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Buchbesprechung: Generation Beziehungsunfähig!

, so heißt das von Michael Nast (40, öfter mal Single), das gerade reißenden Absatz findet. Der Autor auf Lesereise füllt locker große Auditorien und ist beinahe ein Popstar. Warum findet er so viel Gehör? Ist es en vogue beziehungsgestört oder gar beziehungsunfähig zu sein? Was wäre so anziehend an dem Thema, wenn die Leser sich nicht direkt betroffen fühlten? In gewisser Weise wirft das Büchlein mehr Fragen auf, als es beantwortet. Aber die Antworten, die es gibt, sind nicht von der Hand zu weisen.

Nur, wie gesagt, ist das meine zentrale Frage: Was zieht die Menschen, vor allem Frauen natürlich („80% junge Frauen, 20% “), in Scharen zu den Lesungen aus Generation Beziehungsunfähig? Was erhoffen die sich von dem Buch? Doch nicht etwa Unterhaltung? Aber Selbsterkenntnis? Oder holen sie sich das Gefühl ab, verstanden zu werden und nicht alleine zu sein? Warum sind es gerade junge Frauen, die Michael Nast das Buch förmlich aus den Händen reißen? Sind es die Weisheiten, Erkenntnisse und Sprüche, die hier teilweise fett gedruckt sind, aber nicht wirklich neu sind? Ja, in der Zusammenballung sind sie schon erhellend, aber manchmal auch einfach nur banal. Aber das sage ich, der ja viel älter ist. Was ist also in den jungen Menschen gefahren, dass sie glauben, nicht mehr oder nicht genug beziehungsfähig zu sein? Was ist so geheimnisvoll daran, ernsthaft eine zu einem anderen Menschen einzugehen? Müssen wir alle auf die Couch? Also nicht vor den Fernseher, sonder auf die eines Psychiaters?

Eigentlich kein schlechter Schachzug von dem Autor. Seine Liebessorgen dürfte er vorerst los sein. Erfolgreiche Menschen, zu dem noch Literaten, können sich vor Weibern kaum retten. Und er wird sich die Perlen schon rauspicken. Denn wenn sich jemand mit dem Thema Beziehung und Beziehungsunfähigkeit schon beschäftigt, ist das mindestens die halbe Miete für eine erfolgreiche .

Es ist aber nicht so, wie es manchem erscheinen mag, dass es überwiegend die Männer sind, die sich nicht binden mögen. Ich kenne gleich eine ganze Reihe von Frauen, die erhebliche Schwierigkeiten haben, eine gesunde Partnerbeziehung einzugehen. Dabei ist es nicht wirklich ersichtlich, woran das liegen mag. Das Buch nennt Ansätze, versucht, Abhilfe zu leisten.

Michael Nast – Generation Beziehungsunfähig (Buchtrailer)

Es geht nicht nur um Beziehung, es geht um das ganz normale moderne, beschädigte Leben

„Weshalb wir uns gegenseitig als beziehungsunfähig bezeichnen, wie tinder unsere Partnersuche verändert und warum wir uns immer wieder selbst in den Mittelpunkt stellen, ohne Rücksicht auf Verluste. „Generation Beziehungsunfähig“ hält uns einen vor. Ganz ohne Bewertung ermutigt das Buch uns chronische Selbstoptimierer und Perfektionisten dazu, unseren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen. Ein augenöffnendes wie anregendes Buch, das sich liest wie ein Gespräch mit dem besten Freund.“

Michael Nast reißt in seinem Buch viele Themen an. Persönliche, politische, arbeitstechnische, freizeitliche. Dabei macht allein das Inhaltsverzeichnis Lust, sich den Dingen zu stellen: Illusion perfekte , Berufung Beruf, Dreißig ist das neue Zwanzig, Religion Selbstoptimierung. Und Unterkapitel, die die neokapitalistischen Plattitüden, die ganze Generationen verunsichern zum Thema haben: Der neue Mann, Du musst dein Ändern leben, Männer reifen/Frauen welken, Ein Volk von Legasthenikern, die Bedeutung eines „Zuletzte Online“, Nicht ohne meinen Therapeuten, Diagnose: Beziehungsunfähig …

Es sind dies Themen, mit denen auch nicht mich schon länger beschäftige und die ich versuche zu reflektieren. Nichts Neues also und schon gar nicht exklusiv für die Generation der Twentysomethings.

Buch: Generation Beziehungsunfähig„Wir sind Schüler von heute, die in Schulen von gestern von Lehrern von vorgestern mit Methoden aus den Anfängen der industriellen Revolution auf die Probleme von übermorgen vorbereitet werden.“ Ein stechender Satz, der auch von Gerald Hüther stammen könnte und eine wichtige Erkenntnis auf den Punkt bringt. Oder dieser Satz einer Seite weiter: „Die heutigen Zeiten erfordern es geradezu, dass man nicht mehr funktioniert. Dass man aufbegehrt und den Erwartungen nicht entspricht.“ Ganz genau. Beide erscheinen im Fettdruck im Buch, wie dieses hier auch: „Ein Job ist heutzutage mehr als nur ein Job, ein Beruf hat den Anspruch einer Berufung“. Wie wahr und wie … fruchtbar.

„Wir wissen, dass alles noch viel besser werden kann. Bis es perfekt ist. Das Problem mit dem Perfekten ist allerdings, dass man diesen Zustand nie erreicht.“ Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, aber offenbar muss man diese einfache Wahrheit wie ein Mantra immer wieder wiederholen, bis man es begriffen hat. So wirkt es hier jedenfalls.

Ja, es ist gut gemacht das Buch und sehr gut zu lesen. Es ist leicht, gut strukturiert, inhaltsstark, wenn auch hier und dort ein wenig flach. Seltsam auch, wenn der 40-Jährige Nast Fragen aufwirft, die sein 24-Jähriges Hauptpublikum noch gar nicht haben dürfte. Oder ist das schon Symptom der neuen Zeit? Ja, beim Lesen des Buchs drängt sich mir die Frage auf, wo sie geblieben ist, die gute alte Zeit, als Beziehungen noch ein Leben lang hielten, man sich den Zwängen mehr oder weniger erfolgreich entziehen konnte, als man früher erwachsen werden musste und dennoch weniger Verantwortung trug, nämlich nicht die ganze Last des Weltuntergangs, als das Böse in Form der BILD und der Amerikaner klar erkennbar und bekämpfbar war. Aber damit beschäftigt sich dieses Buch nicht, wäre auch zu viel verlangt.

Nein, Generation Beziehungsunfähig ist ein sinnvolles Buch, es bietet aber keine wirklich neuen, originellen Erkenntnisse. Zumindest für die, die schon unterwegs sind die Dinge durchschauen zu wollen und Bewusstseinsarbeit zu leisten. Und so ist auch Michael Nast Aufruf am Schluss des Buches, die Ursachen der Krankheit zu erkennen und zu behandeln, und nicht die Symptome, wenn auch richtig, so doch altbacken und simpel. Ist es denn so, dass man das noch nicht begriffen hat, dass die junge Generation da noch nicht hintergestiegen ist? Wenn dem so ist, dass ist es gut, dass es dieses Buch gibt.

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Thema: Gesellschaft

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