sich dehnen, strecken, strechen, Jesus lieben und sich gutes Karma erturnen – das ist mir völlig wurscht. Nur dürfen sie mir keinen vom Pferd erzählen und versuchen mich gleich mit zu verblöden. Dann schreibe ich nämlich.

Es gibt so viele Betätigungen, Sportarten und geistige Haltungen, die uns viel näher sind, die aber nicht so viel Versprechen, nicht exotisch sind, kaum exklusiv und einen schon gar nicht befreien. Die aber all das bewirken können, was Yoga offenbar bewirkt. Doch mein Kind braucht kein Yoga. Meine Tochter ist weder gestresst, noch verspannt. Sie ist sehr bei sich und hat eine wundervolle Weisheit. Sie ist eine tolle Reiterin und Tänzerin. Sie ist neugierig und kann auch neue Medien ;-). Sie braucht und bekommt alles Mögliche, um sich zu entfalten und zu entwickeln. Nur Yoga, Kinderyoga braucht sie nicht und bekommt sie auch nicht.

Im ganzen Internet gibt es nur einen kritischen Artikel zu Kinderyoga. Mit meinem jetzt zwei. Finde ich bedenklich und deutet darauf hin, dass man noch nicht sooooo viel über die Sache nach gedacht hat.

Wenn man das wengisten „indische Gymnastik mit Spaß und mit Hinlegen für Kinder“ nennen würde. Aber dann würden die Szenemutties, die Esotanten und spirituellen Menschen nicht drauf anspringen, das wäre viel zu banal für den ausgesuchten, hochbegabten, supersensiblen Nachwuchs.

Ich finde Kinderyoga einfach nur behämmert. „Kinder sollen nach Draußen und Purzelbäume machen, im Schlamm spielen und auf Bäume klettern, mit Tieren spielen, reiten, hüpfen, singen. So lernen sie Körperkontrolle … durch Freude am Leben, Freude an sich selbst, durch Berühungen und Spiel.

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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