Tyrannen, Zicken, Zappelphilipps – die Lüge vom gestörten Kind

Verzogene Kinder

Heute möchte ich die aktuelle ZEIT Nr.38 empfehlen. Ich bin eigentlich viel zu christlich und zu verkopft, ihre Abo-Politik aggressiv und unmoralisch, aber der Titel der Ausgabe vom 11. September 2014 verlockt zum Kauf: Die Lüge vom gestörten Kind. Sehr gut. Dazu fallen mir gleich einige erlebte Geschichten ein, der die Überschrift „Wie sind keine Sorgenkinder“ unterstreicht. Die Beilage dieser Ausgabe übrigen lautet . Außerdem Thema Schule und Alternativen zum Gymnasium. Aber das nur am Rande

Schlägt man dieses ZEIT-Sonderfest Abenteuer Familie – („Von guten Kinderbüchern und schlechten Noten – Ein Heft für Eltern“) – auf, springen einem gleich etliche Anzeigen von Internaten und Klosterschulen ins Auge. So begreift man ganz gut, für welches Klientel DIE ZEIT schreibt. In jedem Fall ist es längst überfällig den Kampf gegen leichtfertige Diagnosen, die tiefgreifende Verunsicherung vieler Eltern und das gesellschaftliche Gejammer über die angeblich allzu vielen gestörten Kinder aufzunehmen. Deshalb habe ich das Heft gekauft.

ZEIT-Autor Martin Spiewak fragt und gibt gleich die Antwort: „Schulstress, Bewegungsmangel, Computersucht – und dann noch überforderte Eltern: Ist es wirklich so furchtbar, heute in Deutschland aufzuwachsen? Keineswegs. Den Kindern geht es so gut wie nue zuvor“.

Vor Kurzem hatte ich an dieser Stelle schon von der Verweigerung unserer 5-Jährigen Tochter, mit ihrem Kinderarzt zusammenzuarbeiten, berichtet. Es flatterte die Arztrechnung mit der „Diagnose“ einer Verhaltensstörung ins Haus. So ein Schwachsinn. Nur weil ein Kind nicht so funktioniert, wie der Apparat – in diesem Fall eine sehr gut organisierten Kinderarztpraxis – es vorgibt, gleich von einer Verhaltensauffälligkeit zu sprechen.

Oder kürzlich ein Freund, der keine Kinder hat, aber glaubt, viele hätten heutzutage ADHS. Dass es sich hierbei um eine beliebte Mode-Diagnose handelt, die eigentlich beschreibt, dass ein Kind nicht in das vorgesehene Schema passt, kommt ihm nicht in den Sinn. Vielen will nicht bewusst werden, dass vielleicht die System krank, falsch oder unangemessen sind und nicht das Verhalten der Kinder. Und gerade Jungs, die wild sind, herumtollen wollen und ständig in Aktion sind, sollen irgendwann gefälligst lernen, stillzusitzen und sich langsam aber sicher verkopften zu lassen, damit sie irgendwann gut bezahlter ZEIT-Redakteur werden können. Dabei sollen sie Fußball spielen, sich raufen und draußen rumrennen. Nein, sie kriegen schnell eine Diagnose aufgebrückt. Wäre ja eigentlich kein Problem, wenn die Eltern die zweifelhafte und klinische Sichtweise übernehmen, anstatt auf der Seite ihrer Kinder zu stehen. Von den Lehrern ganz schweigen.

Prof. Hüther │ ADHS ist keine

Vor einiger Zeit war ich bei einer Diskussionsrunde der Körber-Stiftung mit dem Hamburger Schulsenator zum Thema Schule des Lebens. Es war ein sehr interessanter Abend mit vielen anregenden Ideen und spannenden Menschen. Alle Plätze waren vergeben, das Publikum, wie oft im Hamburger Körber-Forum, eher reif, viele engagierte Rentner. Und aus diesem Publikum entstand im Laufe des Abends die Sorge um unseren Nachwuchs, weil die Eltern diesen vernachlässigen, falsch erziehen und sich nicht mehr kümmern. Die Ansicht vor auf dem Podium geteilt und man bekam den Eindruck, dass es nicht nur um unsere Kinder schlecht bestellt ist, sondern vor allem um die Eltern, die der Verantwortung nicht gerecht werden. Ich wollte mich erst melden und erklären, dass dies ja nicht sein könne, da ich eigentlich nur Eltern kennen würde, die sich rührend um Ihre Kinder kümmern würde und stets engagiert wären; vielleicht wäre das in anderen Bezirken der Stadt oder Deutschlands anders, aber so schlimm könne die Sache mit den Eltern gar nicht sein. Normalerweise melde ich mich, um meine Meinung zu sagen. Aber hier mochte ich nicht. „Hätten Sie das mal gemacht“, riet mir hinterher eine Lehrerin.

Der ZEIT-Artikel benennt auch einige der Kinderratgeber, die offenbar reißenden Absatz finden, Stichwort Tyrannen-Kinder. Es gilt die Dinge zu reflektieren. Und, wie ich meine, ein gesundes Bauchgefühl zu entwickeln. Dazu gehören natürlich Lebenserfahrung und ein klares Werte-System. Beispielsweise dass die Schule nicht alles ist und man sein Leben auch ohne einen grandiosen Abschluss meistern kann. Mit dem gesunden Menschenverstand kann man sehr weit kommen, das sollte die Grundhaltung sein. Und dieser sagt, dass es vielerlei Interessen gibt, die Kinder verschulen, begutachten, diagnostizieren und zu behandeln möchten. Aus guten Gründen, die mit Geld und der eigenen Karriere zu tun haben. Nicht zu Letzt die Medien leben vom Drama und entsprechenden Headlines, die uns eine Wirklichkeit präsentieren, die es vielleicht so gar nicht gibt, aber die unsere Aufmerksamkeit bekommen, so dass es zu einer schiefen, d. h. einseitigen Wahrnehmung der Realität kommt. Aber jetzt schweife ich ab. Ich wollte einfach nur diese Ausgabe der ZEIT empfehlen und mal darüber geredet haben.

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Autor: Papalapapi

Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

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