Maternal Gatekeeping – Bindungsstörung und subtile Vaterentwertung

Bei dem bisher noch nicht so bekannten Syndrom handelt es sich um eine Bindungsstörung, eine in unseren Gesellschaften kaum zu erkennende psychische Störung der Mutter. Man reduziert das Phänomen meist auf ein überbeschützendes Verhalten im Rahmen einer , in der die Mutter eine ungesunde Bindung zu ihrem Erstgeborenen entwickelt und den Vater nicht zum Zuge kommen lässt. Nach meiner Erfahrung ist die Sache aber subtiler und komplexer. Ich beobachte ein solches Phänomen akut, bin aber natürlich weder Soziologe, noch , Arzt oder Therapeut. Bei der symbiotischen – und am Ende für das (ältere) Kind nachteiligen – Beziehung, die die Mutter zu ihrem Kind aufbaut, stört jeder Einfluss von Außen, stört vor allem der Vater, der sich engagieren möchte. Kommt es zur Trennung, ist es ein Leichtes den Kindesvater komplett auszubooten, ihn aus dem Alltag des vollständig zu entfernen. Halbbewusste Ängste, vor allem schwere Schuldgefühle und alte, unbewusste Bindungsstörungen der Kindesmutter spielen die tragende Rolle, so dass diese Mutter noch stärkter das Gefühl hat, das Kind beschützen, in Acht nehmen und binden zu müssen, um es von den Folgen die (Trennung vom Vater) zu bewahren. Es ist ein vollständig irrationales Verhalten. Auch bei Müttern mit pädagogischer Vorbildung tritt diese neurotische Störung auf und vielleicht gerade bei diesen in den subtilsten Ausformungen, sind doch diese Pädagoginnen unerschütterlich davon überzeugt, dass nur sie allein am allerbesten wüssten, was für das Kind das wichtig und gut ist. Aber kann das sein? Die Entfernung des Vaters ist für das Kind gut und richtig?

Kein Platz für

„Eine Mutter, die um ihr Kind kämpft, die kämpft mit Klauen und Zähnen und da hat niemand eine Chance, wenn die Mutter das nicht möchte. Na ja, sie hat ja den Eindruck, sie müsste es beschützen, weil manche Mütter ja das Gefühl haben – oder nicht nur das Gefühl: sie sind ganz sicher – dass sie mit dem Kind eine Einheit sind, dass das Kind zu ihnen gehört, dass es dem Kind schadet, wenn der Vater zu viel Einfluss drauf nimmt. Das ist so wie so eine Symbiose. Normalerweise löst sich die Mutter-Kind-Symbiose so spätestens nach dem ersten Lebensjahr, manche Mütter verpassen diesen Zeitpunkt auch schon alleine deshalb, weil sie es selbst so erlebt haben.“

Die Paartherapeutin Gabriele Leipold bezieht dieses Verhalten auf eine Bindungsstörung, auf die Schwierigkeit oder Unfähigkeit von Frauen, sich auf eine Beziehung mit mehr als einem Menschen einzulassen.

„Ich erkläre das denn immer wie so ein Dreieck. Also ein gesundes Kind oder auch eine gesunde Mutter und ein gesunder Vater, hat das früher so erlebt in der frühen Kindheit, dass die Mutter-Vater-Kind-Beziehung, wie ein Dreieck ist und jede dieser drei Seiten sollte überwiegend positiv getönt sein. Wenn jemand das erlebt hat, dann kann er das später weitergeben. Hat jemand das nicht erlebt, weil es bloß eine Duade war, also eine Zweier-Beziehung, dann kann er das später selbst auch nicht leben. Der Übergang von der Partnerschaft in die Dreierbeziehung ist dann gar nicht möglich, dann muss irgendeine Person rausgeschmissen werden, weil bloß die Zweierbeziehung erlebt wurde und machbar ist.

Es gibt Mütter, die das Kind rausschmeißen, die meisten Mütter entscheiden sich aber für das Kind und dann wird eben der Vater rausgeschmissen. Die meisten Frauen, die Maternal Gatekeeping praktizieren, die haben eigentlich gar kein Interesse mehr an dem Mann, der ist dann einfach draußen.“

Es steckt mehr dahinter. Denn ein solches Verhalten hat offensichtlich nichts mit dem Geschlechterkampf zu tun, sondern deutet auf eine psychische Störung hin, die die betroffenen Frauen in der Regel aber abstreiten und nur in einer Therapie überwinden können.

„Das sind eher die älteren Mütter. Die jüngeren Frauen sind an der Stelle wesentlich lockerer, die müssen noch die Welt erobern. Die älteren haben das Gefühl, sie haben schon alles geschafft und jetzt kümmern sie sich nur noch um ihr innere Welt.“

Reinhard Winkler, Genderforscher, meint:
„Da wo die Mütterlichkeit als Ideologie überhand nimmt, sind die Frauen natürlich auch interessiert daran, dass die Männer sich möglichst wenig einmischen. Und da wo ich meine weibliche Identität vor allem aus der Mütterlichkeit ziehe, ist jeder Mann, der da aktiv teilnimmt und sich einmischt eine Bedrohung.“

Das Maternal Gatekeeping gibt es wirklich. Ausgelöst durch eine frühkindliche Bindungsstörung, dem Zweifeln an der eigenen Identität oder dem Korsett der gültigen Geschlechterrollen. Aber es ist keine Volkskrankheit und sollte keineswegs zum pauschalen Mütter-Bashing aufgebauscht werden.
Quelle: Kontroverse und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Maternal Gatekeeping in eine Podcast auf Bayern 2
Siehe: Notizbuch B2: Kein Platz für Väter – Warum manche Mütter ihre Partner ausbremsen

Diese Wissenschaftlerinnen und Therapeutinnen wurde in dem Audio-Beteitrag von Bayern 2 genannt:
Dr. Eva Tolasch-Marzahn
Astrid Draxler
Gabriele Leipold

Varianten des Maternal Gatekeeping

Meine Themen sind ja gerade , Trennungskinder, Umgangsregelung und der Streit darüber. Ich bekam von einem engagierten Vater einen Link zu einem Beitrag, der sich mit diesem Maternal Gatekeeping beschäftigt und ich hatte einige Aha-Erlebnisse. Nicht nur aus eigener Anschauung. Grundlage bei mir ist die intensive Auseinandersetzung mit meiner eigenen ehemals ungesunden Mutterbindung. Ich hatte dies an dieser Stelle und auch in meinen letzten Beziehungen nicht thematisiert, da die Sache aus meiner Sicht „abgearbeitet“ ist. Zur ungesunden Mutterbindung haben Ende der 70er Jahre und in den 80gern vor allem folgende Forscher, Psychologen und Therapeuten gearbeitet: Volker Elis Pilgrimm (u.a. Muttersöhne, Die Elternaustreibung, Vatersöhne), Alice Miller (u.a. Am Anfang war Erziehung, Du sollst nicht merken: Variationen über das Paradies-Thema) und der kürzlich verstorbene Arno Gruen (u.a. Der Verrat am Selbst: Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau, Der Wahnsinn der Normalität. Realismus als Krankheit: eine Theorie der menschlichen Destruktivität). Ich habe das alles mit großem Erkenntnisgewinn damals gelesen und zusammen mit Hilfe von Psychotherapie integriert. Das kann man nicht von vielen Väter behaupten und ich habe hier sicher einigen, nicht nur Vätern und Männern, sondern auch in Partnerschaft und Familie, etwas voraus. Vielleicht reagiere ich auch deshalb auf den aktuellen Umgangskonflikt so heftig. Aber sicher nicht nur. Aber deshalb stelle ich in diesem Zusammenhang folgende Thesen auf.

Meine Thesen:

  1. Es muss schon vorher im Leben der Mutter Hinweise auf eine Bindungsstörung gegeben habe, z. B. eine erst sehr spät und dann mit dem „falschen“ Partner eingegangenen Partnerschaft oder eine nicht gestörte Entwicklung der eigenen Sexualität. Auch eine konservative Haltung zu Familie und Rollenmodellen in der Familie kann in vielen Fällen nachgewiesen werden.
  2. Eine nicht bindungsgestörte Mutter, die zu Empathie und Warmherzigkeit fähig ist, arbeitet nicht gegen den Vater, hält diesen nicht von ihren Kindern fern, im Gegenteil, fördert die väterlichen Beziehungen auch und gerade bei einer Trennung.
  3. Es muss Abwandlungen und individuelle Varianten der psychischen Störung des Maternal Gatekeepings geben. Außerdem muss ein Verlauf, eine Dynamik erkennbar sein, beispielswiese auslösende Faktoren jenseits des Kindkriegens, harmlose, weil gesellschaftlich akzeptierte Ausformungen dieser Bindungsstörung, die zunächst latent da sind, aber erst später durch eine Krise wie beispielweise eine Trennung voll und ganz zu Tage treten.
  4. Pädagogische Berufe scheinen solche Art Kompetenzüberhöhung und –Anmaßung der Mutter gegenüber dem Vater zu verstärken und ideologisch zu rechtfertigen.

Bisher habe ich zu diesen Thesen nichts gefunden. Aber komplexe Menschen mit ihrem komplexen Leben nicht in Schubladen passen können, sind solche Diagnose nur Hilfsmittel um etwas zu beschreiben. Es muss demnach an den Rändern solcher Phänomene Unschärfen, Übergänge und Überschneidungen geben, so dass der Begriff des Maternal Gatekeepings weiter greift als bisher beschrieben.

Was sind die Wesentlichen Symptome des Maternal Gatekeepings?

  1. In der Familie der Mutter existiert eine Idealisierung der Mutter, ist Mütterlichkeit wesentlicher Teil weiblichen Identität und wird damit zu einer Ideologie (Familien-Tradition sinnstiftender sog. weiblicher Werte).
  2. Die Mutter braucht das Kind zur eigenen Stabilisierung.
  3. Es betrifft vor allem ältere Mütter.
  4. Es betrifft vor allem die Erstgeborenen.
  5. Es handelt sich um eine Bindungsstörung, das bedeutet hier, dass das Kind zu eng an die Mutter gebunden wird.
  6. Emotionale Unerreichbarkeit
  7. Kommunikationsstörung innerhalb der Familie insbesondere zwischen den Eltern.
  8. Es herrscht Sorge und Angst vor. Die mütterliche Macht wird eingesetzt, um die volle Kontrolle über das Kind zu gewinnen und es so vermeintlich vor den Fehlern des Vaters zu schützen.
  9. Die Mutter muss den Vater deshalb ausgrenzen, entwerten und bekämpfen. Es gibt nichts, das der Vater in Bezug auf sein Kind und deren Mutter richtig machen kann.

Welche Auswirkungen hat nun diese ungesunde, zu enge Mutterbindung, diese Art Bindungsstörung auf das Kind?

Ein Bindungsstörung wirkt sich langfristig natürlich auch als Bindungsstörung aus. Das Kind identifiert sich mit dem Verhalten der Mutter und wird unter Umständen ähnliches Verhalten gegenüber Männern an den Tag legen. Aber das ist hypothetisch.

Ein Symptom, das ein Kind einer Maternal Gatekeeping-Mutter durch die ungesunde und zu enge Bindung an die Mutter haben mag, sind Entwicklungsverzögerungen bzw. -Störungen. Einschränkungen in der Selbstständigkeit oder der Reinlichkeitsentwicklung, möglicherweise Ängstlichkeit oder subtile Verdrängungsmechanismen, die später ihren Preis fordern.

Alles was ich hier schreibe, schreibe ich aus eigener Anschauung und unmittelbarer Erfahrung. Ich verknüpfe meine Beobachtungen an mir und anderen mit den bestehenden Erkenntnissen der Forschung, in diesem Fall mit dem Maternal Gatekeeping-Syndrom. So wird einiges viel deutlicher.

Ein Kind, das durch eine psychisch angeschlagene Mutter meist aus Angst, Schuldgefühlen oder anderen unbewussten kritischen Gefühlen, zu sehr gebunden wird, muss Symptome zeigen. Ich weiß etwa von subtiler Schüchternheit, Schwierigkeiten Stuhlgang selbstständig auf dem Klo zu haben und woanders als bei der Mutter zu schlafen oder gar über Wochenende ohne die Mutter zu einer Kurzreise aufzubrechen. Ist alles normal für kleine Kinder. Aber wenn es Hinweis auf einen anderen Zusammenhang gibt, könnte es sich um Ausdruck einer tieferliegenden neurotischen Bindung an die Mutter halten. Und diese ungesunde Bindung ist nur von einem Menschen, der das Vertrauen des Kindes hat, auszugleichen zu zu heilen: dem Vater! Aber der, das haben wir hier erfahren, darf nicht. Warum er das nicht darf, sollte nun deutlich geworden sein.

Zitate zum Thema Maternal Gatekeeping

„Es kommen dann noch die üblichen ‚Problemzonen‘ Kommunikation und Zeit hinzu.“

Dieser Abschnitt bringt die Problematik des Maternal Gatekeeping Syndroms sehr verständlich auf den Punkt:
„Natürlich ist es im Sinne der Mutter, dass die eigenen Kinder bestmöglich versorgt sind. Maternal Gatekeeping wird aber häufig zum einem unbewussten Machtkampf, der sich lediglich um die Frage, wer wie viel Einfluss auf die Kinder haben darf, dreht. ExpertInnen gehen davon aus, dass es ‚mütterlichen Türsteherinnen‘ im Grunde genommen an Selbstbewusstsein mangelt. Sie haben ein sehr traditionelles Verständnis von Weiblichkeit und Mutterschaft. Das aufopfernde Ausleben der Mutterrolle wirkt für sie maximal identitätsstiftend, daher sehen sie sich täglich aufs Neue gezwungen, ihre Rolle nach außen hin (insbesondere dem Kindesvater gegenüber) zu verteidigen.“
Quelle: Maternal Gatekeeping – Wenn Papa sich nicht einbringen darf: Machtkampf

GEO Väter„Der Vater, der seine Rolle im Familienkarussell immer noch nicht gefunden zu haben scheint, hat schlechte Karten, wenn es um seine Positionierung innerhalb des Dreiecks Vater-Mutter-Kind geht. Vor allem dann, wenn die Mutter vollends in ihrer Rolle aufgeht. Sie bürdet sich jegliche Verantwortung für das Kind auf die eigenen Schultern und lehnt jegliche Unterstützung von der väterlichen Seite her ab. Ja, noch mehr – sie wehrt sich oftmals ganz aktiv dagegen, indem sie den Mann quasi in Erziehungsfragen kastriert.“
Quelle: Vaterfreuden – Papa kann‘s auch – wenn Mama ihn lässt

„Unter dem Begriff Maternal Gatekeeping (mütterliches Türstehen) wird dieses Phänomen seit gut zwanzig Jahren wissenschaftlich untersucht. Einer US-Studie der Brigham Young University aus dem Jahre 1999 zufolge sollen etwa 20 bis 25 Prozent aller verheirateten Frauen in die Kategorie der Maternal Gatekeeper fallen. Eine spätere, deutsche Langzeitstudie des Familien- und Sozialforschers Professor Wassilios Fthenakis kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Etwa jede fünfte Frau behindert durch ihr blockierendes Verhalten den väterlichen Einsatz im Familienleben.“
http://www.vafk-koeln.de/vaeterinfo/maternal-gatekeeping-wenn-die-mutter-dem-vater-das-kind-vorenthaelt

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Hinweis: Dieser Beitrag soll niemanden diskreditieren oder verletzen. Es versucht Zusammenhänge deutlich zu machen und subjektive Beobachtungen einzuordnen.

Autor: Papalapapi

Meine Tochter kam im Mai 2009 gesund und munter zur Welt. Sie ist der süßeste Goldschatz, den es gibt. Mich beschäftigt das gesellschaftliche und persönliche Thema der Vaterschaft und der Familie. Ich selbst bin Spätgebärender ...

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