Aller Herrgottsfrühe – Die Sache mit dem Wurm

Gähnen ist eins der viele rätselhaften Phänomene des Lebens. Oft hängt es mit Müdigkeit zusammen, drückt aber auch Langeweile aus und so einiges mehr. Wo vor es mich in diesem Zusammenhang graut, ist die Schulzeit meiner kleinen Tochter. Denn das heißt: Früh raus, Wurm fangen. Obwohl die Forschung heute genau weiß, dass das nicht gut ist fürs Lernen. Und einige Schulen sind da auch besser aufgestellt. In der Regel aber finden die genetisch bedingten, unterschiedlichen Tagesrhythmen – Lerche und Eule (Chronobiologie) – keine Berücksichtigung. Wie so manches andere auch nicht.

Wenn man sieht, wie sich manche Schulkinder morgens auf den Straßen noch schnell ein Bein ausreißen, um rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn an Ort und Stelle zu sein, bekommt man das kalte Grausen. Ich glaube, den nächsten akuten Politiker, der in meiner Nähe etwas von Bildung faselt, trete ich gegens Schienbein. Bildung muss doch mehr sein, als vor dem Aufstehen in der Schule bereitzustehen.

Noch aber ist es für uns nicht so weit, meine kleine ist gerade mal 2,5 Jahre alt. Dennoch hat sie, haben wir, Schwierigkeiten mit unserem Tagesrhythmus. Nach unserem Urlaub in Kanada im vergangenen Sommer, war es schwer für uns alle, wieder in einen normalen Rhythmus zurückzufinden. Dann hatten wir es gerade, dann kam die Zeitumstellung. Nun nun stehen wir wieder da. Die europäische Zeitumstellung ist ein großpolitische sWerk, das seinesgleichen sucht. Und an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten ist.

Die Sache mit der Sommerzeit wird, wie vieles andere auch, von den Bürgern so hingenommen. Kann man eh nichts gegen tun. Die meisten merken vielleicht einen leichten Jet-Lag und freuen sich, wenn sie eine Stunde länger schlafen können – aber die nach einem halben Jahr wieder eingezogen diese scheinbar geschenkte Stunde. Vermutlich braucht es wieder eine Studie, die belegt, dass die Zeitumstellung negative gesundheitliche Auswirkungen hat. Besonders, so behaupte ich, bei sensibleren Leuten und bei Kindern. Dabei liegt es auf der Hand, dass es nicht gut sein kann.

Psychologen und Mediziner haben negative Auswirkungen der Zeitumstellung festgestellt, da sich die Anpassung des chronobiologischen Rhythmus des Organismus als problematisch herausgestellt hat.[39] Besonders Menschen mit Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen haben hier offenbar größere Schwierigkeiten.
Quelle: Wikipedia

Die „innere Uhr“ wird bekanntlich vom Sonnenlicht und dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus gesteuert. Und nicht von Verordnungen und sehr außengesteuerten Politikern. Es ist ein uralter Rhythmus, der tief in uns verankert ist. Dieses Wissen hat uns geholfen, unser Baby in einen Schlag-Wach-Rhythmus zu bekommen – hell und dunkel sind die Indikatoren, die Orientierungspunkte und nicht die schwerfällige Brüsseler Bürokratie.

So weiß man heute, wann und wie die Kinder am besten lernen. Und man weiß von Eulen und Lerchen, vom genetisch bedingten Veranlagungen zum Frühaufsteher oder zur Nacheule. Ganz sicher hatte diese „Voreinstellung“ für Jahrhunderttausende einen tiefen Sinn. Drauf aber pupt der moderne Mensch, der soll gefälligst funktionieren. Wie die anerkennungsgeilen Politiker, die das vormachen. Das man in einen so krassen, fremden Rhythmus gezwungen wird, kann nicht gut sein. Und es sagt etwas über das Menschenbild aus, das die Befürworter – die Bestimmer, wie wir in der Jugend sagten – haben. Traurig.

Jedenfalls graut mir schon vor der Schulzeit, wo das alles noch früher los geht für unsere Kleine. Und damit auch für mich. Meine Tochter ist ganz offensichtlich wie ich eine Nacheule. Wir hören natürlich von anderen Kindern, die sehr früh wach werden, aber das sind die Lerchen. Da kannste nichts machen.

Also, wie soll das werden mit der Schule und dem frühen Wurm? Es ist nicht darauf zu hoffen, dass die Verantwortlichen hier irgendwann zur Vernunft kommen. In 1000 Jahren vielleicht, wenn genügend Studien vorliegen. Bis dahin aber müssen insbesondere die Langschläfer, Nacheulen oder Zweitnormalen sehen, wie sie zurecht kommen. Gerade auch im Zusammenhang mit der hier drohenden Hortreform, auf die ich an anderer Stelle noch zu sprechen komme, scheint uns nichts anderes übrig zu bleiben, als mit einer Privatschule zu liebäugeln.

Denn ich will einen natürlichen Lebensrhythmus und keinen von oben übergestülpten, wie es in den letzten 2 Jahrhunderten seit der industriellen Revolution der Fall ist. Freiheit statt Obrigkeit, Verantwortung statt Zwang.

Siehe auch: Delta t – Verein für Zweitnormalität e. V.

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von Björn Rixman

Über Papalapapi
Kind und Tochter und Papalapapi, Vater & Mann. Vaterblogger, Elternbloger, Männerblogger schreibt über alle Themen rund ums Kinderhaben aus seiner subjektiven männlichen und väterlichen Sicht. Und auch über das Mannsein in unserer Gesellschaft.

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