Für die Kinder Süßes zu Halloween und für die Eltern Saures?

Hexe im Treppenhaus

Die Nachbarskinder von oben aus dem Haus hatten abgesagt. Sie waren in den letzten Jahren zu Halloween immer besonders aktiv. Da dachte ich, da hängen wir uns dran, meine Kleine und ich. Doch die beiden Mädchen waren an diesem Gruselabend woanders und konnten nicht. Guter Rat war teuer und so fragte ich die Mama, von andern Schwestern aus unserem Block, wie das denn wäre bei ihnen mit Halloween. Wir suchten noch Anschluss und würden gern mit ihnen losziehen. Ich fragte über Facebook und erhielt leider kurzfristig keine Antwort. Dann eben die beiden wilden Jungs, die Eltern wollten sich eh längst gemeldet haben. Ja, die hatten Zeit und Lust. Sie würde sich umziehen und uns abholen. Sehr gut. Halloween war gerettet. Es wurde dunkel und die kleinen Hexen und Piraten, Mumien, Monstren, Mutationen kamen aus ihren Löchern. Uahauhaha.

Wir verkleideten uns schnell und machten uns auf den Weg. Unterwegs trafen wir unsere Nachbarschaft, die ich eben vergeblich versucht über Facebook zu erreichen. Die Mutter hatte meine Handynummer nicht, sonst hätte sie längst angerufen. Aber sie machen kein Halloween, deshalb müsse sie absagen.
„Kein Halloween? Wieso das nicht?“
„Nee, ich mag das nicht wegen der Süßigkeiten und so …“
„Aber es ist doch für die Kinder.“
„Aber es ist nicht gut für die Kinder …“
„Aber sie haben doch Spaß, alle machen es.“
„Ja, aber man muss nicht alles mitmachen.“
„Als Erwachsene nicht, als Kinder schon. Das macht ihnen doch Spaß. Verstehe ich nicht.“
„Ich mag das halt nicht.“

Es war noch ein Nachbar dabei, der sich wie ich wunderte, dass diese Mama die Sache so ernst sah.
„Du kannst doch da mal über deinen Schatten springen. Es geht ja nicht um dich, es geht um die Kinder.“
„Aber die wollen das doch gar nicht.“
„Doch. Ich will, ich will mitmachen …“, sagte die große, die ungefähr 9 Jahre alt ist.
„Nein, das geht jetzt nicht.“
„Aber nächstes Jahr, nächstes Jahr nehme ich euch mit“, sagte ich und ihre Mama freute sich und stimmte zu.

Na ja, ich finde, es ist so eine ganz typische Sache, bei der die Eltern in einen Konflikt geraten und Dinge tun oder genehmigen müssen, die sie selbst – auch als Kinder – nie gemacht haben. Ob es nun Halloween ist oder Weihnachten, Rummel- (Dom, wie wir in Hamburg sagen) oder Zirkusbesuche. Entweder das Fest, wie im Falle Halloween, das in unserer Kindheit unbekannt war, stammt aus einem anderen Kulturkreis und hat sich mittlerweile eingebürgert. Oder das Fest ist spießig, etwa wie Weihnachten, was wir viele Jahre so empfunden hatten. Oder es ist laut und teuer und eher für die schlichteren Gemüter der Außenbezirke, wie etwa der Dom auf dem Heiligengeistfeld. Oder es werden vermeintlich Wildtiere gequält wie im Zirkus. Irgendwas ist immer. Die Kinder haben Spaß und großes Vergnügen, wir Erwachsene kommen mit Ressentiments, Gewissen und Moral oder bocken aus Bequemlichkeit, weil wir uns innerlich nicht bewegen wollen. Aber so geht das mit Kindern nicht, zu dieser Überzeugung bin ich im Laufe der Zeit gelangt.

Ist es nicht so? Es geht um die Kinder? So wollen was erleben. Halloween ist toll. Genau richtig für Spaß und Abenteuer, Gemeinschaft und etwas Besonderes. Und es gibt tierisch viel Süßigkeiten. Einmal über die Stränge schlagen. Sich verkleiden und die Nachbarn erschrecken. Und andere Kinder. „Süßes oder Saures!“

Was für die Erwachsenen ungesund, gefährlich, blöd und albern ist, ist für unsere Kinder manchmal das Paradies. Ein kleines Alltagsparadies, in dem man mit Identitäten spielt, Verlockungen, Belohnungen, gruseligen Geschichten, hallenden Treppenhäusern, Hexen und Piraten. Ach, herrlich.

Wir kann man da als Eltern nur rumbocken? Ich mag Halloween auch nicht. Und, wie gesagt, kenne es aus meiner Kinderzeit nicht. Aber meine Tochter findet es toll. Und die anderen Kinder finden es toll. Und meine Maus findet es toll, weil es andere toll finden. So soll das sein. Anders gehts ja gar nicht. Warum sollte ich es ihr nicht ermöglichen? Es gibt keinen einzigen guten Grund. Zähne werden an diesem Abend besonders gründlich geputzt und es werden auch die Süßigkeiten nicht alle auf einmal gegessen.

Klare Sache.
Oder wie sieht ihr das?

Über Papalapapi
Ich heiße Mark und bin Vater einer wundervollen Tochter. Papalapapi Vaterblogger, Elternblogger und Männerblogger beschäftigt sich mit Themen rund ums Kinderhaben und Mannsein aus einer subjektiven männlichen und vor allem väterlichen Sicht.

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