Abgelehnt nach Elterngespräch: Die Waldorfschule will uns nicht

Die Waldorfschule will uns nicht

Nach dem ich an dieser Stelle ausführlich – euphorisch und sehr sicher – beschrieben habe, dass wir unsere Tochter bei einer Rudolf-Steiner-Schule angemeldet hatten und weshalb wir es taten, muss ich vermelden, dass wir abgelehnt wurden. Heute kam der Brief. Begrenzte Aufnahmekapazität, natürlich. Wir sind keine Anthroposophen, nicht mal im Ansatz, und passen vermutlich auch gar nicht auf diese Schule. Obwohl ich glaube, dass unsere Kleine dort gut aufgehoben gewesen wäre. Was nicht heißt, dass sie das nicht auch auf einer staatlichen Grundschule sein wird. Was könnten aber die Gründe für die Ablehnung sein?

Nach dem Elterngespräch in der Waldorfschule vor rund drei Wochen, waren wir beide davon überzeugt, dass die uns nicht nehmen werden. Da hat sich was übertragen. Zwei Lehrer, ein jüngerer Lehrer und eine ältere Waldorflehrerin, der Schule führten das Gespräch mit uns Eltern, ohne das die Tochter mit dabei war. Wir sollten sie vorher ausführlich in einem Fragebogen beschreiben und wurden auch persönlich nach ihr befragt. Die Waldorflehrer wollten aber eher die Eltern und die … Lebensweise kennenlernen.

Was während des Gesprächs aus meiner Sicht deutlich wurde war, dass wir es hier mit einer Ideologie zu tun hatten. Das ist sehr weit von unserer Lebensrealität entfernt. Wir sind keine Ideologen. Nicht, dass Eltern, die Kinder in der Waldorfschule haben unbedingt Ideologen sind, wir sind es aber mit Sicherheit nicht. Uns saß aber in Gestalt der älteren Pädagogen eine Ideologin gegenüber. Ich spürt hier den leicht durchschimmernden Hintergrund der … Schwarzen Pädagogik. Sie wirkte sehr streng, was durch die Fragen und Aussagen noch unterstrichen wurde.

Im Vorfeld der Anmeldung an einer Waldorfschule und zur Vorbereitung auf das Gespräch, hab es viele Gerüchte um die Fragestellungen und die Aufnahmekriterien. Meistens Erfahrungen aus 2. Hand, die sich naturgemäß als haltlos herausstellten. Aber ein solches Gespräch hatten wir nicht erwartet. Ich hatte von dem großen Geheimnis unserer Tochter erzählt, doch die welke Waldorf-Pädagogin hatte überhaupt nicht verstanden, worum es eigentlich ging. Uns aber dennoch großzügig Ratschläge erteilt, etwas dass wir mit unsere Maus doch dringend einen anthroposophischen Arzt aufsuchen sollten, um diese Sache mit ihrem Geheimnis in den Griff zu kriegen. Hä? Ich Idiot bin auch gleich danach losgelaufen und wollte einen Termin beim nächsten Anthroposophen. Ich bekam aber keinen und sollte bis zum nächsten Montag warten. Die kleine Praxis hat mich aber nicht wiedergesehen.

Denn das Gespräch in der Waldorfschule musste ich erst einmal ein paar Tage verdauen. Hier ein paar Fragen aus dem Gespräch. Sie sind sinngemäß aus der Erinnerung zusammengestellt und gehörten zuweilen in einen bestimmten Zusammenhang, der zum Verständnis der Fragen keine Rolle spielt.

Es waren 32 Plätze bei 85 Bewerbungen zu vergeben. Gut 20 Plätze wären schon durch Geschwisterkinder und Kinder aus dem Waldorfkindergarten belegt. Also hatten wir kaum eine Chance. Denn selbstverständlich nimmt eine Waldorfschule hauptsächlich Kinder, die schön mit ihrer Lehre in Berührung kamen und Kinder von Eltern, die Erfahrungen mit der Waldorf-Pädagogik hatten, etwa dass sie selber auf eine Rudolf-Steiner-Schule gingen. Da hatten wir natürlich nicht die Spur einer Chance.

Doch die Waldorfschule ist heute gefragt wie nie!

Fragen beim Elterngespräch zur Anmeldung an einer Waldorfschule (Grundschule)

  • Ob wir auch die Jahresfeste feiern, also den Wechsel der Jahreszeiten?
  • Ob wir sie auch begleiten würden, wenn der Ablösungsprozess zwischen der 8. und 12. Klasse stattfinden
  • Wie wir auf diese Waldorfschule kommen?
  • Weshalb sie nicht in den Walddorfkindergarten geht?
  • Ob wir ein klar strukturiertes Wochenprogramm haben?
  • Haben wir auch Zeit für Ruhe und Langeweile?
  • Wie lange schläft ihre Tochter
  • … wann essen Sie Abendbrot so um 18.00 Uhr, 18.30?
  • usw.

Unterm Strich, so schließe ich aus den Fragen und den Antworten, die wir gegeben haben, wird deutlich, dass wir nicht wirklich zu so einer Schule passen. Wir haben überhaupt nichts am Hut mit den Ideen von Rudolf-Steiner, wir sind nicht mal im Ansatz. Wir haben weder was mit Naturheilkunde am Hut, noch mit glasklaren pädagogischen Prinzipien. Während des Gesprächs wurde mir noch mal klar, wie zufrieden wir mit dem Kindergarten sind, in den unser Töchterchen geht, weil die Kinder dort sehr viele Freiheiten haben. Und dann beschlich mich so eine Ahnung, dass genau das in der Waldorf-Pädagogik nicht vorgesehen ist. Hier scheinen eher Regeln im Vordergrund zu stehen. Und das meine ich mit Ideologie: Regeln und Idee sind wichtiger als die Menschen, ihre Eigenheiten und Bedürfnisse. Und hier sehe ich einen Zusammenhang zu „Schwarzen Pädagogik“, die aus meiner Sicht da leicht hindurchschimmert.

Rudolf Steiner wurde quasi auf dem Höhepunkt der „Schwarzen Pädagogik“, in der Mitte des 19. Jahrhunderts geboren. Kurz zuvor veröffentlichte Charles Darwin sein revolutionäres, die Welt erschütterndes Buch „Über die Entstehung der Arten“. Im Verlaufe des Jahrhunderts kam es zu vielen wirren Auswüchsen von Geisterglaube, Esoterik, Spiritismus und neuen, religiösen Ideologien. Hier siedelt die Waldorf-Pädagogik.

Über Papalapapi
Kind und Tochter und Papalapapi, Vater & Mann. Vaterblogger, Elternbloger, Männerblogger schreibt über alle Themen rund ums Kinderhaben aus seiner subjektiven männlichen und väterlichen Sicht. Und auch über das Mannsein in unserer Gesellschaft.

15 Kommentare zu Abgelehnt nach Elterngespräch: Die Waldorfschule will uns nicht

  1. Hallo!

    Ich habe gerade ihren Bericht gefunden und muss in vielen Dingen bei Pflichten. Nur in einem Punkt nicht: Dass Geschwister Kinder automatisch genommen werden.
    Mein 14 jähriger ist Waldorfschüler, vorher staatlicher Kindergarten.
    Mein 7 jähriger ist Waldorfschüler, vorher Waldorf Kindergarten.
    Mein 6 jähriger ist derzeit in einem Waldorfkindergarten und seit gestern steht fest: Er wird nicht genommen.
    Im Prinzip haben Sie es besser getroffen als ich.
    Sie haben eine Wahl ohne Konsequenzen. Ich stehe nun vor dem nichts.
    Waldorf wird nach aussen hin entsprechend gezeigt, aber die Wahrheit ist: Das gesamte System der Waldorfpädagogik ist eine Farce. Vom Kindergarten, über die Aufnahme bis zum Abschluss.
    Sind sie einmal drin, kommen sie nicht mehr raus.
    Da ich leider nicht so lang und ausführlich schreiben kann, bedingt durch mein Tablet, lassen Sie sich nur eines gesagt sein: es gibt keine Aufnahmekriterien. Es wird wahllos entschieden. Oder es werden fadenscheinige Begründungen für eine Ablehnung gesucht und meist auch gefunden.
    Dann ist es eine Sache des Geldes, eine grosse Auswahl an Schülern etc.
    Man ist kein schlechterer Papa oder eine schlechtere Mama, wenn das eigene Kind auf eine staatliche Schule geht.
    Wir haben nur leider gar keine Auswahl und stecken im Dilemma.
    Heute kann ich über viele Sachen die die Waldorfschule für ihre Pädagogik verwendet nur noch lachen.
    Ein Kind ist wie ein roher Stein, der erst langsam geformt und geschliffen werden muss, bis er ein Diamant wird. Die meisten Kinder kommen nicht einmal annähernd bis dahin…..

  2. hmm, schade, muss euch recht geben: der ist leeidr nicht wirklich witzig. ist der fcberhaupt waldorfschfcler, oder ist das veilleicht nur pr-masche??? ich hf6re das auf swr nie so richtig. stellt der sich als waldorfschfcler aus wiesloch vor? ich hab noch von keiner waldorfschule in wiesloch gehf6rt. vielleicht meint er damit aber auch nur seinen herkunftsort. traurig ist ein bisschen, dass er nur altbackene klischees verbre4t. wo sind wirklich neue, bereichernde gags? ok, die vf6lkerball-nr. war mir auch neu und ganz lustig hoffentlich baut der horst sein talent noch aus!!!

  3. Ich bin selbst eine Ehemalige. Ich habe gute Erinnerungen und nach den Infoabenden ein gutes Gefühl hinsichtlich des theoretischen Konzept für meinen Sohn.
    Jetzt kam die Absage. Ich war sehr getroffen und fühlte mich aussortiert. Dann habe ich für mich festgestellt, dass die Theorie vielleicht toll klingt, aber es lebt durch die Lehrer. In den Klassenverband werden eher die „handzahmen“ Kinder gewählt. Und diese Selektion und die Macht, die da ausgeübt wird über die Bewerber, ist einfach nicht in Ordnung und wäre mit Sicherheit nicht im Sinne des Gurus gewesen.

    Warum nicht ein faires Verfahren. Wie im Kindergarten, nach Punkten und am Ende entscheidet das Los?

    • Ja, Losentscheidung. Aber für mich sieht es eher so aus, als sei diese Walddorfsache einfach zu krass für uns. Ich bin jedenfalls froh, dass wir diesen elitären Weg nicht eingeschlagen haben.

  4. Hallo…in 3 Wochen wird mein Sohn 18Jahre,ist im Abschlussjahr und bei all meinen Entscheidungen in betreffend,war die Waldorfschule(Eisenach) eine der Besten die ich traf.Es tut mir sehr leid das ihr so negative Erfahrungen damit gemacht habt,ohne überhaupt Erfahrungen darüber zu haben.Ich kann den Gesprächs-u.Ablehnungsfrust verstehen,jedoch nicht diesen Rundumschlag.Heutzutage gibt es inzw lange Wartelisten,begrenzte Plätze u.doppelte Klassen…nur warum eigentlich?! 😉
    Vor 12J.gab es vllt nicht diesen „Waldorfhipe“ aber Gespräche wurden auch geführt.Sie dientem damals schon der gegenseitigen Meinungsbildung ob des zusammen „passen“.Ähnliche Gespräche u.mehr noch hatte ich zB auch mit einer evangelischen u.auch staatlichen Schule und ist meiner Meinung bei all den heutigen Schulformen auch wichtig.Ganz egal welche Schule aber jede Schule hat ein (Lern) System!
    Mich macht so ein Urteil aus Frust,Wut,gekränkter Eitelkeit einfach nur wütend! Weshalb kann es nicht TATSÄCHLICH sein,dass kein Platz mehr frei war?!Und ja,Geschwister oder Waldorfkitakinder werden bevorzugt.Das ist auch völlig normal.Ich bekam eine Ablehnung von der evang.wollte,obwohl mein Kind die dadazugehörige Kita besuchte,NUR weil ich erst mit Zusage pauschal in jew.Schulverein beitreten wollte u.es eben Eltern gab die sich ebenso im Vorfeld schon engagierten, zB durch Geschwister.Völlig ok!
    Ebenso ein Irrsinn wer glaubt in einer Waldorfschule gehört man einer Sekte,Glaubensrichtung,Phantasiewelt oder sonstigem an aber ich bzw wir schauen gern u.dankbar zurück auf all die Jahre zurück.
    Und JA…mein Sohn kann seinen Namen tanzen u.ich lernte viel über die Bedeutung von Dinkel,Jahreskreise & Co aber das hielt uns nie davon ab X-Box zu zocken,Ostern u.Weihnachten gewohnt kommerziell zu feiern und all die anderen Dinge zu tun die wir mögen.
    Ich wünsche Euch als Familie eine gute „Schulzeit“.
    Lg…von einer Mutter die die zuvor noch nie was von Anthroposophie,Eurythmie gehört u.bis heute keinen einzigen Rudolf Steiner Wälzer gelesen hat und einem Sohn der vor lauter Spielerei praktisch oft überall hinkackte.

    • Vielen Dank für einen sehr interessanten Kommentar.

      Ich verstehe sehr gut, was du beschreibst und ich habe auch nichts gegen diese Sache. Aber ich habe etwas gegen Ideologie und Verblödung. Davon gibt es in der Walddorf-Pädagogik jede Menge. Sie ist sicher nicht für jedes Kind geeignet, während andere nachhaltig profitieren. Die Tochter einer Freundin, die sehr schwierig ist, ist nun mit 13 auf jene Waldorfschule gekommen und ist dort genau richtig. Hier wird ihr geholfen …

      Aber die Frage, weshalb so viele Eltern wollen, dass ihr Kinder auf diese Schulen gehen, hast du leider nicht beantwortet. Ich kann es sehr knapp sagen: Aus Angst. Aus Angst, Unwissenheit und politischer Faulheit. Gibt auch andere Gründe, aber die Angst um die Zukunft ihrer ganz besonderen, einzigartigen, brillanten Kinder steht im Vordergrund. Ist ja auch in Ordnung, wenn die nicht reflektiert werden kann.

      Ich freue mich halt, dass wir eine ganze normale Tochter haben. Ich weiß Normalität und Durchschnitt – also ganz das ganze Menschsein – sehr zu schätzen. Abgesehen davon, dass ich Ideologien mit gesundem Menschenverstand bekämpfe …

      Nein, wenn ich mir die Sache genauer anschaue, bin ich sehr froh, dass sie nicht in diese Schule gegangen ist. Sie passt nicht zu ihr und nicht zu uns.

      • Entschuldigung,aber was nimmst du dir denn jetzt raus?

        Du bist nicht genommen worden, und jetzt bezeichnest du alle Waldorfler als „politisch faul“ „von Angst geprägt“, „elitär“ und „ideologisch“??? Warum wolltest DU denn dein Kind zu dieser Schule schicken? Hattest du auch Angst? Oder warst politisch faul (doppelt hä? zu dieser Aussage übrigens)?

        Du hast eine einzige Erfahrung mit einer Schule (Waldorfschulen sind nicht alle gleich) und einer unsymphatischen Lehrerin gemacht (die gibt es auch an Regelschulen, mehr als einem lieb ist) und nun kennst du sie alle?
        Ich denke, du bist einfach nur beleidigt, oder?

        (btw: meine Tochter geht auf eine Regelschule)

        • Ja, ich spreche ein hartes und ungerechtes Urteil. Das ist natürlich Frust, aber auch eine Methode, um eine Diskussion anzuregen. Ich bleibe aber dabei, dass an meinen Urteilen etwas dran ist.

          Im Nachhinein bin ich froh, dass sie uns nicht genommen haben. Ich hatte auch nicht mit dieser Ideologie gerechnet, die aber dennoch hinter der über weite Strecken hanebüchenen, rückständigen und auch dämlichen Walddorf-Pädagoik steckt. Man hatt mir gesagt, das würde an dieser Schule gar keine Rolle spielen. Stimmte aber nicht. Ich hatte sehr gute Gespräche mit anderen Eltern und mit Lehrern und dann das.

          Ich bin davon überzeugt, dass meine Tochter besser an einer Walddorfschule besser rechnen lernen würde. Das hätte ich ihr gegönnt. Auch andere Elemente sind dort ganz wunderbar. Aber unter dem Strich ist die Walddorf-Pädagoik nicht vereinbar mit dem gesunden Menschenverstand, mit Aufklärung und Wissenschaft. Dies ist mir wichtiger, als eine Schule, die die Kinder schont.

          Was ich bemängele, ist die Verbreitung von Religion und Esoterik in den Köpfen der Menschen. Als hätte es die blutigen Befreiungskriege und die vielen Opfer, die Freiheit, Rechtsstaat, Aufklärung und Demokratie nie gegeben. Das macht mich sauer und dagegen wende ich mich.

          Ich möchte eine andere, eine menschengerechte Schule. In der Walddorfschule habe ich sie nicht gefunden.
          Es gibt viele Ansätz in den öffentlichen Schulen, wir haben hier sogar eine Reformschule. Es gibt viel zu tun. Die Anhtroposophie Steiners aber ist eine veraltete, schräge und nicht mehr haltbare Lehre, die nicht nur ein schräges Menschenbild vermittelt, sondern auch mit klaren Lügen operiert.

          • @ Papalapapi

            „Rechnen“ / Mathematik wird an der Waldorfschule „nach Temperamenten“ unterrichtet …

            je nach Temperament (Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker) werden spezielle Aufgaben gestellt.

            Wie man (sicher) ein „Temperament“ feststellt? Mmh, in der Waldorfschule steht für jeden eine Schublade offen …

            Temperamente, allgemein: https://de.wikipedia.org/wiki/Temperamentenlehre

        • @ Sahra Sigurdsdotir

          Sie schreiben: „Waldorfschulen sind nicht alle gleich“

          natürlich sind nicht alle Waldorfschulen „gleich“, aber gleich ist für alle Waldorfschulen, dass sie zentral vom „Bund der Freien Waldorfschulen“ gelenkt werden:

          „Waldorfschule“ darf sich nur nennen, wer vom „Bund der Freien Waldorfschulen“ die Zustimmung dazu bekommt. Um sie zubekommen, schickt der „Bund der Freien Waldorfschulen“ einen „Gründungslehrer“, der auf die richtige, anthroposophische Ausrichtung achtet … (fast) alles gleich macht.

  5. Auszug aus meinem Interview mit Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, über Waldorfschule, Rudolf Steiner und die Anthroposophie:

    „(…)

    Lichte: Die Waldorfschulen werben damit, Kinder „individuell“ zu fördern. Sehen Sie hier einen Widerspruch zu der in der Waldorfpädagogik verbindlichen „Jahrsiebtelehre“ (Rudolf Steiners esoterische Einteilung der Individualentwicklung des Menschen in Abschnitte von 7 Jahren)?

    Hopmann: Waldorfschulen wollen nicht im allgemein üblichen Sinne „individualisieren“, d.h. die je einzigartige Persönlichkeit eines Kindes achten. Vielmehr werden entsprechend den Waldorflehren die Kinder unterschiedlichen Charaktertypen, Entwicklungsstufen, Seeleneigenschaften usw. zugeordnet, denen sich dann die jeweilige pädagogische Behandlung unterordnen soll. Gehörst du zum Typ A, richtet sich die Behandlung nach Verfahren B usw. Man kann das recht gut kennenlernen, wenn man sich ansieht, wie Rudolf Steiner selbst in seinen Lehrerkonferenzen Einzelfälle analysierte. Es ging ihm nicht um konkrete Individuen, sondern darum, jedes Kind in eine anthroposophische Kategorie zu pressen.

    Lichte: noch einmal zur Jahrsiebtelehre – von 0–7 Jahre wird der physische Leib entwickelt, von 8–14 Jahre der Ätherleib, von 15–21 Jahre der Astralleib, vom 21 Lebensjahr an endlich das „Ich“ – erst dann ist der Mensch ein Mensch. Was sagen Sie zu Steiners Mensch aus dem Esoterik-Baukasten?

    Hopmann: Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun.

    (…)“

    mehr: https://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

    • Klasse. Tolles Interview. Vielen Dank, lieber Andreas.
      Bei mir ist es so, dass ich eher intuitiv spüre, dass hier etwas grundsätzlich nicht stimmt und ich fordergründig die Widersprüche sehe. Aber diese Ausschnitte bringen die Sache präzise auf den Punkt. Ich freue mich sehr über deinen Kommentar!

      • Danke, Danke …

        Prof. Hopmann hat auch mich sehr positiv überrascht!

        Unten noch ein Erfahrungsbericht eines Lehrers, der Prof. Hopmanns Aussagen bestätigt, Auszüge:

        „‘Ich würde mein Kind nie an einer Waldorfschule anmelden’

        Heidrun G. war ein Jahr lang Lehrerin an einer Waldorfschule im Ruhrgebiet. Heute unterrichtet sie an einer staatliche Schule und blickt kritisch auf ihre Zeit als Waldorfschullehrerin zurück.

        (…)

        „Die Waldorfpädagogik legt keinen Wert darauf, an den wissenschaftlichen Diskursen der Pädagogik teilzunehmen. Man hat ja Steiners Lehre.“ Waldorfschulen, das würden viele Eltern unterschätzen, seien vor allem die Schulen der anthroposophischen Bewegung.

        (…)

        In den unteren Klassen haben die Kinder Epochenunterricht über Zwerge und Gnome gehabt. Atlantis und Sagen waren Stoff im Fach Geschichte.

        (…)“

        zum vollständigen Artikel: https://www.ruhrbarone.de/ich-wurde-mein-kind-nie-an-einer-waldorfschule-anmelden“/1952

  6. Warum kann hier nicht mal jemand darüber schreiben dass man auch etwas lernt? Dass Kinder zu selbstbewussten Menschen heranwachsen?

    • Liebe Linda, an mir liegt es nicht. Kinder wachsen aber auch auf anderen, auf staatlichen Schulen zu selbstbewussten Menschen heran. Das ist also keine Sonderleistung der Walddorf-Pädagogik, die teilweise wirklich hanebüchen, vollkommen absurd, gestrig und ideologisch ist. Darum geht es mir. Dass nicht alle Kinder davon infiziert werden, steht auf einem anderen Blatt. Ich persönlich wundere mich nur, warum es DIE AUFKLÄRUNG immer noch so schwer hat, sich überall durchzusetzen.

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